mini|Heutiges Eingangsportal zum Ekō-Tempel mini|Nenbutsu-Halle mini|Nenbutsu-Halle mit Amida-Statue Ekō-in (jap. , dt. „Halle der karmischen Verdienstübertragung“) ist ein buddhistischer Tempel der „Schule des Reinen Landes“ (Jōdo-shū) im Tokyoter Stadtviertel Ryōgoku. Der Name weist auf die karmische Barmherzigkeit des Amida (Amithaba) hin, die dieser allen Lebewesen zuteilwerden lässt (skr. Pariṇāmanā, jap. ekō).

Geschichte Am 2. März 1657im japanischen Kalender der 18. Tag des 1. Monats der Devise Meireki brach in Edo (heute Tokyo) der Meireki-Großbrand aus, der mehr als die Hälfte der Stadt in Asche aufgehen ließ und um die 100.000 Einwohner tötete.Die Kunde von diesem Großbrand gelangte über das Tagebuch von Zacharias Wagener, der mit seiner Entourage die Katastrophe überlebte, nach Europa, wo sie durch die „Gedenkwaerdige Gesantschappen […] aen de Kaisaren wan Japan“ des Arnoldus Montanus verbreitet wurde. Da die meisten Opfer keinen überlebenden Angehörigen hatten, der die Bestattung wahrnehmen konnte, gab der Shogun Tokugawa Ietsuna am Ostufer des Sumida-Flusses ein Grundstück von rund 900 × 900 m frei, wo man die sterblichen Überreste beerdigte und einen „Grabhügel der Zehntausend“ (Banninzuka) errichtete. Mit der Leitung wurde der Priester Jun’yo Jōjin () des Zōjō-Tempels (Zōjō-ji) beauftragt, der auch die Gedenk- und Tröstungszeremonien durchführte. Die von Jun’yo errichtete Anbetungshalle Ekō-in diente fortan der Seelentröstung all jener Lebewesen, die ohne Angehörige das Zeitliche segnen (, muenbotoke), darunter neben Opfern von Katastrophen und Unfällen auch Hingerichtete und Tiere (Pferde, Hunde, Katzen, Vögel usw.).

1793 wurde hier auf Anordnung des mächtigen Reichsrates Matsudaira Sadanobu ein „Wasserkinder-Hügel“ (, mizukozuka) zur Bestattung und Tröstung der Seelen von Totgeburten und abgetriebenen Kindern errichtet. Dies gilt als Beginn der „Wasserkinder-Tröstungen“ (, mizuko-kuyō) in Japan.

Auch zogen Statuen der barmherzigen Kanzeon (Avalokiteshvara) sowie der Glücksgöttin Benzaiten die Bevölkerung an. Überdies wurden seit etwa Mitte der Edo-Zeit hier Statuen und Bilder aus anderen namhaften Tempeln, die als „Geheim-Buddhas“ (, hibutsu, hizō) eingeschreint bzw. abgedeckt waren, für eine gewisse Zeit ausgeliehen und öffentlich gemacht. So sollen anlässlich der 60 Tage dauernden „Externen Vorhangsöffnung“ (, de-kaichō) des berühmten Buddhas aus dem Senkō-Tempel (Senkō-ji)Dieser Buddha gilt als der älteste überhaupt in Japan. von Nagano im Jahre 1778 mehrere Millionen Gläubige zum Tempel gepilgert sein.2013 stellte man zur Unterstützung der Opfer des Erdbebens und der Tsunami in Ostjapan (2011) erneut dieselbe Statue des Senkō-Tempels aus.

Die Hauptgottheit des Ekō-in, ein sitzender Amida aus Bronze, stand einst vor der Haupthalle im Freien als sogenannter „Nass-Buddha“ (, nurebotoke). Sie wurde im Jahre 1705 von Kamaya Rokuemon (, Spitzname Kamaroku) gegossen.

Sumō Im September 1785 fand im Areal des Tempels mit Erlaubnis der Regierung erstmals eine Sumō-Ringkampfveranstaltung zur Sammlung von Spenden statt. Fortan diente er als Ort für „Wohltätigkeitsringen“ (, kanjinzumo) in Edo. Zwischen 1833 und 1909 wurden alle Turniere Edos hier durchgeführt. Nach 1909 nutzte man die in der Nähe errichtete „Nationalsporthalle Ryōgoku“, die später durch das heute genutzte Gebäude ersetzt wurde. 1937 errichtete der Japanische Sumōverband im Tempelgelände einen „Krafthügel“ (, chikarazuka) zum Gedenken an verstorbene Ringer.

Grabstätten Auf dem Gelände des Tempels finden sich Grabstätten bekannter Persönlichkeiten wie des Jōruri-Sängers und Begründers eines eigenen Stils Takemoto Gidayū (, 1651–1714), des Schriftstellers und Ukiyo-e-Künstlers Santō Kyōden (, 1761–1816) und des als „Kleiner Maus-Bub“ (Nezumi kozō) beliebten diebischen Volkshelden Nakamura Jirōkichi (, 1797–1832).

Gebäude Die Tempelgebäude wurden im Laufe ihrer Geschichte durch die häufigen Brände in Edo mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Im 20. Jahrhundert verursachte das Große Kantō-Erdbeben 1923 schwere Schäden. Die Luftangriffe auf Tokyo gegen Ende des Zweiten Weltkriegs trieben den Tempel erneut in eine Existenzkrise.

Die jetzige, im Jahr 2013 fertiggestellte Anbetungshalle (, nenbutsudō) wurde von dem Architekten Kawahara Yutaka () in einem modernen Stil entworfen, der hier und dort die einstigen Formen zitiert.

Weblinks

Webseite des Tempels (japanisch) Tempelanlage in einem Holzschnitt von Utagawa Hiroshige (1842)

Literatur Ekō-in: Ekō-in yurai-ki. Tōkyō: Ekō-in, 1937 () Watanabe Makoto / Kikuchi Tōta: Ekō-in shi. Tōkyō: Ekō-in, 1992 ()

Belege und Anmerkungen

Kategorie:Buddhistischer Tempel in der Präfektur Tokio Kategorie:Bauwerk in Sumida Kategorie:Japanische Gartenkunst Kategorie:Amitabha-Buddhismus Kategorie:Sumō