Die Europäische Formel-5000-Meisterschaft 1969, die im Hinblick auf den Seriensponsor auch als Guards F 5000 Championship 1969 bezeichnet wurde, war die erste Saison der neu etablierten Europäischen Formel-5000-Meisterschaft. Sie umfasste 12 Rennen, die in der Zeit vom 4. April bis zum 28. September 1969 ausgetragen wurden. Abgesehen von drei Rennen in Belgien, Deutschland und den Niederlanden fanden alle Rennen auf britischen und irischen Strecken statt. Der für das Church Farm Racing Team fahrende britische Pilot Peter Gethin und der Surtees-Werksfahrer Trevor Taylor dominierten die Meisterschaft. Jeder der beiden gewann vier Rennen. Der erste Meistertitel ging an Gethin, obwohl er nur an acht der zwölf Rennen teilgenommen hatte.
Hintergrund Die Formel 5000 geht auf die US-amerikanische Rennklasse Formel A zurück. Der Sports Car Club of America (SCCA) hatte diese Formel 1965 als nordamerikanisches Pendant zur Formel 1 eingeführt. Ihr Reglement entsprach zunächst der damaligen Formel 1. Um das Starterfeld zu vergrößern, ließ der SCCA ab 1968 in der Formel A Motoren mit einem Hubraum von bis zu 5,0 Litern (5000 cm³) zu.Derek Lawson: Formula 5000 Motor Racing: Back Then …And Back Now, Veloce Publishing 2010, ISBN 978-1-84584-216-1, S. 8. Die erweiterte Formel A erwies sich in den USA als erfolgreich: Bereits 1968 ging die nach dieser Formel ausgerichtete SCCA Continental Championship über acht Rennen und hatte mehr als 20 regelmäßige Teilnehmer. Weltweit entstanden daraufhin Bestrebungen, das Konzept dieser Serie für andere Regionen zu übernehmen. In Europa gingen diese Überlegungen maßgeblich auf den Rennwagenhersteller Motor Racing Developments (MRD) zurück, der den Formel-1-Rennstall Brabham betrieb und zu dieser Zeit Eigentümer der britischen Rennstrecke Brands Hatch war. Der MRD-Manager John Webb sah darin eine Möglichkeit, einen zusätzlichen Markt für die eigenen Rennwagen zu schaffen und zudem den Kurs von Brands Hatch durch zusätzliche Rennveranstaltungen besser auszulasten. 1969 wurde erstmals die Europäische Formel-5000-Meisterschaft ausgetragen.
Überblick
Reglement Das Motorenreglement orientierte sich an der US-amerikanischen Formula A. Zugelassen waren Achtzylindermotoren, deren Basis in Großserientriebwerken hatten. Der Hubraum war auf 5,0 Liter (302 Kubikzoll) Hubraum begrenzt. Vorgeschrieben war eine untenliegende Nockenwelle und eine Ventilsteuerung über Stößel oder Stoßstangen. Veränderungen an den serienmäßigen Zylinderblöcken, Zylinderköpfen und Nockenwellen waren nicht erlaubt. Um ein möglichst großes Starterfeld zu erreichen, waren im Debütjahr daneben auch reine Rennmotoren mit einem Hubraum von maximal 2,0 Litern zugelassen. Damit nahmen die Organisatoren Bezug auf die in Europa beliebte Formel 2. Im Folgejahr entfiel diese Öffnung.Wolfgang Klopfer: Formula 5000 in Europe. Books on Demand 2004, ISBN 978-3-8334-0545-7, S. 7.
Das technische Reglement der Formel 5000 entsprach bezüglich des Chassis weitgehend dem der Formel 1.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 274. Die Dimensionen der Autos waren den zeitgenössischen Formel-1-Wagen sehr ähnlich. Auch hinsichtlich aerodynamischer Hilfsmittel folgte die Formel 5000 der Formel 1. Zu Saisonbeginn waren die Autos in beiden Serien vielfach mit hohen, teilweise verstellbaren Flügeln versehen; einige Chassis hatten hinten und vorne derartige Spoiler. In der Formel 1 wurden die hohen Spoiler ab dem Großen Preis von Monaco (18. Mai 1969) aus Sicherheitsgründen verboten. Die Formel 5000 übernahm diese Entwicklung zeitnah: Nach dem vierten Saisonrennen in Mallory Park waren hoch stehende Spoiler auch hier nicht mehr zugelassen.Derek Lawson: Formula 5000 Motor Racing: Back Then… And Back Now, Veloce Publishing 2010, ISBN 978-1-84584-216-1, S. 26.
Das Mindestgewicht der Autos war von der Motorisierung abhängig. Bei den Autos mit Achtzylindermotoren betrug es 567 kg (1250 Pfund), bei den kleinen Zweiliterwagen nur 431 kg (950 Pfund), jeweils ohne Fahrer und Benzin.
Teams und Konstrukteure mini|Das am weitesten verbreitete Auto der Saison: Lola T142 mini|Auto des ersten Europameisters: McLaren M10 Im Gegensatz zur Formel 1 war es in der Formel 5000 nicht üblich, dass die Teams ihre Autos selbst konstruierten. Diverse Hersteller lieferten Chassis an unabhängige Kundenteams.
Lediglich Surtees trat 1969 mit einem Werksteam in der Formel-5000-Meisterschaft an.
Daneben gab es einzelne vom Werk unterstützte Kundenteams:
McLaren lieferte den M10 an das Church Farm Racing Team, das der Stiefvater des Rennfahrers Derek Bell betrieb und mit diesem in erster Linie in der Formel-2-Europameisterschaft engagiert war. Für den Einsatz in der Formel 5000, den Peter Gethin bestritt, erhielt Church Farm Racing 1969 technische und finanzielle Unterstützung von McLaren, sodass es den Status eines Quasi-Werksteams hatte.Derek Lawson: Formula 5000 Motor Racing: Back Then …And Back Now, Veloce Publishing 2010, ISBN 978-1-84584-216-1, S. 12. Church Farm war das einzige Team, das 1969 durchgängig ein McLaren-Chassis einsetzte. Lola Cars war zunächst als reiner Chassislieferant in der Formel 5000 engagiert. Lola bot den T142 an, der weitgehend baugleich mit dem für die US-amerikanische Formula A entwickelten T140 war. Er war das am weitesten verbreitete Fahrzeug in der Saison 1969. Im Frühsommer 1969 begann Lola, das britische Team Epstein Cuthbert Racing werksseitig zu unterstützen, das nach dem Tod von Paul Hawkins aus dem Rennstall Paul Hawkins Racing hervorgegangen war und mit dem ehemaligen Motorradweltmeister Mike Hailwood an den Start ging. Lola lieferte bevorzugte Chassisteile an Epstein Cuthbert und übernahm auch die Vorbereitung des Chevrolet-Motors.Wolfgang Klopfer: Formula 5000 in Europe. Books on Demand 2004, ISBN 978-3-8334-0545-7, S. 8.
Hinzu kamen einzelne Wagen von Brabham, BRM und Lotus. Daneben wurden einige Unikate und Eigenbauten gemeldet. Hierzu gehörte der allradgetriebene Hepworth FF 4WD, den der Konstrukteur David Hepworth bei zwei Rennen mit unterschiedlichen Motoren für Bev Bond und Tony Lanfranchi an den Start brachte. Beim letzten Rennen der Saison debütierte Coopers letzter neu entwickelter Rennwagen, der T90. Bob Waters meldete zu zwei Rennen einen Wagen vom Typ Conchord; das Auto verwendete zahlreiche gebrauchte Teile eines Lotus 30 und des Lotus 40 und hatte einen 4,7 Liter großen Achtzylindermotor von Ford. Beobachter beschrieben das Auto als „Desaster“.Zu Bob Waters und dem Conchord s. die Statistik zum Rennen in Mallory Park auf der Internetseite www.oldracingcars.com (dort Anm. 6).
Motoren 1969 wurden überwiegend US-amerikanische Achtzylindermotoren von Chevrolet eingesetzt. Die 5,0 Liter großen Einheiten basierten auf den Small-Block-Motoren, die in Chevrolets Seriensportwagen Camaro Z28 eingesetzt wurden. Je nach Bearbeitungsstufe hatten sie entweder Vergaser oder eine mechanische Benzineinspritzung. Ihre Leistung lag zwischen 430 und 465 SAE-HP. In einem Fall wurde ein ähnlicher Motor von Chevrolets Konzernschwester Oldsmobile eingesetzt.
Eine Reihe von Teams setzte 1969 statt Chevrolets Achtzylinder einen 4,7 Liter großen Motor von Ford ein. Das Triebwerk kam ursprünglich im Sportwagen Ford GT40 zum Einsatz und leistete im Renntrimm zwischen 350 und 375 SAE-PS.
Bei den Formel-2-Motoren, die 1969 zum Einsatz kamen, handelte es sich ganz regelmäßig um Konstruktionen von Ford bzw. Cosworth (Typ FVA) mit vier Zylindern. Sie basierten auf einem Großserienblock, den Ford für den Einsatz in der Limousine Cortina entwickelt hatte. Anders als bei den großen Achtzylindermotoren waren hier tiefgreifende Veränderungen gegenüber den Serienkonstruktionen zulässig. Die Ford- bzw. Cosworth-Motoren hatten üblicherweise zwei obenliegende Nockenwellen und vier Ventile pro Zylinder. Ihre Leistung lag bei etwa 220 bhp. In einem Fall kam außerdem ein Vierzylindermotor von BMW (Typ M10) zum Einsatz.
Teams und Fahrer
Formel-5000-Autos
Team Chassis Motor Nr. Fahrer Rennen Lola T142Chevrolet V8 2 1, 4 3 5Sid Taylor Racing meldete Alan Rollinson für das fünfte Saisonrennen in Silverstone in einem Lola-Chevrolet. Rollinson bestritt das Zeittraining dieses Laufs mit Taylors Lola. Allerdings beschädigte er den Chevrolet-Motor durch Überdrehen so stark, dass der Achtzylinder im Rennen nicht eingesetzt werden konnte. Da Sid Taylor keinen Ersatzmotor zur Verfügung hatte, konnte Rollison mit dem Lola nicht starten. Für das Rennen wechselte Rollinson zum Irish Racing Cars Team, das ihm einen Formel-2-Brabham zur Verfügung stellte. Mit diesem Wagen fuhr Rollinson auch beim sechsten Saisonrennen in Mallory Park. Ab dem siebten Saisonrennen im belgischen Koksijde fuhr Rollinson einen Formel-5000-Lola für das D.H. Hardwick Racing Team. Paul Hawkins Racing wurde von dem australischen Rennfahrer Paul Hawkins gegründet und betrieben. Nachdem Hawkins am 26. Mai 1969 tödlich verunglückt war, übernahmen Jack Epstein und Nick Cuthbert den Rennstall und führten ihn mit anderen Fahrern unter der Bezeichnung Epstein Cuthbert Racing fort. Vgl. Wolfgang Klopfer: Formula 5000 in Europe. Books on Demand 2004, ISBN 978-3-8334-0545-7, S. 8. Lola T142 Chevrolet V8 3 6–12 Lola T142 Chevrolet V8 4 1–12 Lotus 43 Ford V8 5 1–5 Lotus 24 Ford V8 5 7–8 Lola T140 Chevrolet V8 6 3, 5 McLaren M10A Chevrolet V8 7 1–5, 10–12 BRM P83 Ford V8 8 4 Lola T142 Chevrolet V8 9 1–6, 9, 11 BRP 2 Ford V8 26 7–12 McLaren M2B Oldsmobile V8 11 2 Surtees TS5 Chevrolet V8 14 1–7 15 1, 2, 4, 6 3, 5, 7–8 16 8 Lola T142 Chevrolet V8 17 1–12 Hepworth FF 4WD Chevrolet V8 18 1 Oldsmobile V8 3 Lola T142 Chevrolet V8 21 1–2, 4 3 BRM P83 Ford V8 22 7–8, 10–12 Surtees TS5 Chevrolet V8 25 9–12 Lola T142 Chevrolet V8 33 7–12 Cooper T66 Ford V8 36 3, 10, 12 7–8, 11 Lola T142 Chevrolet V8 37 1–2 Conchord Ford V8 47 5, 9 Lola T142 Chevrolet V8 63 1–12 Lotus 43 Ford V8 69 1–6, 10 Lola T142 Chevrolet V8 77 1–5 7–9, 11–12 BRM P261 BRM V8 78 1–5 Lotus 42B Chevrolet V8 85 2 Lola 24 Chevrolet V8 88 1–5 Lola T60 Ford V8 92 4–6 Kitchiner K3 Ford V8 99 9–12 Cooper T90 Chevrolet V8 12
Formel-2-Autos
Team Chassis Motor Nr. Fahrer Rennen Lola T60 Ford 2 6 Lotus 22 Ford 6 6 Lotus 35 Ford 7 6 Cooper Mk.3 Ford 8 6 Brabham BT23 Cosworth 10 6 Brabham BT30 11 5–6 Brabham BT18 Ford 16 6 Lola T100 Ford 22 6 Brabham BT15 Ford 26 6 Brabham BT30 Cosworth 78 8 Lola T60 Ford 89 4–5, 8-11 Brabham BT16 Ford 91 4–5, 9, 11–12 Brabham BT23 Ford 90 9 Brabham BT14 Ford 93 5, 9, 11–12 Chevron B10 Ford 93 9, 11 Chevron B10 BMW M10 94 9, 11 Lola T55 Ford 11
Rennkalender Die erste Saison der Europäischen Formel-5000-Meisterschaft umfasste 12 Meisterschaftsrennen. Sie wurden überwiegend in zwei aufeinander folgenden Läufen ausgetragen, deren Ergebnisse jeweils addiert wurden. Daneben gab es mehrere Rennen ohne Meisterschaftsstatus.