Geographisches Makedonien zentriert|250px|Die aktuelle geographische Region von Makedonien wird nicht offiziell durch irgendeine internationale Organisation oder einen Staat definiert. Im historischen Kontext umfasst sie Teile von fünf heutigen Ländern: Albanien, Bulgarien, Griechenland, Nordmazedonien und Serbien.Heutige Aufteilung:   Griechisches Makedonien (im Süden)   Nordmazedonien (im Nordwesten)   Bulgarisches Makedonien (im Nordosten)

  Kleinere Gebiete:   Pustec und Golloborda (Albanien)   Gora (Kosovo)<br />   Prohor Pčinjski (Serbien)

Makedonien oder Mazedonien (; und ; ; ; ) ist ein geographisches und historisches Gebiet auf der südlichen Balkanhalbinsel.

Heute umfasst das Gebiet die Region Makedonien in Nord-Griechenland, die Republik Nordmazedonien sowie die Oblast Blagoewgrad in Südwest-Bulgarien. Weitere kleinere Teile gehören zu Süd-Kosovo, Süd-Serbien und Südost-Albanien.

Die Größe des als Makedonien bezeichneten Gebietes änderte sich mehrmals im Lauf der Geschichte, seit das antike Königreich Makedonien Gestalt annahm und expandierte. Im Mittelalter und im Osmanischen Reich war der Name Makedonien für diese Region außer Gebrauch. Erst mit dem Erstarken des Philhellenismus und des griechischen Nationalismus Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er wiederbelebt.Richard Clogg: Minorities in Greece: Aspects of a Plural Society. C. Hurst & Co. Publishers, 2002, ISBN 1850657068, S. 160.Dimitar Bechev: Historical Dictionary of the Republic of Macedonia, Scarecrow Press, 2009, ISBN 0810862956, Introduction, pp. VII–VIII.Jelavich Barbara: History of the Balkans, Band 2: Twentieth Century, 1983, Cambridge University Press, ISBN 0521274591, S. 91. Er diente nun zur Bezeichnung einer geographischen Region und wurde auf Landkarten eingetragen.John Breuilly (Hrsg.): The Oxford Handbook of the History of Nationalism, Oxford University Press, 2013, ISBN 0-19-920919-7, S. 192. Zitat: „The ancient name ‚Macedonia‘ disappeared during the period of Ottoman rule and was only restored in the nineteenth century originally as geographical term.“ (engl.) Das damalige Verständnis der Ausdehnung von Makedonien entsprach ungefähr dem heutigen. Die Balkankriege von 1912/13 beendeten die Herrschaft des Osmanischen Reiches und führten zur Aufteilung des Gebiets auf verschiedene Staaten.

Geschichte Altertum (ca. 1400 v. Chr. bis 600 n. Chr.) mini|Der Stern von Vergina soll das Emblem der makedonischen Königsdynastie zur Zeit Philipps II. und Alexanders des Großen gewesen sein.

Die Frage, wie „griechisch“ die antiken Makedonen waren, hat auch heute noch politische Brisanz.Vgl. einleitend zur Diskussion Peter van Nuffelen: Sind die Makedonen Griechen? Über Nationalismus und Forschungsgeschichte. In: Martin Lindner (Hrsg.): Antikenrezeption 2013 n. Chr. Heidelberg 2013, S. 89–106. Viele heutige Griechen erheben den Anspruch, Alexander der Große und die übrigen Makedonen seien Hellenen, und Makedonien sei damals wie heute ein Teil Griechenlands gewesen, weshalb die Selbstbezeichnung des modernen, slawisch geprägten Staates Nordmazedonien als Makedonien bzw. Mazedonien vielfach als Provokation empfunden wird. Dies beeinflusst auch die wissenschaftliche Diskussion.

Das Gebiet des späteren Makedonien war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Einer umstrittenen Forschungsansicht zufolge sind die Makedonen gemeinsam mit den Nordwestgriechen um 1200 v. Chr. in das Gebiet eingewandert und haben sich dort angesiedelt. Einige antike Historiker beschreiben die Makedonen hingegen als eine Mischbevölkerung aus Phrygern, Thrakern und Illyrern, die nicht als ein griechischer Stamm eingewandert seien. Viele Forscher sehen die antiken Makedonen als nordgriechischen Stamm an, der sich aufgrund enger Kontakte zu Thrakern und Illyrern kulturell von den übrigen Griechen unterschied, doch wird dies nach wie vor von einer großen Minderheit bezweifelt, die darauf hinweist, dass antike Quellen bis zu Strabon die Makedonen oftmals ausdrücklich nicht als Griechen betrachteten, sondern als Barbaren (siehe unten), oder in ihrer Einordnung schwankten. Es gibt Argumente für beide Positionen: So hielt ein Autor wie Hesiod die Makedonen für einen griechischen Stamm, doch zugleich war den Makedonen bis zum Beginn des Hellenismus die Teilnahme an panhellenischen Wettkämpfen wie insbesondere den Olympischen Spielen untersagt; lediglich für die makedonische Königsdynastie der Argeaden machte man eine Ausnahme. Umgekehrt hatte noch im späten 4. Jahrhundert v. Chr. Eumenes von Kardia mit Akzeptanzproblemen bei seinen makedonischen Soldaten zu kämpfen, da sich diese nicht von einem Griechen kommandieren lassen wollten.Diodor 18,60.

Auch über die makedonische Sprache gibt es unterschiedliche Auffassungen, denn die Quellenlage ist unergiebig, und vielleicht starb das Makedonische bereits in der Antike aus. Die Makedonen sprachen eine indogermanische Sprache, die wahrscheinlich zum „Westzweig“ des Balkanindogermanischen zu rechnen ist und mit dem Griechischen zumindest verwandt war. Diese Auffassung ist unter Sprach- und Geschichtswissenschaftlern – etwa Ivo Hajnal, Hermann Bengtson, Nicholas G. Hammond und Robert Malcolm Errington – die verbreitete Ansicht.

Vor dem 19. Jahrhundert gab es niemals einen griechischen Nationalstaat, sondern die durch gemeinsame Kultur, Religion und Sprache verbundene Gemeinschaft der griechischen Klein- und Stadtstaaten. Von besonderer Bedeutung war daher die bereits erwähnte Teilnahme von Angehörigen des makedonischen Königshauses an den Olympischen Spielen, die in klassischer Zeit nur Griechen gestattet war. Sie ist erstmals für König Alexander I. bezeugt, der um 500 v. Chr., noch vor seinem Regierungsantritt, als junger Mann in Olympia zugelassen wurde, da er die dortigen Priester überzeugen konnte, er sei Nachfahre von Herakles und Achilleus und daher Grieche. 408 v. Chr. siegte das Viergespann des makedonischen Königs Archelaos I. im olympischen Wagenrennen. Diese Anerkennung des Griechentums bezog sich aber, wie gesagt, ausschließlich auf die Königsfamilie, nicht auf die Makedonen als Volk. Dies verdeutlicht auch die Rede an den Makedonenkönig Philipp II., die der Athener Isokrates im Jahr 346 veröffentlichte und dem Herrscher übersandte. Darin erklärt er, Philipps Vorfahren hätten als Griechen die Herrschaft über ein nichtgriechisches Volk, die Makedonen, errungen; für dieses barbarische Volk sei eine Monarchie angemessen, von Griechen hingegen werde diese Herrschaftsform grundsätzlich nicht ertragen, denn Barbaren müsse man zwingen, Griechen hingegen überzeugen.Isokrates: Rede an Philipp 105–108; siehe dazu Hilmar Kehl: Die Monarchie im politischen Denken des Isokrates. Bonn 1962, S. 97–104; Klaus Bringmann: Studien zu den politischen Ideen des Isokrates. Göttingen 1965, S. 96–102. All dies deutet darauf hin, dass die antiken Makedonen aus Sicht der Zeitgenossen eine Art „Halbbarbaren“ waren, denen man je nach Kontext und Intention ihr Griechentum absprechen konnte. Die Frage, ob die Makedonen Griechen waren, ist daher beim heutigen Forschungsstand nicht abschließend zu beantworten, auch wenn Forscher wie Hans-Ulrich Wiemer überzeugt sind, dass sie Griechen gewesen seien, denen aber besonders in athenischen Quellen (vor allem bei Demosthenes) aus politischen Gründen das Hellenentum abgesprochen worden sei.

mini|Philipp II., König Makedoniens (359–336 v. Chr.) mini|Das Makedonische Reich unter Philipp II.

Lange war Makedonien nur eine unbedeutende Region. Den Grundstein zur Großmachtstellung legte erst König Archelaos I. (413–399 v. Chr.). Unter seiner Herrschaft zog es viele griechische Gelehrte und Künstler an seinen Hof. Ein weiterer bedeutender König war Perdikkas II., ein Zeitgenosse des Thrakerkönigs Sitalkes. Zur führenden Macht im antiken Griechenland wurde Makedonien binnen weniger Jahre jedoch erst ab 356 v. Chr. durch König Philipp II. Er konnte Ober- und Niedermakedonien erstmals fest verbinden, indem er mehrere makedonische Kleinkönige unterwarf und ihre Kinder als Geiseln an seinem Hof erziehen ließ; er organisierte auch das Heer neu und begann, den makedonischen Einflussbereich durch Eroberungen und Unterwerfungen auszuweiten. Die Ausweitung des makedonischen Herrschaftsbereichs unter Philipp II. brachte das Königreich Makedonien rasch in Konflikt mit Athen, das seine Interessen im nördlichen Ägäisraum (Erzbergbau am Pangeo-Gebirge, Siedlungen und Handelsstützpunkte auf der Chalkidiki) gefährdet sah. Erschwerend kam hinzu, dass die Vorgänger Philipps II. im Peloponnesischen Krieg von 431 bis 404 v. Chr. mit dem athenischen Kriegsgegner Sparta teilweise koaliert hatten. Das Königreich Makedonien war allerdings anfangs nicht unumstrittener Herrscher in der Region. Der Chalkidikische Bund, ein griechischer Städtebund unter der Führung der Polis Olynth, konnte Anteile von Makedonien (Anthemoundas-Tal am Thermaischen Golf und Mygdonia) erobern und bedrohte zeitweilig sogar Pella, ohne dieses allerdings belagern oder angreifen zu können. Philipp II. führte aufgrund dieser Interessenkonflikte anfangs eine vorsichtige, taktierende Außenpolitik mit zum Teil wechselnden Bündnissen, die ihm im Endeffekt eine Konsolidierung und nachfolgend eine Ausdehnung seines Machtbereichs erlaubten. Der Konflikt mit Athen wurde mit der Einnahme von Amphipolis östlich des erzführenden Pangeo-Gebirges durch makedonische Truppen unter Philipp II. offensichtlich. Die Versuche Athens, vor allem des Politikers (Demagogen) Demosthenes, im Konflikt des Zweiten Olynthischen Kriegs 350 bis 348 v. Chr. zugunsten von Makedoniens Gegner, dem Chalkidikischen Bund unter der Führung von Olynth, einzugreifen, waren unzureichend und zu spät. Philipp II. zerstörte 348 v. Chr. Olynth, löste den Chalkidikischen Bund auf und hatte hiernach „den Rücken für eine Auseinandersetzung mit den griechischen Stadtstaaten frei.“

Wiederum eröffnete Philipp II. nicht direkt einen Feldzug gegen die griechischen Poleis, sondern verschaffte sich mit seinem Eingreifen in den Dritten Heiligen Krieg der delphischen Amphiktyonie, eines religiösen Bundes der griechischen Stadtstaaten, Respekt und Anerkennung sowie einen Sitz im Rat der Amphiktyonie. Den Sitz im Amphiktyonenrat mit zwei Stimmen erhielt er für sich persönlich aufgrund seiner Verdienste, nicht als Vertreter der Makedonen, die weiterhin im Unterschied zur Königsfamilie nicht als Griechen anerkannt waren.Kehl (1962) S. 97f. Trotz dieser Integration Philipps als „Grieche“ blieben die Spannungen zwischen ihm und Athen sowie den anderen griechischen Stadtstaaten, teilweise mit der Ausnahme von Theben, bestehen. Unter athenischer Führung erhoben sich die griechischen Stadtstaaten gegen die drohende makedonische Hegemonie über das gesamte Gebiet Griechenlands, wurden jedoch 338 v. Chr. in der Schlacht von Chaironeia von den Makedonen unter der Führung Philipps II. und seines Sohnes Alexander besiegt.

Der Makedonenkönig vereinte nun die zersplitterten und meist zerstrittenen griechischen Stadtstaaten im Korinthischen Bund auf der Basis eines Allgemeinen Friedens und schuf damit erstmals in der Geschichte ein geeintes Griechenland, mit Ausnahme nur Spartas und der griechischen Kolonien im westlichen Mittelmeer. Ungeachtet dieser Einigung schrieb der Korinthische Bund die Heeresfolge der griechischen Stadtstaaten gegenüber Philipp II. und dem Königreich Makedonien fest, was zugleich Sinnbild der makedonischen Hegemonie über die griechischen Stadtstaaten war. An der damaligen makedonischen Nordgrenze eroberte Philipp II. die Landschaft Lynkestis (entspricht der Region um die Prespaseen).