Madrid ( [], []) ist die Hauptstadt Spaniens und der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Sie ist (ohne Vororte) mit Einwohnern (Stand: ) nach Berlin die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union und die größte Stadt Südeuropas. Die Metropolregion Madrid zählt mit etwa sieben Millionen Einwohnern zu den größten Metropolregionen Europas.

Madrid ist seit Jahrhunderten der geographische, politische und kulturelle Mittelpunkt Spaniens (siehe Kastilien) und der Sitz der spanischen Regierung. Hier residieren auch der König, ein Erzbischof sowie wichtige Verwaltungs- und Militärbehörden. Als Handels- und Finanzzentrum hat die Stadt nationale und internationale Bedeutung. In Madrid befinden sich sechs öffentliche Universitäten sowie weitere Hochschulen, Theater, Museen und Kultureinrichtungen. Die Einwohner Madrids nennt man „Madrilenen“ (spanisch madrileños) oder „Madrider“.

Geographie und Klima Geographische Lage mini|rechts|Palacio Real. Schneefall tritt in Madrid im Winter sporadisch auf. Madrid befindet sich im Zentrum Spaniens auf und ist damit die höchstgelegene Hauptstadt der Europäischen Union und nach Andorra la Vella die zweithöchstgelegene Hauptstadt Europas. Die vom kleinen Fluss Manzanares durchflossene Stadt gehört zur historischen Landschaft Kastilien und liegt inmitten der Meseta, der Hochebene von Kastilien. Nordwestlich der Stadt erheben sich die Berge der Sierra de Guadarrama, die im Peñalara bis 2.429 m hoch aufragen. Nach Osten öffnet sich das Tal des Henares, in dem Eisenbahnstrecken und Autobahnen nach Saragossa und Barcelona verlaufen. Etwa 70 km südlich, am Tajo, liegt die alte kastilische Hauptstadt Toledo, die heute Hauptstadt der autonomen Region Castilla-La Mancha ist.

Klima Durch seine Höhenlage auf 657 Meter über dem Meeresspiegel und das kontinentale Klima sind die Sommer in Madrid heißer und trockener, die Winter jedoch deutlich kälter als in den Städten am Mittelmeer. Die durchschnittliche Temperatur im Januar liegt bei etwa 6,1 °C, im Juli bei etwa 24,2 °C. Schneefall tritt jeden Winter sporadisch auf und Nachtfröste sind häufig. Starke Schneefälle gab es im März 1971, Februar 1984 und Januar 2021.

Geschichte Der Name Madrids Obwohl Madrid spätestens seit dem 9. Jahrhundert existiert, da dort womöglich bereits eine vormaurische Siedlung existierte, sind aus dieser Zeit kaum Spuren erhalten. Der Erstbeleg für den Namen Madrid stammt aus arabischen Quellen (Ibn Ḥayyān al-Qurṭubī, Muqtabis; al-Ḥimyarī, Kitab ar-rawd al Mi'tar) und lautet . Einige Autoren haben versucht, diesen Namen etymologisch herzuleiten, teils aus dem Arabischen, teils, unter der Annahme einer präexistenten Siedlung aus der Westgotenzeit, aus dem Frühromanischen, womöglich auch dem Romance Andalusí.

Als arabisches Etymon wird das Wort zugrunde gelegt, das Kanal, Wasserleitung oder Flussbett bedeuten kann. Als lateinisches Etymon wird matricem (Akk. von matrix, „Gebärmutter“) angenommen, was hier mit „Quelle (eines Baches)“ übersetzt wird. Dies habe in seiner mozarabischen Form matrič gelautet. Da beide Etyma sich auf das Wasser beziehen und ähnlich klingen, ist auch der Gedanke aufgebracht worden, dass es sich um eine romanisch-arabische Hybridbildung handeln könne.

Madrid als Teil von al-Andalus und Zeit der Reconquista Nach 854 wurde unter dem Emir Muhammad (852 bis 886) eine maurische Festung (alcázar) an der Stelle der heutigen Almudena-Kathedrale errichtet. Der im frühen 11. Jahrhundert in Córdoba verstorbene Astronom Maslama ibn Aḥmad al-Maǧrīṭī wurde nachweislich seiner nisba in Madrid geboren. 1083 wurde Madrid im Rahmen der sogenannten Reconquista vom Königreich Kastilien erobert, jedoch noch 1109 von dem Almoravidenherrscher Ali ibn Yusuf erfolglos belagert. Ein kleiner Teil der aus der Zeit der maurischen Herrschaft über Spanien stammenden Stadtmauern ist neben der Kathedrale immer noch vorhanden. 1309 wurde unter Fernando IV. die Ständeversammlung (Cortes) des Königreichs Kastilien erstmals nach Madrid einberufen.

Am 21. Februar 2011 wurden die Ausgrabungsarbeiten in der Umgebung des Königspalastes (Palacio Real) abgeschlossen. Von Wohnhäusern aus dem neunten Jahrhundert hatte man keine Spuren gefunden. Gebäudereste aus dem zwölften Jahrhundert stellen vielmehr die ältesten Zeugen für eine städtische Ansiedlung dar. Die leitende Archäologin Esther Andréu leitete daraus ab, dass Madrid als Siedlung erst in der christlichen Epoche gegründet wurde und zuvor lediglich ein maurischer Militärstützpunkt gewesen sei. Dies wurde von anderer Seite mit dem Hinweis auf mehrere Brunnen, Silos und eine Kanalisation aus der Umayyadenzeit zurückgewiesen.

Das Madrid der Habsburger und Bourbonen: Hauptstadt Spaniens 1561 verlegte Philipp II. den königlichen Hof von Valladolid nach Madrid, womit der Aufstieg der Stadt begann. Sie wurde faktisch zur Hauptstadt Spaniens, was sie abgesehen von einer kleinen Unterbrechung von 1601 bis 1606 (Valladolid) bis zum heutigen Tag ist. Der Teil von Madrid, der unter den Spanischen Habsburgern errichtet wurde, nennt sich bis heute „El Madrid de los Austrias“ (Das Madrid der Habsburger). In dieser Zeit wurden die Puerta del Sol, das Kloster der Descalzas Reales, der Palacio de Uceda, die Plaza de la Villa, die Plaza Mayor sowie die Colegiata de San Isidro erbaut.

1701 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus, der 1706 zur englisch-portugiesischen Besetzung der Stadt führte. Er endete 1714 mit der Übernahme des spanischen Throns durch die Bourbonen. Unter ihrer Herrschaft entstand der heutige Königspalast. Insbesondere in der Regierungszeit Karls III., der deswegen im Volksmund auch als der „beste Bürgermeister von Madrid“ bezeichnet wird, wurden die öffentliche Infrastruktur der Stadt (Straßen, Plätze, Parks, Wasserversorgung etc.) modernisiert und zahlreiche öffentliche Bauten errichtet.

19. Jahrhundert während des Unabhängigkeitskrieges und nach der bourbonischen Restauration mini|links|Francisco de Goya: Aufstand vom 2. Mai 1808 mini|Historische Karte (um 1890)

Von 1808 bis 1813 war Madrid von den Franzosen besetzt, wobei Napoleons Bruder Joseph Bonaparte zum König ernannt wurde. Die Besatzer ließen Klöster und ganze Stadtviertel niederreißen, um neuen Platz zu schaffen. Mit dem blutig niedergeschlagenen Aufstand vom 2. Mai 1808 wurden weitere Erhebungen im gesamten Land hervorgerufen, in Madrid ist der 2. Mai daher heute arbeitsfreier Stadtfeiertag. Pepe Botella oder El Rey Plazuela, wie Joseph wegen seines Alkoholismus und des Rückbaus von Klöstern und Kirchen zugunsten offener Plätze bespöttelt wurde, floh bereits 1812 aus Madrid.

Von 1833 bis 1876 wurden die drei Karlistenkriege ausgetragen. Dabei wütete auch eine Choleraepidemie in Madrid. 1873 wurde die erste Republik durch den liberalen Politiker und Schriftsteller Emilio Castelar ausgerufen.

20. Jahrhundert: Bürgerkrieg, Diktatur und Transición mini|hochkant|Francisco Franco, Diktator Spaniens von 1936/39 bis 1975, ließ Madrid nach dem Ende des Bürgerkriegs teilweise durch Zwangsarbeiter wiederaufbauen und umgestalten

Darf dem Diplomaten José Rojas y Moreno (1893–1973) geglaubt werden, so war Madrid bis in die 1920er Jahre eine „Luxusstadt“, eine Stadt, in der Aristokraten, Diplomaten und Regierungsbeamte nur konsumierten, aber nichts produzierten. Diese Verhältnisse habe der Zustrom arbeitswilliger Menschen aus der Provinz jedoch grundlegend verändert. Im Mai 1920 wurde die Trauerfeier um den Stierkämpfer José Gómez Ortega zum Massenereignis. 1923 folgte die Militärdiktatur unter General Miguel Primo de Rivera. Am 14. April 1931 wurde in Madrid die Zweite Republik ausgerufen. Im Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 war Madrid bis zuletzt, und zwar bis zum 28. März 1939, republikanisch und erlitt durch deutsche und italienische Bombardements schwere Zerstörungen (Belagerung von Madrid). Für den Durchhaltewillen der republikanischen Madrilenen war auch der Sieg am Manzanares während der Belagerung von Madrid von Bedeutung. Alfred Brauner, zusammen mit dem ungarischen Fotografen Dezvo Reval, berichtete ab dem September 1937 für die Zeitung L’Œuvre über das Leid der Kinder in der belagerten Stadt.

Nachdem sich die Putschisten unter Generalissimus Francisco Franco, der ab 1940 offiziell im königlichen und privat im Palast El Pardo residierte, durchgesetzt hatten, prägte dessen franquistische Diktatur bis 1975 die Stadt architektonisch, wirtschaftlich und demografisch. Nach den Zerstörungen durch die Belagerung während des Bürgerkriegs wurde es nach dessen Plänen wieder aufgebaut bzw. die durch den Bürgerkrieg unvollendeten Umgestaltungen der von Franco bekämpften Zweiten Republik, etwa die Nuevos Ministerios, wurden fertiggestellt. Nach dem Plan de Estabilización 1959, der Spanien einen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte, wuchsen auch immer mehr Wolkenkratzer in die Höhe – ein Trend, der bis zur Finanzkrise 2007 anhielt. Zwischen 1900 und 1980 versechsfachte sich die Stadtbevölkerung durch die Landflucht vieler Spanier, die aus den ländlichen Regionen des Landes nach Madrid zogen, von etwa 500.000 auf etwa drei Millionen Einwohner. 1965 bis 1973 fanden zahlreiche Streiks und Studentenproteste statt. Bereits in den 1950er Jahren war Madrid ein Zentrum des studentischen Widerstandes gegen die Diktatur.

Nach dem Tod Francos im Jahr 1975 wurde Juan Carlos I. König und leitete die Demokratisierung (Transición) ein, die jedoch am 23. Februar 1981 (23-F) durch einen Putschversuch von Offizieren der Guardia Civil und des Militärs noch einmal gefährdet wurde. Einige davon hatten schon bei der Operación Galaxia 1978 mitgemacht. In den Straßen von Madrid demonstrierten über 1 Million Menschen für die Demokratie.

Im Januar 1977 schlug in der sogenannten Schwarzen Woche ihrerseits die maoistische Gruppe GRAPO in Madrid zu. Am 14. Juli 1986 starben zwölf Menschen bei einem Bombenanschlag der ETA gegen die Guardia civil. Indes entdeckten die jungen Menschen die neu gewonnene Freiheit in der Kulturbewegung Movida madrileña. 1992 war Madrid „Kulturstadt Europas“. Erst 1993 wurde die Kathedrale des Erzbistums Madrid Santa María la Real de La Almudena fertiggestellt.

21. Jahrhundert: eine moderne europäische Stadt Am 11. März 2004 wurden bei islamistisch motivierten Terroranschlägen auf vier voll besetzte Nahverkehrszüge und den Bahnhof Atocha 191 Menschen getötet. Der Anschlag kostete die bürgerliche PP, die die Schuld auf die baskische Separatistenorganisation ETA abwälzen wollte, die Macht und führte zu einem Wahlerfolg der sozialdemokratischen PSOE. Die Regierung unter José María Aznar wollte als Teil der Koalition der Willigen wenige Tage vor der Wahl keine Spekulationen über den Zusammenhang zwischen der von ihr beschlossenen Teilnahme am Irakkrieg und den Anschlägen von Atocha aufkommen lassen. Nach dem Beginn der Weltfinanzkrise, von der Spanien durch das Platzen der Immobilienblase im Jahre 2007 besonders betroffen war, hat sich aus Demonstrationen gegen den Sparkurs der Regierung Rajoy (recortes) ein linkspopulistisches Bündnis namens Podemos etabliert, das auch Manuela Carmena als Bürgermeisterin mit einem links-ökologischen Programm ins Amt (2015–2019) brachte.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungsentwicklungvon Madrid Datum Einwohner 1897 510.616 1900 540.109 1910 556.958 1920 728.937 1930 863.958 1940 1.096.466 1950 1.527.894 1960 2.177.123 1970 3.120.941 1981 3.158.818 1991 2.909.792 2011 3.198.645 2015 3.141.991 2022 3.280.78220253.506.730

Die Bevölkerung wuchs seit der Erhebung Madrids zur Hauptstadt Spaniens im 16. Jahrhundert kontinuierlich an und erreichte in den 1970er-Jahren mit über 3,1 Millionen Einwohnern ihr heutiges Niveau.

Religion Die Bevölkerung von Madrid ist mehrheitlich römisch-katholisch. Das Territorium des Erzbistums Madrid entspricht im Wesentlichen dem Gebiet der Hauptstadt.