mini|hochkant=1.25|Haus A (Ansicht der Hauptfassade vom Schulhof aus)

Das Primo-Levi-Gymnasium ist ein staatliches Gymnasium im Ortsteil Weißensee des Berliner Bezirks Pankow.

Geschichte Das Gymnasium befindet sich an zwei Standorten in historischen Schulgebäuden. Haus B in der Woelckpromenade 38 wurde im Jahr 1910 eröffnet, Haus A in der Pistoriusstraße 133 im Jahr 1927. Die einzeln entstandenen Lerneinrichtungen wurden 2007 unter dem neuen Namen vereinigt.

Im Haus B, das im Laufe seines Bestehens sechs verschiedene Namen trug, befindet sich das Direktorat. Haus A erhielt ebenfalls mehrfach andere Namen.

Von 1908 bis zum Ende des Nationalsozialismus Haus B

Das Schulgebäude in der Woelckpromenade wurde 1908–1910 nach Plänen von Carl James Bühring als Teil des geplanten Gemeindeforums Weißensee errichtet. Es sollte die bereits bestehende Realschule ersetzen. Nach seiner Fertigstellung eröffnete hier das Reform-Realgymnasium nebst Realschule und die Zentralvorschule für Knaben und Mädchen der höheren Lehranstalten. Auch im Jahr 1935 weist das Berliner Adressbuch das Reform-Realgymnasium und Oberrealschule (für Knaben) unter der Adresse Woelckpromenade 38 aus. Die Höhere Lehranstalt für Mädchen war nun das Städtische Oberlyzeum, und in dem Schulgebäude Pistoriusstraße 132–137 befand sich zudem die 3. Volksschule Weißensee.

In der Nazi-Zeit beherbergte das Schulhaus weiterhin das Realreformgymnasium sowie die Günther-Roß-Schule, letztere benannt nach dem Studienassessor Roß, einem SA-Mann und Mitglied des NS-Lehrerbundes, der an der Schule gewirkt hatte. Er war bei politischen Auseinandersetzungen im Jahr 1932 getötet worden. Die Namensverleihung fand am 15. November 1933 statt.

Haus A

Das Schulgebäude in der Pistoriusstraße entstand nach Bauplänen von Joseph Tiedemann; es wurde 1927 als Oberlyzeum mit zwei nach Geschlechtern getrennten Mittelschulen eingeweiht. Die Bauarbeiten dauerten von August 1926 bis April 1928 und kosteten samt der Ausstattung 1,2 Millionen Reichsmark. Hier konnten 600 Schüler unterrichtet werden.

Von 1940 bis 1945 trug die Lerneinrichtung den Namen Clara-Schumann Schule und ehrte die Komponistin Clara Schumann. Im Gebäude befanden sich die zur 5. Volksschule zusammengefassten ehemaligen beiden Mittelschulen.

1945 bis zum Ende der DDR Haus B

Nach Kriegsende 1945 entstand in der Woelckpromenade zunächst eine Oberschule für Jungen und eine Oberschule für Mädchen. Ab dem Schuljahr 1946/47 wurden die Schülerinnen und Schüler erstmals gemeinsam unterrichtet. 1951 erhielt der neusprachliche Zweig der Schule den Namen Johannes-R.-Becher-Oberschule nach dem Dichter Johannes R. Becher, der mathematisch-naturwissenschaftliche Zweig den Namen 2. Oberschule Weißensee. Im Jahr 1960 wurde daraus die Erweiterte Oberschule „Paul Oestreich“, benannt nach dem Reformpädagogen Paul Oestreich. Sie hatte ca. 700 Schüler.

Haus A

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude in der Pistoriusstraße in den Jahren 1946/1947 als Seuchenstation. Im Jahr 1947 wurde daraus wieder eine Schule, die 10. Grundschule Weißensee, dann mit der Schaffung von polytechnischen Oberschulen ab 1959 die 1. Oberschule Weißensee. Seit Anfang der 1980er Jahre hieß sie 1. Oberschule „Erich Boltze“ nach dem Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Erich Boltze.

Seit 1990 Haus B

Nach Neustrukturierung aller Verwaltungseinheiten infolge des Mauerfalls und dem Zusammenwachsen Berlins änderte die neue Bezirksverwaltung 1993 den Namen Paul-Oestreich-Oberschule zurück auf Bühring-Gymnasium.

Haus A

Die Schule in der Pistoriusstraße trug von 1994 bis zur Fusion im Jahr 2007 den Namen Wieland-Herzfelde-Oberschule nach dem Schriftsteller und Verleger Wieland Herzfelde.

Seit 2007 Häuser A und B

Seit der Zusammenlegung des Bühring-Gymnasiums mit der Wieland-Herzfelde-Oberschule im Jahr 2007 heißt die Bildungseinrichtung nun Primo-Levi-Gymnasium, Haus A und Haus B nach dem italienischen Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden Primo Levi.

Für beide Häuser steht eine Turnhalle mit angeschlossenen Freiflächen für Leichtathletik oder Ballspiele östlich von Haus B bereit.

Schulprofil Im Schuljahr 2025/26 hat die Schule 1336 Schüler. Von ihnen haben 14,1 Prozent eine nichtdeutsche Herkunftssprache.

MINT-EC-Schule Das Primo-Levi-Gymnasium ist Teil des nationalen Excellence-Schulnetzwerks MINT-EC von Schulen mit Sekundarstufe II und ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Neben zahlreichen Aktivitäten im MINT-Bereich ist am Primo-Levi-Gymnasium das Netzwerk Schülerforschung Pankow beheimatet.

Bilingualer Unterricht Seit dem Schuljahr 2012/2013 werden an der Schule jährlich ein bis zwei bilinguale deutsch-englische Klassen eingerichtet. Dabei erhalten die Schüler in den Klassen 5 bis 8 verstärkten Englischunterricht, ab der Klassenstufe 7 wird das Fach Biologie auf Englisch mit einer Zusatzstunde unterrichtet, das Fach Geschichte wird ab der Klassenstufe 9 mit einer Zusatzstunde unterrichtet.

Blockunterricht mit Fachraumprinzip Am Primo-Levi-Gymnasium haben die Klassen (mit Ausnahme der 5. und 6. Klassen) kein festes Klassenzimmer, stattdessen gilt das Fachraumprinzip. Dabei hat jedes Fach bzw. jede Lehrkraft ein eigenes Klassenzimmer, das die nötigen Unterrichtsmaterialien enthält. Um zu viele zeitraubende Raumwechsel der Klassen zu vermeiden, wird meist in Unterrichtsblöcken von zwei regulären Unterrichtsstunden unterrichtet.

FSJ-Projekt Seit dem Schuljahr 2006/07 absolviert jeweils ein junger Mensch ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) am Primo-Levi-Gymnasium mit dem Ziel, durch seine Arbeit die Beteiligungsmöglichkeiten von jungen Menschen an der Schule zu stärken. Zu den Aufgaben des FSJlers zählt neben der Unterstützung der Schülervertretung und der Förderung von Projekten aus der Schülerschaft auch die Organisation eigener Projekte am Primo-Levi-Gymnasium. Das Büro des FSJlers befindet sich im Schülerklub. Finanziell ermöglicht wird das FSJ durch den schulischen Förderverein.

Schülerklub Im Haus B des Primo-Levi-Gymnasiums befindet sich ein Schülerklub, der vom FSJler in Unterstützung von engagierten Schülern verwaltet und gestaltet wird. Die ehemalige Hausmeisterwohnung wurde im Jahr 2007 auf Initiative des Fördervereins und der Schülervertretung zur allgemeinen Benutzung hergerichtet und bietet neben einem Kickerzimmer und zahlreichen Sofas auch einige Computer und Schreibtische zum Erledigen von Hausaufgaben. In Pausen, Freistunden und nach Schulende haben die Schüler die Möglichkeit, sich im Schülerklub aufzuhalten. Dort finden auch häufig Veranstaltungen statt, die von den Schülern oder dem FSJler organisiert werden, unter anderem Kickerturniere, Pokerturniere und Filmabende.

Projekte und Veranstaltungen Primo hilft „Primo hilft“ ist eine seit September 2015 bestehende Initiative zur Unterstützung von Schülern der Willkommensklassen und Bewohnern der nahegelegenen Flüchtlingsunterkunft. Die Mitglieder setzen sich auch mit der politischen Lage Deutschlands hinsichtlich der Flüchtlingssituation auseinander. Sie treffen sich jeden zweiten Freitag im Schülerklub. Gemeinsam haben sie bis jetzt bereits Gutscheine gespendet, Patenschaften organisiert, politische Diskussionen etwa mittels ausgehängten Transparenten angeregt sowie Freizeitangebote geschaffen. Sie wollen weiterhin zur Integration von Geflüchteten an ihrer Schule beitragen.

Jugend debattiert Das Primo-Levi-Gymnasium unterstützt die schuleigenen Teilnehmer des bundesweiten Wettbewerbs „Jugend debattiert“ und schult diese im Bereich Rhetorik. Bei einer jährlich stattfindenden Fahrt können sich Schüler aus den Jahrgangsstufen 8 und 9 auf den Wettbewerb vorbereiten. In einem anschließenden schulinternen Wettbewerb können sich die Schüler für den berlinweiten Wettbewerb von „Jugend debattiert“ qualifizieren. Dabei wird zwischen der Altersgruppe 1 (Klasse 8+9) und der Altersgruppe 2 (Klasse 11+12) unterschieden. Schüler aus der 10. Klasse können nicht am Wettbewerb teilnehmen.

Tag der offenen Tür Jedes Jahr im Januar lädt das Primo-Levi-Gymnasium zum Tag der offenen Tür ein. Dort haben Interessierte die Möglichkeit, die Schule und ihre Fachbereiche näher kennenzulernen.

PRIMUN Bei PRIMUN (Primo Levi Model United Nations) handelt es sich um ein 2008 initialisiertes englischsprachiges Planspiel zur Nachstellung der Prozesse in Vereinten Nationen, dass jährlich vom Fachbereich durch einen Zusatzkurs in Klasse 11 und dem sich anschließenden PRIMUN Club organisiert wird.

Für das Projekt müssen sich Schüler mit Ländern und deren politischen Standpunkten auseinandersetzen, Positionen für diese ausarbeiten und diese auf Englisch vertreten. Während des dreitägigen Planspiels im Januar jeden Jahres wird in Komitees mit ca. 25 Personen debattiert. Zum Auftakt und zum Ende des Projekts finden zudem große Runden im Plenum mit ca. 200 Teilnehmenden statt. Von einem Redaktionsteam werden die Erlebnisse der drei Tage mit einem Video und kurzen täglichen Zeitungen dokumentiert.

Die Technik AG erstellt im Rahmen der Konferenz ein sogenanntes Aftermovie, welches die Ereignisse der Konferenz zusammenfasst.

Schülervertretung Die Gesamtschülervertretung (GSV) des Primo-Levi-Gymnasiums trifft sich ca. einmal im Monat im Schülerklub, um aktuelle Themen zu besprechen. Geleitet wird die Gesamtschülervertretung vom Schülersprecher und seinen drei Stellvertretern. Diese werden von einem Schulparlament, das aus zehn engagierten Schülern aus Unter- und Oberstufe besteht, unterstützt. Einmal im Jahr findet zudem eine Schülervertretungsfahrt statt, bei der vor allem spezifische Projekte geplant werden. Seit 2020er Jahren engagiert sich die Schülervertretung vor allem in der Geflüchtetenhilfe.

Schulförderverein Der Förderverein des Primo-Levi-Gymnasiums, 1993 als Schulförderverein der damaligen Bühring-Oberschule gegründet, ist seit 2007 der Förderverein des neu fusionierten Primo-Levi-Gymnasiums. Er hat circa 150 Mitglieder (Stand Schuljahr 2023/2024). Ein ehrenamtliches Team aus ca. 20 Personen – Eltern, Lehrer wie auch eine große Zahl aktueller und ehemaliger Schüler – organisiert und unterstützt zahlreiche Veranstaltungen in und um das Primo-Levi-Gymnasium sowohl finanziell als auch ideell und personell.Website des Schulfördervereins des Primo-Levi-Gymnasiums Neben seinen Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert sich der Schulförderverein durch die Verwaltung und Vermietung von Schließfächern in den beiden Schulgebäuden. Die größten Ausgabeposten sind, neben der Förderung von Projekten und Fahrten, die Finanzierung des Schulfests und des FSJ-Programms sowie die Unterstützung des Schülerklubs.

Veranstaltungen In der Adventszeit findet alljährlich ein großes Weihnachtskonzert in der Aula von Haus B statt, das vom Fachbereich Musik gestaltet wird. Dort treten neben dem Schulorchester und dem Schulchor die Schulbands und zahlreiche Klassen und Kurse mit eigenen musikalischen Beiträgen auf.

Beim Leseabend tragen Schüler, Eltern und Lehrer vor Publikum selbstgeschriebene Texte vor. Häufig werden die Veranstaltungen auch durch einen musikalischen Beitrag begleitet. Die Texte der Leseabende werden im Anschluss als kleines Büchlein veröffentlicht. Der Leseabend findet ein bis zweimal im Schuljahr statt und wird von Schülern, dem FSJler und dem Förderverein organisiert.

Alljährlich findet am Primo-Levi-Gymnasium ein Wissenschaftsabend für Grundschüler und deren Erziehungsberechtigte statt. Ältere Schüler führen dort gemeinsam mit den Kindern naturwissenschaftliche Experimente durch mit dem Ziel, das generelle Interesse für Naturwissenschaften beim Nachwuchs zu fördern.