Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wurden vom 6. bis 19. August 2016 im Olympic Equestrian Centre auf der Anlage des Deodoro Military Clubs sechs Entscheidungen im Reitsport ausgetragen. Das Programm umfasste jeweils eine Einzel- und eine Mannschaftsentscheidung im Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiten. Das Programm ist im Vergleich zu 2012 weitgehend unverändert, die Anzahl der Reiter pro Mannschaft änderte sich jedoch in Dressur und Vielseitigkeit. Frauen und Männer treten traditionell gemeinsam an.
Änderungen im Programm mini|hochkant=1.3|Die olympische Reitanlage von Deodoro Während für die Olympischen Spiele 2020 über weitreichende Änderungen für den Reitsportwettbewerbe vorgesehen sind,FEI-Generalversammlung: Olympische Zukunft im Mittelpunkt, St. Georg, 13. November 2015 war das Programm der Spiele 2016 im Vergleich zu den vorherigen Sommerspielen kaum verändert.
Nachdem die Anzahl der Mannschaftsreiter in der Dressur bei den Sommerspielen 2008 und 2012 auf drei gesenkt worden war, wurde diese für 2016 wieder auf bis zu vier Reiter erhöht. Unverändert gingen die Ergebnisse der drei besten Mannschaftsreiter in das Ergebnis einer Equipe ein. Die Mannschaftswertung ermittelten die Dressurreiter erneut im Grand Prix de Dressage und im Grand Prix Spécial. Dabei wurde in Rio de Janeiro wieder der klassische Grand Prix Spécial ausgeritten, in London war vier Jahre zuvor nur ein verkürzter Grand Prix Spécial als Aufgabe ausgewählt worden.Dressur bei den Olympischen Spielen in Rio auf der Internetseite der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
Bauverzögerungen und Seuchenschutz Nachdem im Jahr die 2007 die Panamerikanischen Spiele in Rio de Janeiro ausgetragen wurden, konnte für die olympischen Reitsportwettbewerbe auf die für die Panamerikanischen Spiele errichteten Sportstätten zurückgegriffen werden. Die Reitanlagen wurden nochmals umgebaut. Hierbei kam es im Januar/Februar 2016 zu 20-tägigen Unterbrechung der Bauarbeiten, da die beauftragte Baufirma aufgrund von Bauverzögerungen und Nichteinhaltung von Fristen gekündigt wurde. Anschließend konnten die Bauarbeiten wieder aufgenommen, so mussten die Unterkünfte für die Pferdepfleger und die Tierklinik noch fertiggestellt werden.Ende des Baustopps an den Olympia-Anlagen für Reiten und Tennis, Sport-Informations-Dienst, 15. Februar 2016
Nach den Panamerikanischen Spielen 2007 hatte das brasilianische Militär die Reitanlage genutzt. Bereits Anfang 2015, rechtzeitig vor Beginn der Testprüfungen hatte man aus Quarantäne- und Seuchenschutzgründen die bislang am Veranstaltungsort beheimateten Pferde sowie die Pferde, die auf dem Weg vom Flughafen zur Sportstätte beheimatet sind, aus der Region entfernt. Grund hierfür war, dass Brasilien als Rotz-Verbreitungsgebiet gilt und nur so Deodoro als seuchenfrei gelten konnte.
Dennoch wurde im April 2015 bei mindestens zwei Pferden auf der olympischen Reitsportanlage Rotz diagnostiziert. Dies wurde jedoch erst im August des Jahres öffentlich, eine Meldung an die Weltorganisation für Tiergesundheit sollte erst wenig später im Rahmen einer halbjährlichen Meldung erfolgen.Olympische Reitsportanlage unter Rotzverdacht, Jan Tönjes / St. Georg, 5. August 2015
Im Oktober 2015 drohte das endgültige Aus für die olympischen Reitwettbewerbe in Rio: Zwischen dem Weltpferdesportverband FEI und dem brasilianischen Landwirtschaftsministerium kam es zu Unstimmigkeiten bezüglich der Einfuhrbestimmungen der Pferde. Die FEI forderte eine schnellere Abwicklung der Veterinäruntersuchungen, um Stress und Belastung für die Pferde so gering wie möglich zu halten. Daher erwog man, die Reitsportwettbewerbe (wie bei den Olympischen Sommerspielen 1956 an einen anderen Veranstaltungsort außerhalb Brasiliens) auszulagern. Gut einen Monat später wurde nach Gesprächen zwischen Europäischer Union und Brasilien bekanntgegeben, dass die Probleme gelöst seien.Olympische Spiele in Rio ohne Reitbewerbe?, Pferderevue, 8. Oktober 2015Olympia: Unstimmigkeiten beseitigt, Rio kann kommen, St. Georg, 1. November 2015
Wettbewerbe und Zeitplan Wettbewerbe und Zeitplan ReitsportAnnex F – 2016 Olympic Competition Timetable August Wettbewerbe 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. Dressur Einzel 18px Dressur Mannschaft 18px Springen Einzel 18px Springen Mannschaft 18px Vielseitigkeit Einzel 18px Vielseitigkeit Mannschaft 18px
Vielseitigkeit Erneut eröffneten die Vielseitigkeitsreiter das Pferdesportprogramm bei den Olympischen Spielen. Schon einen Tag nach der Eröffnungsfeier, am 6. August, legten die ersten Reiter den Grundstein für ihr Einzel- und Mannschaftsergebnis. Das Programm entspricht den großen klassischen „Three day events“, die – entgegen ihrem Namen – vier Tage andauern. Die Mannschaften umfassten im Gegensatz zu den vorherigen Olympischen Spielen nur noch vier statt fünf Reiter, so dass den Equipen nur ein statt zwei Streichergebnisse zur Verfügung standen.
Die Dressurphase wurde am 6. und 7. August jeweils von 10 bis 16 Uhr durchgeführt. Einen Tag später ging es für alle Vielseitigkeitsreiter und -pferde auf die Geländestrecke, den Höhepunkt einer jeden Vielseitigkeitsprüfung. Als Zeitrahmen hierfür waren fünf Stunden von 10 bis 15 Uhr Ortszeit vorgesehen.
Am 9. August wartete auf die Teilnehmer zunächst der zweite Vet-Check (Veterinärmedizinische Untersuchung, der erste Vet-Check fand bereits am Tag vor der ersten Teilprüfung statt). Anschließend ging es in die Springphase. Diese letzte Teilprüfung war in zwei Teile geteilt: Zunächst ging es in ein Mannschaftsspringen. Hierbei handelt es sich um einen etwa 600 Meter lagen Springparcours mit 11 bis 12 höchstens 125 cm hohe Hindernisse (maximal 16 Sprünge). Der olympischen Regel geschuldet, dass keine zwei Medaillen für dieselbe Leistung vergeben werden sollen, traten die besten 25 Einzelreiter nochmals in einem verkürzten Springkurs an. Die Höhe der Hindernisse betrug hier bis zu 130 cm. (PDF)
Die drei russischen Vielseitigkeitsreiter wurden vom Weltpferdesportverband FEI nicht gesperrt, siehe Olympische Sommerspiele 2016/Teilnehmer (Russland)#Reiten.
Teilprüfung Dressur Die deutschen Bundestrainer schickten bereits am ersten der zwei Dressurtage die beiden favorisierten deutschen Paare an den Start. Am Vormittag trat mit Sandra Auffarth und Opgun Louvo ein im Regelfall in Dressur sehr starkes Paar an, Auffarth leistete sich jedoch einige Fehler und kam auf 41,60 Minuspunkte. Michael Jung musste nach einem Galoppwelchselfehler durchparieren. Er kam mit Sam auf 40,90 Minuspunkte, was in etwa seinem Ergebnis von London 2012 entspricht (damals 40,60 Minuspunkte).Deutschland in der Vielseitigkeit nach Tag eins in Führung!, Reiter Revue International, 6. August 2016 Am Vormittag des zweiten Tages erfüllte Julia Krajewski bei ihrem ersten internationalen Championat ihre eigenen Erwartungen und blieb unter 45 Minuspunkten.Rio 2016: Julia Krajewski: Wir wollen doch die Kirche im Dorf lassen, Thomas Borgmann für reitturniere.de, 6. August 2016 Zum Abschluss der Dressurprüfung sicherte Ingrid Klimke der deutschen Equipe die Führung in der Mannschaftswertung mit einer sehr guten Dressur, für die sie mit Hale Bob OLD 39,50 Punkte erhielt. Mit diesem Ergebnis lag Klimke nach der Dressur auf dem vierten Rang. Glücklich war William Fox-Pitt, der nach einem schweren Sturz im Herbst des Vorjahres erst seit April 2016 wieder an Turnieren teilnimmt und in Rio de Janeiro nach der ersten Teilprüfung in Führung lag.William Fox-Pitt: “Davon habe ich geträumt!”, globalequestriannews.com, 7. August 2016 Mit einem Ergebnis von genau 37 Minuspunkten hatte er einen Vorsprung von über zwei Punkten zum Drittplatzierten Mathieu Lemoine. Christopher Burton kam mit dem Hannoveraner Santano II auf ebenso sehr gute 37,60 Minuspunkte und damit auf den zweiten Platz der Zwischenwertung.
Einzelwertung nach der Dressur: Rang Reiter Pferd MinuspunkteEinzelwertung Vielseitigkeit nach der Dressur 1 Chilli Morning 37,00 2 Santano II 37,60 3 Bart L 39,20 4 Hale Bob OLD 39,50 5 Sam FBW 40,90 6 Qing du Briot 41,00 7 Fletcha van't Verahof 41,10 8 Opgun Louvo 41,60 ... 18 Samourai du Thot 44,80 ... 25 Onfire 46,70 ... 49 Noe des Vatys 51,70
Mannschaftswertung nach der Dressur: Platz Land Reiter und Pferde MinuspunkteMannschaftswertung Vielseitigkeit nach der Dressur (PDF) 1 122,00 Sandra AuffarthOpgun Louvo 41,60 Michael JungSam FBW 40,90 Julia KrajewskiSamourai du Thot (44,80) Ingrid KlimkeHale Bob OLD 39,50 2 122,20 Astier NicolasPiaf de B'Neville 42,00 Karim LaghouagEntebbe (43,40) Thibaut ValletteQing du Briot 41,00 Mathieu LemoineBart L 39,20 3 126,40 Sam GriffithsPaulank Brockagh 46,30 Christopher BurtonSantano II 37,60 Stuart TinneyPluto Mio (56,80) Shane RoseCP Qualified 42,50 4 127,70 Gemma TattersallQuicklook V (47,20) William Fox-PittChilli Morning 37,00 Philippa FunnellBilly the Biz 43,90 Kitty KingCeylor 46.80 5 135,60 Padraig McCarthySimon Porloe 46,80 Clare AbbottEuro Prince 47,00 Jonty EvansCooley Rorkes Drift 41,80 Mark KyleJemilla (50,40)
Teilprüfung Gelände Die Geländestrecke von Rio de Janeiro wurde im Vorfeld als vollwertige 4*-Vielseitigkeit eingeschätzt. Ingrid Klimke verglich die Strecke mit der Geländestrecke der Olympischen Spiele 2000, seitdem hätten es bei Olympischen Spielen keinen so schweren Geländekurs mehr gegeben.Blog 2: Vielseitigkeit-Strecke schwer, Kettensägen-Stewardess und die Frage, ob die Rollkur allmählich aus der Mode kommt, Gabriele Pochhammer, St. Georg, 5. August 2016Rio 2016: Faire und klare Aufgaben im Gelände, Julia Basic / Deutsche Reiterliche Vereinigung, 5. August 2016 Als eine besondere Herausforderung wurde der letzte Wasserkomplex angesehen. Hierbei wurde insbesondere ein im Wasser stehendes Hindernis erwähnt, das als Frosch gestaltet ist. Dieser hob sich mit seiner Farbe wenig vom Wasser ab, zudem handelte es sich um ein festes Hindernis mit harter Oberkante.Olympia: Chris Bartle und die Reiter erklären den Geländekurs der olympischen Vielseitigkeit: Hindernisse 26 bis 30: Bamboo Vertical, Fruit Wagon, Fishermen’s Cottage, Gabriele Pochhammer, St. Georg, 6. August 2016
Die Bodenverhältnisse waren am Geländetag gut und auch die Temperaturen waren mit unter 30 °C gemäßigter als an den Dressurtagen. Die Erwartungen im Bezug auf die Schwierigkeit bestätigten sich, wobei der Kurs mit seinen alternativen Linien an den Hinderniskomplexen auch den schwächeren Startern die Möglichkeit ließ, den Kurs sicher zu beenden. Dennoch kam es zu sechs Stürzen. In der nachträglichen Bewertung führte Klimke auf, der Geländekurs hätte die Pferde mental viel zu stark gefordert, die Alternativen seien durch ständiges Abwenden und Schlengeln für die Pferde auch nicht schöner gewesen.Nachklapp Vielseitigkeit: Krajewski fordert Aufarbeitung – Ingrid Klimke übt starke Kritik, globalequestriannews.com, 11. August 2016
Zusätzlich anspruchsvoll war der Geländekurs durch die erlaubte Zeit, die eng gesteckt war und das Ausnutzen der Alternativwege (fast) zwangsläufig mit Minuspunkten für Zeitüberschreitung bestrafte. In Gelände gab es nur drei Teilnehmern, die in der Zeit in das Ziel kamen: Gleich als zweiter Starter gelang dies dem französischen Mannschaftsreiter Astier Nicolas mit Piaf de B'Neville. Bei den zweiten Mannschaftsreitern folgten mehrere Topfavoriten auf der Startliste direkt hintereinander: Christopher Burton beendete mit dem erst neunjährigen Santano II das Gelände ohne zusätzliche Minuspunkte. Zweiter Starter nach ihm war der nach der Dressur führende William Fox-Pitt, der mit Chilli Morning neben Zeitfehlern auch noch 20 Minuspunkte für eine Verweigerung bekam. Kurz nach ihm bekam Mark Todd lediglich zwei Minuspunkte (fünf Sekunden über der erlaubten Zeit von 10 Minuten und 15 Sekunden). Direkt nach Todd war Michael Jung sogar 15 Sekunden schneller als die erlaubten Zeit (Jung: ).