mini|Blick in die Sammlung (2010) mini|Der Würzburger Vierjahreszeitenaltar, eines der Prunkstücke der Sammlung. Die Antikensammlung des Martin von Wagner Museums ist neben der Gemälde- sowie der Graphiksammlung, die zusammen eine Abteilung bilden, eine der drei Teilsammlungen sowie eine der beiden Abteilungen des Martin von Wagner Museums im Südflügel der Würzburger Residenz. Die öffentlich zugängliche Sammlung ist zugleich universitäre Lehr- und Forschungssammlung und wurde bis 2014 traditionell in Verbindung mit dem Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Universität Würzburg betreut.

Die Sammlung ist die größte ihrer Art in Deutschland. Sie hat wie alle universitären Antikensammlungen einen Schwerpunkt auf der Keramik und beherbergt hier mit mehr als 5000 Stücken die drittgrößte Kollektion in Deutschland.Antikensammlung im Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg Viele dieser Stücke sind von internationaler Bedeutung und erheben die Sammlung in den Rang eines Museums von Weltrang. Neben Werken der Klassischen Antike werden auch Arbeiten anderer Hochkulturen des Altertums, vor allem Altägyptens und Altvorderasiens, aber auch aus Prähistorischer Zeit gesammelt und gezeigt.

Status Die Antikensammlung ist Teil des Martin von Wagner Museums und hat mit Jochen Griesbach wie auch die Neuere Abteilung mit Damian Dombrowski einen eigenen Direktor. Auch die Verwaltung und Restaurierung haben eigenes Personal, einzig ein zusätzlicher Kurator sowie eine Fotodesignerin fehlen der Antikensammlung im Vergleich. Beide Abteilungen sind zu unterschiedlichen Zeiten zugänglich, somit werden Personalmittel bei der Aufsicht gespart. Dem aus acht Personen bestehenden Beirat gehören mit dem Lehrstuhlinhaber für Klassische Archäologie in Würzburg, Matthias Steinhart, sowie dem Ägyptologen Martin Stadler zwei Würzburger Altertumswissenschaftler sowie mit Katja Lembke und Martin Maischberger zwei externe Klassische Archäologen an.

Bis 2014 war das Direktorat der Antikensammlung – zunächst sogar das Direktorenamt der GesamtsammlungWann die Trennung der beiden Bereiche erfolgte, geht aus der vorliegenden Literatur nicht hervor, mindestens Heinrich Bulle war noch Direktor der gesamten Sammlung. Während Bulles Direktorat wurden jedoch 1918 und 1922 Kuratorenstellen für beide Sammlungsbereiche geschaffen. – traditionell mit der Besetzung des Lehrstuhls für Klassische Archäologie verbunden. 2014 wurde diese Verbindung getrennt und Jochen Griesbach, bis dahin Kustos der Sammlung, wurde Direktor, während Matthias Steinhart als Lehrstuhlinhaber nun dem Museumsbeirat angehört.

Geschichte Den Grundstock zur Sammlung trug wie auch für die Neuzeitliche Abteilung der Maler und Königlich-Bayerische Kunstagent in Rom Johann Martin von Wagner zusammen. Während seiner Tätigkeit als Einkäufer für die Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek trug Wagner auch eine eigene Kunstsammlung, darunter viele Antiken, die im 19. Jahrhundert als mustergültig galten, zusammen. Testamentarisch vermachte er seine Kollektion der Universität unter der Voraussetzung, dass diese für die Unterbringung, Aufstellung und eine für alle uneingeschränkte Zugänglichkeit Sorge zu tragen habe. Zudem drückte Wagner die Hoffnung aus, dass seine Stiftung Vorbild für weitere Schenkungen sein würde und das Museum somit weiter wachsen möge. Auf Vermittlung des Universitätsbibliothekars Anton Ruland, der zu Wagner nach Rom gesandt wurde, machte dieser die Universität zum Generalerben und hinterließ ihr auch sein Vermögen, das als Stiftungskapital für Unterhalt und Erweiterung des Museums eingesetzt wurde. Nach Wagners Tod holte Franz Hettinger die Sammlung 1859 aus Rom nach Würzburg. Wohl bedeutendstes Stück in Wagners Sammlung ist ein Kentaurenkopf, Bruchstück eines Reliefs, das sich später als Teil des Parthenon-Frieses von der Akropolis herausstellte. mini|Die berühmte Würzburger Brygosschale kam mit der Sammlung Feoli in den Bestand. Zunächst kam die Sammlung nicht zur Aufstellung, mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital wurde auf einen Museumsbau gespart. Doch als 1872 Ludwig von Urlichs bei einem Aufenthalt in Rom erfuhr, dass mit der Sammlung Feoli die letzte große italienische Privatsammlung antiker Keramik eines Grundbesitzers, auf dessen Gelände antike etruskische Nekropolen ausgegraben wurden, zum Verkauf stand, wurde er aktiv. Da die Sammlung schnell veräußert und nicht auf das höchste Gebot gewartet werden musste, nutzte Urlichs die damals noch vergleichsweise moderne Technik des Telegrafierens und holte sich die Zustimmung zum Erwerb der etwa 480 Vasen umfassenden Sammlung beim Ministerium und nach einigem Zögern auch beim Universitätssenat in Würzburg. Auf einer Sondersitzung konnte eine Rede von Felix Dahn den Senat überzeugen, die Sammlung zu erwerben. Urlichs finanzierte den Ankauf zunächst privat zwischen. Zudem erwarb er schon 1860 aus Zinserträgen von Wagners Stiftungskapital die Sammlung von Wagners in Rom lebendem Freund, dem deutsch-niederländischen Maler Ludwig Brüls, die aus Gläsern, Gemmen, Vasen und Bronzen bestand. 1862 kam die in Athen zusammengetragene Sammlung des bayerischen Legationsrates von Faber hinzu, die vor allem aus attischen Reliefs und anderen, meist kleineren, Marmorwerken bestand.

Nach der Erwerbung der Sammlung Feoli wurde die Sammlung in der Universität ausgestellt, die zentrale Vitrine erhielt den Namen „der Tempel“. Danach wurden knapp 20 Jahre keine größeren Ankäufe mehr getätigt und auch keine größeren Geschenke übereignet. Karl Sittl erwarb 1892 die 300 Objekte umfassende Sammlung Margaritis für das Museum; die Sammlung umfasste vor allem griechische und kleinasiatische Terrakotten und griechische Vasen. Sittl erwarb auch weitere Stücke im Athener Kunsthandel und bis 1894 auch archäologische Funde aus Franken. Den Erwerb heimischen Materials beendete er, nachdem dafür 1894 der Fränkische Kunst- und Altertumsverein gegründet wurde. Er konnte im Westflügel der Universität auch weitere Räume hinzu gewinnen, um die gewachsene Sammlung besser ausstellen zu können.

Paul Wolters, Professor an der Universität Würzburg, leitete von 1900 bis 1908 die SammlungVolker Hoffmann: Das Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg. In: Peter Baumgart (Hrsg.): Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift. Degener & Co. (Gerhard Gessner), Neustadt an der Aisch 1982 (= Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg. Band 6), ISBN 3-7686-9062-8, S. 253–265; hier: S. 260. und ordnete mit seinem Assistent Georg Hock die Inventare neu. Aus den 30 Altinventaren wurden nun zehn sachlich geordnete. Er konnte die Sammlung vor allem durch Schenkungen von Ägyptika durch den Egypt Exploration Account, die Deutsche Orient-Gesellschaft und Friedrich Wilhelm von Bissing sowie durch gezielte Ankäufe zum Schließen von Lücken bei der griechischen Keramik des späten 5. sowie 4. Jahrhunderts v. Chr. sowie durch unteritalischer Stücke erweitern. Vor allem Heinrich Bulle trieb den Ausbau der Abgusssammlung voran und stellte diese wie auch die antiken Skulpturen 1910 im zweiten Stock der Universität ebenso wie 1921 die Vasen im dritten Stockwerk neu auf. Für die Wirkung der Vasen und Terrakotten wurden die zuvor für das 19. Jahrhundert üblichen farbigen Hintergründe mattgelb bespannt und die Vitrinen dunkel angestrichen. Daneben wurden aber auch weiter Originale erworben, etwa die beiden berühmten Würzburger Theaterscherben. Zudem schloss er Lücken im Bestand der Keramiksammlung und erwarb geometrische, spätklassische und unteritalische Stücke. Nachdem während der Inflation in den 1920er Jahren das Stiftungskapital seinen Wert verloren hatte, warb Bulle sehr erfolgreich bei Mäzenen um Mittel, um Erwerbungen tätigen zu können. Der Ankauf der Theaterscherben wurden beispielsweise von Curt Elschner finanziert. Dank Bulles Interesse an der Geschichte des Griechischen Theaters wurden viele Stücke mit derartigem Bezug erworben, bis heute ist dieses Thema eines der zentralen Forschungsgebiete von Museum und universitärem Institut. Mit der Gründung des Fränkischen Luitpoldmuseums gelangten alle fränkischen Stücke der Sammlung als Leihgabe in das 1913 eröffnete neue Museum. Seit 1922 hatte die Antikensammlung wie auch die Neuzeitsammlung einen eigenen Kustos, zudem gab es schon seit 1911 einen „Präparator“ (Restaurator). 1932 verfasste Ernst Langlotz einen Katalog der Vasen. 958 Stücke beschrieb er ausführlich, zudem wurden sie auf 237 Tafeln abgebildet. Es war der zu diesem Zeitpunkt umfangreichste Katalog seiner Art überhaupt. Um die störenden Reflexionen beim Fotografieren zu verhindern, erfand er den „Würzburger Kasten“, der bis in die 1960er Jahre, als polarisierendes Licht Verwendung fand, genutzt wurde. mini|hochkant|Torso einer Miniaturreplik von Myrons Diskobolos (Römische Kopie, 2. Jahrhundert). Während des Zweiten Weltkrieges hatte die Sammlung schwere Verluste zu ertragen. Der Großteil der nicht aus der Universität ausgelagerten Bestände wurde beim verheerenden Bombenangriff am 16. April 1945 vernichtet. Die Abgüsse wurden von der einstürzenden Decke zerstört, im Keller gelagerte Bucchero-Vasen schmolzen wie auch Bronzen, Gläser, Gemmen und die Münzsammlung im Feuer. Auch etwa die Ägyptologika gingen in weiten Teilen verloren. Die in den Keller der Brauerei im Schloß Thüngen ausgelagerten Vasen blieben ebenfalls nicht unversehrt. Plünderer, die unter den Kunstschätzen reale Schätze vermuteten, zerstörten viele der Vasen, andere wurden gestohlen, ganze Kisten mit Vasen in Brand gesteckt. Dennoch überstand dieser Teil der Sammlung die Katastrophe am besten. Die Scherben wurden zusammengekehrt und in den folgenden Jahren in mühsamer Arbeit von Wolfgang Züchner und dem Restaurator Paul Lichtfuß restauriert. Hierbei entfernten sie auch falsche moderne Ergänzungen. Dank der Unterstützung von Franz Gottwalt Fischer konnten auch viele der verkohlten Vasen zurück gebrannt werden. Mit einer Wachsschicht wurden sie zudem vor Eisenoxydschäden geschützt. Die spätere Restauratorin Sabine Wandel benutzte dafür modernere Methoden. Im Verlauf der 1950er Jahre wurde so eine Vielzahl der Vasen wiederhergestellt. Damit einher ging ein zunehmendes Platzproblem, der Keller des ehemaligen Museums war nicht mehr ausreichend. Hans Möbius brauchte mehrere Jahre, bis er ein neues Domizil für die Sammlung erstritten hatte: die Residenz. Am 1. April 1963 wurde das Museum im Südflügel in mehreren aufeinander folgenden Räumen eröffnet. Es hatte einen festen Etat, hauptamtliches Personal und tägliche Öffnungszeiten. mini|hochkant|Blick in die 1963 eröffnete Sammlung, Saal D.