Die Auszeichnung Fahrradfreundliche Kommune wird vom Land Baden-Württemberg verliehen. Voraussetzung für die Verleihung ist die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) und eine erfolgreich abgelegte Prüfung vor einer Kommission des Landesbündnisses ProRad. Nach fünf Jahren muss die Auszeichnung erneuert werden. Seit 2020 erfolgt die Verleihung der Auszeichnung differenziert nach Bronze-, Silber- und Gold-Status. Im Jahr 2024 wurden erstmals Kommunen mit dem Siegel „Qualität für Fuß und Rad“ für das Erreichen einer definierten Qualitätsstufe ausgezeichnet.

Preisträger Stand 2022 sind zehn Städte und drei Landkreise ausgezeichnet: 2011 und 2017: Freiburg 2011, 2017 und 2022: Karlsruhe 2011, 2017 und 2022: Offenburg 2012 und 2018: Kirchheim unter Teck 2012 und 2018: Heidelberg 2013 und 2019: Landkreis Göppingen 2014: Tübingen (nicht requalifiziert) 2015: Lörrach (nicht requalifiziert) 2017 und 2022: Mannheim 2019: Heilbronn 2020: Landkreis Karlsruhe 2020: Landkreis Lörrach 2021: Konstanz 2021: Singen 2022: Bad Säckingen

Freiburg Im Modal Split hatte der Radverkehr in Freiburg Anfang 2015 einen Anteil von 28 %. Dies sollte bis 2020 auf 30 % gesteigert werden.

Freiburg hat sich als fahrradfreundliche Stadt qualifiziert, da es u. a. am Hauptbahnhof seit September 1999 eine Fahrradstation gibt und Freiburg eine der neun Pilot-Städte der Kampagne Kopf an: Motor aus in den Jahren 2009 und 2010 gewesen ist.

Grundlage für die Radverkehrspolitik in Freiburg war zunächst der Verkehrsentwicklungsplan 2020 mit umfangreichen Konzepten zur Radverkehrsförderung und dem Ziel einer Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf den Umweltverbund. Die Prüfungskommission mahnte im Jahr 2011 an, dass weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit unternommen werden sollten, und hat eine Reihe an Auflagen erlassen.

Im Jahr 2013 wurde das Radverkehrs-Konzept 2020 u. a. mit dem Ziel einer deutlichen Senkung der Radunfälle verabschiedet. Für den Ausbau der Rad-Infrastruktur wollte Freiburg im Doppelhaushalt 2013/14 3 Millionen Euro ausgeben.Mit 222.000 Einwohner sind das knapp 7 Euro pro Einwohner und damit rund die Hälfte der Summe, die nach der Radstrategie Baden-Württemberg empfohlen wird.

Im Jahr 2014 hat Freiburg neben dem Radverkehrszähler, der der Stadt zusammen mit der Auszeichnung zur fahrradfreundlichen Kommune übergeben wurde, drei weitere angeschafft. Mit den Zählstellen konnte nachgewiesen werden, dass die Anzahl der Radfahrenden zwischen 2013 und 2015 um 30 Prozent gestiegen ist. Der Zählerstand an der Wiwilíbrücke, zwischen Hauptbahnhof und Radstation ist online abrufbar.

Zwei Streckenabschnitte des Radwege-Netzes mit insgesamt 14 Kilometer Länge sind als Rad-Vorrang-Routen ausgewiesen. Längerfristig soll es 13 solcher Routen geben.

Beim ADFC-Fahrradklima-Test wurde Freiburg im Jahr 2012 hinter Münster auf Platz zwei gelistet. Im gleichen Ranking im Jahr 2014 hat Freiburg hinter Karlsruhe den dritten Platz bei den Städten ab 200.000 Einwohnern errungen.

Vielen Freiburgern ist das Tempo der Radförderung zu gering. In einem ‚Schwarzbuch‘ wird bemängelt, dass beschlossene Konzepte nur langsam umgesetzt und dass in Freiburg noch immer pro Woche 10 Radfahrer verletzt würden. Der ADFC bemängelte im Jahr 2015, dass der Gemeinderat die Investitionen in den Radverkehr um 60 % senken und dabei die Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen komplett streichen wolle.

2017 erhielt die Stadt erneut den Titel.

Zum Jahresende 2022 ging an der Messe der erste Radweg mit Solardach in Europa in Betrieb.Thomas Wagner: Pilotprojekt in Freiburg: Europas erster Radweg mit Solardach auf Deutschlandfunk Kultur, 12. Dezember 2022, abgerufen am 21. Dezember 2022.

Im März 2023 wurde das Radnetz Plus im Mobilitätsausschuss vorgestellt. Dieses sieht vier Radschnellwege und acht Radvorrangrouten als Ergänzung zum Radnetz 2020 vor. Die Radschnellwege führen nach Norden nach Waldkirch und Emmendingen, nach Osten nach Kirchzarten, nach Süden nach Bad Krozingen und nach Westen nach Breisach.

Karlsruhe In Karlsruhe wurde im Jahr 2012 ein Radverkehrsanteil von 25 % überschritten. Für 2020 wird ein Anteil von 30 % angestrebt.

Bereits im Jahr 2005 wurde ein 20-Punkte-Programm zur Radförderung eingeführt, das 2013 fortgeschrieben wurde.

Seit 2007 gibt es am Hauptbahnhof eine Fahrradstation mit 440 Stellplätzen.

Ebenfalls seit 2007 gibt es ein nicht an Stationen gebundenes System von Leih-Fahrrädern. Die Standorte von verfügbaren Rädern sind über Internet und Handy-App recherchierbar.

Karlsruhe beteiligte sich seit 2009 an der Kampagne Kopf an: Motor aus und hatte innerhalb dieser Kampagne z. B. ‚Coaching-Packs‘ an vor Ampeln wartende Autofahrer verteilt, die u. a. eine ‚Kurzstrecken-Fahrschule‘ enthielten. 2009 und 2010 hatte Karlsruhe die Zero-Emission-Mobility-Kampagne gewonnen, d. h. die Kosten der Kampagne wurden vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMUNR) übernommen.

Über die Jahre hinweg wurden in Karlsruhe 4.300 Fahrräder an Studenten verlost und im Jahr 2014 wurden 200 Fahrrad-Helme verschenkt.

Das im 20-Punkte-Programm selbst gesetzte Ziel, die fahrradfreundlichste Stadt in Süddeutschland zu werden, konnte im Jahr 2014 mit dem 2. Platz hinter Münster erreicht werden. Innerhalb der bundesweiten Initiative Deutschland bewegt sich sieht Ingo Froböse von der Kölner Sporthochschule Karlsruhe sogar 2015 auf dem ersten Platz. Das innerhalb des 20-Punkte-Programms festgelegte Ziel, die Radverkehrs-Sicherheit um 15 % zu verbessern, konnte nicht erreicht werden. Im Jahr 2010 und 2012 gab es fast 500 verletzte Radfahrer.

Im Internet-Auftritt der Stadt Karlsruhe sind sehr viele Informationen zum Radverkehrsnetz, zu Rad-Verkehrsregeln, zum Rad-Verkehrszähler und zu Baustellen hinterlegt.

Mit den beiden Reallaboren „KIT findet Stadt“ und „Go Karlsruhe!“ werden in Karlsruhe neben dem Radverkehr auch die Stadtentwicklung und der Fußgängerverkehr gefördert.

Im Jahr 2017 fanden in Karlsruhe vom 24. bis zum 28. Mai Veranstaltungen zum Jubiläum 200 Jahre Fahrrad (‚Radiale‘) statt. Damit wurde der Erfindung des Fahrrades durch Karl Drais gedacht.

Offenburg In Offenburg liegt der Radverkehrs-Anteil bei 25 % und damit auf ähnlichem Niveau wie in den Universitäts-Städten Freiburg und Karlsruhe.

Im Jahr 2013 wurde am Hauptbahnhof die vollautomatische Fahrradparkgarage „Radhaus“ für 120 Fahrräder fertiggestellt.

In Offenburg gibt es die Besonderheit, dass parallel zum öffentlichen Fahrradverleih-System Fahrräder und Tandems kostenlos an Bürger und Touristen verliehen werden. Bei der wissenschaftlichen Begleitung des E-Bike-Verleihs wurde festgestellt, dass 50 % der Ausleiher aus der Stadt selbst kamen.

Nach sehr guten Werten in den Vorjahren ist Offenburg beim ADFC-Radklima-Test 2014 vom zuvor erzielten 8. auf den 15. Platz abgerutscht. Als Ursache wurden Konflikte mit Autofahrern genannt, auf die die Stadt reagieren will.

Offenburg setzt auf ein aktives Mobiliäts-Management und will die Wahlfreiheit zwischen den Verkehrsträgern ermöglichen, den Umweltverbund fördern und den Besetzungsgrad von Pkw erhöhen. Um die Wahlfreiheit zu verbessern, wurden z. B. vier Mobilitäts-Stationen mit 34 Fahrrädern, 7 Elektro-Autos und 3 Pedelecs eingerichtet. Zum Bezahlen kann ein Karten-System genutzt werden.

Die Stadt Offenburg informiert in ihrem Internet-Auftritt über ihre kostenlose Pelelec-Aufladestation, über das bereits 2003 eingeführte Scherbentelefon, über das integrierte Verkehrs-Konzept und das Mobiliäts-Management.

Kirchheim unter Teck 450px|mini|Bewertung von ADFC-Mitgliedern (2012) Kirchheim unter Teck hatte im Jahr 2009 einen Radverkehrs-Anteil von 14 % lag, der bis 2020 auf 20 % gesteigert werden soll.

Der ADFC lobte Kirchheim im Jahr 2012 für sein Netz an straßenunabhängigen Wegen, bemängelte jedoch einige Drängelgitter und gemeinsam geführte Geh- und Radwege.

Kirchheim unter Teck hat die Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs in einem Radverkehrs-Leitplan zusammengefasst. Im Radverkehrs-Bericht stellt der Radverkehrs-Beauftragte die bereits umgesetzten Maßnahmen vor.

Am Bahnhof gibt es eine Fahrradstation, in der u. a Räder und Pedelecs verliehen werden.

2013 wurde der Lauter-Alb-Lindach-Radweg eingeweiht, ein Abzweig des Neckartal-Radwegs.

Kirchheim hat sich an der AGFK-BW Gemeinschaftsaktion Brötchentüte im Frühjahr 2014 beteiligt, mit der auf den Tüten darüber aufgeklärt wurde, warum Radfahren fit und gesund hält.

Die Kirchheimer Gymnasien nahmen 2015 am AGFK-Modellprojekt Rad-Schulweg-Plan teil, bei dem u. a. über ein webfähiges Geo-Informationssystem Problemstellen entlang des Schulwegs identifiziert wurden.

Der Internet-Auftritt der Stadt informiert über Rad-Termine, über Radverkehrs-Anlagen, über die Rad-Station, über kostenlos ausleihbare Einkaufs-Anhänger, über das Scherben-Telefon, über das Neubürger-Infopaket und über das touristische Rad-Angebote.

Beim Fahrradklima-Test 2014 ist Kirchheim als Aufsteiger hinter Filderstadt und Lörrach eingestuft worden.

Heidelberg 450px|mini|Bewertung von ADFC-Mitgliedern (2012) In Heidelberg lag der Radverkehrs-Anteil Ende 2012 bei 25 %, im Jahr 2016 bei 30 %.Radler und "Poser" machen der Polizei Sorgen, Rhein-Neckar-Zeitung, 10. März 2017. Bereits im Jahr 2013 legten die Heidelberger Bürger 26 % ihrer Wege im Binnenverkehr mit dem Fahrrad zurück.Masterplan „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“, Stadt Heidelberg/Stadtverwaltung Ludwigshafen/Stadt Mannheim (Hrsg.), August 2018. In der Studie Mobilität in Deutschland wird dieser Anteil auch für das Jahr 2017 bestätigt.Freiburg ist im Land am umweltfreundlichsten mobil, Baden-Württemberg.de, 16. November 2018.Heidelberg hat landesweit höchsten Radverkehrsanteil, ADFC-Baden-Württemberg, o. J., abgerufen am 18. März 2019. Nach einer Umfrage im Jahr 2018 legen 35 % der Heidelberger ihre Wege innerhalb der Stadt hauptsächlich mit dem Fahrrad zurück.

Es gibt ein Verkehrsmanagement und seit Ende 2014 einen Radverkehrsbeauftragten.

Seit 2015 gibt es ein öffentliches Radverleih-System, das neben Heidelberg auch die Städte Mannheim, Ludwigshafen und Speyer umfasst.

Ebenfalls seit 1. November 2015 wird der Radverkehr an vier Stellen automatisch gezählt.Laut einer Meldung in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 12. Februar 2016 stehen auf der Ernst-Walz-Brücke und in der Gaisbergstraße allgemein sichtbare Zähler. In der Plöck und in der Mannheimer Straße gibt es im Boden versenkte Zähler, ein weiterer wurde am 8. April 2016 veröffentlicht. Der Stand der Zählanlagen ist online abrufbar.Wertvolle Daten für die Verkehrsplanung, Stadt Heidelberg

In der Rhein-Neckar-Region ist die Fahrrad-Mitnahme in den S-Bahnen nach neun Uhr kostenlos möglich, wenn es vom Platz her reicht. Eine S-Bahn Fahrkarte kann bequem mit der Handy-App „eTarif“ gebucht werden, allerdings kann der vor neun Uhr nötige Fahrrad-Fahrschein leider nicht über diese Luftlinien-Tarif-App des RNV abgerechnet werden, da der RNV selbst die S-Bahnen nicht betreibt und in den Straßenbahnen dieses Verkehrsanbieters die Mitnahme von Fahrrädern kostenlos ist. An Wochentagen vor neun Uhr ist die Fahrrad-Mitnahme in Straßenbahnen allerdings verboten.Gut unterwegs mit dem Fahrrad, RNV Auch bei der Buchung eine Handy-Fahrkarte über die App „ticket2go“ des VRN ist das Mitbuchen eines Einzelfahrscheins für das Fahrrad nicht möglich.Einzelfahrschein Fahrrad, VRN

Auf Initiative der Polizei fordert Heidelberg seit 2014 die Bürger mit der Präventionskampagne Plus5 dazu auf, sich auf dem Rad mehr Zeit zu nehmen, um sicher anzukommen. Die Heidelberger Polizei macht sich auch sonst nicht beliebt, wenn sie z. B. den Fahrradfahrern die Luft aus den Reifen lässt, falls die Beleuchtung nicht funktioniert. Vom Innenminister Reinhold Gall wurde die Kampagne gleichwohl mit dem Landespräventionspreis zur Verkehrssicherheit prämiert.