Medaillenspiegel Platz Land S B 3. Gesamt 1 31 41 40 112 2 20 13 15 48 3 20 8 9 37 4 6 6 6 18 5 6 3 1 10 6 4 3 2 9 7 3 2 — 5 8 1 3 2 6 9 1 2 3 6 1 2 3 6 … … … … … … 14 — 3 3 6 Vollständiger Medaillenspiegel
Die Olympischen Sommerspiele 1900 (offiziell Spiele der II. Olympiade genannt) wurden in der französischen Hauptstadt Paris im Rahmen der Weltausstellung (Exposition Universelle et Internationale de Paris) ausgetragen. Die Wettbewerbe verteilten sich über fünf Monate und fanden zwischen dem 14. Mai und dem 28. Oktober 1900 statt.
Im Gegensatz zu einer Weltausstellung hatten Olympische Spiele sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Kreisen der Sportfunktionäre und Sportler noch keinen Stellenwert. Die Organisatoren der Weltausstellung, unter deren Leitung auch alle Sportwettbewerbe veranstaltet wurden, sahen deshalb auch keine Veranlassung, sich den Forderungen und Ansprüchen von Pierre de Coubertin, dem Begründer der neuzeitlichen Olympischen Spiele, zu beugen. Selbst der Name Olympische Spiele wurde in keinem offiziellen Bericht und in nur wenigen Veröffentlichungen jener Zeit verwendet. Die Wettkämpfe trugen den offiziellen Namen Concours Internationaux d’Exercices Physiques et de Sports (Internationale Wettbewerbe für Leibesübungen und Sport).
Als lästiges Anhängsel der Weltausstellung gerieten die Wettkämpfe zu einer Nebensächlichkeit. Zuschauer waren eher zufällige Zaungäste, die Öffentlichkeit wurde kaum informiert. Die Bedingungen für die Sportler waren teilweise unzumutbar und die Wettkampforte über ganz Paris verteilt. Es gab Sportler, die niemals oder erst Jahre später erfuhren, dass sie an Olympischen Spielen teilgenommen hatten. Erstmals konnten auch Frauen an Wettkämpfen bei Olympischen Spielen teilnehmen.
Die völlige Bedeutungslosigkeit von Coubertin und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bei diesen Spielen führte zu Problemen bei der späteren Aufarbeitung der Geschehnisse und deren Einordnung in die olympische Historie. Das IOC hat die Olympischen Spiele 1900 als solche legitimiert und seine offizielle Haltung zu olympischen Wettbewerben und zu den Olympiasiegern und Platzierten bzw. deren Nationalität veröffentlicht. Eine Reihe von Sporthistorikern sehen dabei allerdings eine lückenhafte Aufarbeitung und fehlerhafte Deutungen. Statistisch betrachtet haben diese Spiele damit eine offizielle Sichtweise, die des IOCs, und eine durch historische Fakten erweiterte Sichtweise, die zu zahlreichen abweichenden Veröffentlichungen geführt hat, vor allem wenn es um die Zählweise der Teilnehmer, der Nationen und der Medaillen geht.
Wahl des Austragungsortes mini|Paris 1900Offizielle Eröffnung der Weltausstellung14. April 1900 Pierre de Coubertin hatte bei seiner Idee für die Erneuerung der Olympischen Spiele als erstmaligen Austragungsort ursprünglich Paris im Sinn. Auch das Jahr 1900 als markantes Datum entsprach seinen Vorstellungen, und die parallele Durchführung mit der Weltausstellung sollte den Olympischen Spielen zu Glanz und Ruhm verhelfen.
Bei einem internationalen Sportkongress 1894 an der Sorbonne in Paris, der später als erster Olympischer Kongress in die Geschichte eingehen sollte, beschlossen die von Coubertin eingeladenen Vertreter von Sportverbänden verschiedener Länder die Ausrichtung Olympischer Spiele. Allerdings stand man Coubertins Wunsch nach Ort und Zeit skeptisch gegenüber, da die lange Wartezeit bis 1900 das Projekt nach allgemeiner Auffassung hätte gefährden können. Vorsitzender der Kommission, die den Beschluss herbeigeführt hatte, war der Grieche Dimitrios Vikelas. In einem Gespräch mit Coubertin kamen beide überein, bereits 1896 in Athen die ersten Olympischen Spiele auszutragen. Danach würde man im geplanten Rhythmus von vier Jahren als nächsten Austragungsort Paris bestimmen.
Die Entscheidung, die ersten Olympischen Spiele nicht in Paris auszutragen, wird rückblickend als Glücksfall der Geschichte gewertet. Die Spiele in Athen verliefen erfolgreich und glanzvoll. Es ist kaum vorstellbar, dass die olympische Idee überlebt hätte, wären zuerst die vom Chaos geprägten Spiele von Paris veranstaltet worden.
Der Verlauf der Spiele von Athen hatte aber auch negative Randerscheinungen, die eine Austragung der folgenden Spiele in Paris fast vereitelt hätten. Der Erfolg bestärkte die Griechen in ihrer Auffassung, dass Olympische Spiele dauerhaft nur in Griechenland stattzufinden hätten, schließlich lag hier ja auch der historische Ursprung mit der antiken Stätte Olympia. Noch während des Abschlussbankettes der Spiele von Athen gab König Georg I. von Griechenland seine Ansprüche bekannt, und Tage später wurde sogar ein Gesetzentwurf im griechischen Parlament eingebracht.
Coubertins Konzept zur Verbreitung einer weltumspannenden olympischen Bewegung beinhaltete den vierjährigen Austragungsrhythmus, eine Olympiade, und die Durchführung an stets wechselnden Orten. Mit dauerhaften Spielen in Griechenland wäre Coubertins Idee gescheitert, und das von ihm berufene IOC würde seine Bedeutung verlieren. Er wandte sich mit einem Kompromissvorschlag an den griechischen Kronprinzen Konstantin I., dem er Spiele in Griechenland auf Dauer vorschlug, die in den Jahren zwischen den eigentlichen Olympischen Spielen (1898, 1902 usw.) ausgetragen werden sollten. Über das Aussehen dieser Spiele bestanden unterschiedliche Auffassungen, jedoch rückte die Realisierung dieses Kompromisses ohnehin schon 1897 in weite Ferne, nachdem der Türkisch-Griechische Krieg um Kreta finanzielle und logistische Probleme verursacht hatte. Damit war Paris als Austragungsort der Olympischen Spiele 1900 vollends gefestigt.
Organisation mini|Titelseite des offiziellen Berichtsüber die Sportwettbewerbeder Weltausstellung Schon Monate vor dem ersten Olympischen Kongress 1894 versuchte Coubertin in einem Gespräch mit Alfred Picard, dem Generalsekretär der seinerzeit bereits beschlossenen Weltausstellung in Paris, diesen von der olympischen Idee zu begeistern und von einer Verbindung mit der Weltausstellung zu überzeugen. Picard ging jedoch auf die Wünsche von Coubertin nicht ein, im Gegenteil, er beabsichtigte, bei der Weltausstellung unter eigener Leitung verschiedene Sportwettbewerbe durchzuführen. Auch der französische Präsident Félix Faure zeigte sich uninteressiert, obwohl Coubertin in der Hoffnung auf Unterstützung eigens in dessen Heimatstadt Le Havre 1897 den zweiten Olympischen Kongress abgehalten hatte.
Coubertin sah sich angesichts der knappen Vorbereitungszeit zum Handeln gezwungen und gründete im Mai 1898 ein Organisationskomitee. Als Präsident ernannte er einen persönlichen Vertrauten, den Vicomte Charles de la Rochefoucauld. In den Augen der Organisation der Weltausstellung handelte es sich hierbei um einen kontroversen und gegen die eigenen Bestrebungen gerichteten Akt. Sofort ergriff man Maßnahmen, welche die Arbeit von Rochefoucaulds Komitee beeinträchtigten. Der Racing Club de France und der Stade Français, die bedeutendsten französischen Sportvereine jener Zeit sowie der nicht minder bedeutende französische Sportverband Union des sociétés françaises de sports athlétiques (USFSA) wurde für die Organisation der Wettbewerbe der Ausstellungsleitung gewonnen. Anschließend beanspruchte die USFSA alle Rechte an jeglichen Sportveranstaltungen im Jahr 1900 in Paris. Im Februar 1899 wurde von der Leitung der Weltausstellung ein offizielles Komitee gegründet, zu dessen Generalkommissar Daniel Mérillon berufen wurde. Mérillon, der Präsident des französischen Schützenbundes war, nahm selbst an Schießwettkämpfen teil und beteiligte sich auch in späteren Jahren noch als aktiver Sportler an Olympischen Spielen.
Das Komitee von Coubertin war damit kein kompetenter Gesprächspartner mehr und praktisch handlungsunfähig. Der einzige Erfolg bestand in den Bemühungen um die Teilnahme ausländischer Sportler. Dank Coubertins Kontakten hatte es bereits mehrere Zusagen aus den Ländern der im IOC vertretenen Mitglieder gegeben. Rochefoucauld legte im April 1899 sein Amt als Präsident des Komitees nieder. Nach der anschließenden Selbstauflösung des Komitees blieb Coubertin keine andere Wahl, als sich der Ausstellungsleitung und deren Organisationskomitee zu unterstellen, wollte er an seiner olympischen Idee festhalten.
Die Organisatoren sahen in Coubertin nur noch einen Gehilfen, der ausländische Sportler nach Paris einladen sollte, um der Weltausstellung durch die internationale Beteiligung mehr Glanz zu verleihen. Seine Berufung zum Generalsekretär ehrenhalber für die athletischen Wettbewerbe hatte nur formalen Charakter.
Es waren die ersten und bis 2021 die einzigen Olympischen Sommerspiele, die nicht in einem Schaltjahr ausgetragen wurden – wenn man die Zwischenspiele 1906 nicht mitzählt.
Wettkampforte mini|Von Coubertin projektiertes Stadionfür die Olympischen Spiele 1900
Ursprünglich hatte Coubertin die Idee, den heiligen Hain von Olympia, die Altis, in einer originalgetreuen Kopie auf dem Gelände der Weltausstellung aufzubauen. Nachdem er diesen Plan aus finanziellen Gründen fallen gelassen hatte, plante er den Bau einer Sportstätte nach dem Vorbild des Panathinaiko-Stadions in Athen, allerdings mit einem verschiebbaren Zeltdach. Der Ausstellungsleitung waren diese Pläne für den Anlass überzogen und nicht finanzierbar. Man beschloss, alle Wettkämpfe auf vorhandenen Anlagen auszutragen, musste dazu aber die einzelnen Veranstaltungen über ganz Paris verteilen.
Die meisten Wettkämpfe fanden auf dem Gelände der Weltausstellung in Vincennes, dem Annexe de Vincennes, statt. Das hier vorhandene Vélodrome municipal wird als Hauptwettkampfstätte der Spiele angesehen, in ihm wurden Radsport, Rugby, Fußball, Cricket und Gerätturnen ausgetragen. Die Wettkämpfe der Leichtathletik und im Tauziehen fanden im Croix Catelan, dem Sportplatz des Racing Club de France im Bois de Boulogne statt.
Schwimmen, Wasserball und Rudern wurden im offenen Wasser der Seine bei Asnières-sur-Seine ausgetragen. Segeln fand auf der Seine bei Meulan und im Ärmelkanal vor Le Havre statt.
Die übrigen Austragungsorte waren das Camp de Satory, ein Militärlager bei Versailles für die Schießwettkämpfe, der große Festsaal der Ausstellung in den Tuilerien für Fechten, Sportplätze auf der Île de Puteaux für Tennis, ein altes Radstadion im Bois de Vincennes für Bogenschießen, ein Reitplatz im 7. Arrondissement von Paris für Reiten, eine Anlage im Parc de Bagatelle der dort beheimateten Polovereinigung für Polo, eine Anlage in Neuilly-sur-Seine der ortsansässigen Pelotavereinigung für Pelota eine Platzanlage des Cercle du Bois de Boulogne für Krocket und der Golfplatz von Compiègne für Golf.
Damit sind jedoch noch nicht alle Wettkampforte erwähnt. Für die allgemein als nichtolympisch bezeichneten Wettbewerbe gab es zahlreiche weitere Austragungsorte.
Wettkampfprogramm Dauer der Veranstaltung, Auswahl erster Sportarten Von den ersten bis zu den letzten Wettkämpfen dauerte es 168 Tage, davon wurden allerdings nur an 71 Tagen Wettkämpfe ausgetragen und an 36 Tagen Medaillen vergeben.
Die Wettbewerbe für die Olympischen Spiele 1900 wurden nicht vom IOC oder von Coubertin festgelegt. Ein von der Weltausstellungsleitung gegründetes Komitee unter der Führung von Daniel Mérillon hatte die Aufgabe, Sportwettkämpfe als Bestandteil der Weltausstellung auszurichten. Der von Coubertin und seinem Komitee zuvor verfasste Programmentwurf wurde von Mérillon verworfen. Sein eigenes Programm umfasste eine Fülle von Wettbewerben, die den Ansprüchen einer Weltausstellung genügen sollten. Sie hatten deshalb vielfach den Charakter von Schauwettkämpfen, zum Beispiel die Wettbewerbe für Feuerwehren oder das Militär, oder es stand eine technische Leistungsfähigkeit im Vordergrund, zum Beispiel bei den Wettbewerben für Automobilisten und Ballonfahrer.
mini|Velodrome de Vincennesauf dem Weltausstellungsgelände