mini|hochkant=1.3|Amtierender Weltmeister Alain Prost im Ferrari 641 beim US-GP Die Formel-1-Weltmeisterschaft 1990 war die 41. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie wurde über 16 Rennen in der Zeit vom 11. März 1990 bis zum 4. November 1990 ausgetragen. Ayrton Senna gewann mit McLaren zum zweiten Mal die Fahrerweltmeisterschaft. McLaren wurde zum dritten Mal in Folge und zum sechsten Mal insgesamt Konstrukteursweltmeister.

Änderungen 1990 Rennstrecken Wie im Vorjahr fanden insgesamt 16 Rennen statt, wobei die austragenden Länder gleich blieben. Der Große Preis von Brasilien kehrte nach zehn Jahren auf dem Autódromo Internacional Nelson Piquet in Rio de Janeiro auf das Autódromo José Carlos Pace in São Paulo zurück, dessen Streckenführung gegenüber der letzten Austragung 1980 allerdings deutlich verkürzt wurde. Daneben wurde nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr der Große Preis der USA aus der Saisonmitte an deren Anfang verlegt, da sich das heiße Wüstenklima am Phoenix Street Circuit als für Teams wie Zuschauer nur schwer erträglich herausgestellt hatte.

Reglement Vorgeschrieben wurden größere Rückspiegel sowie ein schnell entfernbares Lenkrad.

Teams Einziges neues Team im Feld war Life Racing, das mit einem selbst konstruierten W12-Motor (Life F35) und einem umgebauten First-Chassis von 1988 antrat. Gegenüber der Vorsaison nicht mehr vertreten waren dafür die beiden deutschen Rennställe Rial Racing und Zakspeed. Arrows trat nach dem Eintritt eines Sponsors nun unter dem Namen Footwork an. Hingegen behielt der italienische Rennstall Coloni seinen Namen, obwohl der japanische Automobilkonzern Subaru eine Anteilsmehrheit erworben hatte.

Motorenlieferanten Lamborghini Engineering, das im Vorjahr das französische Larrousse-Team versorgt hatte, rüstete nun zusätzlich den britischen Traditionsrennstall Lotus aus, der im Vorjahr von Judd versorgt worden war. Eine komplette Neukonstruktion war der Subaru 1235 genannte Boxermotor des italienischen Coloni-Teams, der von Motori Moderni entwickelt worden war. Nachdem sich dieser Motor als wenig geeignet erwiesen hatte, kaufte Coloni in der zweiten Saisonhälfte seine Anteile von Subaru zurück und griff fortan wie zuvor auf Ford-Motoren zurück. Ähnlich verfuhr auch Life, dessen eigener W12-Motor sich im Saisonverlauf ebenfalls als Reinfall erwies und der deshalb gegen Saisonende durch einen Motor von Judd ersetzt wurde. Alle weiteren Teams blieben bei ihren bisherigen Motorenpartnern.

Reifen Reifenanbieter waren weiterhin Goodyear und Pirelli, und einige Teams wechselten den jeweiligen Lieferanten. Von Goodyear zu Pirelli wechselte Tyrrell, umgekehrt ließ sich Coloni nun von Goodyear beliefern. Der neue Rennstall Life Racing setzte auf Pirelli.

Technische Innovation Der Tyrrell 019 setzte auf eine neuartige Gestaltung der Frontpartie, bei der die Fahrzeugnase hochgezogen und der Frontflügel darunter „hängend“ angebracht wurde. Diese Bauform erlaubte eine bessere Anströmung des Fahrzeug-Unterbodens und machte den zuvor im hinteren Mittelfeld zu findenden Rennstall trotz schwachen Motors konkurrenzfähig. Auch diese Entwicklung war sehr einflussreich und wurde bis 1996 von sämtlichen Teams übernommen.

Der W-Motor von Life sowie der Boxermotor von Motori Moderni bei Coloni stellen die bislang einzigen Versuche in der Formel 1 mit diesen Motorenkonzepten dar und waren aus verschiedenen Gründen erfolglos, sodass sie nicht weiterverfolgt wurden.

Fahrer Gerhard Berger und Alain Prost tauschten ihre Cockpits – der Österreicher nahm den Platz des amtierenden Weltmeisters bei McLaren ein, der dafür zu Ferrari wechselte. Benetton überraschte mit der Verpflichtung von Ex-Weltmeister Nelson Piquet, der von Lotus kam und neuer Teamkollege von Alessandro Nannini wurde. Brabham wiederum behielt Stefano Modena, ersetzte aber Martin Brundle durch den Schweizer Gregor Foitek.

Komplett neu stellte sich Lotus auf, für das Derek Warwick und Martin Donnelly fuhren. Neben Piquet hatte auch Satoru Nakajima das Team verlassen und war zu Tyrrell gewechselt, wo er Jonathan Palmer ersetzte. Ebenfalls große Umstellungen gab es bei Footwork: Eddie Cheever hatte seine Karriere beendet und Warwick war wie erwähnt zu Lotus gewechselt. Neu ins Team kamen dafür der Routinier Michele Alboreto und der zuvor bei Zakspeed erfolglose Bernd Schneider, der allerdings schon nach nur einem Rennen vom früheren Dallara-Fahrer Alex Caffi ersetzt wurde und erst gegen Saisonende einen weiteren Auftritt hatte.

Bei BMS Scuderia Italia wiederum trat erst Gianni Morbidelli die Nachfolge von Caffi an, dann Emanuele Pirro, der das Vorjahr bei Benetton beendet hatte. Das zweite Cockpit verblieb dagegen bei Andrea de Cesaris. Ähnlich verfuhr auch Minardi, das seinen Routinier Pierluigi Martini an Bord behielt und das zweite Cockpit an Paolo Barilla vergab, der in der Vorsaison bereits einen Einsatz für das Team anstelle von Luis Pérez-Sala bestritten hatte.

Neue Fahrerpaarungen gab es auch bei Ligier und Larrousse: Bei ersterem fuhren nun Nicola Larini und Philippe Alliot. Letzterer war im Vorjahr ebenso wie Michele Alboreto bei Larrousse gefahren. Dort wiederum wurden nun Éric Bernard und Aguri Suzuki eingesetzt, die beide in den Vorjahren bereits einige Rennen für dieses Team bestritten hatten.

Osella wiederum setzte nur noch ein Auto ein, das jeweils vom im Vorjahr bei Ligier fahrenden Olivier Grouillard gefahren wurde. Die beiden Fahrer des Vorjahres, Gabriele Tarquini und Piercarlo Ghinzani, hatten dabei das Nachsehen. Auch Coloni trat mit nur einem Auto an, das in diesem Jahr von Bertrand Gachot gefahren wurde. Hingegen brachte EuroBrun nun zwei Autos an den Start, besetzte beide Cockpits aber mit dem vorherigen Coloni-Fahrer Roberto Moreno und Claudio Langes neu. Für Life schließlich debütierte Gary Brabham, ehe dort nach zwei Rennen Bruno Giacomelli ein Comeback nach siebenjähriger Abwesenheit feierte.

Keine personellen Veränderungen gab es lediglich bei Williams, Leyton House und AGS. Auch Onyx begann die Saison mit denselben Fahrern, mit denen es auch die Saison 1989 beendet hatte, allerdings wurde Stefan Johansson schon nach zwei Rennen wiederum durch Gregor Foitek ersetzt, der zum selben Zeitpunkt seinerseits bei Brabham durch David Brabham ersetzt worden war, den Sohn des ursprünglichen Teamgründers Jack Brabham.

Vorqualifikation Wegen der großen Anzahl gemeldeter Autos war wie schon im Vorjahr eine Vorqualifikation erforderlich. Durch sie sollte der Kreis der Fahrer, die an der Qualifikation teilnehmen durften, vorab reduziert werden. Die Vorqualifikation fand jeweils am Freitagmorgen vor dem ersten Training statt. Sie war für die leistungsschwächsten Teams der zweiten Saisonhälfte 1989 sowie für neu antretende Teams verpflichtend. Bei den ersten acht Rennen unterlagen beide Autos von AGS, EuroBrun und Larrousse sowie je ein Auto von Coloni, Life und Osella der Vorqualifikation. Ab dem neunten Saisonrennen waren beide Larrousse von der Vorqualifikation befreit; an ihre Stelle traten die Ligiers.Alan Henry: Auto Course 1990/91. Osprey Publishing Ltd, London 1991, ISBN 0-905138-74-0, S. 102 und 181.

Teams und Fahrer Bild Team Chassis Motor Reifen Nr. Stammfahrer Rennen Test-/Ersatzfahrer 100px|zentriert|Ferrari 640 Ferrari 641 Ferrari 3.5 V12 1 1–16 2 1–16 100px|zentriert|Tyrrell 019 Tyrrell 018Tyrrell 019 Ford Cosworth DFR 3.5 V8 3 1–16 4 1–16 100px|zentriert|Williams FW13 Williams FW13B Renault 3.5 V10 5 1–16 6 1–16 Brabham BT58Brabham BT59 Judd EV 3.5 V8 7 1–2 n/a 3–16 8 1–16 Arrows A11Arrows A11B Ford Cosworth DFR 3.5 V8 9 1–16 n/a 10 1, 14 2–13, 15, 16 100px|zentriert|Lotus 102 Lotus 102 Lamborghini 3.5 V12 11 1–16 n/a 12 1–14 15, 16 Osella FA1M-89Osella FA1ME Ford Cosworth DFR 3.5 V8 14 1–16 n/a 100px|zentriert|Leyton House CG901 Leyton House CG901 Judd 3.5 V8 15 1–16 16 1–16 AGS JH24AGS JH25 Ford Cosworth DFR 3.5 V8 17 1–16 n/a 18 1–16 100px|zentriert|Benetton B190 Benetton B189BBenetton B190 Ford HB III/IV 3.5 V8 19 1–14 15, 16 20 1–16 Dallara F190 Ford Cosworth DFR 3.5 V8 21 1, 2 3–16 22 1–16 Minardi M189Minardi M190 Ford Cosworth DFR 3.5 V8 23 1–16 n/a 24 1–14 15, 16 100px|zentriert|Ligier JS33B Ligier JS33B Ford Cosworth DFR 3.5 V8 25 1–16 26 1–16 100px|zentriert|McLaren MP4/5B McLaren MP4/5B Honda 3.5 V10 27 1–16 28 1–16 100px|zentriert|Lola LC90 Lola LC89BLola LC90 Lamborghini 3.5 V12 29 1–16 n/a 30 1–16  Coloni Racing Srl Coloni C3BColoni C3C Subaru 1235 B12Ford Cosworth DFR 3.5 V8 31 1–16 n/a 100px|zentriert|EuroBrun ER189B EuroBrun ER189B Judd CV 3.5 V8 33 1–14 n/a 34 1–14 100px|zentriert|Onyx ORE-1  Monteverdi Onyx Formula One Onyx ORE-1Onyx ORE-2 Ford Cosworth DFR 3.5 V8 35 1, 2 n/a 3–10 36 1–10 100px|zentriert|Life F190 Life L190 Life F35 3.5 W12 Judd 3.5 V8 39 1, 2 n/a 3–14

Rennkalender Nr. Datum Grand Prix(Strecke) Distanz(km) Sieger Zweiter Dritter Pole-Position SchnellsteRennrunde GesamtführenderFahrer GesamtführenderKonstrukteur 1 11. März (Phoenix) 273,456 (McLaren-Honda) (Tyrrell-Ford) (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) -Honda 2 25. März Brasilien(São Paulo) 307,075 (Ferrari) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) 3 13. Mai (Imola) 307,440 (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) 4 27. Mai (Monte Carlo) 259,584 (McLaren-Honda) (Tyrrell-Ford) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) 5 10. Juni (Montréal) 307,300 (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (Ferrari) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) 6 24. Juni (Mexiko-Stadt) 305,049 (Ferrari) (Ferrari) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (Ferrari) 7 8. Juli (Le Castellet) 305,040 (Ferrari) (Leyton House-Judd) (McLaren-Honda) (Ferrari) (Ferrari) 8 15. Juli (Silverstone) 305,792 (Ferrari) (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (Ferrari) (Ferrari) (Ferrari) 9 29. Juli (Hockenheim) 306,090 (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (Williams-Renault) (McLaren-Honda) 10 12. August (Mogyoród) 305,536 (Williams-Renault) (McLaren-Honda) (Benetton-Ford) (Williams-Renault) (Williams-Renault) 11 26. August (Spa-Francorchamps) 305,360 (McLaren-Honda) (Ferrari) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (Ferrari) 12 9. September (Monza) 307,400 (McLaren-Honda) (Ferrari) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) (McLaren-Honda) 13 23. September (Estoril) 265,350 (Ferrari) (McLaren-Honda) (Ferrari) (Ferrari) (Williams-Renault) 14 30. September (Jerez de la Frontera) 307,914 (Ferrari) (Ferrari) (Benetton-Ford) (McLaren-Honda) (Williams-Renault) 15 21. Oktober (Suzuka) 310,527 (Benetton-Ford) (Benetton-Ford) (Lola-Lamborghini) (McLaren-Honda) (Williams-Renault) 16 4. November (Adelaide) 306,180 (Benetton-Ford) (Ferrari) (Ferrari) (McLaren-Honda) (Ferrari)

Rennberichte Großer Preis der USA

Platz Fahrer Team Zeit 1 1:52:32,829 2 + 8,685 3 + 54,080 PP 1:28,664 SR 1:31,050

Der Große Preis der USA in Phoenix (Arizona) fand am 11. März 1990 statt und ging über 72 Runden (273,5 km).

Das Qualifikationstraining führte zu einer ungewöhnlichen Startaufstellung, in der zahlreiche kleine Teams gute Startpositionen einnahmen. Trainings-Bester wurde Gerhard Berger (McLaren). Auf Startposition zwei stand Pierluigi Martini im Minardi, Andrea de Cesaris im BMS-Dallara hatte Position drei inne, und Jean Alesi im Tyrrell ging von Platz vier ins Rennen. Olivier Grouillard auf Osella stand auf Position acht und Roberto Moreno im EuroBrun ER189 auf Startposition 16.

Die schnellste Rundenzeit im Rennen fuhr ebenfalls Gerhard Berger, der aber wegen Kupplungs-Problemen ausfiel. Insgesamt wurden von 26 gestarteten Fahrern 14 gewertet.

Großer Preis von Brasilien

Platz Fahrer Team Zeit 1 1:37:21,258 2 + 13,564 3 + 37,772 PP 1:17,277 SR 1:19,899

Der Große Preis von Brasilien in São Paulo in Brasilien fand am 25. März 1990 statt und ging über 71 Runden (307,1 km).

Insgesamt wurden von 26 gestarteten Fahrern 14 gewertet.

Großer Preis von San Marino