mini|James Mattis (2017)
James Norman Mattis (* 8. September 1950 in Pullman, Washington) ist ein US-amerikanischer Militär. Vom 20. Januar 2017 bis zum 1. Januar 2019 war er Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten im Kabinett Trump I.
Mattis ist ein General a. D. des US Marine Corps (USMC). Er war von 2007 bis 2010 Befehlshaber des US Joint Forces Command und diente in Personalunion von November 2007 bis Mitte 2009 zugleich als Supreme Allied Commander Transformation der NATO. Von August 2010 bis März 2013 war Mattis Oberbefehlshaber des US Central Command, eines teilstreitkraftübergreifenden Regionalkommandos der Streitkräfte der Vereinigten Staaten mit Sitz in Tampa, Florida.
Am 20. Dezember 2018 gab Präsident Trump Mattis’ Rücktritt zum 28. Februar 2019 bekannt. Als Grund nannte Mattis den am Vortag von Trump gefällten Entscheid, einen Großteil der in Syrien stationierten US-Streitkräfte abzuziehen.Beat Ammann / NZZ.ch vom 21. Dezember 2018: Der pflichtbewusste General tritt Präsident Trump ans Schienbein
Militärische Laufbahn Mattis trat 1969 in die Reserve des Marinekorps ein. 1972 zum Offizier (Second Lieutenant) ernannt, diente er später als First Lieutenant in einem Infanterie- und Feuerunterstützungszug in der 3. US-Marineinfanteriedivision. Zum Captain befördert, übernahm er das Kommando über eine Schützenkompanie der 1. US-Marineinfanteriebrigade. Später unterstand ihm als Major die Rekrutierungsstation Portland, Oregon. Während der Operation Desert Shield/Storm kommandierte Lieutenant Colonel Mattis das 1. Bataillon des 7. US-Marineinfanterieregiments und übernahm nach der Beförderung zum Colonel dieses Regiment.
Als Brigadegeneral kommandierte Mattis die 1st Marine Expeditionary Brigade und anschließend die Task Force 58 während der Operation Enduring Freedom im südlichen Afghanistan. Als Generalmajor hatte er von 2002 bis 2004 das Kommando über die 1. US-Marineinfanteriedivision während der Invasion des Irak 2003 und später auch während der Stabilisierungsoperationen im Rahmen der Operation Iraqi Freedom.
Danach wurde Mattis zum Generalleutnant befördert und war von 2004 bis 2006 Kommandierender General des „Marine Corps Combat Development Command“ in Quantico und stellvertretender Commandant für „Combat Development“ im Hauptquartier des USMC in Washington, D.C. Während dieser Zeit begann Generalleutnant David Petraeus mit der Erstellung des Feldhandbuchs FM 3-24 Counterinsurgency.Field Manual 3-24 Counterinsurgency (Federation of American Scientists; PDF-Dokument; englisch; 13,2 MB) Dieses Handbuch wurde unter James F. Amos fertiggestellt; es ist (Stand Mitte 2019) die aktuelle Richtlinie der US Army für die Aufstandsbekämpfung (counterinsurgency).
mini|General Mattis (2007) Am 14. August 2006 übernahm Mattis das Kommando über die I. Marine Expeditionary Force (I MEF) in Camp Pendleton, Kalifornien, sowie über die Marine Corps Forces des Central Command. (englisch) Ein Jahr später, am 28. September 2007, wurde Mattis' Nominierung für den Posten des Kommandeurs des US Joint Forces Command (JFCOM) und den damit verbundenen NATO-Posten des Supreme Allied Commander Transformation vom Senate Armed Services Committee des US-Senats bestätigt. (MarineCorpsTimes.com vom 28. September 2007; englisch) Mattis übergab den Kommandeursposten des I MEF am 5. November 2007 an Samuel T. Helland. Mit dieser Kommandoübergabe ging auch die Verantwortung für einige ausstehende Entscheidungen in den Militärgerichtsverfahren der Marines, die wegen Kriegsverbrechen im Irak unter Anklage stehen, an seinen bisherigen Stellvertreter und nunmehrigen Nachfolger Helland über. Vier Tage später, am 9. November, übernahm Mattis dann den Posten von Lance L. Smith beim JFCOM und der NATO.Mattis Takes JFCOM Helm at Norfolk Change of Command (DefenseLink.mil vom 9. November 2007; englisch)
Mattis ist Absolvent der Amphibious Warfare School in Quantico, des Marine Corps Command and Staff College sowie des National War College.
Nachdem Frankreich 2009 in die integrierten Kommandostrukturen der NATO zurückgekehrt war, erhielt im Gegenzug der französische Général d’armée aérienne Stéphane Abrial den Posten des Supreme Allied Commander Transformation. Mattis war seitdem nur noch Kommandeur des JFCOM.General Officer Announcement (DefenseLink.mil vom 28. Juli 2009; englisch) Im Mai 2010 wurde General Raymond T. Odierno als Mattis’ Nachfolger nominiert. mini|Mattis (links) mit dem damaligen Verteidigungsminister Chuck Hagel (2013) Am 21. Juli 2010 wurde Mattis als Nachfolger von General Petraeus für den Posten des Kommandeurs des US Central Command nominiert.General Officer Announcement (DefenseLink.mil vom 21. Juli 2010; englisch) Das Kommando des JFCOM gab er im Juli/August 2010 an seinen Stellvertreter Lieutenant General Keith M. Huber ab. Vom 11. August 2010 bis zum 22. März 2013 war Mattis schließlich Kommandeur des US Central Command. Sein Nachfolger wurde General Lloyd J. Austin III. (US Army).
Zitate
Im Irakkrieg und in der folgenden Besetzung befehligte er die dort eingesetzte 1. US-Marineinfanteriedivision. Bei einem US-Luftangriff auf Makar el Dhib am 19. Mai 2004 sollen nach Angaben des Fernsehsenders Al-Arabija mehr als 40 Menschen einer Hochzeitsgesellschaft getötet worden sein. In einer Pressekonferenz lehnte Mattis eine Entschuldigung ab und rechtfertigte den Angriff mit den Worten: US soldiers started to shoot us, one by one (Guardian.co.uk vom 21. Mai 2004; englisch)
Aus einer Podiumsdiskussion in San Diego, Kalifornien, am 3. Februar 2005 wird Mattis mit den Worten zitiert: General: It's 'fun to shoot some people' (CNN vom 4. Februar 2005; englisch) Nachdem diese Aussagen auf öffentliche Kritik stießen, ließ Mattis verlautbaren, er hätte seine Worte vorsichtiger wählen sollen.
Weitere Äußerungen von Mattis sind überliefert, so und 16 Most Hair-Raising General Mattis Quotes in: The Atlantic, online Juli 2010, Abruf am 7. März 2017James Mattis in: WikiQuote
Derartige Äußerungen und Vorgehensweisen führten dazu, dass Mattis den Spitznamen „Chaos“ und „Mad Dog“ bekam. Letzteren griff Trump auf, als er Ende November 2016 ankündigte, er werde „Mad Dog Mattis“ als Verteidigungsminister vorschlagen.Donald J. Trump: „We are going to appoint 'Mad Dog' Mattis as our Secretary of Defense“ in: USA Today, online 1. Dezember 2016, Abruf am 7. März 2017 Mattis selbst erwähnte seinen Spitznamen „Mad Dog“ während der Anhörung durch den Senat im Rahmen der Ernennung zum Verteidigungsminister und gab an, diesen habe ihm die Presse gegeben.Retired Marine Gen. James Mattis addressed his "Mad Dog" nickname at his Senate confirmation hearing for defense secretary in: CNN, online 12. Januar 2017, Abruf am 7. März 2017
US-Verteidigungsminister mini|James Mattis bei seiner Amtseinführung im Pentagon mit US-Vizepräsident Mike Pence (links) Mattis wurde am 2. Dezember 2016 vom damaligen President-elect Donald Trump für den Posten des Verteidigungsministers der Vereinigten Staaten nominiert. Laut National Security Act von 194710 U.S. Code § 113 muss der Militärdienst eines Kandidaten für das Amt des Verteidigungsministers mindestens sieben Jahre zurückliegen, um jenes antreten zu können. Im Falle von Mattis verabschiedete der Kongress eine Ausnahmeregelung, die Trump am Tag seiner Amtseinführung unterzeichnete. Dies geschah zuletzt 1950 zugunsten von George C. Marshall. Am selben Tag stimmte der US-Senat Mattis' Ernennung mit 98 Stimmen und einer Gegenstimme zu.
Am 20. Dezember 2018 gab Präsident Trump bekannt, Mattis werde Ende Februar 2019 von seinem Ministeramt zurücktreten. In seinem Rücktrittsschreiben ließ Mattis Differenzen zur Politik des Präsidenten erkennen. Er mahnte unter anderem zu Respekt im Umgang mit Verbündeten. Er werde zurücktreten, damit der Präsident einen Verteidigungsminister bekomme, mit dem er inhaltlich mehr übereinstimme. Die Information über den Rücktritt erfolgte einen Tag nach Präsident Trumps Ankündigung, er werde die US-Truppen aus Syrien zurückziehen, und gilt als offensichtliche Kritik an dieser Maßnahme. Wenige Tage später zog Trump das Rücktrittsdatum auf den 1. Januar 2019 vor. Patrick M. Shanahan war bis Mitte 2019 geschäftsführender Verteidigungsminister; danach war Mark Esper bis November 2020 Verteidigungsminister.
Nach der Amtszeit
Am 3. Juni 2020 äußerte sich Mattis in der Zeitschrift The Atlantic zu Trumps Präsidentschaft im Weißen Haus. Mattis schrieb unter anderem, Trump sei der erste Präsident, den er erlebe, der sich nicht darum bemühe, das Land zu einen, sondern seit drei Jahren versuche, das Land zu spalten. Er stellte sich in diesem Artikel hinter die Bürger, die nach dem Tod von George Floyd friedlich demonstrierten. Mit dem Militär auf die friedlichen Proteste in vielen US-Metropolen zu reagieren, sei ein Fehler.
Vor und nach seinem Amt als Verteidigungsminister beriet Mattis die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in militärischen Belangen.
2021 wurde Mattis in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
Auszeichnungen Auswahl der Dekorationen, sortiert in Anlehnung der Order of Precedence of the Military Awards: 60px Defense Distinguished Service Medal (2 ×) 60px Navy Distinguished Service Medal 60px Defense Superior Service Medal 60px Legion of Merit 60px Bronze Star 60px Meritorious Service Medal (3 ×) 60px Navy & Marine Corps Achievement Medal 60px Navy Unit Commendation 60px Afghanistan Campaign Medal 60px Iraq Campaign Medal 60px NATO Meritorious Service Medal 60px NATO-Medaille der International Security Assistance Force
Werke mit Bing West: Call Sign Chaos: Learning to Lead. Ballantine, New York 2019, ISBN 978-0-8129-9683-8.
Literatur Guy Snodgrass: Holding the Line: : Inside Trump's Pentagon with Secretary Mattis. Sentinel, New York 2019, ISBN 978-0-593-08437-3.Frauke Steffens: Rezension
Weblinks
James N. Mattis im Miller Center of Public Affairs der University of Virginia (englisch) General: It's 'fun to shoot some people' / Commandant gives counsel, acknowledges wrong word choice – CNN, 4. Februar 2005 (englisch). Chat im Jahre 2004 mit James Mattis bei Whitehouse.org (englisch) Florian Rötzer: Irak: Bombardierte US-Armee eine Hochzeitsfeier? US-General zweifelt an Zeugenberichten – RP-Online vom 19. Mai 2004. 'Brawler' general to lead Centcom: US general who once said it was "fun to shoot some people" picked to replace Petraeus. AJ, 9. Juli 2010 (englisch).
Einzelnachweise
Kategorie:Verteidigungsminister (Vereinigte Staaten) Kategorie:General (United States Marine Corps) Kategorie:Kommandeur des United States Central Command Kategorie:Kommandeur des United States Joint Forces Command Kategorie:Person im Zweiten Golfkrieg (Vereinigte Staaten) Kategorie:Person im Krieg in Afghanistan 2001–2021 (Vereinigte Staaten) Kategorie:Person im Irakkrieg (Vereinigte Staaten) Kategorie:Träger der Defense Distinguished Service Medal Kategorie:Träger der Navy Distinguished Service Medal Kategorie:Träger der Defense Superior Service Medal Kategorie:Träger des Ordens Legion of Merit Kategorie:Träger der Bronze Star Medal Kategorie:Träger der Meritorious Service Medal (Vereinigte Staaten) Kategorie:Träger der Navy & Marine Corps Achievement Medal Kategorie:Träger der Navy Unit Commendation Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1950 Kategorie:Mann