miniatur|Amir Hamzah, später: Wong Menak.Wayang-Kulit-Figuren aus Lombok des Sagenzyklus Serat Menak Sasak. miniatur|Prinzessin Munninggar, andere Namen: Munigarim, Putri Munigarim miniatur|Nursiwan, anderer Namen: Datu Muterin Jagat miniatur|Patih Bestak, andere Namen: Baktak, Bestak miniatur|Umarmaya, anderer Namen: Rakmiah miniatur|Selandir, andere Namen: Raja Selandir, Alam Daur
Das Serat Menak Sasak ist ein Sagenzyklus des Wayang Sasak, einer vom Volk der Sasak auf der indonesischen Insel Lombok entwickelten Variante des indonesischen Schattenspiels Wayang kulit, eines szenischen Schauspiels mit geschichtsmythologischem Hintergrund.
Allgemeines zum Wayang Sasak Als Wayang Sasak werden die verschiedenen auf Lombok heimischen Sagenzyklen des Schattenspiels (Wayang Kulit) bezeichnet, bei denen von Figuren aus getrockneter und geglätteter Rindshaut auf eine Leinwand geworfene Schatten betrachtet werden. Wayang bedeutet allgemein etwa „Schatten“, kulit ist die ungegerbte, pergamentartig getrocknete Tierhaut. Die Spielform wurde in Lombok und im Palast des Königs von Karangasem (Hauptstadt Amlapura) in Ostbali gepflegt, zu dessen Herrschaftsbereich im 19. Jahrhundert große Teile von Lombok gehörten. Die Spielführer (dalang) waren – auch im hinduistischen Bali – Sasak muslimischen Glaubens, die ihre Figuren altjavanisch und balinesisch sprechen ließen.
Neben dem Sagenzyklus Serat Menak wird auf Lombok noch die Geschichte vom Helden Alam Daur aufgeführt. Dieser Mann bekämpft siegreich alle möglichen Feinde und kommt überall durch. Die Aufführungen sollen für schwache und kränkliche Kinder heilsam sein. Die balinesische und aus der hinduistischen Kultur stammende Geschichte von Rare Kumara wird auf Lombok von zwei muslimischen Dalangs gespielt.
Ein Figurensatz des Wayang Sasak sollte mindestens aus 100 einzelnen Schattenspielfiguren bestehen. Ende der 1920er Jahre fand Roelof Goris (1936) in Ostlombok ein Schattenspiel mit 200 Figuren. Der Musikethnologe Tilman Seebass sah 1972 im Tempel Pura Pamaksan Karang Songkang im Stadtteil Cakranegara Timur im Osten von Mataram einen hölzernen Kasten (grobag) mit 300 Spielfiguren, die aus dem 17. Jahrhundert stammen sollten.Tilman Seebass, I Gusti Bagus Nyoman Panji, I Nyoman Rembang, I Poedijono: The Music of Lombok. A First Survey. Forum Ethnomusicologicum. Basler Studien zur Ethnomusikologie 2, hrsg. von Hans Oesch. Francke, Bern 1976, S. 37.
Die Helden und oft auch die Dämonen sind zwischen 45 und 60 Zentimeter hoch, die Frauen etwa halb so groß. Im Unterschied zum balinesischen Wayang gibt es keine Götterfiguren, und die Aufführung wird grundsätzlich nur von der Schattenseite betrachtet. Während das javanische Spiel mit der symmetrischen Darstellung des Weltenbergs oder Weltenbaums Gunungan eröffnet wird – auf Bali heißt er Kayonan, der den Kosmos der Unter-, Menschen- und Götterwelt symbolisiert, kommen auf Lombok zwei Gunungan zum Einsatz. Im Islam wird nicht die Ordnung der Welt als Einheit betont, sondern der Gegensatz zwischen dem Guten, Allah, und dem Bösen, Schaitan. Es gibt einen Gunungan auf der rechten und auf der linken Seite. Der am Boden liegende Bananenstamm, in den die Figuren gesteckt werden, heißt badeg jaya, die Lampe belencong. Der Dalang gestaltet die Aufführung nicht nach einer schriftlichen Vorlage, sondern präsentiert die Erzählung auf humorvolle Weise mit improvisierten Handlungen und Dialogen der Figuren.
Das Gamelan Wayang Sasak ist eines der großen traditionellen Orchester (Gamelan) in der Musik von Lombok. Der Dalang gibt mit dem hölzernen Klopfer keketak, den er zwischen den Zehen des rechten Fußes hält, einen wilden Rhythmus vor. Die Musikinstrumente, verschiedene Buckelgongs und die Bambusflöte suling, ähneln denen der balinesischen Wayang-Begleitorchester, der Musikstil ist dagegen verschieden. Etwa ab den 1980er Jahren setzte eine Popularisierung und Verflachung des klassischen Stils ein, in dem zum Beispiel die tanzenden volkstümlichen Charaktere von Dangdut-Unterhaltungsmusik begleitet werden.
Wayang Sasak wird nur noch selten bei offiziellen Anlässen und traditionellen Veranstaltungen aufgeführt. Die Gründe für das Verschwinden der Aufführungen sind das geringe Interesse der Zuschauer an dieser aus der Zeit gefallenen Kunstform, die geringe Zahl an noch aktiven Dalang und Musikern sowie der Mangel an einsatzfähigen Schattenfiguren. Die Erzählung Serak Menak ist in der Bevölkerung weniger bekannt als die großen indischen Epen Mahabharata und Ramayana. Es gibt zwar Bemühungen von einzelnen Dalang und Kulturinteressierten, die Tradition der Wayang Sasak-Aufführungen zu bewahren, die Unterstützung durch lokale Verwaltungen wird aber als zu gering eingeschätzt.Ashar Banyu Lazuardi, Pawito, Agung Satyawan: Performing Arts as Communication: The Traditional Media of Wayang Sasak in Digital Era. In: International Journal of Multicultural and Multireligious Understanding (IJMMU), Band 7, Nr. 7, August 2020, S. 121–128, hier S. 123f Ein Versuch, traditionelle Theaterformen stattdessen in einem heutigen Gewand aufzuführen, ist Wayang Hip-Hop.Wayang Hip Hop – Hip Hop Wayang (2012). Contemporary Wayang Archive
Serat Menak Das Programm besteht aus Geschichten, die im Mittelalter im Iran entstanden sind und im 16. und 17. Jahrhundert in die javanische Sprache übersetzt wurden. Über Java gelangten sie nach Lombok. Lontar Page, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt Held im Serat Menak ist der Menak (Ritter) Amir Hamzah, der Onkel des Propheten Mohammed, der in Java im Wayang golek (Stabpuppenspiel mit Holzfiguren) auftritt. Die Geschichten entstammen der hindu-javanischen Tradition und wurden mit islamischen Wertvorstellungen aufgeladen, sie sollten auf unterhaltsame Weise den Islam in Indonesien verbreiten.
Episoden des Serat Menak Amir Hamzah ist der Held des persischen Epos Hamzanama, das besonders durch ein Manuskript aus der Zeit des indischen Mogulkaisers Akbar I. (1542–1605) bekannt ist. Demnach wurde er in Mekka geboren und war ein Sohn von Abdul Muntalip, dem Statthalter von Mekka, der selbst aus einer jemenitischen Herrscherdynastie stammte. Zusammen mit seinem Freund Umarmaya, einer lustigen Figur (eine weitere Clownsfigur ist Umarmadi), kämpfte er siegreich gegen eine Räuberbande: Es waren Prinz Maktal aus Alabani und seine beiden Leibwächter Sapardan und Daundari, die die kleine Karawane mit den Tributzahlungen an den König von Medayin überfallen hatten. Sie wurden von Umarmaya und Amir Hamzah verfolgt, gestellt und es kam zum Kampf. Umarmaya tötete die beiden Leibwächter und Amir Hamzah kämpfte lange mit Prinz Maktal, bis der sich geschlagen geben musste. Der Preis, dass sein Leben geschont wurde: er und ganz Alabani mussten zum richtigen Glauben, dem Islam übertreten. Später wurde Maktal einer der besten Freunde von Amir Hamzah und sein oberster General. Durch einen Trick gelang es Amir, König Bahri Bahram von Jemen zu überwinden, worauf Mekka Königreich und Amir Hamzah Großkönig wurde.
Prinzip der einzelnen Geschichten innerhalb des Handlungsablaufs ist der Sieg über immer stärkere Gegner, die bekehrt werden, und am Ende jeweils die Belohnung in Gestalt einer schönen Prinzessin.
Amir warb um die Prinzessin Munninggar, dem einzigen Kind von Nursewan, dem Raja (König) von Medayin. Nur heißt „(göttliches) Licht“, Sewan bedeutet dunkel, schwarz, finster. Die dunkle Seite war auf jeden Fall sein Patih (Premierminister) Bestak. Nach einigen Abenteuern, die ihn bis nach Sri Lanka führten und während denen der Raja von Sri Lanka, Alam Daur, sein Freund und Weggenosse wurde, kehrte er nach Medayin zurück. Munninggar wurde gegen den Willen ihres Vaters seine Frau. Sie bleibt die wichtigste Frau in seinem Leben.
Er half Ajrak, dem Königreich der guten Geister. Die Prinzessin Putri Ismayawati, das einzige Kind von König Tamimasar von Ajrak, wurde seine zweite Frau. Die Ehe hielt nur wenige Tage und Wong Menak, wie sich Amir Hamzah jetzt nannte, kehrte nach Mekka zurück. Bei seinen Heldentaten kam Amir Hamzah in der ganzen damals bekannten Welt herum. Er war nicht immer siegreich, wurde im Kampf gegen Maharaja Jubil schwer verwundet, im Kahelani-Krieg besiegt und gefangen genommen. Er beriet Könige, stand ihnen bei und musste immer wieder Krieg führen, vor allem gegen seinen Schwiegervater Nursiwan. Selbst eine chinesische Prinzessin, Dewi Amdaninggar, entbrannte in Liebe zu ihm, sie kam im Kahelani-Krieg im Zweikampf mit der Kriegerprinzessin Kelansuara durch einen vergifteten Kris (Dolch) ums Leben. Kelansuara wurde die dritte Frau von Wong Menak. Sie bekam einen Sohn und nannte ihn Repatmeja. Um ihn ranken sich ebenfalls viele Erzählungen.
Wong Menak war viel unterwegs, besiegte Yunnan (Griechenland), Rum (Rom) und Mesir (Ägypten), eroberte sogar Turkestan (Kaos). Man nannte ihn in Mekka jetzt wong agung kelana jaya, das heißt in etwa, „Großer Herr, der siegreiche Wanderer“. Er bekam einen weiteren Namen, ratu seribu negara, „König der tausend Königreiche“. Am Ende der Kämpfe und Liebesabenteuer kehrte er nach Mekka zurück.
Es gibt auffällige Ähnlichkeiten zu Figuren und Episoden aus dem indischen Nationalepos Mahabharata. Selandir, Raja von Selan, hat viele Gemeinsamkeiten mit Bhima, dem zweiten der fünf Pandava-Brüder aus dem Mahabharata.
Figuren des Serat Menak Sasak miniatur|Abdullah Muntalip Abdullah Muntalip Andere Namen: Raja Muntalip, Muntalip
Abdullah Muntalip ist Statthalter in Mekka, das dem Königreich Yemen tributpflichtig ist. Er ist der Vater von Amir Hamzah, den er allerdings Ambyah nennt. Zu Beginn der Geschichte sitzt er in einer argen Klemme, weil er den Tribut an Yemen schon seit geraumer Zeit nicht mehr zahlen kann. Eine Dürreperiode hat alle Ernten zunichtegemacht und es herrscht Hunger in Mekka. Abdullah Muntalip fürchtet, dass die Truppen von Yemen jeden Tag aufkreuzen können, alles rauben, die Menschen versklaven und den Rest niederbrennen.
miniatur|Amir Hamzah Amir Hamzah Andere Namen: Ambyah, Saidina Amzah, Amir Ambyah, Wong Agung, Wong Agung Menak, Jayengrana, Jayang Rana, Wong Menak
Amir Hamzah ist der Hauptheld im Epos Serat Menak und im Epos Serat Menak Sasak, einer auf Lombok entstandenen Variante des Serat Menak. Amir Hamzah hat ein Geheimnis: Er kann sich so schwer machen, dass ihn niemand vom Boden hoch heben kann. Dies lässt ihn häufig im Duell Mann gegen Mann gewinnen.
miniatur|Bujar Bujar
Bujar ist einer der Riesen, die beim Gemetzel am Berg Jakalbab durch Flucht entkommen sind. Er und sein Zwillingsbruder Jawes sind jetzt Berater am Hofe von Mertu Jamut, einem Anführer der Riesen, der auch dem Gemetzel entkam. Bujar und Jawes bekommen den Auftrag Amir Hamzah zu töten, als dieser mit einer kleinen Armee in den Wäldern von Bari-Bara lagerte, wo auch diese Riesen eine neue Heimat gefunden hatten. Bujar und sein Bruder Jawes werden aber von Dewi Amdaninggar gestellt und besiegt. Amir Hamzah verschont aber ihr Leben und die beide werden seine Diener.
miniatur|Daundari Daundari
Daundari ist ein Jugendfreund von Maktal, dem Kronprinzen des Königreichs Albani. Er ist auch sein Leibwächter, der seinen Freund zusammen mit Sapardan vor allzu aufdringlichen Bewunderern abschirmt. Außerdem ist er beim Bogenschießen der Sparringspartner von Maktal. Er kommt im Kampf gegen Umarmaya ums Leben.
Dewi Amdaninggar Anderer Name: Amdaninggar
Dewi Amdaninggar hatte in drei aufeinander folgenden Nächten stets den gleichen Traum: Sie begegnet einem jungen, stolzen Krieger aus fernen Landen und er sieht völlig anders aus, als sie es gewohnt ist. Er hat runde Augen, eine große Nase und ist groß gewachsen. Sie verliebt sich in ihn und als man erfährt, dass er Großkönig ist, wird der Heirat stattgegeben. Doch der