mini|Klosterkirche St. Georg zu Weltenburg
Die römisch-katholische Klosterkirche St. Georg des Benediktinerklosters Weltenburg steht am Eingang des Donaudurchbruchs, gehört zur Stadt Kelheim in Bayern. Sie ist über eine Stichstraße vom Kelheimer Ortsteil Weltenburg oder mit Personenschifffahrt von Kelheim aus erreichbar. Die Klosterkirche ist eine der wichtigsten Sakralbauten des Barock in Europa. Ihre heutige Erscheinungsform entstand 1716 bis 1718 und wurde in der Folgezeit von den Brüdern Asam im Stil des Spätbarock ausgestattet. Zusammen mit der Klosteranlage steht die Kirche unter Denkmalschutz. Ihr Patrozinium ist dem hl. Georg gewidmet. Die Weltenburger Klosterkirche dient auch als Pfarrkirche der gleichnamigen Pfarrei im Dekanat Kelheim des Bistums Regensburg. Das Patronatsfest wird am Georgstag, dem 24. April gefeiert.
Geschichte mini|Fassade der Klosterkirche Weltenburg mini|Innenraum der Klosterkirche, Blick zum Hochaltar mit der Darstellung von St. Georg mini|Kanzel aus Weltenburger Marmor mit Figur des hl. Benedikt
Erste Bauphase Eine erste Klosterkirche St. Georg in Weltenburg soll bereits um 700 durch den heiligen Rupert, den „Apostel der Baiern“, geweiht worden sein. Eine unter den von 1123 bis 1328 in Weltenburg lebenden Augustiner-Chorherren neu erbaute Kirche wurde 1191 geweiht. Diese wurde unter Abt Konrad V., wieder ein Benediktiner, in den Jahren 1447 bis 1449 zusammen mit den übrigen Klostergebäuden renoviert. Bei diesem Gotteshaus soll es sich um einen einschiffigen langrechteckigen Saalbau mit Flachdecke und nicht eingezogenem, gerade geschlossenem Chor gehandelt haben. Auch der Turm soll damals bereits von der Klosterkirche getrennt gewesen sein – in den Ostflügel des Konventbaus integriert.. Online auf kloster-weltenburg.de. Abgerufen am 15. März 2016.
In den Jahren 1606 bis 1608 wurde ein Turm errichtet, welcher als Abschluss eine Laterne mit Zwiebelhaube erhielt. Von diesem Turm ist heute noch das Untergeschoss erhalten, während der neue Aufbau aus dem Jahr 1763 stammt. In den Jahren 1633 und 1634, also mitten im Dreißigjährigen Krieg, wurde das Kloster geplündert. Dabei wurde auch die Kirche ausgeraubt und die Glocken gingen verloren. 1642 goss Georg Schelchshorn eine neue, etwa fünf Zentner schwere Glocke für die Klosterkirche, die noch heute erhalten ist und den Viertelstundenschlag besorgt. Eine weitere Glocke stellte 1657 Johann Schelchshorn, der Sohn des Georg Schelchshorn, her. Diese musste allerdings 1804 im Zuge der Säkularisation nach München abgeliefert werden.
Zweite Bauphase Im Zuge einer kompletten Erneuerung der Klosteranlage ab 1714 entstanden unter Abt Maurus Bächl zunächst der Wohnbereich der Mönche und danach, ab 1716 die Klosterkirche. Die aktuelle Forschung vertritt nun wieder die frühere Überzeugung, dass Kloster und Kirche von zwei sehr unterschiedlichen Baumeistern geplant wurden.Gabriele Dischinger: Die barocke Klosteranlage in Weltenburg. Neue Forschungen zur Architektenfrage und zum Hochaltar. Sonderdruck aus: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens 134. EOS Verlag, Sankt Ottilien 2023, ISSN 0303-4224. S. 460–461. Dem franziskanischen Ordensbaumeister Frater Philipp Plank (Blank) ist lediglich der Entwurf für das Konventgebäude zuzuschreiben, die Kirche und die Anordnung von Brauerei, Stallungen und Wirtschaftsbauten gehen aber mit großer Sicherheit 1716 auf das Eingreifen des in Rom ausgebildeten Malers und Raumschöpfers Cosmas Damian Asam zurück. Zwischendurch hatte die These, Fr. Philipp Plank könnte für die ganze Anlage verantwortlich sein,Hans Christian Egger: Die Abtei Weltenburg und die Gebrüder Asam – Eine Richtigstellung. Die neue Baugeschichte eines Barockjuwels. Dissertation. disserta Verlag, Hamburg 2014. ISBN 978-3-95425-526-9. für Verunsicherung gesorgt. Lothar Altmann: Benediktinerabtei Weltenburg a.d. Donau. Geschichte und Kunst. (= Große Kunstführer 86). Regensburg 1997, ISBN 3-7954-1117-3.
Wie das Kloster wurde auch die neue Kirche unter Leitung des Maurerpaliers Michael Wolf an der Stelle des Vorgängerbaus errichtet. Der getrennt stehende, in den Klosterostflügel integrierte Turm blieb erhalten. Dass der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck am 29. Juni 1716 den Grundstein zu dem Gotteshaus legte, hatte zwei Gründe: Zu der Zeit war der Regensburger Bischofsstuhl vakant und Abt Maurus Bächl verband eine freundschaftliche Beziehung mit dem Fürstbischof. Derselbe weihte am 9. Oktober 1716 auch den Rohbau der ovalen Klosterkirche, die sich am Ende als einzigartiges Werk der gemeinsamen Bemühungen von Auftraggeber Abt Maurus Bächl, des Cosmas Damian Asam sowie dessen kongenialen Bruders, des Bildhauers und Stuckators Egid Quirin Asam präsentierte. Lothar Altmann: Benediktinerabtei Weltenburg a.d. Donau. Geschichte und Kunst. (= Große Kunstführer 86). Regensburg 1997, ISBN 3-7954-1117-3.
In der Zeit von 1718 bis 1722 führte der Steinmetzmeister Pietro Francesco Giorgioli unter anderem die Marmorarbeiten in der neuen Kirche aus, zum Beispiel die Säulen und die Brüstung der Orgelempore sowie die Chorschranke. Im Jahr 1721 wurden das große Deckenfresko der Kirche von Cosmas Damian Asam gemalt und signiert sowie von seinem Bruder Egid Quirin Asam die Flächen der Halbkuppel mit Figuren und Reliefs stuckiert und der Hochaltar mit der Reiterstatue des hl. Georg in einer ersten Fassung aufgestellt. Zwei Jahre später wurde dieser Altar durch weitere Figuren ergänzt, außerdem erhielt die Kirche nun die Apsis im Osten als Anbau hinter dem Hochaltar anstelle eines geraden Wandabschlusses. In den Jahren 1723 und 1724 wurden durch Maria Salome Bornschlögl, geb. Asam, letzte Fassmalerarbeiten am Hochaltar ausgeführt.
1732 fertigte der Steinmetz Johann Jakob Kürschner die Kanzel aus Weltenburger Marmor. In den Jahren 1734 bis 1736 vollendete Egid Quirin Asam die aufwändigen Stuckaturen im Inneren der Kirche und fertigte insgesamt vier Seitenaltäre. Für drei dieser Altäre schuf sein älterer Bruder Cosmas Damian die Altarblätter, für den vierten der Landshuter Maler Matthias Daburger. Cosmas Damian Asam malte in dieser Zeit auch mehrere Wandfresken, vor allem die Bilder in den beiden Querarmen. 1735 und 1736 wurde außerdem das Gestühl von dem Bildhauer Franz Anton Neu aus Prüfening angefertigt, 1736 vier marmorne Beichtstühle wiederum von Johann Jakob Kürschner. Während der Arbeiten an dem Deckenfresko des Hochaltarraumes verstarb Cosmas Damian Asam am 10. Mai 1739, sodass sein Sohn Franz Erasmus Asam das Gemälde vollenden musste. Außerdem malte er 1745 ein Deckenfresko im Vorraum der Kirche. Mit der Errichtung eines neuen Turmobergeschosses und eines neuen Turmhelmes 1763 durch den Maurermeister Christoph Wolf aus Regensburg hat die Klosterkirche weitgehend ihr heutiges Aussehen erhalten.
Größere Renovierungsmaßnahmen an dem Kirchengebäude wurden 1874, 1887 bis 1890, 1928 bis 1931, 1960 bis 1962 sowie um 2000 durchgeführt.
Beschreibung
Architektur Durch ihre Lage zwischen den Konventgebäuden des Klosters Weltenburg und dem Frauenberg ist die Kirche von außen im Vergleich zu den Reichtümern im Inneren eher unscheinbar. Von außen vom Klosterhof fallen nur der Turm und die ovale Kuppel des Zentralbaus auf. Ersterer ist nicht mit dem Kirchengebäude an sich verbunden, er ist vielmehr als Dachreiter auf den Ostflügel des Konventgebäudes aufgesetzt. Die Kuppel ist glatt verputzt und besitzt in ihrem oberen Aufsatz zwölf gleichmäßig am Umfang verteilte Fenster, die abwechselnd oval und geschweift umrahmt sind. Die Hauptfassade liegt auf der Westseite der Kirche zum Klosterhof hin, wo sich auch der bekannte Biergarten befindet. Es handelt sich um eine Hausteinfassade mit Dreiecksgiebel, auf dessen Spitze eine Figur des heiligen Benedikt thront. Die Gliederung erfolgt durch zwei verkröpfte Pilaster pro Seite, die je ein abgestuftes Kranzgesims tragen. Das hölzerne Kirchenportal ist von zwei Säulenpaaren flankiert, darüber ein logenartiges Rundbogenfenster.. Online auf kloster-weltenburg.de. Abgerufen am 15. März 2016.
Innenraum Der Innenraum der Klosterkirche ist dreigeteilt in die westliche Vorhalle, den Hauptraum in der Mitte und das Presbyterium, welches traditionell nach Osten ausgerichtet ist.
Vorhalle Die Vorhalle besitzt einen ovalen Grundriss und eine vergleichsweise niedrige Flachdecke. Sie wird durch zweimal drei ionische Pilaster an den Wänden gegliedert. Darüber befindet sich die Orgelempore mit dem Psallierchor, der den Mönchen vorbehalten ist. Dieser Raum ist mit einem Tonnengewölbe ausgestattet und wird durch die hohe Emporenbrüstung und den Orgelprospekt vom Hauptraum der Kirche abgetrennt. Vorhalle und Psallierchor werden durch Fenster in der Westfassade ausgeleuchtet. Die Gestaltung der Vorhalle wurde 1751 von dem Bildhauer Franz Anton Neu aus Prüfening nach den Plänen der Brüder Asam vorgenommen. Da dieser Teil der Kirche als letzter fertiggestellt wurde, gehen die Stilmerkmale der Vorhalle schon deutlich stärker in Richtung des Rokoko als im Rest der Kirche. Links und rechts befindet sich je ein hölzerner Beichtstuhl, darüber aufwändig stuckierte Brustbilder der beiden Bußheiligen Petrus (links) und Magdalena (rechts). Auch die Deckengestaltung ist bemerkenswert. Das zentrale Deckenfresko von Franz Asam, dem Sohn von Cosmas Damian Asam, aus dem Jahr 1745 zeigt das Jüngste Gericht. An den Rändern befinden sich Kartuschen mit Stuckgebilden von den vier letzten Dingen: auf der linken Seite der Tod mit den Insignien der weltlichen und geistlichen Macht; über dem Portal das Gericht mit Waage, Schwert und Buch mit Richterspruch als Zeichen der Gerechtigkeit Gottes; auf der rechten Seite die Hölle mit einem Ouroboros, einer Schlange, die einen Kreis bildet, Flammen, einer Fackel und einem leeren Gefäß als Symbole; über dem Durchgang zum Hauptraum der Himmel mit einem gleichseitigen Dreieck mit dem Auge der Allwissenheit als Zeichen der Dreifaltigkeit Gottes.
Hauptraum mini|Deckenfresko der Klosterkirche des Klosters Weltenburg, am unteren Rand des Freskos befindet sich das bekannte Selbstporträt von Cosmas Damian Asam mini|Die Brüder Egid Quirin Asam (links im Deckengemälde) und Cosmas Damian Asam (rechts als Stuck-Skulptur) in der Klosterkirche Weltenburg Der Hauptraum besitzt ebenfalls einen ovalen Grundriss und ist mit 19,5 Metern Länge und 14,5 Metern Breite sehr klein für eine Abteikirche. Durch die offene Kuppelkonstruktion, die in 20 Metern Höhe flach abgedeckt ist, wirkt der Kirchenraum jedoch imposant. Auch die aufwändige künstlerische Gestaltung mit goldglänzendem Stuck und farbenfrohen Decken- und Wandfresken ist außergewöhnlich. Die Gliederung des Hauptraumes erfolgt durch acht Säulen aus Weltenburger Marmor, die einerseits die Kuppel zu tragen scheinen, andererseits acht Wandnischen voneinander abtrennen. Ein Vorbild für die Raumgestaltung könnte die Kirche Sant’Andrea al Quirinale in Rom gewesen sein. Die Nischen teilen sich auf in vier große und ebenso viele kleine Nischen, die abwechselnd angeordnet sind und alle nach oben mit einem Rundbogen abschließen. Die großen Nischen durchbrechen dabei jeweils das Gesims am Fuß der Kuppel, während die kleinen Nischen mit rund 11 Metern Höhe unterhalb dieses Absatzes abschließen.