Johann Zacharias Gleichmann (geboren vor 1700; gestorben 1758) war ein deutscher Schriftsteller, Jurist und Verwaltungsbeamter.
Leben Über die Lebensumstände Gleichmanns ist nur wenig bekannt. Er war ein herzoglich sachsen-weißenfelsischer Sekretär, herzoglich gothaischer Hofadvokat und Steuereinnehmer zu Ohrdruf in Thüringen. Das Jöchersche Gelehrten-Lexicon vermutet (dezidiert unfreundlich), man hätte Gleichmann „seines Dienstes als Steuer-Einnehmer entsetzet; wenigstens wimmert er in seinen Schriften mehrmals über die Ungnade des Herzogs und seine dürftigen Umstände“. Ähnlich in Christoph Weidlichs Lexikon der Rechts-Gelehrten in TeutschlandWeidlich: Geschichte der jetztlebenden Rechts-Gelehrten in Teutschland. Bd. 1. Merseburg 1748, .: „in fast allen Schriften pimpelt er, daß sein Haupt annoch im Staube des Elendes darnieder liege, seine Umstände wären in gewissen Sachen sehr gefährlich, er wäre der Gnade seines theuresten Herzogs nicht völlig versichert, und dergleichen mehr.“ Auch Weidlich entnimmt den Schriften, dass Gleichmann von seiner Steuereinnehmerstelle suspendiert worden sei: „Er giebt zur Ursache an, daß er durch viele Hauß-Creutz und andere Unglücks-Fälle in einen schlechten Zustand gerathen, und ein unglückseliger Mann worden. Es scheinet aber auch, als ob seine Rechnungen nicht die richtigsten gewesen“. Gleichmann wurde tatsächlich 1731 von einer Familientragödie betroffen, als drei Mitglieder seiner Familie innerhalb weniger Tage von der roten Ruhr hingerafft wurden. Am 1. August starb nämlich sein neunjähriger Sohn Johann JustinianGleichmann: Die gute Art eines frommen Kindes. Jena 1731, . und am 12. August starben seine dreijährige Tochter Juliana Catharina Elisabeth und wenige Stunden später seine Frau Martha Christina.Gleichmann: Gerechte Thränen. o. O. 1731, . Gleichmann hatte Martha Christina Thil (geb. 1699 in Schmalkalden), Tochter von Johann Valentin Thil, Bürgermeister in Ohrdruf, 1718 geheiratet. Zwei weitere Kinder, nämlich Christian David und Friderica Sophia Dorothea, waren 1731 am Leben.
Gleichmann ist der Verfasser zahlreicherWeidlich gibt 58 Schriften an, in der ADB wird als Anzahl der Schriften 61 angegeben., unter ebenso zahlreichen Pseudonymen erschienener Schriften, die sich mit Fragen des Fürstenrechts, des deutschen Münzwesens und mit Vorliebe der kritischen und polemischen Behandlung sensationeller Fragen befassen, so etwa wird in mehreren Schriften die Frage der Wahrheit der Geschichte von der Päpstin Johanna behandelt. Teilweise sind diese Schriften Beispiele einer nachbarocken Buntschriftstellerei, also Sammlungen von Kuriositäten, Seltsamkeiten und Anekdoten. Die von ihm verwendeten Pseudonyme sind Claramandus, Clarus Michael Hellmond, Fridamandus, Johannes Curiosophilus, Johannes Sperante, Justamandus, Lunamandus, Miramandus, Puramandus, Sinceramandus, Variamandus, Veramandus und Waldorff, häufig mit Varianten (e.g. Fridemandus statt Fridamandus). Weidlich vermutet, dass Gleichmann nicht der eigentliche Name sei, sondern das Clarus Michael Hel(l)mond der richtige Name wäre, was aber offensichtlich nicht zutrifft. Einen nennenswerten Anteil seines Werkes bilden auch Erwiderungen, Polemiken und Abrechnungen mit tatsächlichen und vermeintlichen Gegnern, die teilweise unter vom Verfasser einer angegriffenen Schrift abweichendem Pseudonym veröffentlicht wurden, wohl mit der Absicht, die Parteinahme (unvoreingenommener) Dritter vorzutäuschen. Schließlich gehören zu Gleichmanns Schriften noch auf Latein verfasste Abhandlungen sowie einige Übersetzungen aus dem Französischen.
Im Vorwort von Die engeländische BaniseChristian Ernst Fidelius: Die engeländische Banise: Oder Begebenheiten der Prinzeßin von Sussex, in einer Liebes- und Helden-Geschichte der curiösen Welt mitgetheilet. Frankfurt am Main & Leipzig 1754, . (1754), einem Roman in der Nachfolge von Zieglers Asiatischer Banise, schreibt der sonst unbekannte Autor Christian Ernst Fidelinus über Zieglers Banise, dass darin „so viele kluge und politische Regeln und Staats-Maximen enthalten, daß ich mich nicht schäme, allhier zu bekennen, daß ich in denen An. 1726 edirten sechshundert politischen Regeln und Staats-Maximen die allermeisten aus dieser incomparablen Banise 1. Theile genommen habe.“. Das genannte Werk Sechs Hundert Auserlesene Christlich Politische Regeln ist 1726 unter dem Namen Johanes Sperante erschienen, einem der von Gleichmann verwendeten Pseudonyme, weshalb Florian Gelzer vermutet, dass Christian Ernst Fidelius ein weiteres Pseudonym Gleichmanns ist.Florian Gelzer: Konversation, Galanterie und Abenteuer: Romaneskes Erzählen zwischen Thomasius und Wieland. De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 3-11-093740-9, S. 230, Fn. 108. Hinzu kommt, dass Gleichmann sich im Vorwort des 1754 erschienenen Romans Bewundernswürdige Begebenheiten Des Europäischen Herkuliskus, der von Patrick Bridgwater als ein Vorläufer des gothic novel eingeordnet wirdPatrick Bridgwater: The German Gothic Novel in Anglo-German Perspective. Internationale Forschungen zur Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft Bd. 165. Rodopi, Amsterdam 2013, ISBN 94-012-0992-8, , in ganz ähnlicher Form mit Nennung der gleichen Vorbilder äußert.
Neben seinen Schriften sind Korrespondenzen von Gleichmann erhalten, so mit dem Frankfurter Schriftsteller Zacharias Konrad von Uffenbach, ein Brief an Friedrich von Hessen-KasselKalliope-Suche zu Gleichmann mit Fundstellen in den Beständen der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg und der Universitätsbibliothek Kassel. und Briefe von Gleichmann an Johann Heinrich Callenberg.Abfrage zu Gleichmann in der Datenbank zu den Einzelhandschriften in den historischen Archivabteilungen der Franckeschen Stiftungen (s. ).
Schriften 1711–1723: Dreyzehen Proben Von einer unbetrüglichen Fürstlichen Macht-Kunst. 1712: Das aus dem sächsischen Lehn- und Land-Recht einem Lehn- und Landes-Fürsten vindicirte Fruchtniessende Vormundschaffts-Recht über seine unmündige adeliche Pupillen als einer rechtmässig- und vortrefflichen Art die Intraden zu vermehren zur Behauptung des Modi II. Cap. II. der ersten Probe einer unbetrüglichen fürstlichen Macht-Kunst an das Licht gegeben. 1715: Unpartheyisches raisonnement was von deren bishero unter dem Nahmen Clarus Michael Helmond edierten Proben von einer unbetrüglichen fürstl. Macht-Kunst auch anderen Helmondis Schriften zu halten, in einem Gespräch zweier Freunde : nebst einer Probe von einer unbetrüglichen adlichen Macht-Kunst. Jena. 1717: Delineatio iuris publici Saxonici … Jena. 1718: Discurs von dem Politischen Nutzen der Teutschen Müntz-Wissenschaft mittler Zeiten, Darinne kürtzlich gezeiget wird Wie solche Wissenschafft zu der Vermehrung derer Fürstl. Einkünffte anzuwenden. Leipzig. 1719: Erste Fortsetzung des Discurses von dem politischen Nutzen der Müntz-Wissenschaft, darinne kürtzlich gezeiget wird, wie ein Landes-Fürst dadurch seinen Splendeur vermehren und seinen Namen unsterblich machen könne. Leipzig. 1720: De officio Principis, quando annona deficit. 1720 (nicht nachgewiesenNr. 9 in der Auflistung von Weidlich. Von Gleichmann erwähnt in: Von dem Nutzen der Münzwissenschaft. In: Samuel Wilhelm Ötter: Gedoppelte Probe einer neuen Zeitung. .). 1723–1727: Spicilegium nonnullorum scriptorum reformationis historiam illustrantium. 4 Bde. Gotha. 1724: Zweier vertrauten Freunde aufrichtiges … Gespräch von der Practicabilitat und Nutzen derer Gleichmannischen und Helmondischen Proben von einer unbetrüglichen Fürstlichen Macht-Kunst. Jena, . 1724: De bene fundata praetensione serenissimae domus Saxonicae ad burggraviatum atque mareschallatum Würtzburgensem brevis dissertatio. . 1724–1731: Sonderbahre Merckwürdigkeiten aus der Berühmten Land-Graffschafft Thüringen. 10 Bde. Jena & Leipzig, . 1725: Historische Nachricht, Von dem Sächsischen Gross-Hertzoglichen Majestät-Siegel, Welches vor Alters Unterschiedliche Hertzoge von Sachsen gebrauchet, aus wichtigen und raren Diplomatibus. Jena, . 1725–1727: Gespräch In dem Reiche der Todten. 7 Bde. Frankfurt. 1725: Gespräch In dem Reiche der Todten Zwischen D. Martin Luthern, Und D. Samuel Strycken : Darinnen Von denen Mitteln zur Vermeidung und Ausrottung der weitläuftigen und kostbahren Gerichtlichen Processe, Von der gäntzlichen Abschaffung des Juris Canonici Aus Protestantischen Staaten, Und von andern Der Republic sehr nützlichen Dingen … gehandelt wird. 1725 1725: Erste Fortsetzung, Derer neulich zwischen Luthero und Stryckio, angefangenen Gespräche im Reiche der Todten, Worinnen für dieses mal auffgeführet werden, Der am 7. Decembr. 1724. in Thoren, enthauptete Herr Praesident, Johann Gottfried Rößner, Und der, Auff dem Concilio zu Costnütz Anno 1415. wegen standhafftiger Bekennung Evangelischer Warheit, Verbrante Mag. Johann Huß. . 1727: Anderte Fort-Setzung, Derer Gespräche Im Reiche der Todten, Zwischen dem Thornischen Praesidenten Johann Gottfried Rößner, Und Mag. Johann Hussen. 1727: Dritte Fort-Setzung, Derer Gespräche im Reiche der Todten, Zwischen dem in Thoren decollirten Praesidenten, Hn. Joh. Gottfr. Rößner, Und Dem, zu Costnütz, wegen standhaffter bekennung der Evangelischen Warheit, von denen Papisten verbrenneten Mag. Herrn Johann Hussen, Welchem sich jetzo abermal beygesellet, der, in der Reformations-Historie, Hochberühmte Fränckische Edel-Mann, Herr Ullrich von Hutten, Welcher sein sehr merckwürdiges Leben vollends erzehlet. . 1727: Vierte Fort-Setzung, Derer Gespräche im Reiche der Todten, Zwischen Der Weltbekanten Päbstinn Johanna, Welche unter dem Nahmen Johannis VIII. den Römisch-Päbstlichen Stuhl eine Zeitlang besessen, Und einem Lutherischen Magister, Der auff einer berühmten Lutherischen Universität, die Gewißheit der Historie von dieser Päbstinn, In einer Oeffentlichen Disputation behauptet hat. . 1727: Fünffte Fort-Setzung, Derer Gespräche im Reiche der Todten, Zwischen Dem, in Thoren decollirten Praesidenten Hn. Jo. Gottfriedt Rößner, Dem zu Costnütz verbrandten Magister Johann Hußen, Und Dem tapfferen, und Teuschlandes Wohlfahrt, auch das Auffnehmen der wahren Evangelischen Religion, rechtschaffen liebenden, Fränckischen Edel-Mann, Herrn Ulrich von Hutten. . 1727: Sechste Fortsetzung Derer Gespräche im Reiche der Todten, Zwischen Denen Welt-berühmten Thüringischen Graffen, Graff Ludwigen, den Springer, Und Graff Ludwigen von Gleichen, dem Zweyweibigen. . 1727: Abgenöthigte und rechtmäßige Retorsion, Auff ein schändliches Pasquill, So ohnlängst wider die Gespräche im Reiche der Todten, Absonderlich wider die Vierte Fortsetzung, Von Bellerophonte, Und einem, Der sich unter folgenden Buchstaben: G. B. R. O. P. W. verborgen. Frankfurt, . 1726: Sechs Hundert Auserlesene Christlich Politische Regeln, Und Staats-Maximen : Zur Beförderung der wahren Staats-Klugheit / Mit Fleiß collogiret, Und aus Liebe zur Wohlfart der Republiquen, Nebst einer Vor-Rede, an das Licht gegeben, Von Johanes Sperante. Allendorf an der Werre, . 1728–1730: Der redlich-gesinnte, und auf seiner Reise durch Teutschland alles nützliche und schädliche wohl observirende, und nach Befinden darüber raisonnirende Teutsche Patriot. 4 Bde. Frankfurt. 1728–1730: Gespräche Jm dem Reiche der Todten. Frankfurt & Leipzig, . Erstes Gespräch Jm dem Reiche der Todten, Zwischen Pavlo Odontio, gewesenen Evangelischen Prediger, zu Waldstein in der Steuermarck, … Und dem Roberto Barns, Einem Engelländer, Welcher Zu Anfange der grossen Evangelischen Reformation … jämmerlich verbrannt worden. Andertes Gespräch Jm Reiche derer Todten, Zwischen dem Käyser Günther, einem gebohrnen Grafen von Schwartzburg, und … Päbstlichen Ablaß-Krähmer Johann Tetzeln, Welchen sich noch beygesellet, Ein gewisses Frauen-Zim[m]er aus Spanien.