Der Imperativ in der spanischen Sprache, (modo) imperativo (von lat. , zu ‚befehlen‘; dt. Befehlsform) ist ein grammatischer Modus des Verbs. Er wird in erster Linie für Aufforderungen und Befehle, Mahnungen, Vorschriften oder Ratschläge und Einladungen aber auch Erlaubnisse benutzt, der verneinte Imperativ (Prohibitiv) drückt Verbote aus. Der Imperativ dient somit nicht zu Aussagen, sondern zum Ausdruck eines besonderen Sprechakts.
Die spanischen Modi (Übersicht) Als unmarkierter Modus gilt der Indikativ, modo indicativo. Er erscheint typischerweise in Aussagen über die Wirklichkeit. Die übrigen Modi sind: Subjunktiv, modo subjuntivo Er setzt den ausgesagten Inhalt als möglich an oder markiert subjektive Einstellungen wie Unsicherheit oder Wunsch. Konditional, (modo) condicional Er setzt den ausgesagten Inhalt als bedingt an. Imperativ, modo imperativo Er setzt den ausgesagten Inhalt als befohlen an. Auffordernd, befehlende Einstellung.
Die Modi geben die subjektive Einstellung, Bedingtheit, also Zusammenhänge zwischen Objekten und den Repräsentationen im menschlichen Bewusstsein sowie der Aufforderung wieder. Der amerikanische Linguist Matte (1988)Edward J. Matte: French and English Verbal Systems. A Descriptive and Contrastive Synthesis. Peter Lang, New York 1988, ISBN 0-8204-0756-9, S. 2; 165.Edouard J. Matte: Structures de la Pensée: Modes/Temps/Aspects/Modes de Procès en anglais et en français. Peter Lang, New York, San Francisco, Bern, Baltimore, Frankfurt am Main, Berlin, Wien, Paris 1992, ISBN 978-0-8204-1880-3. bezieht die einzelnen Modi auf kognitive Prozesse, genauer auf einen unterschiedlichen Abstraktionsgrad, den sie aufwiesen oder auslösten, indem sie sich voneinander unterschieden. Ihrem Abstraktionsgrad entsprechend ordnete er die Modi folgendermaßen an: Indikativ, Imperativ, Konjunktiv, Konditional, Infinitiv. Nach seinen Überlegungen befände sich der Indikativ auf der niedrigsten Abstraktionsstufe, er repräsentierte die Realität und erlaubte dem Sprecher, den Sachverhalt zeitlich einzuordnen. Der Imperativ brächte den Willen des Sprechers zum Ausdruck und stünde damit den „zeitlosen“ Modi (Konjunktiv, Konditional, Infinitiv) näher als dem eindeutig „zeitgebundenen“ Indikativ. Aus diesem Grund würde der Imperativ als eine Brücke zwischen dem Indikativ und dem Konjunktiv betrachtet werden. Auf einer weiteren, höheren Abstraktionsstufe befände sich der Konjunktiv, der zwar ebenfalls wie der Imperativ den Willen (Befehle, Wünsche, Bedingungen, Bitten) ausdrückte, aber auch eine Reihe an anderen Modalitäten formulierte, so die Subjektivität (in Urteilen, Meinungen, Überzeugungen, Wünschen u.ä.m.) und des Zweifels. Schließlich wiese der Infinitiv als die nicht flektierte Verbform den höchsten Abstraktionsgrad auf. Er benennt verschiedene Arten von verbalen Prozessen auf abstrakte Weise, losgelöst von jeglicher zeitlichen Referenz und gleicht damit dem Substantiv.
Da der Imperativ den Willen des Sprechers zum Zeitpunkt der Rede ausdrückt, bezieht er sich damit auf die unmittelbare oder entfernte Zukunft. Damit weist er mehr Gemeinsamkeiten mit den „zeitlosen“ Modi Konjunktiv, Konditional und Infinitiv auf.
Nach Gabriele Diewald (1999)Gabriele Diewald: Die Modalverben im Deutschen: Grammatikalisierung und Polyfunktionalität (= Germanistische Linguistik. Band 208). Doktorarbeit Universität Erlangen-Nürnberg 1998. Niemeyer, Tübingen 1999, ISBN 3-484-31208-4 (Nachdruck: De Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-094594-2). sind die Modi des Indikativs, Konjunktivs und Imperativs deiktische Kategorien, durch die ein Sprecher den „Faktizitätswert“ des versprachlichten und dadurch dargestellten Tatbestandes, Sachverhalts bewertet. Sie sieht im Indikativ eine „origo-inklusive Stufe oder faktische Stufe“ der Modalität; sie sieht die versprachlichten Ereignisse in den gleichen Bereich der Tatsächlichkeit eingeordnet wie die Origo, dem Bezugspunkt der Deixis.Gabriele Diewald: Deixis und Textsorten im Deutschen (= Germanistische Linguistik. Band 118). Niemeyer, Tübingen 1991, ISBN 3-484-31118-5, S. 244 (Nachdruck: De Gruyter, Berlin/Boston 1991, ISBN 3-11-137640-0). Der Imperativ und der Konjunktiv dagegen repräsentieren die „origo-exklusive oder nicht-faktische Stufe“ der Sprecher sieht die versprachlichten Ereignisse, Tatbestände nicht im gleichen Bereich der Tatsächlichkeit wie die Origo befindlich dargestellt.
Bildung und Verwendung des spanischen Imperativo Der spanische Imperativ wird am Verb rein grammatikalisch–morphologisch gebildet. Prinzipiell unterscheidet man den bejahenden Imperativ, imperativo positivo o afirmativo vom verneinenden Imperativ, imperativo negativo. – Beispiele: ¡Orad conmigo! Betet mit mir! ¡No hable conmigo! Nicht Sie sprechen mit mir! ¡Hable con ella! Sprechen Sie mit ihr! ¡Dame el coche! Gib mir das Auto! In der deutschen Sprache wird zwischen beiden Formen des Imperativs kein Unterschied gemacht. – Beispiel: (Ihr) hört! und (Ihr) hört nicht!
Der spanische Imperativo afirmativo o positivo
Der imperativo kann in allen außer der ersten Person singular, primera persona gebildet werden:Hans-Georg Beckmann: Neue Spanische Grammatik. dnf-Verlag, Göttingen 1994, ISBN 3-9803483-3-4, S. 297–208.Margarita Görrissen: Praxis-Grammatik. Spanisch. Pons, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-12-561954-8, S. 150–157.
Infinitivo Personalpronomen im Nominativ Verben auf -ar Verben auf -er Verben auf -ir tú; él, ella, usted; nosotros,-as; vosotros, -as; ellos, ellas, ustedes -a; -e; -emos; -ad; -en -e; -a; -amos; -ed; -an -e; -a; -amos; -id; -an hablar habl-a; habl-e; habl-emos; habl-ad; habl-en tú entspricht dritte Person presente de indicativo; él; ella, usted entspricht dritte Person singular subjuntivo presente; nosotros entspricht erste Person plural subjuntivo presente; vosotros entspricht dem infinitivo und Austausch der Endung -r durch -d; ellos, ellas, ustedes entspricht dritte Person Plural subjuntivo presente aprender aprend-a; aprend-e; aprend-emos; aprend-ed; aprend-en tú entspricht dritte Person presente de indicativo; él; ella, usted entspricht dritte Person singular subjuntivo presente; nosotros entspricht erste Person plural subjuntivo presente; vosotros entspricht dem infinitivo und Austausch der Endung -r durch -d; ellos, ellas, ustedes entspricht dritte Person Plural subjuntivo presente vivir viv-e; viv-a; viv-amos; viv-id; viv-an tú entspricht dritte Person presente de indicativo; él; ella, usted entspricht dritte Person singular subjuntivo presente; nosotros entspricht erste Person plural subjuntivo presente; vosotros entspricht dem infinitivo und Austausch der Endung -r durch -d; ellos, ellas, ustedes entspricht dritte Person Plural subjuntivo presente
Die dritten Personen, also singular, tercera persona del singular bzw. plural, tercera persona del plural des imperativos afirmativos entsprechen in ihren Konjugationsformen den jeweils gleichen Personen im subjuntivo presente. Die erste Person plural, primera persona del plural des imperativos afirmativos entspricht der ersten Person plural des subjuntivo presente. Bei der zweiten Person plural, segunda persona del plural wird die Endung des entsprechenden infinitivo ausgetauscht, also die Endung -r ersetzt durch -d. Bei den irregulären Verben, verbo irregular im Spanischen kommt es bei der Bildung des bejahten Imperativs für die zweite Person singular, segunda persona del singular zu einer Wortstammänderung oder – verkürzung. – Beispiele: Infinitivo decir Imperativo afirmativo di Infinitivo ir Imperativo afirmativo ve Infinitivo tener Imperativo afirmativo ten
Merksprüche: „Die 2. Person des Befehls, ist die 3. Person der Gegenwart.“ Der imperativo der zweiten Person singular (tú) ist grundsätzlich mit der presente de indicativo Form der dritten Person singular él; ella, usted identisch. „Die Duz-Form des Befehls, ist die 3. Person der Gegenwart.“
„Die 3. Person des Befehls, ist die 3. Person der Möglichkeit in der Gegenwart.“„Die 3. Person des Befehls, ist die 3. Person der Möglichkeit bei Gleichzeitigkeit oder Nachzeitigkeit.“ Für die dritte Person singular oder plural (Ud./Uds) wird die jeweilige Form der dritten Person des subjuntivos presente verwendet.Bei der Bildung des Subjuntivo de presente dient die 1. Person singular Indikativ als Grundlage. Bei der Konjugation werden die charakteristischen Personalendungen ausgetauscht. Somit erhalten die Verben auf -ar ein -e und die Verben auf -er und -ir ein -a als Endung. – Beispiel: lavar 1. Person singular Indikativ lavo Austausch -ar gegen -er. Folglich: 3 Person singular Subjunktiv leve, welches gleich der 3. Person singular des Imperativs ist. „Die Siez-Form des Befehls, ist die 3. Person der Möglichkeit in der Gegenwart.“
Die Verwendung der Objektpronomen im Imperativo afirmativo Äußert man den Imperativ in der Einzahl, also für eine angesprochene Person, so heißt es in der Duz-Form. – Beispiel: ¡Lávate! Wasch dich! Wird eine einzelne Person in der Siez-Form angesprochen. – Beispiel: ¡Lávese! Waschen Sie sich! Spricht man mehrere Personen an, heißt es in der Duz-Form: ¡Lavaos! Wascht Euch! und für die Siez-Form: ¡Lávense! Waschen Sie! Tritt ein Objektspronomen hinzu: ¡Lávate los pies! Wasch dir deine Füße! wird zu ¡Lávatelas! Wasch sie dir! Werden zwei Objektspronomen eingesetzt, die aber nicht reflexiv gebraucht werden, heißt es: ¡Lávale el cuello! Wasch ihm den Hals! Bei Ersatz des von „el cuello“ wird das indirekte ObjektVergleiche indirektes Objekt (Dativ), complemento indirecto; der Kasus „des statischen Zustands oder der Lagebezeichnung, des Besitzers und des Empfängers“. le oder les zum für beide, singular und plural, einsetzbaren se. ¡Lávaselo! Wasch ihn ihm!
Werden im Gebrauch des imperativo afirmativo direkte ObjektpronomenVergleiche direktes Objekt (Akkusativ), complemento directo; der Kasus „der Bewegung und des zielgerichteten, dynamischen Geschehens“. (in der Kasusterminologie Akkusativ) verwendet, werden diese grundsätzlich an das „imperativ modifizierte Verb“ angehängt. – Beispiele: ¡Compra la camisa! wird zu ¡Cómprala! Kauf das Hemd! Kauf es! ¡Tome el vino tinto! wird zu ¡Tómelo! Trinken Sie den Rotwein! Trinken Sie ihn! Aber auch die indirekte Objektpronomen (indirektes Objekt, in der Kasusterminologie Dativ) werden angehängt. – Beispiele: ¡Mirad a mí! wird zu ¡Miradme! Schaut mich an! ¡Pregunte a él! wird zu ¡Pregúntele! Fragen Sie ihn!
Werden in einem Satz sowohl das direktes und auch indirekte Objektpronomen zusammen gebraucht, hängt man beide an das Verb an, wobei eine Reihenfolge zu beachten ist. So steht das indirekte Objektpronomen vor dem direkten. Ferner ist folgendes zu beachten, dass die indirekten Objektpronomen le und les vor dem direkten Objektpronomen lo, los, la, und las zu se umgeformt werden. – Beispiele: Tú compra a él la camisa. ¡Cómprasela! Du kauf für ihn das Hemd. Kauf es ihm!
Der spanische Imperativo negativo Um im Spanischen verneinende Aufforderungen, Befehle, Vorschriften, Mahnungen usw. auszusprechen oder zu versprachlichen nutzt man den verneinten Imperativ. – Beispiele: ¡No comas! Nicht du essest! ¡No veáis las películas de superhéroes! Ihr schaut nicht Superheldenfilme an! ¡No vengas nunca más por aquí! Nicht du kommest niemals mehr hier her!
Merkspruch: „Alle jeweiligen Personen der Befehlsverweigerung, wechseln zu den zugehörigen Personen der Möglichkeit in der Gegenwart.“„Für alle jeweiligen Personen der Befehlsverweigerung gilt, das sie allen Personen der Möglichkeit bei Gleichzeitigkeit oder Nachzeitigkeit zugeordnet werden.“ Im verneinten Imperativ, imperativo negativo steht in allen Personen immer der entsprechende subjuntivo presente. ¡Haz los deberes! Tue deine Aufgaben! im Gegensatz zu ¡No hagas tonterías! Nicht du tuest etwas Dummes! Mach deine Aufgaben! Mach keine Dummheiten!