Bilu (; Plural: Biluim) ist ein hebräisches Akronym nach : , wobei die Halbvokale Jod und Waw je nach grammatischer Position wahlweise als ‹j› oder ‹i› bzw. ‹w›, ‹u› oder ‹o› ausgesprochen werden. Es bezeichnet eine Gruppe jüdischer Idealisten, die in Eretz Israel siedeln wollten, um dort eine jüdische Heimstätte zu gründen.
Geschichte Die Pogromwelle in Russland in den Jahren 1881 bis 1884 und die antisemitischen „Mai-Gesetze“ von 1882, die Zar Alexander III. erlassen ließ, verursachten die Massenauswanderung russischer Juden. Mehr als zwei Millionen Juden flohen zwischen 1881 und 1920, wovon der größte Teil in die USA ging. Einige aber entschieden sich dafür, nach Eretz Israel auszuwandern; dies bezeichnete man als die Erste Alija.
Die erste Gruppe von Biluim wurde 1882 von 14 ehemaligen Universitätsstudenten aus Charkow gebildet und kam im Juli in Palästina an, das zwar in christlicher und kolonialer Betrachtung von Europäern und Amerikanern einen Begriff bildete, aber osmanisch nicht Konkretes bedeutete und keine Region darstellte. In den nicht fixierten ausländischen Vorstellungen konnte es tentativ Teile der Provinzen Mutesarriflik Jerusalem, Vilâyet Beirut (südliche Bereiche) und Vilâyet Syrien (südwestliche Bereiche) einschließen.Erst der Völkerbund schuf 1922 ein Territorium dieses Namens, das Mandatsgebiet Palästina, dabei änderten über die Jahre beteiligte Mächte mehrfach die Grenzen dieser kolonialen Gebietsschöpfung, zuerst britische und französische Mandatsmächte, dann ein Teilungsvorschlag der UNO 1947, den durch UN-Truppen zu sichern sie sich weigerte, und ab 1948 dann mit massiven Gebietsverlusten die arabischen Nachbarstaaten, deren Pläne die Existenz Israels aufzuheben entgegen ihrer Kriegshoffnungen jeweils fatal scheiterten. Im selben Monat gründeten Biluim Rischon LeZion („Erstes zu/für Zion“) als eine landwirtschaftliche Genossenschaft auf den abgekauften Gebieten des arabischen Dorfes ʿUyūn Qāra. Dort gab es jedoch nicht genug Frischwasser und innerhalb weniger Monate mussten die meisten, vom Hunger bedroht, die Genossenschaft verlassen.
Sie wandten sich an Baron Edmond James de Rothschild mit der Bitte um Hilfe, und er versorgte sie mit Geldmitteln für Gründung einer Wein-Industrie im Mutesarriflik Jerusalem. Im Jahre 1886 begann der Aufbau der Weinkellerei Rischon LeZion, aus der sich später die heute noch bestehenden Carmel-Weinkellereien entwickelten. Mit der Hilfe Rothschilds gründeten die Biluim auch Sichron Jaʿaqov. Im Jahre 1884 wurde acht Mitgliedern der Gruppe Land in Gedera angeboten.
Es gibt auch noch die Moschavim Kfar Bilu südlich von Tel Aviv (1933 zum 50. Jahrestag der Bilu-Bewegung gegründet) und Talmei Bilu (1953 zum 70. Jahrestag gegründet) im Regionalrat Merchavim unweit Rahats im nördlichen Negev.Wolfgang Scheel: Lexikon biblischer Ortsbenennungen im modernen Israel. 3. Auflage, Hammerbrücke 2003, ISBN 3-933750-32-6, S. 80, 129 f.
Weblink Bilu-Statut, Original im Zionistischen Zentralarchiv Jerusalem
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte Israels Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 1882 Kategorie:Vereinsgründung 1882 Kategorie:Zionismus