mini|hochkant=1| mini|Ingeborg Hunzinger im Atelier ihres Wohnhauses, Berlin-Rahnsdorf mini|hochkant|Offenes Sommeratelier der Künstlerin, Berlin-Rahnsdorf
Ingeborg Hunzinger (* 3. Februar 1915 in Berlin; † 19. Juli 2009 ebenda; bei berlin.de, 22. Juli 2009. geborene Franck) war eine deutsche Bildhauerin.
Leben Ingeborg Hunzinger war die Tochter des Chemikers Hans Heinrich Franck, die Enkelin des Malers Philipp Franck und die Großmutter der Schriftstellerin Julia Franck. Ihre Mutter war Jüdin, daher galt sie nach den nationalsozialistischen Rassengesetzen als Mischling ersten Grades. Sie trat 1932 in die Kommunistische Partei (KPD) ein. 1935 begann sie ein Studium an der Hochschule für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg, der späteren Universität der Künste Berlin. 1938/1939 war sie Meisterschülerin von Ludwig Kasper. Die Reichskulturkammer verbot ihr 1939 die Fortsetzung des Studiums, sie emigrierte daraufhin nach Italien.
In Florenz lernte sie den deutschen Maler Helmut Ruhmer kennen, der dort als Stipendiat der Villa Romana und später in Rom in der Villa Massimo lebte. Zuflucht fand Hunzinger auf Sizilien in der Familie eines einheimischen Malers, wohin ihr Ruhmer bald folgte. Ende 1942 kehrte sie zusammen mit ihm nach Deutschland zurück, wo sie die letzten Kriegsjahre im Hochschwarzwald verbrachten und ihnen zwei Kinder geboren wurden. Helmut Ruhmer, den Vater ihrer Kinder, durfte sie als „Halbjüdin“ nicht heiraten.
Nachdem Ruhmer in den letzten Kriegstagen an der Ostfront gefallen war, blieb Ingeborg erst einmal im Schwarzwald wohnen und verdiente ihren Lebensunterhalt mit Töpferei. Sie engagierte sich auch wieder politisch und gründete zusammen mit anderen Personen hier eine Ortsgruppe der KPD.Auf den Lebensspuren der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger, auf wollmann-fiedler.de Bei ihren Tätigkeiten lernte sie den Kommunisten und Spanienkämpfer Adolf Hunzinger kennen und lieben. Die kleine Familie zog gegen Ende des Jahres 1949 nach Ost-Berlin, wo sie heirateten und ihnen im Folgejahr ein weiteres Kind geboren wurde. Intellektuelle Meinungsverschiedenheiten führten zu ständig wachsenden Problemen, und so ließen sich Ingeborg und Adolf Hunzinger scheiden. In Berlin nahm sie wieder das Kunststudium auf, dieses Mal in der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Von 1951 bis 1953 war Hunzinger Meisterschülerin von Fritz Cremer und Gustav Seitz. Nach erfolgtem Abschluss bekam sie eine Dozentenstelle an dieser Hochschule. Doch noch im gleichen Jahr eröffnete sie in Berlin-Rahnsdorf ein eigenes Atelier und arbeitete fortan als freischaffende Künstlerin. In dieser Zeit trat der Bildhauer Robert Riehl in ihr Leben, sie heirateten in den 1960er Jahren.Information zu Robert Riehl, abgerufen am 26. Januar 2023
Kunst für jedermann wurde ihr wichtig, sie suchte und knüpfte Kontakte zu vielen Werktätigen und fand so ihre Motive. Die Erteilung zahlreicher staatlicher Aufträge sicherte ihr ein gutes Auskommen, trotzdem konnte sie viele eigene Überlegungen in die Motive und in die Ausführung mit einbringen. Ein besonderes Merkmal wurden Hunzingers eher kräftige nackte Frauenfiguren, meist aus Stein gehauen. In viele Werke flossen auch ihre Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus mit ein.Ingeborg Ruth: Weib, Wucht, Widerstand. In: Berliner Zeitung. 3. Februar 2015. Trotz ihrer Mitgliedschaft in der SED weigerte sie sich, sowohl die Auszeichnung Vaterländischer Verdienstorden als auch den Nationalpreis der DDR anzunehmen. In einem späteren Interview für eine Wiener Zeitung begründete sie diese Haltung nachträglich – sie hielt das für unwürdig. Nach der deutschen Wiedervereinigung war sie bis zu ihrem Tod Mitglied der Partei Die Linke.Nachruf in Zeit Online, 20. Juli 2009.
Ehrungen
1981: Orden Banner der Arbeit (im Kollektiv) 1984: Kunstpreis des FDGB 1986: Hans-Grundig-Medaille 2015: Umbenennung eines Abschnitts der Straße nach Fichtenau in Berlin-Rahnsdorf in Ingeborg-Hunzinger-StraßeErinnerung an Ingeborg Hunzinger. In: Berliner Woche. 24. Juli 2015.
Fotografische Darstellung der Künstlerin Christian Borchert: Die Bildhauerin Ingeborg Hunzinger neben einem ihrer Werke (1975) mini|Grab im Familiengrab Franck, Alter Friedhof Wannsee, Berlin
Werkbeispiele
Werke (Fotos)
Veröffentlichungen als Autorin Pariser Salon der jungen Skulptur. Eindrücke einer Bildhauerin. In: Bildende Kunst. Berlin 1980, S. 216–219. Sie legen die Finger auf die Wunden. Bemerkungen zu einigen italienischen Bildhauern. In: Bildende Kunst. Berlin 1983, S. 282–284.
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen 1982: Berlin, Klub der Kulturschaffenden „Johannes R. Becher“ (Plastik und Zeichnungen. Neue Versuche) 1990: Leipzig, Galerie Wort und Werk 1990: Berlin, Galerie Mitte (Plastik) 2015: Berlin-Adlershof, Galerie Alte Schule (Ingeborg Hunzinger. Werke aus 50 Jahren)
Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR
Ausstellung seit der deutschen Wiedervereinigung
2026: Berlin, Haus. Kunst. Mitte ("The Art of Two. Between Autonomy and Collaboration")
Literatur (chronologisch) Jutta Schmidt: Besuch bei zwei Berliner Bildhauerinnen. In: Bildende Kunst. Berlin 1967, S. 121–125.
Heinz Schönemann: Ingeborg Hunzinger zum Siebzigsten. In: Bildende Kunst. Berlin 1985, S. 212–214. Andreas Schätzke: Rückkehr aus dem Exil. Bildende Künstler und Architekten in der SBZ und frühen DDR. Dietrich Reimer Verlag, Berlin, 1999. ISBN 3-496-02675-8, S. 156–159 Christel Wollmann-Fiedler: Ingeborg Hunzinger. Die Bildhauerin. HP Nacke Verlag, Wuppertal 2005, ISBN 3-9808059-6-4. Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf (Hrsg.): Kunst in der Großsiedlung. Kunstwerke im öffentlichen Raum in Marzahn und Hellersdorf. 2008, ISBN 978-3-00-026730-7, S. 72, 119, 124, 136. Bernd Ehrhardt: Die Bildhauerin Ingeborg Hunzinger in Spreenhagen. Kreiskalender Oder-Spree, Beeskow 2009. Hunzinger, Ingeborg. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 388/389 Rengha Rodewill: Einblicke – Künstlerische – Literarische – Politische. Die Bildhauerin Ingeborg Hunzinger. Mit Briefen von Rosa Luxemburg. Karin Kramer Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-87956-368-5. Rengha Rodewill: Hunzinger – Luxemburg. literarisch, politisch, künstlerisch. (E-Book), artesinex verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-9820572-5-5. Ina Meißner: „Liebe in Stein – Älteres Paar“. In: Rahnsdorfer Echo. 13/2 (2020).
Weblinks
Werke von Ingeborg Hunzinger im Katalog bildhauerei-in-berlin.de
Plastiken und Zeichnungen von Ingeborg Hunzinger im Kunsthandel Ingeborg Hunzinger – Jahrgang 1915. Dokumentarfilm von Sylvia Rademacher (24:08 min), auf wollmann-fiedler.de, 2005, abgerufen am 26. Januar 2019
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (Weißensee Kunsthochschule Berlin) Kategorie:Medailleur Kategorie:Nationalpreis (DDR) abgelehnt Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:Die-Linke-Mitglied Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in Italien Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1915 Kategorie:Gestorben 2009 Kategorie:Frau Kategorie:Bildhauer (DDR) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:SED-Mitglied Kategorie:Bildender Künstler (Berlin)