Noch existierende Monarchien im deutschsprachigen Raum sind das Fürstentum Liechtenstein und das Großherzogtum Luxemburg. Ebenfalls in einer Monarchie lebt die deutschsprachige Gemeinschaft des Königreichs Belgien. In all diesen Monarchien gibt es im Gegenzug republikanische Bestrebungen unterschiedlicher Stärke, so der praktisch bedeutungslose republikanische Kreis in Belgien, eine Petition zur Abschaffung der Monarchie in Luxemburghttps://www.wort.lu/de/politik/abschaffung-der-monarchie-gefordert-57ce8e07ac730ff4e7f66001http://www.lessentiel.lu/de/luxemburg/story/Petition-fordert-Abschaffung-der-Monarchie-in-Luxemburg-18516970 und der wohl weltweit einzigartige Artikel 113 der liechtensteinischen Verfassung, welcher dem Volk erlaubt, den Fürsten per Volksentscheid abzusetzen.https://demokratiebewegung.li/de/die-verfassungsdiskussion/illustrationen/monarchieabschaffung
In Deutschland endete die Monarchie 1918 nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Dies geschah durch die Abdankung Wilhelms II., des letzten deutschen Kaisers, seine Flucht in die Niederlande, die Ausrufung der deutschen Republik und die Abdankung der Bundesfürsten. Doch auch danach gab und gibt es Anhänger der Monarchie (Monarchisten), die sich in Vereinen und informellen Kreisen organisiert haben. Unter den Anhängern des monarchischen Gedankens finden sich neben Kritikern der Demokratie noch Nostalgiker und auch Vertreter der Personenkreise, die 1918 bedeutende Privilegien eingebüßt haben. Die beiden größten deutschen und einzigen auf Bundesebene tätigen Organisationen sind heute der Verein Tradition und Leben sowie die Monarchiefreunde, daneben regionale Gruppierungen unter anderem in Bayern und Sachsen und Anhänger ehemaliger Herrscherfamilien wie der Wittelsbacher oder Wettiner. Heute vertreten die meisten Vereinigungen und Kreise nicht die Wiedereinführung der früheren monarchischen Regierungssysteme, sondern eine parlamentarische Monarchie mit Orientierung an den europäischen Nachbarkönigreichen. In Österreich endete die Monarchie mit der „Verzichtserklärung“ Kaiser Karls I. im Jahre 1918. Versuche, Karl als Monarch in Ungarn wiedereinzusetzen, scheiterten am Taktieren des „Reichsverwesers“ Miklós Horthy, während entsprechende Versuche in Österreich nie über das Planungsstadium hinaus kamen. Der letzte Kronprinz, Otto von Habsburg, war langjähriger Abgeordneter des Europäischen Parlaments und verhielt sich zum Monarchismus schwankend-ambivalent.
Geschichte Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. dankte offiziell am 28. November 1918 ab, nachdem seine Abdikation bereits am 9. November vom Reichskanzler Max von Baden ohne Autorisation und Willen des Monarchen an die Presse gemeldet worden war. Am selben Tag war die Republik ausgerufen worden. Grund für die Abdankung war, dass Wilhelm als Hindernis für glimpfliche Friedensbedingungen galt: In seiner dritten Antwortnote auf das deutsche Waffenstillstandsgesuch hatte der amerikanische Präsident Woodrow Wilson am 23. Oktober 1918 betont, Verhandlungen mit „den militärischen Beherrschern und monarchistischen Autokraten Deutschlands“ über einen Friedensvertrag werde es nicht geben: Dann müsse Deutschland sich einfach ergeben.Andreas Dietz: Das Primat der Politik in kaiserlicher Armee, Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr. Rechtliche Sicherungen der Entscheidungsgewalt über Krieg und Frieden zwischen Politik und Militär. Mohr Siebeck, Tübingen 2011, S. 139, Anm. 268. Einem Rücktritt hatte sich der Kaiser aber verweigert.Lothar Machtan: Kaisersturz. Vom Scheitern im Herzen der Macht. wbg Theiss, Darmstadt 2018, ISBN 978-3-8062-3760-3, S. 181 ff., 221–225 u. ö.
In der Folge wurde Deutschland erstmals eine Republik. Die Anhänger der alten Staatsform gründeten monarchistische Vereine und standen der Republik sehr reserviert oder ablehnend gegenüber, sie waren oft traditionalistisch und nationalistisch orientiert. Offen monarchistisch waren vor allem die DVP und die DNVP, aber auch sie betrieben keine konkrete Politik zur Wiederherstellung der Monarchie. Ein Problem für Monarchisten war es unter anderem, dass Wilhelm II. und der Kronprinz zwar abgedankt hatten, davon später aber abrückten. Wilhelm II. hatte zudem am Vorabend der Revolution seine Söhne versprechen lassen, nicht gegen seinen Willen Monarch zu werden. Vor allem aber hatte er am 10. November in den Niederlanden um politisches Asyl gebeten. Dies wurde ihm als Bruch des Treueeids und Fahnenflucht ausgelegt. Den Tod auf dem Schlachtfeld, der ihm im Herbst 1918 von verschiedener Seite nahegelegt worden war, um die Herrschaft seiner Dynastie zu retten, hatte er abgelehnt. Damit galt er als feige. Auch seine zweite Eheschließung, nur anderthalb Jahre nach dem Tod der beliebten Ex-Kaiserin Auguste Viktoria, wurde von Monarchisten stark kritisiert. Seine Person, das Haus Hohenzollern und die Monarchie im ganzen in Deutschland war durch das Verhalten des letzten Kaisers desavouiert.Martin Kohlrausch: Der Monarch im Skandal. Die Logik der Massenmedien und die Transformation der wilhelminischen Monarchie. Akademie-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-05-004020-3, S. 311–385; Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, ISBN 978-3-549-10029-5, S. 25–30 und 56–60. Statt seiner waren verschiedene Thronprätendenten im Gespräch, etwa sein Sohn Wilhelm von Preußen oder dessen Erstgeborener gleichen Namens. Die Uneinigkeit darüber, wer nach einer Restauration den Thron besteigen solle, schwächte die monarchistische Bewegung weiter.Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, S. 295–305. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 versuchten monarchistische Kreise, den ehemaligen Kronprinzen zu einer Kandidatur zu bewegen, was dieser jedoch ablehnte, da der ehemalige Kaiser seinem Sohn dies verbot. Mit Blick auf Napoleon III., welcher durch seinen Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 aus der Position des Präsidenten der zweiten Republik zum Kaiser aufgestiegen war, schrieb ihm sein Vater 1932:
Für Irritationen sorgten 1970 die Memoiren von Heinrich Brüning, dem kurz zuvor verstorbenen ehemaligen Reichskanzler. Er behauptete, er habe im Sommer 1932 die Monarchie wiederherstellen wollen, allerdings nach parlamentarischem, englischem Muster. Die Forschung hat dies aber nicht aus der damaligen Zeit belegen können. Freiherr Hiller von Gaertringen bezweifelt, dass zur Zeit der Weimarer Republik der Monarchismus tatsächlich so stark war wie oft angenommen: Einige angebliche Monarchisten waren eher für einen autoritären Führer und nicht für eine Restauration der Monarchie. Die Nationale Opposition (unter anderem die DNVP) habe antirepublikanische Strömungen zur Beseitigung des Weimarer Systems, die demokratischen Parteien hingegen die „bei Monarchisten vermutete rechtsstaatliche Gesinnung“ zur Abwehr des Nationalsozialismus verwenden wollen.Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen: Monarchismus in der deutschen Republik. In: Michael Stürmer (Hrsg.): Die Weimarer Republik. Belagerte Civitas. 2., erw. Auflage. Athenäum, Königstein/Ts. 1985 (1980), ISBN 3-7610-7254-6, S. 254–271, hier S. 267/268. Auch Andreas Rödder bezweifelt den Wahrheitsgehalt von Brünings Darstellung, für die es weder zeitgenössische Quellenbelege noch von Brüning unabhängige Bestätigungen durch beteiligte Zeitgenossen der Reichskanzlerzeit gebe.Andreas Rödder: Dichtung und Wahrheit. Der Quellenwert von Heinrich Brünings Memoiren und seine Kanzlerschaft. In: Historische Zeitschrift 265, Heft 1 (1997), S. 77–116, hier S. 94. Stephan Malinowski verweist Brünings angebliche Pläne „ins Reich der Legende“: Sie spiegelten „Versuche des Ex-Kanzlers, im amerikanischen Exil seine eigene politische Lebensgeschichte umzuschreiben“.Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, S. 313–319, die Zitate S. 318.
Der Nationalsozialismus war gegen die Monarchie, versuchte aber anfangs, zum Beispiel mit dem Tag von Potsdam, sich in die Tradition des Kaiserreichs zu stellen. Nachdem sie ihre Macht mit Hilfe der Hohenzollern hinreichend gefestigt hatte, gingen die Nationalsozialisten ab Januar 1934 offen gegen die Monarchisten vor: Monarchistische Veranstaltungen wurden von der SA gesprengt, Gestapo-Chef Rudolf Diels stellten Monarchisten mit den Kommunisten gleich, und Hitler erklärte im Reichstag am 30. Januar 1934 offen, eine Restauration stehe „heute außer jeder Diskussion“. Er mahnte die Hohenzollern und ihre Anhänger, nicht zu vergessen: „Wer Deutschlands letzte Spitze verkörpert, erhält seine Berufung durch das deutsche Volk und ist ihm allein ausschließlich verpflichtet.“Stephan Malinowski: Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration. Propyläen, Berlin 2021, S. 432–440. 1934 wurden alle monarchistischen Organisationen in Deutschland verboten.
Zu den Personen des 20. Juli 1944 gehörten auch Monarchisten bzw. Anhänger des Deutschen Kaiser- und Preußischen Königshauses, die beabsichtigten, im Falle eines erfolgreichen Attentats auf Hitler wieder zur Monarchie zurückzukehren. Reichsverweser bzw. Deutscher Kaiser sollte in diesem Fall Louis Ferdinand (sen.) von Preußen werden. Eine entsprechende Erklärung war bereits vorbereitet. Louis Ferdinand, Enkel von Wilhelm II. (im Exil in Doorn, Niederlande), der bereits seit den 1930er Jahren Kontakte zu bestimmten Kreisen des Widerstands unterhielt, wurde von der Gestapo verhört. Der Generalbevollmächtigte des Königshauses Kurt von Plettenberg tötete sich nach seiner Verhaftung durch die Gestapo, um niemanden verraten zu müssen.
Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus ergab 2011, dass sich neun Prozent der Deutschen „einen König oder eine Königin, ähnlich wie in Großbritannien“, wünschen. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen liegt der Wert bei 14 Prozent. Dass Adlige eine Vorbildfunktion haben, verneinen aber 81 Prozent. Weiterhin gaben 63 Prozent der Befragten an, „dass heute ein Adelstitel seinem Träger einen beruflichen Vorteil verschafft“.Knapp jeder zehnte Deutsche wünscht sich König. auf: Sächsische Zeitung online. 22. April 2011.
Historische monarchistische Organisationen Bund der Aufrechten Der Bund der Aufrechten war eine nationalistisch-monarchistische Vereinigung, die am 9. November 1918 in Berlin von dem Schriftsteller Ernst Pfeiffer gegründet wurde. Pfeiffers politischer Hintergrund war die Bewegung um den antisemitischen Hofprediger Adolf Stoecker. Bereits 1922 wurde der Bund aufgrund des Gesetzes zum Schutz der Republik als republikfeindliche Organisation verboten.
Bis zum Herbst 1919 wuchs die Mitgliederzahl des Bundes auf über 1000. An der ersten Hauptversammlung nahmen etwa 140 Vertreter aus Preußen teil. Als Referenten traten im Bund der Aufrechten im Laufe der Zeit unter anderem hervor: die Reichstagsabgeordneten Kuno Graf von Westarp, Reinhard Mumm, Friedrich Everling (alle DNVP), Arbeitersekretär Rüffer, Axel von Freytagh-Loringhoven und Ilse Neumann, Gustav Roehte, die Generäle von Stein und von Friedeburg und aus dem Kreis der evangelischen Geistlichkeit Oberkonsistorialrat Conrad und Dibelius sowie die Hofprediger Doehring, Vogel und Richter-Reichhelm. 1922 versammelte der Bund der Aufrechten zu einer großen Preußenfeier im Friedrichshain in Berlin 3000 Besucher. In dieser Zeit zählte der Bund mehr als 60 Ortsgruppen mit etwa 25.000 Mitgliedern. In Bremen gelang die Gründung einer Arbeiter-Jugendgruppe mit 800 Mitgliedern. Es bestand die Aussicht, zu einer Volksbewegung größeren Ausmaßes zu werden.