Werner-Joachim Eicke (* 18. Juni 1911 in Berlin; † 19. November 1988) war ein deutscher Nervenarzt.
Leben Werner-Joachim Eicke war der Sohn des Nervenarztes und stellvertretenden ärztlichen Direktors des Hufeland-Hospitals Waldemar Eicke (1877–1973) und von Charlotte Eicke, geborener Claus. Nach dem Besuch eines Gymnasium und dem Abitur absolvierte er ein Studium der Medizin an den Universitäten Wien und Berlin, das er 1936 mit Staatsexamen abschloss. Er wurde im Juni 1937 zum Dr. med. promoviert.Eicke, Werner-Joachim. In: Herrmann A. L. Degener, Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. Bd. 21. Schmidt-Römhild, Lübeck 1981, S. 249.
Eike gehörte zur Zeit des Nationalsozialismus nicht der NSDAP an, seine „nationalsozialistische Haltung“ wurde aber als „einwandfrei“ beurteilt.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 130. Von 1937 bis 1945 war Eicke Assistent von Julius Hallervorden am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch. Zugleich leitete er von 1939 bis Ende Januar 1945 das Laboratorium der Prosektur an der Landesanstalt Görden in Brandenburg an der Havel, einer Außenstelle des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung. Dort sezierte er Leichen und entnahm auch Gehirne von Opfern der „Kinder-Euthanasie“. Im Oktober 1944 habilitierte sich Eicke in Berlin mit der Schrift „Gefäßveränderungen bei Meningitis“ über Gehirne „verstorbener“ Kinder.Ernst Klee: Irrsinn Ost, Irrsinn West: Psychiatrie in Deutschland. Frankfurt am Main 1993, S. 89. Im Februar 1945 wurde er als Truppenarzt zum Kriegsdienst eingezogen. Jürgen Peiffer: Die Prosektur der brandenburgischen Landesanstalten und ihre Einbindung in die Tötungsaktionen. In: Kristina Hübener (Hrsg.): Brandenburgische Heil- und Pflegeanstalten in der NS-Zeit (= Schriftenreihe zur Medizin-Geschichte des Landes Brandenburg. Band 3). Berlin 2002, ISBN 3-89809-301-8, S. 167.
Nach Kriegsende befand sich Eicke in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Danach war er von 1946 bis April 1947 in der Inneren Abteilung des Krankenhauses Berlin-Westend tätig. Ab 1. Mai 1947 war er als Erster Assistent (Oberassistent) unter Jürg Zutt an der Würzburger Universitätsnervenklinik in der Füchsleinstraße (1948 ist der wissenschaftliche Assistent Werner Eicke dort als Dr. med. habil aufgeführt)Julius-Maximilians-Universität Würzburg: Vorlesungs-Verzeichnis für das Sommer-Halbjahr 1948. Universitätsdruckerei H. Stürtz, Würzburg 1948, S. 22. und ab Juni 1947 an der Frankfurter Universitätsnervenklinik in gleicher Funktion unter Karl Kleist und ab 1. September 1947 als Oberarzt. Im Juni 1947 hatte er die Venia Legendi im Fach Neurohistopathologie an der Universität Würzburg erhalten. In Frankfurt wurde der Privatdozent im März 1955 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Von Anfang Juni 1955 bis Anfang Oktober 1974 war er Direktor des psychiatrischen Landeskrankenhauses Marburg-Lahn. Er war Ministerialdirektor und ab 1971 Honorarprofessor für Neuropathologie an der Universität Marburg. Er verfasste Handbuchbeiträge und Fachaufsätze und war nach dem Eintritt in den Ruhestand 1974 weiterhin wissenschaftlich und privatärztlich tätig.
Im Zuge einer Aussage vom 20. Dezember 1962 zur NS-Euthanasie vor einem Untersuchungsrichter am Landgericht Frankfurt am Main will ihm „nicht einmal bekannt gewesen sein, daß im Alten Zuchthaus Brandenburg Kranke ins Gas kamen“.Ernst Klee: Was sie taten – Was sie wurden. Ärzte, Juristen und andere Beteiligte am Kranken- oder Judenmord. Frankfurt am Main 2004, S. 176 und 322. Auch in einem später mit dem Benno Müller-Hill geführten Interview bestritt er entsprechende Kenntnis.
Werner-Joachim Eicke war katholisch und ab 1941 verheiratet mit Dorothea Eicke, geborener Kurtzius. Das Paar bekam drei Töchter (Dagnmar, Barbara und Ursula) und als jüngstes Kind den Sohn Michael. Eicke starb im November 1988. Er wurde auf dem Friedhof Marburg-Ronhausen beigesetzt.www.grabsteine.genealogy.net.
Literatur Eicke, Werner-Joachim. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 261.
Weblinks
Erziehung: Eicke in der Würzburger Nervenklinik 1933. Theater Ensemble, Würzburg (PDF; 0,2 MB). Eicke, Werner-Joachim im Marburger Professorenkatalog
Einzelnachweise
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