mini|hochkant|Zauberkünstler David Copperfield Die Zauberkunst (auch Zaubern und Zauberei) beschreibt eine Form der darstellenden Kunst, die es versteht, durch künstlerische Kommunikation (verbal und non-verbal) und unter Verwendung verschiedener Techniken und Methoden bei den Betrachtern Illusionen und Emotionen auszulösen und scheinbar Unmögliches, das den Naturgesetzen widerspricht, möglich zu machen. Dabei ist die Vorführung an keine spezielle Räumlichkeit oder Situation gebunden. Je bereitwilliger der Betrachter ist, sich verzaubern zu lassen, desto größer kann die Illusion in seiner Vorstellung entstehen.
Allgemeines Um eine Illusion zu erreichen, gelangt eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken zur Anwendung: Psychologie, Ausnutzung von Wahrnehmungslücken, Ablenkung, Kunstgriffe und Geschicklichkeit, optische Täuschungen, trickreiche Apparaturen und präparierte Requisiten, spezielle Bühnenvorrichtungen, Ausnutzung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge und mathematischer Gesetze.
Zauberkunst dient zur Unterhaltung eines Publikums. Im Allgemeinen wissen Zuschauer, dass die gezeigten Effekte durch Anwendungen verschiedener Techniken erreicht werden. Das Publikum setzt sich entweder gerne dem Reiz aus, sich vom Zauberkünstler verzaubern zu lassen, oder es hat Freude daran, über die Methoden zu rätseln. Der Reiz einer Darbietung liegt neben der Faszination über eine Illusion vor allem in der Inszenierung und deren Unterhaltungswert.
Geschichte miniatur|links|Hieronymus Bosch: Der Gaukler, 1475–1480 mini|Darstellung eines Illusionisten, 17. Jahrhundert
Von Zauberkunst als Unterhaltungsform und nicht im Sinn von Hexerei oder Magie spricht man erst seit dem 18. Jahrhundert. Die Kunst des Taschenspiels, benannt nach der Gauklertasche zur Aufbewahrung der Requisiten, wurde bereits auf hellenistischen Marktplätzen beobachtet.
Erste Beschreibungen von Zauberkunststücken findet man in der französischen Publikation von I. Prevost: La Premiere partie des svbtiles et plaisantes inventions, Lyon, 1584. Im Gegensatz zu dem im selben Jahr erschienenen Werk von Reginald Scot, The Discoverie of Witchcraft, der Zauberkunststücke als Aufklärung von vermeintlichen Hexenküsten beschrieb, gilt das Buch von Prevost als bewusstes Anleitungsbuch für Zauberkunststücke.
Mit der Veröffentlichung erster Zauberbücher im 17. Jahrhundert, die Zauberkunststücke zum Nachvollziehen beschreiben, hat sich die Zauberkunst als darstellende Kunst entwickelt. Ein erstes Anleitungsbuch für Taschenspielertricks mit dem Titel Hocus Pocus Iunior. The Anatomie of Legerdemain erschien 1634 in London.
Traten die ersten Zauberkünstler (Taschenspieler) noch auf Straßen und Märkten auf, eroberten sie im Laufe der Zeit geschlossene Räumlichkeiten (Gaststätten, private Salons) und schließlich auch Theaterbühnen. Neben den Auftritten in Varietés, Vaudevilles und auf anderen Bühnen entdeckten Zauberkünstler auch den Zirkus als Auftrittsmöglichkeit. Neben den Auftritten als Teil gemischter Programme sind Zauberkünstler auch immer wieder mit eigenen Tourneen durch die Welt gezogen oder hatten eigene Shows. Mit dem Aufkommen des Fernsehens sind Zauberkünstler auch immer wieder in Fernsehsendungen zu sehen oder haben ihre eigenen Fernseh-Specials.
Sparten und Arten Im Lauf der Zeit haben sich abhängig von der stilistischen Ausrichtung, der Art und Größe der Requisiten sowie den verschiedenen Auftrittsorten verschiedene Sparten der Zauberkunst herausgebildet. Manche Zauberkünstler haben sich auf einzelne dieser Sparten spezialisiert, es gibt jedoch auch Zauberkünstler, die in mehreren dieser Sparten tätig sind oder diese auch kombinieren.
Taschenspieler Die historischen Taschenspieler waren fliegende Händler, welche Kunststücke zum Anlocken von Publikum benutzten, um anschließend Waren feilzubieten. Sie traten meist auf Marktplätzen und in Wirtshäusern auf, oft hinter einem Tisch stehend. Das Repertoire der Taschenspieler beschränkte sich meist auf das Becherspiel, bei dem zu Unterhaltungszwecken Bälle oder Muskatnüsse unter den Bechern wandern. Vom Verschwindenlassen einer Muskatnuss (franz. escamot) stammen der französische „Eskamoteur“ und das deutsche Lehnwort „eskamotieren“ (wegmanipulieren).
Straßenzauberei mini|Ein Straßenzauberer zeigt seine Kunststücke vor zufällig anwesenden Passanten Die zu den Straßenkünstlern gehörigen Straßenzauberer können als Nachfahren der Taschenspieler angesehen werden, die im öffentlichen Raum und ohne Eintrittsgeld vor zufällig anwesenden Passanten auftreten. Sie müssen in der Lage sein, unter manchmal schwierigen Bedingungen, etwa umringt von Zuschauern, bei widrigem Wetter und vor unberechenbaren Passanten ihr Publikum anzulocken. Meistens spielen sie für eine Spende in den aufgestellten Hut. Da Straßen-Passanten jederzeit weitergehen können, besteht neben dem Anlocken von Zuschauern eine weitere Herausforderung darin, die Zuschauer auch bis zum Ende der Darbietung am Ort des Geschehens zu halten, wozu neben den eigentlichen Zauber-Kunststücken häufig auch eine humorvolle Art der Präsentation und eine starke Einbindung des Publikums dienen. Anders als bei den meisten Sparten der Zauberei müssen hier die vorgeführten Effekte kurz und leicht zu verstehen sein, um das Interesse der Zuschauer zu wecken. Straßenzauberei wird stehend vorgeführt, bei Close-Up-Kunststücken manchmal mit einem kleinen zusammenklappbaren Tisch, der auch Close-Up-Tisch genannt wird.
Wie alle Straßenkünstler treten auch Straßenzauberer vor allem auf belebten Plätzen und in Fußgängerzonen großer Städte auf, wo zahlreiche Passanten erwartet werden können. Ein bekannter fester Ort ist beispielsweise Covent Garden in London, wo es neben den anderen Straßenkünstlern eine Ecke gibt, an der vor allem Straßenzauberer auftreten.
Tischzauberei (Mikromagie / Close-up) mini|Beispiel für Mikromagie: Durchdringung einer originalen Münze mit einem massiven Metalldorn. Verblüffend: Alle Requisiten können vom Zuschauer vor dem Kunststück und danach untersucht werden.
Kunststücke, die wegen kleinerer Requisiten nur aus kurzer Distanz verfolgt werden können und häufig am Tisch (stehend oder sitzend) vorgeführt werden, werden intern meistens als „Close Up“ bezeichnet. Der besondere Reiz für die Zuschauer besteht in der Nähe, die scheinbar das „Schummeln“ erschwert. Typische Close-Up-Requisiten sind Spielkarten, Münzen, Geldscheine, Würfel, Gummiringe, Schaumstoffbälle, Stifte, Taschentücher und ähnliche Alltagsgegenstände sowie kleinere Spezialutensilien.
Aus den USA kommend hat sich in den letzten Jahren auch in Deutschland das sogenannte „Table Hopping“ etabliert, bei dem der Zauberkünstler auf Veranstaltungen von Tisch zu Tisch geht und so sein Publikum individuell und schrittweise verzaubert.
Heute ist Close-Up-Zauberei eines der populärsten Gebiete der Zauberei.
Bekannte Zauberkünstler auf diesem Gebiet sind Dai Vernon, Tony Slydini, Juan Tamariz, Ricky Jay und Michael Ammar.
Kartenkunst Kunststücke mit Spielkarten sind sowohl auf der Bühne als auch am Tisch möglich und so zahlreich, dass die Zauberkünstler die Kartenkunst als eigene Sparte betrachten.Rita Danyliuk: Zaubern mit Karten, Humboldt-Taschenbuchverlag, München 1989, ISBN 3-581-66613-8
Bühnenmagie / Salonmagie Kunststücke, die etwa von der Größe der Requisiten her für ein größeres Publikum geeignet sind und nicht mehr am Tisch vorgeführt werden, werden der Bühnenmagie zugerechnet. Beispiele sind Tricks mit Tüchern, Seilen, Federblumen, Metallringen, kleineren Gerätschaften u. ä.
Ihre Blütezeit erlebte sie auf den Varietébühnen von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er-Jahre hinein. Auch nach dem Niedergang der Varietés und der Verbreitung von Großillusionen konnte sich diese klassische Form der Bühnenmagie bei kleineren Veranstaltungen und privaten Festlichkeiten erhalten.
Die Bühnenmagie wurde im 19. Jahrhundert durch den Franzosen Jean Eugène Robert-Houdin und den Briten John Henry Anderson bekannt. Da sie früher vor allem in den Salons der höheren Gesellschaft vorgeführt wurde, wird sie gelegentlich noch heute Salonmagie genannt.
Manipulationen Manipulateure im engen Sinne sind Bühnenkünstler, die sich in erster Linie auf das Geschick ihrer Hände verlassen. Sie zaubern daher überwiegend mit handlichen Gegenständen, typischerweise zu Musikbegleitung. Dieses Genre wurde durch Wiljalba Frikell bereits im 19. Jahrhundert entwickelt. Manipulation ist eine der schwierigsten Sparten der Zauberkunst, da bei den Vorführungen meistens viele Effekte innerhalb kurzer Zeit gezeigt werden.
In der englischsprachigen Welt werden Vorführungen, die vor allem auf Fingerfertigkeit beruhen manchmal als eigene Sparte der Unterhaltungskunst angesehen und als Sleight of hand oder auch mit dem lateinischen Begriff Prestidigitation oder dem französischen Legerdemain bezeichnet. Überschneidungen bestehen unter anderem zur Taschenspielerei, Close-up magic und Kartenzauberei. Bei Manipulationen wird überwiegend mit Bällen und Spielkarten gezaubert.
Bekannte Künstler, die sich der Manipulation und Fingerfertigkeit bedienen, sind Dan and Dave, Ricky Jay, David Copperfield, Yann Frisch, Dai Vernon und Tony Slydini.
Großillusionen miniatur|Großillusion mit Marc & Alex und Team
„Großillusionisten“ im engen Sinne sind nach dem Sprachgebrauch der Zauberkünstler solche, die mit großen Trickapparaturen arbeiten, sog. „Großillusionen“. Entsprechende Darbietungen nutzen häufig die Möglichkeiten professioneller Bühnen, wie zum Beispiel besondere Beleuchtung und Bühnenhintergründe usw. aus. Mit diesen aufwendigen Kunststücken begann Ende des 19. Jahrhunderts der Brite John Nevil Maskelyne in seinem Londoner Zaubertheater, der u. a. als Erster einen Menschen durch einen Reifen schweben ließ.
Bekannte moderne Künstler auf diesem Gebiet sind Siegfried und Roy, David Copperfield, Florian Zimmer, Criss Angel, Marc & Alex, Peter Marvey, Hans Klok und die Ehrlich Brothers.
Mentalmagie Unter Mentalmagie versteht man die Imitation angeblich parapsychologischer Phänomene durch Tricks, etwa scheinbares Gedankenlesen, die scheinbare Vorhersage von Ereignissen oder Spukeffekte zu Unterhaltungszwecken. Sie entstammt dem Erbe falscher Spiritisten und trickreicher Scharlatane. Da Mentalisten aus dramaturgischen Zwecken oft nicht betonen, dass sie Zauberkünstler sind und sehr raffinierte Tricks anwenden, können Zuschauer nicht ohne Weiteres beurteilen, ob das Gesehene ernst zu nehmen ist oder nicht.
Wenn Mentalmagie zu okkulten Zwecken missbraucht wird oder übernatürliche Fähigkeiten vorgegeben werden, versuchen manche Magier dies zu entlarven, da sie ihre Kunst nicht für solche Zwecke missbraucht sehen wollen. Bekannte Zauberkünstler, die sich dem Entlarven von Spiritisten verschrieben haben, waren Harry Houdini, Joseph Dunninger, Werner Geissler und James Randi.
Comedy-Zauberei Manche Zauberkünstler setzen bei ihren Shows auf Humor. Bei der Comedy-Zauberei bildet dies den Schwerpunkt, wobei die Zaubereffekte meist zur Nebensache werden. Oft werden klassische Zauberkunststücke parodiert, Tricks gehen schief oder sie gehen nur scheinbar schief, gelingen dann aber doch usw. Teilweise werden auch normale Kunststücke gezeigt, die aber durch die Art und Weise der Präsentation (z. B. einen humoristischen Vortrag oder die Kombination mit Slapstick) humorvoll präsentiert werden. Bedeutende Vertreter dieser Sparte sind beispielsweise Paul Daniels, Ali Bongo, The great Tomsoni (Johnny Thompson), Tommy Cooper, Mac Ronay, Penn & Teller, Scott & Muriel, Mac King, Yevgeniy Voronin, The great Kaplan, Roy Gardner & James sowie Fred Bolz.
Kinder-Zauberei