mini|Erste Seite einer Handschrift des Dīwāns, zum Lobe Sultan Sandschars, mit der ersten Gedichtzeile[Karaismailoğlu 1988] ʿAbd al-Wāsiʿ Dschabalī (, gestorben um 1160In der Cambridge History of Iran [Rypka 2001] steht dies fälschlich als Geburtsdatum (S. 559).) war ein persischer Dichter und Panegyriker.[Safa 1982]
Leben Dschabalī stammte aus einer alidischen Familie in der Bergprovinz (daher der Beiname dschabalī, „Bergler“) Ghardschestān, die am Oberlauf des Murgab im Osten von Herat lag.[Safa 1982] Er lebte einige Zeit in Herat und begab sich dann in die Dienste seines Vetters mütterlicherseits, Bahrām Schāh, am Hof von Ghazna. Vier Jahre später bat Bahrām Schāh den Seldschuken-Sultan Ahmad Sandschar um militärischen Beistand. Bei dieser Gelegenheit schloss sich Dschabalī dessen Gefolge an. An Sandschars Hof verbrachte er die letzten 14 Jahre seines Lebens.[Huart/Massé 1960]
Leistung Dschabalī gilt als Vorbild eines Stils,[Kadkani 1981] der sich der Volkssprache näherte, aber ebenso mehr arabisches Vokabular einschloss. Gleichzeitig wurde der Stil ornamentaler[Safa 1982] und rhetorische Figuren wie der Chiasmus wurden vermehrt genutzt.[Rypka 2001] Insgesamt steht die Form über dem Inhalt.[Safa 1982]
Beispielhaft sieht man das an der ersten Zeile seines Diwans.Handschrift Universität Istanbul TY, Nr. 286, Folio 1b Tiefere Bedeutungsebenen, wie man sie bei Hafis findet, fehlen, dafür werden Elemente wie Chiasmus und hier vor allem der Binnenreim angewendet. Letzterer ist hier besonders auf den mündlichen Vortrag ausgerichtet: Die Worte zahī „vortrefflich“ und das im klassischen Persischen noch übliche Suffix rā des bestimmten Akkusativs zur Bezeichnung des Dativs, mit dem Genitiv-Verbindungen gebildet werden könnenWir kennen das dialektal noch im Deutschen: „Dem X sein Y.“, ermöglichen es dem Rezitator, Spannung aufzubauen. Langes i und a wechseln regelmäßig und lassen sich ziehen, der hohe Ton erzeugt Aufmerksamkeit, der tiefe Spannung, denn erst mit dem Wort nach dem rā weiß der Zuhörer, um was es geht:Text nach [Karaismailoğlu 1988] Datei:Divan-e dschabali.svg Zahī āfāq-rā sulṭān, zahī ayyām-rā mawlā, Zahī gar dūn-i to-rā čākar, zahī kīstī to-rā mawlā. Vortrefflich ist des Herrschers Welt, vortrefflich deine Tage, Herr, Vortrefflich ist’s in deinem Dienst, vortrefflich, wer dir dienet, Herr. Laut Moḥammad ʿAwfi war Dschabalī sowohl in Persisch wie Arabisch gleichsam bewandert (ḏu'l-balāġatain), entsprechend finden sich auch arabische Gedichte und Mischformen.Der erste Vers des Hafis-Diwans ist dafür das prominenteste Beispiel: Der erste Halbvers ist arabisch, der zweite persisch.[Safa 1982]
Werke Dschabalīs wichtigstes Werk ist sein Diwan, den er Sultan Sandschar widmete.[Karaismailoğlu 1988], siehe hierzu die Abbildung im Artikel. Der Diwan, von dem einige Handschriften erhalten sind, wurde erstmals in Lahore 1862 im Druck herausgegeben, allerdings in überarbeitungswürdigem Zustand.[Huart/Massé 1960] Die maßgebliche kritische Ausgabe erschien 1960 und 1963 in zwei Bänden von Z̲abīḥ Allāh Ṣafā in Teheran.[Safa 1960] Daneben ist ein Diwan von Tiernamen erhalten, der eine „Schatzkiste an Informationen“[Rypka 2001] sein soll, jedoch nicht in gedruckter Form vorliegt.
Literatur [Huart/Massé 1960] [Kadkani 1981] [Karaismailoğlu 1988] [Rypka 2001] [Safa 1960] [Safa 1982]
Einzelnachweise und Anmerkungen
Kategorie:Perser Kategorie:Literatur (12. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Persisch) Kategorie:Lyrik Kategorie:Iranistik Kategorie:Herat Kategorie:Geboren im 11. oder 12. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 12. Jahrhundert Kategorie:Mann