mini|Eine Definition der Balkanhalbinsel weitgehend nach Jovan Cvijić mit der Nordwestabgrenzung Isonzo-Vipava-Postojna-Krka-Save, also der Grenze zwischen Alpen und Dinarischem Gebirge. mini|Eine alternative Abgrenzung des Balkans bildet die Triest-Odessa-Linie. mini|Das Balkangebirge in Bulgarien, von dem die Bezeichnung „Balkan“ abgeleitet ist. Die Balkanhalbinsel (auch kurz Balkan, oft synonym mit Südosteuropa verwendet) ist eine geographisch nicht eindeutig definierte Halbinsel im Südosten Europas. Sie ragt in das Mittelmeer und ist nach dem Balkangebirge benannt. Der größte Staat auf der Halbinsel ist Griechenland, gefolgt von Bulgarien (in dem sich der Großteil des Balkangebirges befindet), Serbien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Nordmazedonien, Montenegro und dem Kosovo.

Die Staatsgebiete von Serbien, Kroatien, Rumänien, Slowenien und der Türkei, die durch ihre thrakischen Provinzen Anteil am Balkan hat, reichen über die klassischen Grenzen der Balkanhalbinsel hinaus.

Dieser Teil Europas ist kulturell und sprachlich stark gegliedert. Im Kern umfasst der Begriff „Balkan“ diejenigen europäischen Staaten, die von der Zugehörigkeit zu Byzanz und später vom Osmanischen Reich geprägt wurden.

Ungeachtet der Herleitung des geographischen Namens sind das dominierende Gebirge des Balkans die Dinariden im westlichen Teil der Halbinsel; ihr höchster Gipfel Jezerca () liegt in Albanien. Die höchste Erhebung des Balkans ist der Gipfel Musala () im Rila-Gebirge. Das Balkangebirge erreicht maximale Gipfelhöhe.

Etymologie Der Begriff „Balkan“ stammt möglicherweise von den Protobulgaren, welche damit dieses Gebiet als Teil des Ersten Bulgarischen Reiches bezeichneten. Auf Bulgarisch wird das Wort балкан umgangssprachlich für Gebirge verwendet. Vermutlich lässt es sich auf die persischen Worte bālkāneh oder bālākhāna mit der Bedeutung „hoch, oben“ oder „hochgelegenes Haus“ zurückführen.

Der Name „Balkan“ wurde während der osmanischen Herrschaft in die türkische Sprache übernommen. Die Bedeutungen auf Türkisch sind gemäß dem Institut für die türkische Sprache verschieden und das Wort kann unter anderem folgendes bezeichnen: „eine steile Gebirgskette“, „Gebiet(e) mit vielen Bäumen, Sträuchern und Büschen“, „Berg(e) mit vielen Wäldern“. Ferner kann es auch „Gebiete mit (weiten, flachen) (Hoch-)Tälern“ oder „Schlamm, der sich durch Schneeschmelze, Tauwetter und Regen bildet“ bedeuten.

Ferner gibt es auch heute noch im turksprachigen Turkmenistan verschiedene Orte mit dem Bestandteil „Balkan“ im Namen, so den Großen Balkan (, dt. „Gebirgskette“), die turkmenische Provinz Balkan welaýaty und deren Hauptstadt Balkanabat. Der Begriff „Balkan“ oder „Balkanhalbinsel“ wurde auch in folgende Sprachen übernommen, von denen die meisten eben zu diesem Gebiet gehören:

: Gadishulli Ballkanik oder Siujdhesa e Ballkanit : Balkansko poluostrvo oder Balkanski poluotok : Балкански полуостров (Balkanski poluostrov) : Балкански Полуостров (Balkanski Poluostrov) : Balkanski poluotok : Βαλκανική χερσόνησος (Valkanikí chersónisos) : Penisola balcanica : Peninsula Balcanică serbisch: Балканско полуострво (Balkansko poluostrvo) : Balkanski polotok : Balkan Yarımadası : Balkán-félsziget : Penìxoła balcànega

Der türkische Begriff Balkanlar (Plural von „Balkan“) bezeichnet heute die „Region, die (die Gebiete) Kroatien, Serbien, Montenegro, Kosovo, Slowenien, Albanien, Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Rumänien, Griechenland und Thrakien umfasst“. Auch heute noch bezeichnet der Name Balkanlar in der Türkei oder türkischen Sprache die Regionen, welche ebendiese Länder beinhalten.

In größerem Umfang erschien die Bezeichnung Balkan erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in wissenschaftlichen Publikationen. Früheste Auslöser waren zwei Publikationen aus den Jahren 1808 und 1831. Erstere stammte von dem deutschen Geographen Johann August Zeune, der von der „Balkanhalbinsel“ schrieb, letztere von dem britischen Major George Thomas Keppel, der 1831 sein Narrative of a Journey across the Balcan publizierte.Traian Stoianovich: Balkan Worlds. The First and Last Europe. Routledge, 2015, S. 1.

Balkanhalbinsel als Region Der „Balkanhalbinsel“-Begriff Die Bezeichnung „Balkanhalbinsel“ wurde 1808 vom Geographen Johann August Zeune geprägt. Er übernahm die Vorstellung antiker Geographen, dass sich das Balkangebirge über den gesamten südosteuropäischen Raum von den slowenischen Alpen bis zum Schwarzen Meer erstrecke und eine ähnlich prägende Bedeutung für den Gesamtraum habe wie der Apennin für die Italienische Halbinsel. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus. Nachdem die Unhaltbarkeit dieser Annahme erkannt worden war, stießen die Begriffe „Balkanhalbinsel“ oder „Hämus-Halbinsel“ auf zunehmende Kritik. Im Jahr 1861 unternahm Johann Georg von Hahn den Versuch, den von Johann August Zeune 1808 etablierten Begriff „Balkanhalbinsel“ durch „südosteuropäische Halbinsel“ zu ersetzen, um eine formal korrektere Bezeichnung zu verwenden – was ihm letztlich nicht gelang.

Balkanländer Der Begriff Balkanländer benennt summarisch mehrere Länder, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass ihre heutigen Territorien jahrhundertelang im Spannungsfeld zwischen Österreich, Russland und dem Osmanischen Reich lagen. Die dadurch bedingten häufigen Gebietsveränderungen und Umsiedlungen oder Vertreibungen ließen den Staat als Repräsentanten wechselnder Fremdherrscher erscheinen, der keine Loyalität erwarten durfte.

In den südosteuropäischen Staaten Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Kosovo, Nordmazedonien, Serbien, Montenegro, Kroatien, Bosnien und Herzegowina und Slowenien wohnen zusammen fast 66 Millionen Menschen (Fischer Weltalmanach 2010). Hinzu kommen acht bis zehn Millionen Einwohner des europäischen Teils der Türkei, insgesamt leben also etwa 75 Millionen Menschen auf der Balkanhalbinsel.

Der „Balkan“-Begriff Der Begriff „Balkan“ wird in Westeuropa im Hinblick auf Konnotationen wie Zersplitterung, Konfliktträchtigkeit („Pulverfass Europas“), Rückständigkeit, Korruption und übermäßige Emotionalität oft abwertend gebraucht. Metternich meinte, der Balkan beginne schon am Rennweg in Wien-Landstraße. Bismarck wird der Spruch nachgesagt, der Balkan sei „nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert“. Winston Churchill bezeichnete den Balkan, als sich dieser nach dem deutschen Balkanfeldzug in der Hand des Dritten Reiches befand, als „Europas weichen Unterleib“.

mini|hochkant=1.2|Ethnische Karte der Balkanhalbinsel vor dem Ausbruch des Ersten Balkankriegs, erstellt von Paul Vidal de la Blache

„Balkanische Zustände“ werden mit Chaos, Gewalt, Korruption, Rückständigkeit und Brutalität gleichgesetzt und dem „zivilisierten“ Europa gegenübergestellt. Diese Konnotation erfolgt regelmäßig auch in den Grenzräumen der Region, zum Beispiel in Kroatien und Rumänien. In der Kernregion selbst geht man mit dem Begriff mit weniger Vorbehalten um. So wurde im Jahr 1909 von den dortigen sozialdemokratischen Parteien eine föderative Balkanrepublik, 1934 zwischen der Türkei, Griechenland und Jugoslawien ein Balkanpakt zum Zweck der Machtabsicherung geschaffen.

Als wertneutraler Begriff bürgert sich nicht zuletzt aus diesen Gründen immer mehr der (geographisch nicht ganz deckungsgleiche) Terminus Südosteuropa ein. In einigen der sogenannten Balkanländer ist die Bezeichnung Balkan aber bisweilen ein durchaus positiv besetzter Begriff: In Bulgarien etwa ist Balkan Namensbestandteil vieler Unternehmen und touristischer Einrichtungen, wobei sich Balkan hier häufig auf das Balkangebirge bezieht, und Bulgaren pflegen ein recht positives Verhältnis zu ihrer „Balkan-Identität“. Ein Grund hierfür dürfte die Tatsache sein, dass das Balkangebirge über Jahrhunderte als Zufluchtsort verschiedener bulgarischer Freiheitskämpfer diente, wie beispielsweise der Heiducken im Kampf gegen die osmanische Herrschaft. Der neuere, überwiegend im Kontext der Europäischen Union verwendete Begriff „Westbalkan“ umfasst die Nachfolgestaaten Jugoslawiens ohne Slowenien, jedoch um Albanien ergänzt.

Anders ist die Situation in Kroatien, Ungarn oder Slowenien: Als ehemalige Bestandteile Österreich-Ungarns fühlen sich viele Bürger dieser Staaten mit traditionell katholischer Bevölkerungsmehrheit dem so genannten mitteleuropäischen Kulturkreis verbunden und distanzieren sich vom Balkan. Meistenteils distanziert sich auch Rumänien, dessen Fläche ungefähr zur Hälfte zu Österreich-Ungarn gehörte und zumindest durch die nördliche Dobrudscha auch in der Balkanregion vertreten ist, von dem geographischen Begriff. Auch Griechenland wird zumeist zu Südeuropa gezählt. Dennoch nehmen ebenso Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien und Moldau wie auch Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Serbien, Nordmazedonien, Albanien, Griechenland, Bulgarien und die Türkei an den Balkanspielen, einem jährlich abgehaltenen Sportwettkampf (vornehmlich Leichtathletik), teil.

Kulturelle Einflüsse Die nach Osten hin offenen Küsten und die Durchgängigkeit des Nordens machen den Balkan von jeher zu einer wichtigen Brücke zwischen Asien und Europa, aber auch immer wieder zum Schauplatz von Konflikten, Kriegen und ethnischen Unruhen.

Zahlreiche historische Staaten spielten in der Kultur und Geschichte dieser Region eine bedeutende Rolle. Dazu gehörten das Römische und das Byzantinische Reich sowie später das Osmanische Reich, die Republik Venedig und Österreich-Ungarn. Auch Russland betrachtete auf Grund des dort verbreiteten orthodoxen Glaubens den Balkan häufig als sein Einflussgebiet, wobei es dabei ebenso wie andere genannte Länder auch territoriale Interessen verfolgte.Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen: Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 81–82.

Da dieser Raum im 15. Jahrhundert endgültig unter die osmanische Herrschaft fiel, verstärkte sich auch die südosteuropäische Binnengrenze zwischen dem ungarisch-venezianisch beherrschten katholischen Raum und dem politisch und religiös nach Konstantinopel ausgerichteten Balkan.Konrad Clewing, Oliver Jens Schmitt: Geschichte Südosteuropas; Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2012; S. 211. Mehr als die Hälfte der Einwohner aller Balkanstaaten hängt einer der orthodoxen Kirchen an. Im Westen der Balkanhalbinsel dominiert jedoch das römisch-katholische Christentum.

Zwischen Katholiken und Orthodoxen leben zudem zahlreiche vor allem slawische, albanische und türkische Muslime, insgesamt etwa ein Viertel aller Einwohner der Halbinsel. Unter den Muslimen sind sufische Bruderschaften sehr verbreitet. Die größten Bruderschaften sind die Halvetiyye und Bektaschiyye. Daneben haben aber auch die Qādirīya, Rifai und Naqschbandīya viele Tekkes auf der Balkanhalbinsel. Der Qādirīya-Orden verbreitete sich im 17. Jahrhundert von Anatolien her, wo er schon im 15. Jahrhundert von dem Dichter und Mystiker Eşref Rumi (gest. 1469) eingeführt worden war.Alexandre Popovic: La Qâdiriyya / Kadiriyye dans les Balkans. Une vue d’ensemble. In: Th. Zarcone, E. Işın, A. Buehler (eds.): The Qâdiriyya Order, Special Issue of the Journal of the History of Sufism (2000), S. 167–212, hier S. 167–172.

Während des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts wurden die Juden auf dem Balkan, mit Ausnahme in Bulgarien und Albanien, verfolgt und ermordet. Die wenigen Überlebenden wanderten in den 1948 neu proklamierten Staat Israel aus. Kein Balkanland hat – abgesehen von der Türkei – heute noch eine nennenswerte jüdisch-sephardische oder jüdisch-aschkenasische Minderheit.

Geographie Lage und Begrenzung Die Halbinsel hat eine Fläche von etwa 500.000 Quadratkilometern, einschließlich der vorgelagerten Inseln. Sie wird nach Westen durch das Adriatische Meer, nach Südwesten durch das Ionische Meer, nach Südosten durch die Ägäis und das Marmarameer und nach Osten durch das Schwarze Meer begrenzt.