Die letzte Versuchung Christi (orig. The Last Temptation of Christ) ist ein auf dem Roman Die letzte Versuchung von Nikos Kazantzakis basierender Spielfilm von Martin Scorsese aus dem Jahr 1988.

Jesus von Nazaret wird in dem Film, wie auch im Buch, das als Vorlage diente, als Zweifelnder und mit seinem Schicksal Hadernder gezeichnet, der sich verschiedenen Versuchungen ausgesetzt sieht. Rahmen der Handlung sind die Geschehnisse, wie sie aus dem Neuen Testament bekannt sind (siehe Versuchung Jesu), wobei das Bild des Menschen Jesus um verschiedene Facetten erweitert wird. Scorsese erklärt dazu: „Jesus ist, bis er Gottes Auftrag endlich begreift, eine passive Figur.“Interview mit Martin Scorsese. In: taz, 19. Januar 2005

Handlung Jesus beginnt als Zimmermann, der auch mit den Römern zusammenarbeitet und Kreuze für Hinrichtungen zimmert. Zunehmend plagen ihn aber existentielle Fragen über den Sinn seines Daseins. Er zieht sich zum Fasten in die Wüste zurück, wo ihn die Stimme Gottes erreicht, er aber zweifelt, ob es wahr ist, was mit ihm geschieht. In der Wüste widersteht er auch der Versuchung durch Satan, der ihm aber ein Wiedersehen verspricht. Danach wandert er als Prediger durch das Land, begleitet von einer Gruppe von Männern und Frauen, die sich um ihn versammeln, wird von Johannes getauft, vollbringt Wunder, die selbst ihn in Staunen versetzen, und kommt schließlich auf einem Esel reitend nach Jerusalem. Hier soll sich sein Schicksal erfüllen. Dazu drängt er seinen treuen Jünger und Freund Judas Iscariot, ihn an die Sanhedrin zu verraten, was dieser nur widerwillig und bedrängt durch Jesus tut.

Als er nach seiner Verurteilung an das Kreuz genagelt wird, erscheint ihm ein junges Mädchen, das sich ihm als Schutzengel zu erkennen gibt. Es erklärt ihm, dass er genug gelitten habe, bietet ihm an, ihn vor dem Tod zu retten, und tatsächlich folgt Jesus ihm. Das Mädchen bringt ihn zu Maria Magdalena, einer seiner Jüngerinnen, die ihn einst umworben hatte und die er auch begehrte, aber wegen seines göttlichen Auftrags zurückgewiesen hatte. Nun gründet er mit ihr eine Familie, lebt unerkannt und lässt sein früheres Leben als Verkünder von Gottes Wort hinter sich. Maria stirbt jedoch bei der Geburt ihres gemeinsamen Kindes. Mit zwei weiteren Ehefrauen zeugt Jesus noch drei Kinder.

Erst am Ende eines langen Lebens im Kreis seiner Familie trifft er seine früheren Jünger wieder, die in der Zwischenzeit seine Lehre gepredigt haben, aber uneins waren, was sie über sein Ende am Kreuz zu berichten hätten. Als er im Sterben liegt, kommt ihn auch Judas besuchen. Wütend, weil er Jesus damals auf dessen eigenen Wunsch hin verraten musste, Jesus sich aber schließlich vom Tod am Kreuz davongestohlen hatte, beschimpft er ihn als Verräter an ihrer gemeinsamen Sache.

Der Schutzengel, der Jesus vom Kreuz errettet hat, wird nun durch Judas als Satan entlarvt, der versucht hat, Jesus als einfachen Menschen anstatt als Messias sterben zu lassen. Letztlich entscheidet Jesus sich dadurch, sein Martyrium zu vollenden, um seine eigentliche Bestimmung zu erfüllen, und findet sich wieder auf Golgota, am Kreuz. So ist sein Leben als Familienvater am Ende nur ein Traum, eine Vision gewesen – seine letzte Versuchung.

Entstehung Jesus Christus Willem Dafoe Lutz Mackensy Judas Iscariot Harvey Keitel Christian Brückner Maria Magdalena Barbara Hershey Evelyn Maron Pontius Pilatus David Bowie Frank Glaubrecht Simon Petrus Victor Argo Hermann Ebeling Johannes der Täufer André Gregory Harry Wüstenhagen Paulus von Tarsus Harry Dean Stanton Joachim Kerzel Zebedäus Irvin Kershner Heinz-Theo Branding Jakobus der Ältere John Lurie Hans-Jürgen Dittberner Johannes Michael Been Claus Wilcke Lazarus Tomas Arana Mathias Einert Martha von Bethanien Peggy Gormley Kerstin Sanders-Dornseif Maria von Bethanien Randy Danson Regina Lemnitz Nathanael Leo Burmester Detlef Bierstedt Maria von Nazaret Verna Bloom Barbara Adolph Schutzengel Juliette Caton Caroline Ruprecht

Der Film wurde in Marokko gedreht. Die Filmproduktion war in den Atlas Film Studios in der Nähe von Ouarzazate beheimatet. Als Filmkulisse für die in Jerusalem spielenden Szenen dienten Meknès und die dortigen ausgedehnten Palastanlagen von Mulai Ismail. Die letzten 35 Minuten des Films mit der Versuchungsszene wurden in der Welterbestätte Volubilis gedreht.

Unter dem Titel Passion: Music for The Last Temptation of Christ und Passion – Sources veröffentlichte Peter Gabriel ein Jahr später am 5. Juni 1989 zwei Alben, wovon das erste auf seinen eigenen Kompositionen für diesen Film basiert. und das zweite Inspirationen anderer Künstler dazu beinhaltete, die teilweise auch für die Filmmusik verwendet wurden. Er arbeitete dabei mit damals unbekannten Künstlern aus Armenien, Ägypten, Äthiopien, Guinea, Indien, Iran, Marokko, Pakistan, Senegal und der Türkei (unter anderem Nusrat Fateh Ali Khan, Youssou N’Dour und Baaba Maal) zusammen und konnte so die Popularität der sogenannten World Music enorm steigern.

Gabriel profitierte bei der Komposition der Musik und der Auswahl der Musiker von den Ressourcen des National Sound Archives und des British Library Sound Archives in London.

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Synchronbuch von Horst Balzer und unter dessen Dialogregie im Auftrag der Berliner Synchron.

Rezeption Kontroversen Der Film rief bei seinem Erscheinen 1988 Kontroversen und vor allem unter konservativen Christen wütende Proteste hervor. Die Geschichte von einem Jesus, der an seiner Berufung als Sohn Gottes zweifelt, mit den Römern kollaboriert, eine Frau begehrt und sich sogar dem Tod am Kreuz entzieht und eine Familie gründet, wurde als Blasphemie betrachtet. Die Kontroverse ging so weit, dass es auch zu gewalttätigen Protesten kam, wobei etwa auf ein Kino am Pariser Boulevard Saint-Michel ein Brandanschlag verübt wurde.Siehe Website von actu.fr (französisch; abgerufen am 16. Juni 2025). In Chile wurde der Film verboten, aber der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte entschied, dass dieses Verbot unvereinbar mit dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung sei.(Urteil, PDF; 495 kB) – Entscheidung des Gerichtshofs

In der Bundesrepublik Deutschland gingen bei der FSK über 1200, bei der FBW über 300 Protestschreiben ein, zum Teil mit umfangreichen Unterschriftenlisten. 98 Prozent aller Schreiben trafen noch vor dem Kinostart ein, was daran lag, dass in kirchlichen Blättern vorab zum Protest gegen den Film aufgefordert worden war, um ein Verbot zu erwirken. Der Direktor der Filmbewertungsstelle, Steffen Wolf, wies diese Art der Kritik an einem persönlich nicht gesehenen Film scharf zurück. Auch der größte Teil der Presse zeigte sich unbeeindruckt: Im Spiegel erschien am 14. November 1988 ein Artikel mit dem Titel Sturm im Weihwasserglas, und in der Zeit schrieb Frank Drieschner am 18. November 1988 unter der Überschrift Kruzifix vorm Kino, es handle sich bei den Demonstranten um engstirnige alte Frauen, die, statt sich den Film anzusehen, Vaterunser betend vor Kinos protestierten.Jürgen Kniep: Keine Jugendfreigabe! S. 330–331

Im Juni 2012 provozierte der Schriftsteller Martin Mosebach eine Debatte mit seinem Essay Vom Wert des Verbietens, indem er unter Berufung auf muslimische Proteste gegen den Scorsese-Film staatliche Zensur gegenüber blasphemischen Inhalten legitimierte. In seinem Roman Krass (2021) liefert er selber eine Adaptation des Kazantzakis-Stoffes, in dem er Filmszenen aus Die letzte Versuchung Christi literarisch überarbeitete.

Kritiken

Die letzte Versuchung Christi erhielt ein sehr gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes überwiegend positive Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Zertifiziert Frisch“ ein. Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Grundsätzlich Wohlwollend“ aus. Und They Shoot Pictures, Don’t They? zählt den Film zu den 1000 angesehensten Werken der Filmgeschichte.

In einer ZEIT-Kontroverse von Walter Jens und Ulrich Greiner schreibt Walter Jens:

Auszeichnungen Regisseur Martin Scorsese wurde bei der Oscarverleihung 1989 in der Kategorie Beste Regie für einen Oscar nominiert. Im gleichen Jahr wurde Barbara Hershey für einen Golden Globe als Beste Nebendarstellerin und das gleichnamige Album von Peter Gabriel als Beste Original-Filmmusik nominiert.

Literatur Nikos Kazantzakis: Die letzte Versuchung. Roman (Originaltitel: Ho teleutaios peirasmos). Deutsch von Werner Kerbs. Ullstein, Frankfurt am Main / Berlin 1995, ISBN 3-548-22199-8, 511 S. John Ankerberg, John Weldon: Standpunkt: „Die letzte Versuchung Christi“. Schulte und Gerth, Asslar 1988, ISBN 3-87739-672-0, 79 S. Steffen Wolf (red.): Martin Scorseses Film „Die letzte Versuchung Christi“. Dokumentation/Analyse von Zuschriften an FBW und FSK. Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW) und Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), Wiesbaden 1989, 19 (7) S. Anja Wißkirchen: Identität gewinnen an Maria Magdalena. Eine Untersuchung der mythologischen Erzählstrukturen in den biblischen Texten und deren Rezeption in „Jesus Christ Superstar“ und „Die letzte Versuchung Christi“. Pontes (Band 6). Lit, Münster / Hamburg / London 2000, ISBN 3-8258-4976-7, 141 (X) S. Jürgen Kniep: „Keine Jugendfreigabe!“. Filmzensur in Westdeutschland 1949–1990. Wallstein Verlag, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0638-7

Weblinks

Die letzte Versuchung Christi bei moviepilot

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1988 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Bibelverfilmung Kategorie:Nikos-Kazantzakis-Verfilmung Kategorie:Neues Testament im Film Kategorie:Werk über Jesus von Nazaret Kategorie:Martin Scorsese