Die Liste der Reifensteiner Schulen gibt die dem Reifensteiner Verband zugehörigen oder assoziierten Schulen wieder.

Hintergrund Die im Kaiserreich durch eine Initiative von Ida von Kortzfleisch begründeten Schulen und die zugehörige Reifensteiner Bewegung trugen zur Frauenbildung in Deutschland mit bei. Der Reifensteiner Verband besaß von 1897 bis 1990 insgesamt 15 eigene Schulen. Zugleich fungierte der Verband als Schulverbund, Stellenvermittlung und Netzwerk der Absolventinnen und Schüler- und Seminaristinnen. Über Kooperationen angeschlossen waren zahlreiche weitere Träger, so dass sich insgesamt mehr als 40 wirtschaftliche Frauenschulen, ländliche Haushaltungsschulen und Lehrbetriebe der Reifensteiner Idee und Bewegung verbunden fühlten. Die Absolventinnen sind unter anderem bei landwirtschaftlichen Hausfrauenvereinen und den Landfrauenverbänden mit engagiert gewesen. Sie hatten auch mittelbar Einfluss auf die Berufsbilder für Frauen allgemein wie Berufsausbildungsgänge und deren Standesvertretung und Verbände.Ortrud Wörner-Heil: Frauenschulen auf dem Lande. Kassel 1997, , S. 60–109 Prominente Reifensteinerinnen waren unter anderem Käthe Delius, später Direktorin der Bundesforschungsanstalt für Hauswirtschaft, Friederike von Hannover, die spätere Königin von Griechenland, die Politikerin Marie-Elisabeth Lüders, spätere Alterspräsidentin des deutschen Bundestages sowie die eng mit dem deutschen Widerstand verbundene Freya von Moltke.

Die Liste gibt sowohl Frauenschulen des Verbandes selbst als auch die assoziierten Schulen anderer Träger wieder. Abgebildet werden, so vorhanden, Bilder der Schulen wie der sogenannten Schulnadeln, die als Abzeichen dienten.

Frauenschulen des Reifensteiner Verbandes BildBeschreibungSchulnadel250px|Reifensteiner Schule OfleidenNieder-Ofleiden in der Nähe von Marburg/Lahn 1897–1900 1897 Die erste Frauenschule des Vereins wird gegründet. Ihr werden eine Haushaltungsschule und eine Kleinkinderschule angegliedert.

1900 Die Frauenschule wird nach Reifenstein verlegt.Reifensteiner Verein: Allgemeine Vereinsschrift, Gotha August 2015

Zwischen dem von Ida von Kortzfleisch (1850–1915) gegründeten „Verein zur Errichtung wirtschaftlicher Frauenschulen auf dem Lande“, später „Reifensteiner Verband“ und Freifrau Dorette von Schenck zu Schweinsberg (1842–1902), der Besitzerin des Gutes Nieder-Ofleiden bei Homberg/Ohm im damaligen Großherzogtum Hessen, wurde im August 1896 ein Mietvertrag über das Wohnhaus, Nebengebäude und ein Grundstück von 8 Morgen, zur Errichtung einer „Wirtschaftlichen Frauenschule auf dem Lande“ für 3 Jahre unterschrieben. Bei Aufnahme des Schulbetriebs umfasst das Anwesen einen Schulgarten, außerdem bestanden zwei Treibhäuser und eine Imkerei. An der Hofseite des Gutes befanden sich Waschküche und Remisen, auf der anderen Hühnerstall und Auslaufwiese. In dem Haus war keine Elektrizität, keine Wasserversorgung und in den Schülerinnenzimmern keine Heizung. Der wirtschaftlichen Frauenschule waren eine Haushaltungsschule für Landmädchen und eine Kleinkinderschule, die unter der Leitung einer Diakonissin stand, angegliedert. Die Haushaltungsschule auf dem Lande für Mädchen hatte 2 Abteilungen, die Abteilung für Landmädchen, in der wirtschaftliche Kenntnisse vermittelt wurden und die Abteilung zur Ausbildung für eine dienende Stellung mit einem halbjährigen Gartenbaukurs. Nach Ende der Pachtzeit wurde die Schule Reifenstein gegründet. In Nieder-Ofleiden wird danach noch einige Jahre unter der Leitung von Freifrau von Schenk eine Haushaltungsschule geführt250px|Reifensteiner Schule ReifensteinReifenstein im Eichsfeld in Thüringen 1900–1949 Die Wirtschaftliche Frauenschule eröffnet 1900 nach umfangreichen Renovierungsarbeiten im Ost- und Südflügel der preußischen Domäne Reifenstein, einem ehemaligen Zisterzienserkloster. In der Schule waren teilweise bis zu 100 Schülerinnen untergebracht. Von Beginn an übernahm die Schule soziale Aufgaben für das Umland. Mit der Regierung in Erfurt wurde 1932 ein neuer Pachtvertrag über 30 Jahre geschlossen, der Erweiterung des Geländes einschloss. Trotz wirtschaftlicher Engpässe konnte der Schulbetrieb bis Ostern 1945 aufrechterhalten werden. U.a. hatte ein Kinderheim Teile des Hauses belegt hatte. Als sich die sowjetische Besatzung ankündigte, löste die Direktorin die Schule auf und unternahm den Abtransport von Schulinventar und Privatgepäck in Richtung Obernkirchen. Einige Lehrerinnen blieben in Reifenstein und verhandelten mit der sowjetischen Militäradministration um einen Neubeginn. Der Neubeginn wurde nur unter der Bedingung gewährt, dass die Einrichtung verstaatlicht würde. Im Mai 1946 kaufte das Land Thüringen dem Verband das restliche Inventar von Reifenstein und Beinrode ab. Nun konnte der Unterricht erneut aufgenommen und bis zur Schließung 1949 betrieben werden.150px|Schulnadel Reifensteiner Reifenstein250px|Reifensteiner Schule ObernkirchenObernkirchen 1901–1971 1901 Die Wirtschaftliche Frauenschule wird in einem leerstehenden Flügel des evangelisch-adeligen Damenstiftes in Obernkirchen eröffnet. Durch Hilfen der hessischen Behörden und Privatpersonen wurde die Eröffnung der Schule möglich. Die regierende Fürstin Marie Anna zu Schaumburg – Lippe übernahm das Protektorat der Schule.

1915 wurde die Schule zeitweilig Lazarett. Zudem bereiteten die Nachwirkungen der Revolutionsereignisse der Schule große Schwierigkeiten. Die Attraktivität der Schule zeigte sich auch darin, dass Mädchen aus vielen prominenten Familien die Ausbildung in Obernkirchen wählten. Mitte 1942 wurde die langjährige Direktorin Agnes Freiin von Dincklage (geehrt mit einem frauenOrt des Niedersächsischen Landesfrauenrates) von den Nationalsozialisten ihres Amtes enthoben. In den Jahren 1944/45 erfolgten Beschlagnahmungen für ein Lager der Hitlerjugend, ein Krankenhaus, ein Entbindungsheim und zeitweise die Unterbringung von Flüchtlingen. Im Oktober 1945 konnte der Unterricht mit 80 Schülerinnen wieder beginnen. 1972 zwangen wirtschaftliche Erwägungen die Schließung.150px250px|Reifensteiner Schule MaidburgMaidburg in Posen 1904–1919 1904  Auf Initiative Ida von Kortzfleischs kauft der Reifensteiner Verband das Schloss Maidburg im Kreis Kempen in Posen. Die Schule wird mit einem Seminar und ab 1907 mit einer Landpflegestation betrieben. 1919: Der Versailler Friedensvertrag schreibt die Zugehörigkeit des Kreises Kempen zu Polen fest, die Schule darf hiernach nicht fortgeführt werden und muss verkauft werden.150px250px|Reifensteiner Schule ScherpingenScherpingen in Westpreußen 1908–1928 1908   Das schlossartige Herrenhaus des Gutes Scherpingen wird gekauft und eine Schule (auch im Gärtnereibereich) eröffnet.

Wegen der Frontnähe wurden die Schülerinnen bei Ausbruch des Krieges 1914 nach Hause oder in andere Schulen geschickt. Die Schule wurde als Lazarett genutzt. Ende 1915 konnte der Unterricht wieder beginnen. Das Gebiet wurde 1918 bei Kriegsende polnisch. Dem Kuratorium gelang es, den „Danziger Verein Wirtschaftliche Frauenschule Scherpingen“ zu gründen, um den Besitz vor der Enteignung zu retten. Die Schülerinnen kamen nun vorwiegend aus dem polnischen Raum. Ab ca. 1925 wurden alle Reichsdeutschen (Lehrerinnen und Schülerinnen) ausgewiesen. Nur wer die polnische oder Danziger Staatsangehörigkeit besaß, durfte weiter bleiben. 1929 ordneten die polnischen Behörden die Schließung der Schule an.150px Als Maidennadel der Schule von Scherpingen wurde das Symbol von Libellen gewählt, da diese in den Sommermonaten über dem Teich im Park des ehemaligen Schlosses gesehen wurden.250px|Reifensteiner Schule WeilbachBad Weilbach 1911–1972 Der Reifensteiner Verband kaufte 1911 das Kurhaus mit Nebengebäuden, großem Park und Schwefelquelle in Bad Weilbach und eröffnete die fünfte Frauenschule. Angegliedert wird die Kolonial-Frauenschule Bad Weilbach 1911–1914. Auf seinem Rückzug belegte das deutsche Heer in 1917 – 18 das Haus, welches 1918 von der französischen Besatzungstruppe besetzt wurde. Im Oktober 1919 konnte die Schule nach umfangreichen Reinigungsarbeiten wieder eröffnet werden. Der Verein ist Gesellschafter und im Aufsichtsrat der zugehörigen GmbH. Auf dem Gelände wurde 1933 ein Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes und 1935 ein Landschulheim für Mädchen eröffnet. Während des Krieges hatte die Schule mehrfach Einquartierung von Soldaten und auch ein Lazarett aus Wiesbaden. Nach 1945 besetzten Amerikaner das Haus. 1946 konnte der Unterricht wieder aufgenommen werden, bis in den späteren 60er Jahren der Verband sich gezwungen sah, das Anwesen zu verkaufen. Der Unterricht lief noch bis 1972 weiter, dann musste die Schule geschlossen werden.150px250px|Reifensteiner Schule MetgethenKronprinzessin-Cecilien-Schule Metgethen in Ostpreußen 1912–1944 In dem von Elisabeth Boehm in Stepphuhn in Ostpreußen gegründeten „Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein“ entstand der Wunsch, in Anlehnung an die Schulen von Ida von Kortzfleisch, eine Ausbildungsstätte für Lehrerinnen zu schaffen. 1912 eröffnete die Schule, die durch Spendenmittel ermöglicht wurde. Träger der Frauenschule ist zunächst der Verein für wirtschaftliche Frauenschulen für Ostpreußen.

1916  Aufgrund der Auswirkungen des Krieges 1914 – 1918 (Einquartierung, Ernährungsengpässen, Finanzierungsschwierigkeiten) wurde Metgethen dem Reifensteiner Verband als Geschenk angeboten, der die Schule übernahm.

Der Versailler Vertrag trennte Ostpreußen vom Deutschen Reich (polnischer Korridor). Dies erforderte die Erweiterung des Unterrichtsangebotes für Metgethen, um die speziellen Bedürfnisse dieser Provinz aufzufangen. Der Ausbruch des Krieges 1939 führte durch die militärische Nutzung zu besonderen Erschwernissen, die Ende 1944 wegen der Nähe zur Front geschlossen werden musste. Das Haus wurde beschlagnahmt, um einen Stab des Reichsverteidigungskommissars mit 100 Mann dort unterzubringen. Einige Lehrerinnen wurden verpflichtet, die Betreuung der Soldaten zu übernehmen. Im Februar 1945 rückte die russische Armee immer weiter nach Ostpreußen ein. Das Gebäude der Frauenschule Metgethen wurde im Februar 1945 zerstört.150px|Schulnadel Metgethen250px|Reifensteiner Schule OberzwehrenOberzwehren bei Kassel 1917–1944 Die Reifensteiner Schule wurde 1904 zunächst als Wirtschaftliche Frauenschule der Auguste-Förster-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Casseler Frauenbildungsverein gebaut und 1906 bezogen. Auguste Förster war eine Mitstreiterin von Ida von Kortzfleisch beim Aufbau der Reifensteiner Schulen. Im April 1917 kaufte der Reifensteiner Verband die Schule Oberzwehren. Die Schule hatte Platz für 27 Hauswirtschaftsschülerinnen und 5 Gartenbauschülerinnen. Aus wirtschaftlichen Gründen konnte der Reifensteiner Verband die Schule während der Inflationszeit nicht mehr halten und verkaufte sie 1921 an die Landwirtschaftskammer Kurhessen, der sie als ländliche Haushaltungsschule weiterführte. Dem Reichsnährstand wurde die Schule 1933 angegliedert, sie bestand von 1936 bis 1943 weiter als Landfrauenschule und wurde 1944 geschlossen.150px250px|Reifensteiner Schule ChattenbühlChattenbühl (Kattenbühl) bei Hannoversch Münden 1918–1964 1918  Kauf des ehemaligen Kur- und Erholungsheims Rehbocksweide.

1964  Schließung der Frauenschule.150px|Schulnadel Chattenbühl250px|Wöltingerode 2001Wöltingerode bei Goslar 1918–1990