Menschen, die vorüberziehen ist der Titel eines Schweizer Tonfilmdramas, das Max Haufler 1941/42 für die Zürcher Gloriafilm realisierte, deren erster Leiter Günther Stapenhorst war. Das Drehbuch hatte Haufler zusammen mit Albert Jakob Welti und Horst Budjuhn geschrieben. Die Hauptrollen waren mit namhaften Schweizer Schauspielern wie Adolf Manz, Rudolf Bernhard, Emil Hegetschweiler und Lukas Ammann besetzt. Die Charakterrolle der Boschka spielte die aus Nazi-Deutschland emigrierte Schauspielerin und Kabarettistin Therese Giehse.«Ihr Leinwanddebüt hatte Therese Giehse 1928 in dem stummen Streifen ‹Der Fremdenlegionär› gegeben. Nach kleineren Rollen in Produktionen wie ‹Peter Voss, der Millionendieb› (1932) oder ‹Die verkaufte Braut› (1932) fand sie im Schweizer Film größere Aufgaben. Man sah sie unter anderem mit der Charakterrolle der Boschka in Max Hauflers Verfilmung des Zuckmayer-Stücks ‹Katharina Knie› mit dem Titel ‹Menschen, die vorüberziehen› (1942) oder als Haushälterin Kathri in Franz Schnyders Gruselkomödie bzw. Literaturadaption ‹Das Gespensterhaus› (1942)», vgl. Porträt Therese Giehse bei steffi-line.de.

Im Film treffen zwei unterschiedliche Lebensweisen, zwei unterschiedliche Welten kontrastreich aufeinander: das sesshafte Bauerntum und das fahrende Künstlervolk.

Inhalt

Hintergrund Als literarische Vorlage für das Drehbuch diente Carl Zuckmayers Bühnenstück Katharina Knie von 1929. Die Autoren bearbeiteten sie jedoch so landestypisch, dass ein eigenständiges schweizerisches Werk entstand. Harry Ringer und Otto Ritter* 22. April 1917 in Läufelfingen; † 31. Oktober 1977 in Zürich, Beruf: Kameramann, Dokumentarfilmer, vgl. Manuela Nipp in Personenlexikon.ch waren die Photographen. Die Szene entwarf Fritz Butz,* 1909 in Wasseralfingen, Deutschland; † 1989 in Schwerzenbach, Schweiz. Vor, während und nach dem Krieg stellte Fritz Butz Bauten und Kostümentwürfe her für etwa 20 Schweizer Filme, wie z. B. Landammann Stauffacher, Gilbert de Courgenay (1941), Menschen, die vorüberziehen (1942) oder Holiday in Switzerland (1969). Vgl. . die Garderobe besorgte Ruth Zürcher. Die Musik zu dem Film komponierte Hans Haug, und im Studio Bellerive wurde gedreht.

In der Deutschschweiz hatte «Menschen, die vorüberziehen» am 5. Februar 1942 in Zürich Premiere; in der frankophonen Schweiz hiess der Film Gens qui passent. In Österreich wurde der Film erst nach dem Zweiten Weltkrieg am 16. Januar 1948 uraufgeführt. Er wurde auch in Frankreich, Dänemark und Schweden gezeigt.vgl. Release Info in der Internet Movie Database (englisch).

Rezeption Die Aufnahme beim Publikum war verhalten, obwohl die Pressestimmen mehrheitlich positiv ausfielen. Der Export des Films nach Reichsdeutschland wurde in Berlin verhindert. So konnte der Film trotz zustimmender Kritiken und solider Zuschauerzahlen seine Produktionskosten in Höhe von 200'000 Franken nicht einspielen. Durch die finanziellen Verluste geriet die Produktionsgesellschaft in arge Schieflage; 1943 musste sie die Spielfilmproduktion einstellen.

«Menschen, die vorüberziehen» war brisant in einem Klima geistiger Landesverteidigung. Die Begegnung des Zirkusmädchens Marina Horn mit dem Seeländer Bauern Hans Bucher erschöpft sich nicht in einer schwierigen Liebesgeschichte; vielmehr vermittelt die respektvolle Perspektive auf das Leben einer fahrenden Zirkustruppe auch ein Interesse an anderen als bürgerlichen Lebensentwürfen («Sortie du labo», 7. Februar 2013).Schweizer Filmarchiv und Memoriav, Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz, vgl. PDF (965 kB) bei lichtspiel.ch.

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), das «Menschen, die vorüberziehen» am 9. Juni 2010 ausstrahlte, brachte den Film auf einer DVD zusammen mit den Specials «Historische Hintergründe über die Entstehung des Films / Film: Erinnerung an Max Haufler (45 Min.) / Beitrag über die Rettung des Filmmaterials» in den Handel.siehe .

Literatur Matthias Christen: Artisten im Film. In: Lexikon der Filmbegriffe. Matthias Christen: Der Zirkusfilm. Exotismus-Konformismus-Transgression (= Zürcher Filmstudien. Nr. 23; Habilitationsschrift). 100 Abb., Paperback. Schüren Verlag, März 2010, ISBN 978-3-89472-523-5. Hervé Dumont: Geschichte des Schweizer Films. Schweizer Filmarchiv, Lausanne 1987, ISBN 2-88267-001-X. Horst O. Hermanni: Von Jean Gabin bis Walter Huston (=Das Film ABC. Band 3). Books on Demand, 2009, ISBN 978-3-8334-2377-2, 552 S., S. 95. Martin Schaub: Film in der Schweiz. Pro Helvetia, Zürich 1997, ISBN 978-3-908102-27-4, S. 21. Werner Wider, Felix Aeppli: Der Schweizer Film 1929–1964: Die Schweiz als Ritual. Band 1: Darstellung. Band 2: Materialien. Limmat, Zürich 1981, ISBN 978-3-85791-034-0. S. 274, 351, 443.

Weblinks

(rechts) bei amazonaws.com, abgerufen am 8. Juni 2022 Kinoplakat bei poster-auctioneer.com, abgerufen am 17. Juni 2015

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1942 Kategorie:Schweizer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Filmdrama