Der Braunkohlenschacht am Sonnenberg war ein Untersuchungsbergwerk auf Braunkohlevorkommen auf dem heutigen Gemeindegebiet von Parchim im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Der „Braunkohlenschacht am Sonnenberg“ befindet sich im Naturschutzgebiet Sonnenberg, drei Kilometer südwestlich von Parchim, unmittelbar nördlich des Ortes Kiekindemark. Der namensgebende Sonnenberg befindet sich 500 Meter östlich. Die Unterschutzstellung erfolgte am 1. Mai 1957 mit dem Zweck, einen Waldkomplex auf einem Altmoränenstandort zu schützen und zu entwickeln.

300px|links|Orientierungstafel, angebracht am Schneisenrand.

Geschichtliches Seit dem Jahre 1734 waren die Domanialämter Eldena, Plau, Wredenhagen und Marnitz an Preußen verpfändet gewesen. Erst 1787 kamen diese Amtsbereiche wieder unter die Hoheit des mecklenburgischen Herzogs. Da in anderen deutschen Landen zu dieser Zeit bereits rege bergbauliche Tätigkeit (auch auf Braunkohle) herrschte, war der Landesfürst sehr interessiert, zu erfahren, wo und welche Bodenschätze in seinen Ländereien lagerten.Günter Pinzke: „Der Mallißer Braunkohlenbergbau“. BoD-Verlag Norderstedt. 196 Seiten, 108 Abbildungen, mit einem Geleitwort des Leiters des Bergamtes von Mecklenburg-Vorpommern, 2015. ISBN 978-3-7347-6915-3. Die Anregung zu entsprechenden Such- und Erkundungsarbeiten in Mecklenburg ging vom Braunschweigischen Bergrat AbichCarl Wilhelm Heinrich Abich, geboren am 4. Dezember 1772 in Braunschweig. Als Pächter der Saline Schöningen wurde er zum Bergrat ernannt. aus, der 1816 zur Kur in Bad Doberan weilte. Herzog Friedrich Franz I. ließ ihm die Untersuchungsergebnisse des hiesigen Geologen Carl Zintgraff – betreffend dessen Untersuchungen aus den Jahren 1790 / 91 im Raum Bockup / Malliß Landkreis Ludwigslust-Parchim – zukommen. Nach Sichtung dieser Unterlagen empfahl Abich, besagtes Gebiet mittels Bohrungen zu untersuchen.

Zu diesen Arbeiten schickte er im Jahre 1817 aus der Belegschaft der RudolphsgrubeDiese Steinkohlengrube gehörte zur Saline Schöningen; die geförderte Steinkohle wurde seit 1741 für die Befeuerung der Salzsiedepfannen in den Salinen Schöningen (Stilllegung 1970) und Salzdahlum (Stilllegung 1850) genutzt. den Steiger Mengebier und die Bergleute Goedecke und Müller samt Gerätschaft in den Raum Bockup. Auch er kam des Öfteren zur Inspektion und Anleitung.

Mengebiers Sohn Friedrich August Albert, geboren 1810 in Conow bei MallißMengebiers Verdienste und sein Ansehen bei Hofe müssen hoch gewesen sein, denn der Großherzog bewilligte für Lenzen's Sohn Friedrich, der in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte, ein jährliches Stipendium von 50 Reichstalern für das Studium an der Bergschule der Preußischen Bergstadt Eisleben. Das dortige Schülerverzeichnis von 1828 führt ihn als „Mengebier, Friedrich, geboren in Conow bei Lenzen (Mecklenb.-Schw.)“ übernahm ab 1840 als Bauconducteur die weitere Erkundung der Braunkohlenflöze am Sonnenberg und Umgebung.

Geologie Dass im „Viting“ Bodenschätze ruhen, glaubte als Erster der Ludwigsluster Arzt Gustav Brückner. Unter anderem in einer 1825 erschienenen Veröffentlichung vertrat er die Ansicht, dass der „Vieting“ ein Kalkberg sei.

Es könne dort auch Gips oder Kalk anzutreffen sein. Mit dieser Auffassung könne man das gelegentliche Auftreten von nebelähnlichem Dunst erklären.

Immerhin wurde bis Ende Oktober 1841 eine große Menge Braunkohle gefördert. Drei große Scheffel gesiebter Braunkohle kosteten 10 Schilling, die Tonne Grus sechs Schilling. Letzteres galt als gutes Düngemittel.

mini|links|Die Braunkohlenvorkommen der Prignitz bis an ihre nördliche Begrenzung. mini|links|Hölzerne, manuell aus mehreren Stämmen geformte Statur des Räubers und Mörders Räuber Vieting Der Sonnenberg ist eine imposante Erhebung des Tertiärs. In dem bis zu 108 m ansteigenden Vitingsberg, einem Hügel der als „Sonnenberg“ bezeichneten Kette von Erhebungen, wurde im Jahre 1840 eine Reihe von Bohrungen auf Braunkohle angestellt. Diese wurden auch fündig; jedoch konnte mangels genauer Lage- / Teufenmessungen keine exakte Zuordnung vorgenommen werden.

Im Schacht liegen die Flöze im Höhenniveau der Elde; in Kiekindemark nahe der Erdoberfläche.Eugen Geinitz: Die Flötzformationen Mecklenburgs. Separatabdruck aus Heft 37 des Archivs der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg., Commission der Buchhandlung von Opitz & Co., Güstrow 1883. Seite 130.

Wie verworren die Schilderungen der geologischen Verhältnisse am Sonnenberg sind, soll Folgendes deutlich machen (und dies nach nur vier Jahren seit Stilllegung des Braunkohlenschachtes):

Bohrergebnisse

mini|Nachweis der Kostenerstattung für Bohr-Meister Herrn Deperade (Zeitraum 12. April–22. Juli 1853). mini|Vermutliches Abbauschema des Bergwerks am Sonnenberg. mini|Lage einer Walkerdegrube am Sonnenberg. Nachstehende Bohrergebnisse sind die aussagekräftigsten von insgesamt 28 dokumentierten Schichtenaufnahmen.Adolph Gottfried Ehrhart Steffenhagen: Das Braunkohlenlager im Sonnenberge bei Parchim. Archiv für Landeskunde in den Großherzogthümern Mecklenburg und Revüe der Landwirtschaft. Sechster Jahrgang, 1856. Schwerin, Verlag der Hofbuchdruckerei von A. W. Sandmeyer. Bericht über die im Jahre 1853 fortgesetzten Bohrversuche im Sonnenberg.

Die bislang agierende Aktiengesellschaft war wegen der Misserfolge (kaum verwertbare Braunkohle, ein inzwischen aufgebrauchtes Stammkapital) nicht willens weiterzuarbeiten; sie löste sich auf. Es bildete sich eine neue Aktiengesellschaft. Mit deren Beschluss vom 7. März 1853 wurden die Bohrversuche im April wieder aufgenommen. Diese begannen in gewisser Systematik zunächst am südlichen Abhang des Fliederberges. Das erste Bohrloch erreichte infolge von Steinhindernissen lediglich 40,449 m (≙ 139′). Viele Hindernisse führten zum Verlust von insgesamt 40 Verrohrungen. Ein weiteres Bohrloch wurde unweit der Walkerdegrube bei Teufe 44,523 m eingestellt.

Ein Bohrloch wurde zwischen der „Dagekuhle“ und dem alten Schacht auf dem Grundstück des Herrn B. Hoffmann angesetzt und erreichte eine Teufe von 43,068 m. Bohrloch 12 wurde, um das Braunkohlenlager des alten Schachtes zu untersuchen, 18 Lachter (≙ 32,4 m) östlich desselben, angesetzt. Die drei Braunkohlenflöze haben sich wieder nachweisen können. Das Ergebnis dieser insgesamt acht Bohrlöcher war nicht erfreulich. Nur in Schachtnähe wurden die Flöze wiedergefunden, jedoch nur in mäßiger und unreiner Qualität. Man bat zunächst:

Nr.desBohrloches Ort und Lagedes Terrains DurchbohrteGebirgslagen Stärkederselben TiefederBohrlöcher Bemerkungen Nr. 3Westlich vom Brunnen im Thale bei der Eichenschonung.1. Sandiger Lehm. 2. Sandiger Ton. 3. Braunkohle. 4. Schwarzgrauer Sand und Wasser.4 Fuß.1 mecklenburgischer Fuß entspricht 0,291 Meter. 2 Fuß 6 Zoll. 1 Fuß 6 Zoll. 5 Fuß.13 Fuß.Wegen Triebsand nicht weiter fortgesetzt. Nr. 7Am nördlichen Fuße des Vitingsberges, nördlich von Nr. 5.1. Dammerde.Dammerde: frühere Bezeichnung für humose Erde oder Ackerkrume; heutzutage bezeichnet man in der Geologie es als anstehendes Gestein (auch kurz Anstehendes) an oder nahe der Erdoberfläche befindliches Gestein, das in einem natürlichen Verband mit dem Gestein des Untergrundes steht. Dabei ist es unerheblich, ob dieses Gestein tatsächlich an der Erdoberfläche sichtbar (aufgeschlossen) oder von Boden, künstlich (anthropogen) aufgeschüttetem Material oder, in Polar- und Hochgebirgsregionen, von Gletschereis überdeckt ist. Das Anstehende zeigt die an entsprechender Stelle anzutreffenden, ursprünglichen, von (sub)rezenter (holozäner) Verwitterung, Erosion oder Sedimentation unbeeinflussten geologischen Verhältnisse. Im Umkehrschluss sind (sub)rezente Bildungen, wie Böden (im Sinne der Bodenkunde), Hangschutt, oder anthropogene Aufschüttungen von der Bezeichnung „Anstehendes“ ausgeschlossen. 2. Grober Sand und Steine. 3. Sandige Alaunerde.Alaunerde: braune Erde, die aus Braunkohle, Ton und oft in Zersetzung begriffenem Schwefelkies besteht; weitverbreitet in tertiären Ablagerungen. 4. Sehr fette Alaunerde. 5. Braunkohle. 6. Brauner Triebsand.Triebsand: heutzutage vorwiegend als Schwimmsand bezeichnet. Es ist oft ein mehlartig-feiner Sand, der, von Wasser durchtränkt, sehr beweglich und fließfähig ist; sozusagen eine Suspension aus Sand in Wasser. Obwohl er im ungestörten Zustand einigermaßen fest erscheint, verhält er sich unter Druckeinfluss wie ein spezieller Typ Flüssigkeit: ein nichtnewtonsches Fluid.1 Fuß. 10 Fuß 6 Zoll. 30 Fuß. 21 Fuß. 8 Fuß. 1 Fuß.71 Fuß 6 Zoll.Bis 10 Fuß Tiefe wurde aufgegraben, um die Winde (Mechanik) anbringen zu können. Die hier gefundene Kohle zeichnete sich besonders durch ihre Güte und Mächtigkeit aus. Nr. 24In Kiekindemark.1. Dammerde. 2. Lehm. 3. Schieferartiges Gebirge. 4. Alaunerde. 5. Feiner weißer Sand, mit Tonstreifen vermischt. 6. Braunkohle. 7. Brauner und weißer Sand. 8. Weißer Sand, mit Tonstreifen u. Braunkohlenteilchen vermischt.2 Fuß 6 Zoll. 2 Fuß 6 Zoll. 5 Fuß. 5 Fuß. 10 Fuß. 1 Fuß. 7 Fuß. 9 Fuß 6 Zoll.42 Fuß 6 Zoll. keine Nr. 25An der Parchimer Feldgrenze in der Linie zwischen Nr. 3 und 7, nordwestlich vom Brunnen.1. Gelber Sand. 2. Alaunerde. 3. Braunkohle5 Fuß. 35 Fuß. 3 Fuß 3 Zoll.43 Fuß 3 Zoll.Die Mächtigkeit der Braunkohle von 3 F[uß] 3 Z[oll] zeigt hier, dass das Lager in der Richtung vom Brunnen nach dem Vitingsberge fortwährend an Stärke zunimmt.

Betrieb Betriebsgründung Die Gründung des Betriebes geben die nachfolgenden Zeitungsartikel kund.

Wichtig zu wissen sind die in diesen Zeitraum fallenden Maßangaben:

1 meckl. Fuß = 0,291 Meter.

1 Lachter = 6 Fuß + 8 Zoll = 1,938 Quadratmeter.

1 Bergscheffel = 150 Pfund. 1 meckl. Quadratrute = 21,54 Quadratmeter.

1 to = 145 Kilogramm.

Hingegen 1 Tonne = 4 Scheffel (To) = 135,6 Liter.

1 Scheffel in Parchim = 54727 französische Liter.

100 Rostocker Scheffel = 71,053 Parchimer Scheffel.

Schachtbau

mini|Haspelförderung wie hier stattgefunden (hier bei Agricola dargestellt) Die Schachtbohrung lag in der Mutung des Kaufmanns Heucke in der Feldmark der Stadt Parchim, etwa 65 Ruten von der nordwestlichen Hausecke des Brunnens in der Eichenschonung; etwa neben dem Bohrloch III. In einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1888Eugen Geinitz: Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 41. Jahr. (1887). Mit 6 Tafeln. Redigirt vom Secretair. Güstrow, in Commission der Buchhandlung von Opitz & Co. 1888. wird nachstehendes Schichtenverzeichnis angegeben:

+ Schichtenverzeichnis Schachtbohrung (m) MächtigkeitTeufevonbisGelbbrauner Sand 0,50,00,5gelbbrauner sandiger Lehm 0,80,51,3graubrauner Mergel 1,01,32,3schwarzbrauner und grauer Feinsand 1,22,33,5Braunkohle ? (schwarzer Glimmerton) 0,63,54,1graubrauner Feinsand 1,04,15,1schwarzbrauner Mergel (Glimmerton) 0,25,15,3brauner feiner Sand 1,85,37,1schwarzbrauner fester Mergel 8,97,116,0grauer und weißgestreifter fetter Mergelsand 1,216,017,2schwarzbrauner, weißgestreifter fester Ton 0,817,218,0bläulicher scharfer Sand 0,218,018,2hellbrauner sandiger Ton 1,018,219,2grauer feiner Sand 3,119,222,3hellbrauner Feinsand 0,922,323,2unreine Kohle mit grauem Ton und Sand 0,123,223,3feste Braunkohle mit Glimmer 0,623,323,9braungrauer Sand mit Ton und Kohlenspuren 1,623,925,5brauner und weißer fetter Ton 0,125,525,6grauer feiner und grober Sand 3,025,628,6brauner Mergel 0,128,628,7Braunkohle mit wenig Glimmer 1,528,730,2grauer gestreifter Ton mit Sand 0,930,231,1graugrünlicher feiner Glimmersand 1,031,132,1

Anderen Angaben zufolge gab es zwei Braunkohlenflöze von 1,02 m Mächtigkeit in einer Teufe von 13,1 m sowie 2,47 m Mächtigkeit in 20,37 m Teufe.

Gewinnung, Förderung und Versatz Gut für die Nachwelt ist, dass Mengebier Senior und Mengebier Junior zur gleichen Zeit bergbaulich tätig waren.

So finden sich in Bockup / Malliß und ab 1840/1841 am Sonnenberg die gleichen Ausrüstungsteile zum Niederteufen von Bohrungen bzw. Schächten wieder wie im Bockuper Bereich.