mini|Geologische Karte von Dresden, Maßstab 1 : 25.000, Ausgabe 1934 von F. Kossmat und R. Grahmann (Quelle: deutschefotothek.de) mini|Vereinfachte geologische Karte von Dresden und Umgebung ca. 1930
Den überwiegenden Anteil der oberflächennah anstehenden Gesteine im Stadtgebiet von Dresden prägen glazigene Ablagerungen pleistozänen Alters. Im Elbtal dominieren fluviatile Ablagerungen, während im Bereich des südlichen Talhanges meist äolische Sedimente in Form von Löss und Lösslehm vorkommen. Im Süden und Südwesten werden diese Sedimente von Aufragungen des Grund- und Übergangsstockwerkes durchbrochen. Hierbei handelt es sich um eine vielfältige Abfolge von Gesteinen unterschiedlicher Ausbildungen und verschiedenen Alters, beispielsweise kreidezeitlichen Pläner, permische (rotliegende) Sedimentite und Vulkanite sowie variszische Intrusiva. In den morphologisch höher gelegenen nördlichen Stadtteilen stehen außerdem proterozoische Granitoide oberflächennah an.
Das dominierende tektonische Element ist die Lausitzer Störung (auch Lausitzer Überschiebung). Sie verläuft etwa parallel zur Elbe und prägt das Landschaftsbild von Dresden in typischer Weise.
Geographie, Morphologie und Topographie
Morphologisch wird der Betrachtungsraum durch das breite Elbtal sowie die nördlich und südlich anschließenden Talhänge, Hochflächen und Höhenzüge charakterisiert.
Regionalgeologisch-strukturelle Charakterisierung mini|hochkant=1.5|Vereinfachte geologische Karte von Dresden und Umgebung ohne Känozoikum Die kristalline Basis gehört großräumig zum Saxothuringikum am Nordrand des Moldanubikums (Böhmisches Massiv) und ist ein Teil der west- und mitteleuropäischen Varisziden.U. Linnemann (Hrsg.): Geologica Saxonica, Das Saxothuringikum – Abriss der präkambrischen und paläozoischen Geologie von Sachsen und Thüringen. 2004, S. 19 ff. Regionalgeologisch befindet sich der wesentliche Teil des Stadtgebietes im Teilbereich der Elbezone. Die Elbezone ist ein markantes, nordwest-südost verlaufendes und von Überschiebungen beziehungsweise Verwerfungen geprägtes geologisches Strukturelement innerhalb der Varisziden.D. Henningsen, G. Katzung: Einführung in die Geologie Deutschlands. 2006, S. 73. Die geologische Entwicklung der Elbezone resultiert aus einer gegenläufigen tektonischen Bewegung des Lausitzer Antiklinoriums und des Erzgebirgs-Antiklinoriums im Oberkarbon. Im Betrachtungsraum wird sie im Nordwesten durch das Meißner Massiv, im Nordosten durch den Lausitzer Granodioritkomplex und im Südosten durch die marinen Sedimente der Sächsisch-Böhmischen Kreidesenke begrenzt. Die ältesten Baueinheiten der Elbezone sind neoproterozoische Grauwacken und cadomische Granodiorite. Die Plutonite des markanten Meißner Massiv sind am Ende der variszischen Gebirgsbildung in die neoproterozoischen und altpaläozoischen Gesteinsfolgen intrudiert und wurden noch von den abklingenden tektonischen Bewegungen erfasst. Der darauf aufliegende Vulkanitkomplex von Meißen-Priestewitz ist das Resultat von nachfolgendem eruptivem und effusivem Vulkanismus.U. Linnemann (Hrsg.): Geologica Saxonica, Das Saxothuringikum – Abriss der präkambrischen und paläozoischen Geologie von Sachsen und Thüringen. 2004, S. 147 ff.J.-M. Lange, N. Janetschke, M. Kaden, M. Preusse: Landschaftsentwicklung in der Umgebung von Dresden. 2015, S. 3–5.
Zusammengefasst befindet sich das Dresdner Stadtgebiet im Bereich folgender Struktureinheiten bzw. grenzt an diese an: Der Lausitzer Granodioritkomplex im Norden und Nordosten (Teilbereich der Lausitzer Antiklinalzone) Das Elbtal-Schiefergebirge im Südosten Die östlichen Ausläufer der Erzgebirgs-Zentralzone im Süden und Südwesten (Teilbereich der Fichtelgebirgisch-Erzgebirgischen Antiklinalzone) Die Döhlen-Senke im Südwesten und Westen Das Meißner Massiv im Norden und Nordwesten
Erwähnenswert sind außerdem weitere kleinräumige, inselartige Strukturen. An der nordöstlichen Stadtgrenze befindet sich innerhalb des Lausitzer Granodioritkomplexes die Senke von Weißig. Hierbei handelt es sich um einen lokal begrenzten Deckenrest, der aus rotliegenden Sedimentit-Vulkanit-Wechselfolgen und kreidezeitlichen Sedimentiten gebildet wird. Eine weitere lokale Struktur ist die Briesnitz-Senke im Nordwesten des Stadtgebietes. Die rotliegenden Schichtfolgen der Briesnitz-Senke stehen jedoch nicht oberflächennah an und sind aus Bohrungen und untertägigen Aufschlüssen bekannt.Lithofazieskarte Quartär, Maßstab 1 : 50.000. Blatt 2668 Dresden, Zentrales Geologisches Institut der DDR, Berlin 1974.W. Pälchen, H. Walther (Hrsg.): Geologie von Sachsen – Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. 2008, S. 253.
Geologische, tektonische und morphologische Entwicklung Die geologische Entwicklung des außeralpinen Mitteleuropas wurde im Anschluss an die variszische Orogenese seit dem frühen Perm von einer allgemeinen Dehnungstektonik bestimmt. Diese war ursächlich an das Auseinanderbrechen des Großkontinents Pangäa gebunden und wurde in Mitteleuropa maßgeblich von den Öffnungsbewegungen der westlichen Thetys und später auch des Zentral- und Nordatlantiks beeinflusst. Ebenso wirkte sich die alpidische Gebirgsbildung in Südeuropa und im Alpenraum wesentlich auf die tektonische Entwicklung in Mitteleuropa aus: nunmehr stagnierte die allgemeine Krustendehnung und wurde von Kompressions- und Scherbewegungen abgelöst. In Folge dieser Vorgänge entstandene tektonische Störungen begannen sich jedoch erst seit der Kreide auf das Landschaftsbild im heutigen Raum Dresden auszuwirken. In der Oberkreide führten Senkungsprozesse zwischen der Lausitzer und Mittelsächsischen Störung zu einer grabenartigen Absenkung im Betrachtungsraum. Bei einem gleichzeitigen allgemeinen Anstieg des Meeresspiegels drang von Südwesten ein Arm des Kreidemeeres in diese Senkungsstruktur ein.R. Walter: Geologie von Mitteleuropa. 2007, S. 285 ff. Hierbei kam es östlich zur Akkumulation von Sedimenten sandiger Fazies, die heute für das Elbsandsteingebirge typisch sind. Mit der Entfernungszunahme zur Küste wurde weiter westlich eine tonig-mergelige Fazies, der sogenannte „Pläner“, zwischen Pirna und Meißen sedimentiert. Im heutigen Stadtgebiet von Dresden durchbricht der Pläner vor allem im südlichen und südöstlichen Stadtgebiet die quartäre Bedeckung und steht als kalkhaltiger Mergelstein oberflächennah an. Nach Abschluss der kreidezeitlichen Sedimentation beginnt am Ende der Oberkreide (verursacht durch die Öffnung des Nordatlantiks) entlang der Lausitzer Störung die heutige Entwicklung des Elbtales. Das Andauern der tektonischen Bewegungen im Tertiär und besonders im Pleistozän führten zu weiteren Absenkungen und ermöglichten dem elsterkaltzeitlichen Inlandeis ein Vordringen nach Südosten. In der Holstein-Warmzeit kam es mit einer Absenkung des Elbtales zu weiteren erosiven und denudativen Formungsprozessen. Die rechtselbischen (nordöstlichen) Talsteilhänge wurden stark zerschnitten und bildeten steilwandige Kerbtäler (sogenannte „Gründe“) zwischen den Stadtteilen Wachwitz und Pillnitz. Linkselbisch (südwestlich) wurden durch die rückschreitende Erosion die osterzgebirgischen Flüsse in diese Prozesse einbezogen und im Unterlauf nahezu rechtwinklig zum Elbtal abgelenkt.W. Pälchen, H. Walther (Hrsg.): Geologie von Sachsen – Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. 2008, S. 28, 78, 164, 240, 275, 314, 419 ff.W. Alexowsky, J. W. Schneider u. a.: Erläuterungen zur Geologischen Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25.000. Blatt 4948 Dresden, 2001, S. 64 ff.
Tektonische Elemente mini|Die Elbhänge markieren den Verlauf der Lausitzer Überschiebung (im Bild: Dinglingers Weinberg) Die Stadtlandschaft prägenden tektonischen Strukturelemente sind die Lausitzer Störung (auch Lausitzer Überschiebung) und die Westlausitzer Störung. Beide Strukturelemente weisen eine nordwest–südöstliche (= herzyne) Streichrichtung auf und stellen die nordöstliche Begrenzung der Elbezone zum Lausitzer Massiv dar. Die von der Lausitzer Überschiebung ausgehende und bis in die Gegenwart nachweisbare Bewegung bewirkt, dass sich die älteren Granodiorite des Lausitzer Massivs auf morphologisch höherem Niveau befinden als die jüngeren kreidezeitlichen Bildungen. Parallel zur Lausitzer Überschiebung verlaufen südwestlich die Weesensteiner Störung, die Mittelsächsische Störung und die Karsdorfer Störung. Insbesondere die Mittelsächsische Störung kann als die südwestliche Begrenzung der Elbezone im Betrachtungsraum angesehen werden. Sie trennt das Erzgebirgskristallin vom niedriggradiger metamorphen Fundament der Elbe-Zone und versetzt dieses als rechtslaterale Seitenverschiebung um 80 bis 90 Kilometer nach Südosten.R. Walter: Geologie von Mitteleuropa. 2007, S. 285 ff. Einige rechtwinklig zum Hauptstreichen verlaufende Querstörungen versetzen die Schichtfolgen im Dekameterbereich jeweils nach Nordost und SüdwestW. Alexowsky, J. W. Schneider u. a.: Erläuterungen zur Geologischen Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25.000. Blatt 4948 Dresden, 2001, S. 8. sowie in der Vertikalen.
Stockwerksgliederung, Stratigrafie und Petrografie Überblick Die stratigrafische Abfolge des geologischen Untergrundes des Stadtgebietes von Dresden kann in deutlich abgrenzbare Stockwerks-Einheiten erfolgen. Die Basis bilden gefaltete und unterschiedlich metamorph beanspruchte sowie stark von Plutoniten und Anatexiten durchsetzte Gesteinsserien des Präkambriums und des Paläozoikums. Darüber folgen (insbesondere im Bereich der Döhlener Senke) Molasse-Sedimente des Übergangsstockwerkes mit zwischengeschalteten Tuffen und Rhyoliten des jüngeren Paläozoikums. Der größere Teil des Grundgebirgsstockwerkes und ein Teil des Übergangsstockwerkes werden überwiegend konkordant durch das Deckgebirge überlagert, welches im Liegenden aus mäßig verfestigten Sedimenten der (Ober-)Kreide besteht. Den Abschluss des geologischen Normalprofiles bilden pleistozäne bis holozäne Ablagerungen, die den größten Teil des zentralen Stadtgebietes bedecken.W. Alexowsky, J. W. Schneider u. a.: Erläuterungen zur Geologischen Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25.000. Blatt 4948 Dresden, 2001, S. 7–9.
Grundgebirgsstockwerk Das Grundgebirge durchragt die pleistozänen Ablagerungen des Deckgebirgsstockwerkes nur im südlichen und nordöstlichen Teil des Stadtgebietes. Im Nordosten handelt es sich um neoproterozoische Granodiorite (Metatexite und Anatexite) des Lausitzer Granodioritkomplexes. Im Liegenden der Sedimentite des Elbtals wird diese Einheit durch die Westlausitzer Störung begrenzt. Südwestlich dieses Strukturelementes bilden Grauwacken der neoproterozoischen Weesensteiner Gruppe und der cadomische Dohnaer Granodiorit und altpaläozoische Serien des Elbesynklinoriums gemeinsam mit Monzonit-Intrusionen des variszischen Meißner Massivs den Untergrund. Dieser steht im Weißeritztal (Monzonit) und am Gamighübel (Dohnaer Granodiorit) oberflächig an.W. Pälchen, H. Walther (Hrsg.): Geologie von Sachsen – Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. 2008, S. 28, 48, 79, 98.W. Alexowsky, J. W. Schneider u. a.: Erläuterungen zur Geologischen Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25.000. Blatt 4948 Dresden, 2001, S. 7–9.
Übergangsstockwerk Das Übergangsstockwerk (auch: Molassestockwerk) der Döhlener Senke kommt lediglich im äußersten südwestlichen Teil des Stadtgebietes vor. Die Sedimentationsfolge reicht vom Oberkarbon bis in das Oberrotliegende. Petrografisch handelt es sich um klastische Sedimente (Schluff- und Sandsteine, Konglomerate und Arkosen). Darin eingeschaltet sind Pyroklastika, meist Tuffe und Rhyolite. In tieferen Bereichen der Abfolge kommen außerdem uranführende Steinkohlen vor.W. Pälchen, H. Walther (Hrsg.): Geologie von Sachsen – Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. 2008, S. 240–253, 275 ff.
Deckgebirgsstockwerk