HMS Cairo (Kennung: D87) war ein Leichter Kreuzer der C-Klasse der Royal Navy, der als erster britischer Kriegsschiffneubau nach der Hauptstadt Ägyptens benannt wurde. Das bei Cammell Laird gebaute Schiff gehörte zur fünf Schiffe umfassenden Carlisle-Gruppe der Kreuzer der C-Klasse.
Ab 1938 wurde die Cairo zu einem Flugabwehrkreuzer umgebaut und kam 1939 noch vor Ausbruch des Weltkriegs als erster Totalumbau wieder in Dienst. Nach Einsätzen vor Norwegen, im Atlantik und bei der Sicherung von Geleitzügen nach Malta wurde die Cairo am 12. August 1942 im Mittelmeer nahe Bizerta durch das italienische U-Boot Axum versenkt.
Geschichte der Cairo Das Schiff wurde als 26. Kreuzer der C-Klasse mit vier anderen Kreuzer im Sommer 1917 bestellt. Der Auftrag ging an Cammell Laird in Birkenhead. Die Bauwerft hatte mit der Caroline im August 1914 den ersten Kreuzer dieser bis 1922 schließlich 28 Schiffe umfassenden Klasse an die Royal Navy abgeliefert. Mit Cleopatra, Castor, Constance und Caledon hatte sie bis März 1917 noch vier weitere Kreuzer der Klasse abgeliefert, die durch die Weiterentwicklung des Grundentwurfs zum Teil unterschiedlichen Untergruppen angehörten. Die Kiellegung der Cairo erfolgte am 28. November 1917; am 19. November 1918 lief sie dann vom Stapel und kam am 24. September 1919 in den Dienst der Royal Navy. Im Unterschied zu den anderen C-Kreuzern erfolgte die Fertigstellung bei allen fünf Schiffen der siebten und letzten Baugruppe der Klasse (Carlisle-Unterklasse) erst nach Ende des Ersten Weltkriegs.
Wie alle Schiffe der Untergruppe war die Cairo 137,6 m lang, 13,3 m breit und hatte einen Tiefgang von 4,7 m. Geschützt war der Kreuzer durch einen seitlichen Panzergürtel von 37 bis 76 mm Stärke. Dazu kam ein 25 mm starkes Panzerdeck und gleichstarke Schutzschilde der Hauptartillerie. Der Kreuzer hatte eine Verdrängung von 4290 t und konnte mit seiner 40.000 PS starken Turbinenanlage 29 kn erreichen. Der maximale Bunkervorrat von 935 t Treiböl ermöglichte bei 10 kn Marschgeschwindigkeit eine Fahrstrecke von 5900 sm. Bewaffnet waren die Kreuzer der Carlisle-Klasse mit fünf 6-inch-(152 mm)-L/45-Mk.XII-Geschützen zur Bekämpfung von Seezielen. Diese waren alle auf der Mittschiffslinie angeordnet: je zwei übereinander an Bug und Heck und das fünfte ebenfalls erhöht hinter den beiden Schornsteinen und vor dem hohen Heckaufbau (Scheinwerfer-Turm). Zur Abwehr gegen Luftangriffe verfügten die Kreuzer der Untergruppe über zwei 12-pounder-(76 mm)-L/40-Mk.I-Mehrzweckgeschütze und zwei 2-pounder-(40 mm)-Flugabwehrkanonen. Dazu waren noch vier 3-pdr-(47 mm)-Hotchkiss-Salutgeschütze und vier 533-mm-Zwillings-Torpedorohrsätze vorhanden. Für Kriegszeiten war eine Besatzung von 432 Mann vorgesehen; in Friedenszeiten aber oft 100 Mann weniger an Bord. Von der vorangegangenen Ceres-Unterklasse, auf der erstmals die beiden überhöht aufgestellten Buggeschütze eingeführt worden waren, unterschieden sich die Kreuzer der Carlisle-Gruppe durch den sogenannten „Trawler“-Bug. Der etwa 1,5 m höhere Vordersteven und die Bugform sollten die Behinderung der Buggeschütze durch Spritzwasser reduzieren. Durch die Änderungen am Rumpf war die letzte Gruppe der C-Klasse geringfügig länger und hatte 100 t mehr Verdrängung.
Verwendung der Cairo bis 1937 mini|links|Cairo 1921 Die nach dem Kriegsende fertiggestellte Cairo wurde ab 1920 auf der China Station eingesetzt. 1922 wurde sie zur East Indies Station verlegt, wo sie bis Dezember 1926 verblieb. 1927 erfolgte dann ein weiterer kurzfristiger und zeitweiser Einsatz auf der China Station wegen der dort ausgebrochenen Spannungen. Der Kreuzer verlegte dann zum 8. Kreuzergeschwader auf die North America and West Indies Station. Von September 1928 bis August 1930 wurde die Cairo dann bei der Mediterranean Fleet als Flaggschiff des Befehlshabers der ZerstörerBei der Home Fleet und der Mediterranean Fleet gab es einen Befehlshaber der Zerstörerflottillen, der nach seinem Dienstgrad als „Rear-Admiral (D)“ oder „Commodore (D)“ bezeichnet wurde. eingesetzt, wo sie die Coventry ablöste und dann vom gleichen Kreuzer auch wieder ersetzt wurde.
1931/32 wurde die Cairo dann auf der Staatswerft in Chatham grundüberholt. Anschließend diente sie ab August 1932 für fünf Jahre bei der Home Fleet als Flaggschiff des Befehlshabers der Zerstörer, ehe sie im November 1937 durch die modernere Aurora der Arethusa-Klasse abgelöst wurde.
Umbau zum Flugabwehrkreuzer Der sich seit Beginn der 1930er-Jahre abzeichnende geringe Nutzen der für einen Flottenkrieg in der Nordsee entwickelten Kreuzer der C-Klasse und der bestehende Wille, vorhandene Einheiten umfassend zu modernisieren (siehe Totalumbauten einiger schwerer Einheiten wie Queen Elizabeth und Renown und vorhandener Zerstörer der V- und W-Klasse) führte hinsichtlich der Kreuzer der C-Klasse schon 1935 zur Umrüstung zweier Schiffe (Coventry und Curlew der Ceres-Gruppe) zu Flugabwehrkreuzern. Der Umbau wurde als erfolgreich eingestuft und die Admiralität entschied sich, auch die elf anderen noch vorhandenen Schiffe der Klasse ähnlich umzubauen. Allerdings wurde die Hauptbewaffnung von zehn einzelnen (auch) für die Flugzeugabwehr geeigneten 102-mm-Geschützen auf den Einbau von vier modernen 102-mm-Doppellafetten verändert und es wurden stärkere Eingriffe in die Struktur der Aufbauten vorgenommen. 1938 begann die Marinewerft in Chatham mit dem Umbau der Cairo und ihrem Schwesterschiff Calcutta als den ersten Einheiten. Der Umbau der Cairo erfolgte dann ab November 1937 auf der Marinewerft in Portsmouth.Im Mai 1939 wurde sie als erstes Schiff nach den neuen Plänen fertiggestellt. Sie verfügte nun über vier Zwillingslafetten mit 4-inch-(102 mm)-Mk.XVI-Mehrzweckgeschützen und einen 2-pdr-(40 mm-L/39)-Vierling auf der Mittschiffslinie an Stelle der bisherigen Seezielgeschütze. Die Vierfach-„pompom“ stand erhöht über dem Buggeschütz vor der Brücke. Zur Nahbereichsabwehr wurden noch zwei schwere 0.5-(12,7 mm)-Vickers-Fla-MG-Vierlinge seitlich des vorderen Schornsteins aufgestellt.Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten. S. 252 mini|Die Cairo vor Norwegen Auch der Umbau der Calcutta wurde noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs abgeschlossen und mit Carlisle und Curacoa der Umbau zweier weiterer Kreuzer begonnen.
Kriegseinsätze der Cairo Bei Kriegsbeginn war der Flugabwehrkreuzer in Portland bei der Channel Force stationiert. Mitte September sicherte er dann das Ausbringen defensiver Minensperren vor dem östlichen Zugang zum Ärmelkanal. Im Oktober sicherte der Kreuzer Schiffsbewegungen an der britischen Ostküste und dann ab März 1940 auch von Geleiten zwischen Norwegen und Großbritannien. Dabei kam die Cairo zum Teil mit dem Schwesterschiff Calcutta und der Southampton zum Einsatz. Einsätze vor Norwegen mini|Die Chrobry Am 11. April 1940 begann der Einsatz der Cairo vor Norwegen gegen den deutschen Überfall auf Norwegen, als sie mit sechs Zerstörern den ersten Truppen-Konvoi NP.1 nach Harstad geleiten sollte, um die deutschen Truppen in Narvik anzugreifen. Am 13. wurde der Konvoi geteilt, da die britischen Stabschefs sich zusätzlich für einen Zangenangriff auf Trondheim entschieden hatten. Die Cairo und drei der Sicherungszerstörern (Vanoc, Whirlwind und Highlander), verstärkt um die Kreuzer Manchester und Birmingham, sollten jetzt die Transporter Empress of Australia und das polnische Motorschiff Chrobry mit der 146. Infanterie-Brigade nach Namsos geleiten, von wo die nördliche Zange auf das von den Deutschen besetzte Trondheim angesetzt werden sollte. In der kleinen norwegischen Hafenstadt hatten die Kreuzer Glasgow und Sheffield sowie Zerstörer schon eine Abteilung der Royal Marines am 14. April gelandet, die allerdings von der deutschen Luftaufklärung sofort entdeckt wurde. Am 15. wurde der künftige Kommandeur des Angriffs, Generalleutnant Carton de Wiart, mit einem Sunderland-Flugboot eingeflogen wurde, das bei der Landung von einer deutschen Maschine angegriffen wurde. Wegen der deutschen Lufthoheit über Namsos, gegen die keine Gegenwehr vorhanden war, entschied de Wiart, die großen Transporter nicht bis nach Namsos fahren zu lassen. Eine Umladung sollte bei Lillesjona, einem mehr als 100 Meilen nördlichen Meeresarm zwischen der Insel Handnesøya und Nesna erfolgen, wohin auch ein Tanker entsandt wurde, da die Cairo und ihre Begleitzerstörer ihren Treibstoff fast verbraucht hatten. Dort übernahmen in der Nacht zum 17. fünf Tribal-Zerstörer zwei Bataillone Infanterie, um sie nach Namsos zu bringen. Während des Verladens erschienen deutsche Flugzeuge, erzielten aber keine Treffer auf den von ihnen angegriffenen Schiffen. Da der Umladepunkt den Deutschen nun bekannt war, entschied der britische Seebefehlshaber, die noch vorhandene Truppen und möglichst viel Material auf die Chrobry umzuladen und keinen weiteren Einsatz der Tribalzerstörer zu erlauben, die nicht nur knapp an Treibstoff, sondern auch an Flugabwehrmunition waren. Der noch zur Verfügung stehende Zerstörer Vanoc sollte die Chrobry nach Namsos geleiten. Die in den norwegischen Küstengewässern schwer manövrierbare Empress of Australia wurde mit Teilen des Materials nach Großbritannien entlassen. Viele Einheiten der Navy mussten nach Großbritannien zurücklaufen, um Treibstoff und Munition zu ergänzen. Der Treibstoffmangel vieler Schiffe hatte seine Ursache in der wechselhaften britischen Befehlslage. Der Mangel an Treibstoff zwang auch die Cairo erst weiter nach Norden, um einen Versorger zu finden. mini|Die Emile Bertin Gleichzeitig befand sich ein französischer Geleitzug FP.1A mit den französischen Truppen- und Materialtransportern El Djezair (X17), El Mansour (X06), El Kantara (X16) und Ville d’Oran mit der 5. Alpenjäger-Halbbrigade gesichert durch den Kreuzer Emile Bertin und sechs französische Großzerstörer auf dem Marsch zur norwegischen Küste, um den Angriff auf Trondheim zu unterstützen. Die Cairo wurde dem Geleitzug entgegen geschickt und geleitete den Konvoi am 18. April durch die norwegischen Küstengewässer nach Namsos. Auf dem Anmarsch wurde der Geleitzug vergeblich durch deutsche U-Boote und die Luftwaffe angegriffen. Die bei der Ausladung weiter fortgesetzten Angriffe verhinderten die Ausladung allen Materials für die französischen Truppen; von den Schiffen wurde nur die Emile Bertin durch Bombentreffer von Ju 88 der II./KG 30 beschädigt und fiel für weitere Einsätze vor Norwegen aus.Rohwer: Seekrieg. 18.–20. April 1940, Norwegen Auch die Cairo verbrauchte ihre Munition fast völlig und geleitete die französischen Transporter zurück nach Großbritannien.
Dort wurde der Kreuzer in Rosyth überholt und sicherte dann am 11. Mai einen Truppentransporter mit Verstärkungen für den Angriff auf Narvik. Beim Ausladen der Truppen südlich Narvik wehrte die Cairo deutsche Luftangriffe ab, um dann nach Harstad als Luftabwehrbatterie zu gehen. Am 17. Mai bildete die Cairo mit den Zerstörern Matabele und Echo die Sicherung des Kreuzers Effingham, der britische Verstärkungen nach Bodø bringen sollte, aber auf ein Riff lief und nicht abgebracht werden konnte. Die Cairo barg mit den Zerstörern die über 1300 Mann an Bord, ehe die Effingham aufgegeben wurde.Rohwer: Seekrieg. 17. Mai 1940, Norwegen mini|Fla-Geschütz der Cairo vor Narvik Am Angriff auf Narvik und seiner Besetzung durch alliierte Truppen, der als Ablenkung des bereits beschlossenen alliierten Rückzugs diente, war die Cairo als Flaggschiff des alliierten Oberbefehlshabers Lord Cork mit dem Flakkreuzer Coventry, dem Kreuzer Southampton und den Zerstörern Whirlwind, Fame, Havelock, Walker, Firedrake und der Sloop Stork beteiligt, die den Landtruppen Feuerunterstützung gaben. Die Cairo wurde dabei am 28. durch Bombentreffer beschädigt.Rohwer: Seekrieg. 27./28. Mai 1940, Norwegen
Einsätze im Nordatlantik