mini|250px|Andrea del Sarto, Selbstporträt (1528) Andrea del Sarto (eigentlich Andrea d’Agnolo di Francesco di Luca di Paolo di Migliore Vannucci; * 16. Juli 1486 in Florenz; † 29. September 1530ebenda) war ein italienischer Maler und Zeichner. Er gilt neben Fra Bartolommeo als Hauptvertreter der Florentiner Hochrenaissance sowie als einer der einflussreichsten Künstler der ersten Generation des Manierismus. Bereits Vasari bezeichnete Andrea del Sarto als Maler senza errori (ohne Fehler), wobei er damit dessen formale Vollendung und die Sicherheit seiner Bildausführung hervorhob. In der kunsthistorischen Forschung wird er als Bindeglied zwischen der klassischen Hochrenaissance und dem beginnenden Manierismus eingeordnet. Ausgehend vom Stil Fra Bartolommeos habe er in den ersten anderthalb Jahrzehnten seines Schaffens dessen künstlerische Prinzipien angewandt und damit zugleich die Grundlage für die erste Generation der Manieristen um Pontormo und Rosso Fiorentino gelegt. Leben Andrea del Sarto wurde als Sohn des Schneiders Agnolo di Francesco in Florenz geboren, worauf sein Beiname zurückgeht. Über seine Jugend- und Lehrjahre ist im Wesentlichen nur die Schilderung Giorgio Vasaris überliefert, der selbst Gelegenheit hatte, Andrea del Sarto zu erleben, da er sein Schüler war. Demnach war Andrea del Sarto zunächst in einer Goldschmiedewerkstatt und anschließend bei dem heute nicht mehr sicher zu identifizierenden Maler Gian Barile tätig. Vasaris Angabe, Andrea habe seine Ausbildung bei Piero di Cosimo abgeschlossen, lässt sich nur schwer belegen. Deutlich besser belegt ist eine Verbindung zu Raffaellino del Garbo. Am 12. Dezember 1508 wurde Andrea del Sarto als Mitglied der Zunft der Medici e Speziali eingetragen und damit als selbstständiger Meister anerkannt. Vermutlich im selben Jahr richtete er gemeinsam mit dem wenige Jahre älteren Maler Francesco di Cristofano, genannt Franciabigio, eine Werkstatt ein. Diese lag zunächst an der Piazza del Grano und später, ab 1510, in der Via della Sapienza. Die Werkstattgemeinschaft bestand möglicherweise über lange Zeit fort, doch sind beide Maler nur an Aufträgen der frühen Jahre gemeinsam nachweisbar; später gingen sie getrennte Wege.
Der erste dokumentierte Auftrag für Andrea del Sarto betraf die Fortführung eines von Cosimo Rosselli begonnenen Freskenzyklus mit Szenen aus dem Leben des heiligen Filippo Benizi im Vorhof der Kirche SS. Annunziata in Florenz. Das letzte der fünf von Andrea ausgeführten Fresken trägt die Datierung 1510, es folgten 1511 das ebenfalls im Vorhof der SS. Annunziata gelegene Fresko Der Zug der Magier sowie 1514 die Geburt Marias am selben Ort. Ab etwa 1512 arbeitete Andrea zudem an einem Freskenzyklus zur Lebensgeschichte Johannes des Täufers in Grisailletechnik im Kreuzgang der Compagnia dello Scalzo bei San Marco, den er mit Unterbrechungen bis in die 1520er Jahre fortführte. Im Jahr 1515 war er außerdem an der Ausführung der Festdekorationen zum Einzug des Medici-Papstes Leo X. in Florenz beteiligt.mini|Sankt Filippo Benizi's Tod und Wiederbelebung des Kindes (Detail), 1509f, Chiostrino dei Voti der SS Annunziata, Florenz1517 oder Anfang 1518 heiratete Andrea del Sarto Lucrezia del Fede, die Witwe des im September 1516 verstorbenen Carlo di Domenico Berrettaio. Den Erhalt der Mitgift bestätigte er am 23. Mai 1518. Aus der Ehe gingen keine eigenen Kinder hervor, jedoch übernahm Andrea eine Stieftochter aus Lucrezias erster Ehe. Zwischen 1518 und 1519 hielt er sich auf Einladung von Franz I. rund ein Jahr am französischen Königshof in Fontainebleau auf. Nach Vasaris Darstellung erfolgte seine Rückkehr auf wiederholtes Drängen Lucrezias. Zudem behauptete Vasari, Andrea habe ihm vom französischen König anvertraute Gelder zweckentfremdet und für den Bau eines Hauses verwendet, das er im Herbst 1520 an der heutigen Via Gino Capponi/Ecke Via Giuseppe Giusti in Florenz zu errichten begann. Das Haus ging später in den Besitz Federico Zuccaris über. Über die Reise nach Frankreich hinaus ist keine weitere Reise Andreas gesichert belegt. Eine gelegentlich angenommene Reise nach Rom gilt in der Forschung als hypothetisch und wird je nach Autor in die Jahre 1511, 1513 oder 1525 datiert, wobei hierfür lediglich stilistische Indizien vorliegen.
In den 1520er Jahren vollendete Andrea den Freskenzyklus im Kreuzgang des Scalzo und schuf die Lünette der Madonna del Sacco (1525) im Kreuzgang der SS. Annunziata sowie das Abendmahl (um 1526/27) im Refektorium von San Salvi. Zudem war er gemeinsam mit Pontormo und Franciabigio an der Ausmalung der Medici-Villa Poggio a Caiano beteiligt. Dort blieb sein Fresko Tribut an Cäsar infolge des Todes von Papst Leo X. im Jahr 1521 unvollendet und wurde erst 1570 von Alessandro Allori zu Ende geführt. Im Jahr 1527 setzte Andrea ein Testament auf, dem er am 28. September 1530, auf dem Totenbett, ein Kodizill hinzufügen ließ. Er starb wenige Tage später, Ende September oder in den ersten Oktobertagen des Jahres 1530, an der Pest, die im Gefolge der Belagerung von Florenz ausgebrochen war. Er wurde in der Kirche SS. Annunziata beigesetzt. Seine Frau Lucrezia überlebte ihn bis 1570.
Werk mini|Geburt Maria (Detail), 1509–10, Chiostrino dei Voti der SS Annunziata, FlorenzAndrea del Sartos künstlerische Herkunft aus einer dem Quattrocento noch verpflichteten Ausbildung blieb Zeit seines Lebens spürbar, verband sich jedoch früh mit einer für seine Generation ungewöhnlich starken Empfänglichkeit für die fortschrittlichsten Strömungen der zeitgenössischen Florentiner Malerei. Sein möglicherweise frühestes erhaltenes Werk, eine Heilige Familie mit dem heiligen Petrus Martyr (Bari, Pinacoteca, um 1507/08), zeigt bereits den Einfluss Raffaelsund in geringerem Maß den Einfluss Fra Bartolommeos. Um 1511 wandte sich Andrea unter dem Eindruck Fra Bartolommeos, der damals in Florenz führend war, entschiedener dem klassischen Formenkanon der Hochrenaissance zu. Diese Wandlung dokumentieren die Fresken im Vorhof der SS. Annunziata sowie das kleine Altarbild Madonna mit Heiligen (um 1513, Eremitage, Sankt Petersburg). Mit der Geburt Marias (SS. Annunziata, 1514) und dem Altarbild Madonna delle Arpie (Florenz, Uffizien, datiert 1517) erreichte er die Ausprägung seines klassischen Stils.
Während seines kurzen Frankreichaufenthalts entstand die Caritas (Louvre, datiert 1518), in der eine an Leonardo da Vinci erinnernde Eleganz der Bildkomposition erkennbar wird. Nach seiner Rückkehr nach Florenz im Jahr 1519 begegnete Andrea den ersten Werken der Pontormo und Rosso, ohne sich deren Stilmitteln anzuschließen. Er blieb dem klassischen Formideal treu und zeigte in seinen Werken der 1520er Jahre, wie der Pietà (Kunsthistorisches Museum Wien, um 1520) und der nur in Kopien überlieferten Madonna di Porta Pinti (um 1521), einen einfacheren Ausdruck und eine einfachere Form. Zu den Hauptwerken dieser Phase zählen die Lünette der Madonna del Sacco (1525) und das Abendmahl in San Salvi (um 1526/27). In seinen letzten Werken, wie der Assunta der Familie Passerini (Florenz, Palazzo Pitti, 1527–1529) und dem sogenannten Vallombrosa-Altar (Uffizien, 1528), tritt laut Einschätzung von Kunsthistorikern eine gewisse formale Korrektheit bei abnehmender Ausdruckskraft hervor.
Besondere Bedeutung besitzen die Porträts Andreas del Sartos, in denen sich seine Beobachtungsgabe am unmittelbarsten zeigt. Dazu zählen das Bildnis eines Bildhauers (National Gallery, London, 1517/1518) sowie die späten Selbstbildnisse(Uffizien, Florenz, und National Gallery, Edinburgh, um 1528–1530). Von seinem zeichnerischen Werk sind rund 170 Blätter als eigenhändig anerkannt, der überwiegende Teil davon sind vorbereitende Studien zu Gemälden. Die größten Bestände bewahren die Uffizien, gefolgt vom Louvre und dem British Museum. Nach dem Tod Fra Bartolommeos nahm Andrea für rund fünfzehn Jahre die Stellung des führenden Malers (Caposcuola) in Florenz ein. In seiner Werkstatt arbeiteten zeitweise Pontormo, Rosso Fiorentino und Vasari mit. Sein Einfluss reichte von Franciabigio, Puligo und Sogliani bis zu späteren Malern wie Bronzino und Allori.
Werke (Auswahl)
Ausstellungen Andrea del Sarto: The Renaissance Workshop in Action (Ausstellung eines Teiles seiner Graphiken). The Frick Collection, New York, 7. Oktober 2015 – 10. Januar 2016.Andrea del Sarto: The Renaissance Workshop in Action The Frick Collection, abgerufen am 22. November 2015.
Literatur
Giorgio Vasari: Das Leben des Andrea del Sarto. Edition Giorgio Vasari Band 10. In der neuen Übersetzung von Victoria Lorini. Hrsg. von Alessandro Nova. Bearbeitet von Sabine Feser. 144 Seiten mit zum Teil farbigen Abbildungen. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2005, ISBN 978-3-8031-5029-5.
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