hochkant=1.2|mini|Luftaufnahme der noch vorhandenen Abteigebäude hochkant=1.2|mini|Kirche nach der Renovierung 2015 hochkant=0.6|mini|Ostchor
Die Abtei Sayn (abbatia Saynensis) ist ein ehemaliges Prämonstratenserkloster in Bendorf-Sayn am Rande des Neuwieder Beckens, rechtsrheinisch zwischen Neuwied und Koblenz gelegen. Sie wurde im Jahr 1200 vom Sayner Grafen Heinrich II. gegründet und durch Prämonstratenser-Chorherren des Klosters Steinfeld besiedelt.Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien. Band 2: Heinrich Beyer, Leopold Eltester, Adam Goerz: Vom Jahre 1169 bis 1212. Hölscher, Koblenz 1865, S. 237 f., Nr. 201. Im Mai des Jahres 1202 fand die feierliche Weihe der Abteikirche durch den päpstlichen Legaten Guido von Praeneste statt.Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Preussischen Regierungsbezirke Coblenz und Trier bildenden mittelrheinischen Territorien. Band 2: Heinrich Beyer, Leopold Eltester, Adam Goerz: Vom Jahre 1169 bis 1212. Hölscher, Koblenz 1865, S. 236 f., Nr. 200 und 201; Abschriften im Landeshauptarchiv Koblenz 172, 588 und 590
Die Auflösung erfolgte im Juni des Jahres 1803 infolge des Reichsdeputationshauptschlusses.Landeshauptarchiv Koblenz 334, 355, S. 76. Seitdem dient die heute unter dem Kirchenpatronat des Landes Rheinland-Pfalz stehende Abteikirche als Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrei Sayn in der Pfarreiengemeinschaft Bendorf.
Geschichte Mit der Hoffnung auf jenseitige ewige Vergeltung (ob spem retributionis aeternae), um die Grafschaft Sayn nach dem Vorbild anderer rheinischer Adelsgeschlechter mit einem eigenen spirituellen Zentrum auszustatten und in der Absicht, für die eigene Familie eine würdige Grablege zu schaffen, beschlossen Graf Heinrich II. und seine Brüder Eberhard II., Gerlach und Bruno, ein Kloster zu stiften. Als Ort für diese Stiftung wurde im Brexbachtal oberhalb des Ortes Sayn und in Sichtweite und unter dem Schutz der eigenen Burg der Platz neben der bereits vorhandenen Nikolauskapelle festgelegt. Zur Besiedlung des Klosters entschied man sich für die Chorherren des Prämonstratenserordens, zu denen bereits Kontakte über das Eifelkloster Steinfeld bestanden. Nach klosterinternen Überlieferungen soll Graf Heinrich II. im Jahr 1200 in Steinfeld um die Entsendung eines Konvents gebeten haben.Joachim J. Halbekann: Die älteren Grafen von Sayn. 1997, Kap.B.III.2. Vermutlich war der Baubeginn bereits vor 1195. Die geringe geografische Entfernung der neuen Abtei zur bereits bestehenden Abtei Rommersdorf widersprach zwar den prämonstratensischen Regeln und führte tatsächlich in den ersten Jahren zu kleineren Konflikten, die jedoch in Verhandlungen mit dem Trierer Erzbischof und den zuständigen Mutterabteien beigelegt werden konnten.
Im Mai des Jahres 1202 (unterschiedliche Urkunden weisen den 12. Mai und den 19. Mai 1202 aus) wurde die Abteikirche vom päpstlichen Legaten Guido von Praeneste in Anwesenheit des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Johann I., weiterer kirchlicher Würdenträger und der Mitglieder der Grafenfamilie feierlich geweiht. Der Stifter Graf Heinrich II. war Anfang Februar 1202 verstorben,Joachim J. Halbekann: Die älteren Grafen von Sayn. 1997, Kap.A.II.2.a. sodass der Bruder Eberhard II. und der noch junge Sohn des Stifters, Heinrich III., die Familie führten. Durch Schenkungen und Allodien gaben sie dem Konvent die notwendige wirtschaftliche Grundlage. Kirchenrechtlich wurde der Abtei die Seelsorge der neu gegründeten Pfarrei Sayn übertragen. Die Bewohner des Tales und der Burg hatten bis dahin zur Pfarrei Engers gehört, deren Pfarrer Bruno von Sayn (Bruder des Stifters, Dompropst in Köln, Propst in Bonn und Koblenz St. Castor, späterer Erzbischof von Köln) auch der Pfarrherr der Nikolauskapelle in Sayn war.Joachim J. Halbekann: Die älteren Grafen von Sayn. 1997, S. 35 f.
Die ersten Oberen der jungen Abtei bezeichneten sich als Pröpste und standen unter der Aufsicht des Abtes von Steinfeld. Erst der dritte Klostervorsteher ist in Urkunden mit dem Abtstitel bezeugt. Demnach wurde das Kloster 1228 zur selbstständigen Abtei erhoben.Landeshauptarchiv Koblenz 172, 17. Bereits 50 Jahre nach der Einweihung konnte der Kirchenbau um drei Joche erweitert werden. Grundlage hierfür bildete eine sich entwickelnde Wallfahrtskultur, hervorgerufen durch die Armreliquie des hl. Apostels Simon Zelotes, die bereits ab 1212 zur Verehrung ausgestellt wurde und zahlreiche fromme Pilger anzog.Joachim J. Halbekann: Die älteren Grafen von Sayn. 1997, Kap.B.II 3 b. Schenkungen und Stiftungen, Gestattungs- und Schutzbriefe der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit und eine große Zahl derer, die in Fraternität bzw. Hausgemeinschaft und Konvent aufgenommen wurden, ließen die Abtei in wirtschaftlicher wie auch religiöser Bedeutung wachsen. 1275 übertrug der Trierer Erzbischof Heinrich der jungen Abtei Sayn die Aufsicht über das Prämonstratenserinnenstift Engelport (Angelica Porta) südöstlich von Cochem.Franz Hermann Kemp: Abtei Sayn. 3. Auflage, bearbeitet und ergänzt von Dietrich Schabow, 2002, S. 25. Eine überregionale Bedeutung erlangte die Abtei Sayn unter ihrem Abt Johann von Berka zwischen 1465 und 1500. Abt Johann setzte sich u. a. stark für die prämonstratensische Reform der deutschen und niederländischen Klöster des Ordens und für die Wiederherstellung regeltreuer Disziplin ein. Sayn galt zu dieser Zeit als Vorbild in Sitte und Ordnung für die anderen Klöster.
Mit dem nächsten Abt, Levin von Gouda, begannen Misswirtschaft, Amtsmissbrauch, Veruntreuung des Klostervermögens. Moralischer und wirtschaftlicher Niedergang der Abtei war absehbar. Unter den nachfolgenden Vorstehern erholte sich die Abtei leicht. Durch den Übertritt des Grafen Heinrich IV. von Sayn zur neuen Lehre wurde dieser Aufschwung jedoch unterbrochen. Der Kirchenschatz musste „der größeren Sicherheit wegen“ auf die Burg Sayn verbracht werden und ist seitdem verschwunden. Die baulich mit dem Kirchenschiff verbundene St.-Nikolaus-Kapelle beanspruchte die neue evangelische Gemeinde und der protestantische Prediger bezog Gehalt, Wohnung und Verpflegung vom Kloster. In den Folgejahren wurde die durch Baufälligkeit bedrohte Kapelle von Prediger und evangelischer Gemeinde vernachlässigt und dadurch unbenutzbar. Der Graf zwang den Abt, die Konventskirche mit der evangelischen Gemeinde zu teilen – der Konvent musste sich auf den Chorraum beschränken. Gleichzeitig war ein religiöser, sittlicher und wirtschaftlicher Verfall der prämonstratensischen Gemeinschaft zu beklagen.Franz Hermann Kemp: Abtei Sayn. 3. Auflage, bearbeitet und ergänzt von Dietrich Schabow, 2002, Kap. 2.2.
In dieser Notzeit starb im Januar 1606 Graf Heinrich IV., der Bedränger der Abtei, ohne männliche Nachkommenschaft.Alexander Graf von Hachenburg: Saynsche Chronik. Röhrscheid, Bonn 1929, S. 51, (online). Dies hatte zur Folge, dass der Trierer Erzbischof Lothar von Metternich umgehend die Burg Sayn als erledigtes Mannlehen gewaltsam in Besitz nahm. Damit endete die Ausplünderung des Klosters, und die Bevölkerung kehrte zum ursprünglichen Glauben zurück. Es begann ein langsamer und mühsamer Wiederaufstieg der Abtei. Der Dreißigjährige Krieg und Pestepidemien jener Zeit gingen auch am Kloster nicht spurlos vorüber. Erst die Äbte Adolph Gülich (in den letzten Jahren seiner Amtszeit vertreten durch Abtkoadjutor und späteren Abt Adam Schmitz) und Engelbert Colendal konnten eine neue Blüte der Abtei bewirken. Unter Letzterem erfolgte eine rege Renovierungs- und Bautätigkeit. Die Ausstattung der Kirche wurde barockisiert und die Prälatur erbaut. Er erlangte für sich und seine Nachfolger das dauerhafte Recht, eine Mitra zu tragen.Franz Hermann Kemp: Abtei Sayn. 3. Auflage, bearbeitet und ergänzt von Dietrich Schabow, 2002, Kap. 2.3.
Die nächste Krise traf das Kloster ohne eigenes Verschulden; die Einquartierung von Soldaten der Koalitionskriege in den 1790er Jahren führten zu Plünderungen und schweren Schäden an Gebäuden und Inventar.
1803 wurde die Abtei, wie fast alle Klöster in Deutschland, aufgelöst und die Güter und Ländereien dem Fürsten Friedrich August von Nassau zugeteilt. Die Chorherren mussten die Abtei verlassen, und den Abt Bartholomäus Reinhard betraute man mit der Pfarrseelsorge. Frater Hermann Schmalenbach von Sayn übernahm die Stelle eines Hauskaplans an der Kapelle des Schlosses Sayn, und mit seinem Tod 1830 endete die Epoche des weißen Ordens in Sayn – bis 2004.
Die Stiftungsurkunde von 1202 enthielt die Auflage, die Abteikirche auch als Pfarrkirche bereitzustellen. Hieraus ergab sich für Nachfolgende die Verpflichtung, Kirche und Pfarrhaus der Pfarrei zu erhalten. 1815 ging das Kirchenpatronat an Preußen und 1946 an das Land Rheinland-Pfalz über. Ab 1824 wurde ein Teil des Klostergebäudes Schulhaus.Franz Hermann Kemp: Abtei Sayn. 3. Auflage, bearbeitet und ergänzt von Dietrich Schabow, 2002, Kap. 2.4. Seit 2004 ist wieder ein Mitglied des Prämonstratenserordens als Seelsorger in Sayn tätig.
Gebäude 265px|mini|Die Abtei vor 1668 mit dem noch erhaltenen Vierungsturm
Die Gebäude der Abtei wurden, wie viele Jahrhunderte üblich, nach einem Planschema erbaut, das erstmals im St. Galler Klosterplan aufgezeichnet wurde. Neben rheinischer Bautradition ist in Sayn eine starke Anlehnung an das Mutterkloster Steinfeld zu erkennen, jedoch angepasst an die örtlichen Gegebenheiten. Die bereits als Filialkirche der Pfarrei Engers genutzte St.-Nikolaus-Kapelle wurde durch große Bogenöffnungen in der Nordwand mit der Klosterkirche verbunden. Hieraus und durch die beengten Platzverhältnisse zum südlich gelegenen Berghang hin bedingt, wurde die Kirche einschiffig ausgelegt und entlang der Südseite des Langhauses der nördliche Flügel des Kreuzganges angebaut. Der Kreuzgang als geographisches Zentrum des Klosters verband die Kirche mit den Konventsgebäuden, Kapitelsaal und Refektorium. An den Ostflügel des Kreuzgangs schlossen sich Abteigebäude an, die einen direkten Zugang zur Kirche hatten und zusammen mit den südlichen Gebäuden bis zum Berghang reichten. Der westliche Bau, wohl bereits in der Frühzeit als Wohn- und Konventsgebäude ausgelegt, schloss mit dem Westflügel das Geviert des Kreuzgangs ab. Nur dessen westlicher Teil ist, geschützt durch das Konventsgebäude, bis heute erhalten. Die anderen Kreuzgangteile konnten, wie die östlich und südlich anschließenden Klostergebäude, nicht vor Verfall und Abriss gerettet werden. Gebäudereste und Hinweise auf Grundrisse und Nutzung wurden spätestes mit dem Bau der Brexbachtaleisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts durch den vorgeschobenen Berghang verschüttet. Diesem Schicksal fielen auch die süd- und südwestlich gelegenen Wirtschaftsgebäude anheim.
Der Kirchenbau selbst erfuhr im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Änderungen: So wurden der massive Vierungsturm und das nördliche Querschiff mit den Querschiffkapellen baufällig und mussten abgerissen werden. Zur Sicherung des verbliebenen Gebäudes wurden ein massiver Glockenturm und eine zusätzliche Stütze errichtet. Die St.-Nikolaus-Kapelle war bereits vorher zerfallen und die Durchgangsbögen zur Kirche verschlossen worden.
Das Konventsgebäude erhielt im frühen 18. Jahrhundert sein heutiges Aussehen, und in der gleichen Zeit wurde die südwestlich anschließende Prälatur erbaut.Franz Hermann Kemp: Abtei Sayn. 3. Auflage, bearbeitet und ergänzt von Dietrich Schabow, 2002, Kap. 3.
Kirche hochkant=1.2|mini|Abtei im Jahre 1742, hinter der Kirche die alten Konventsgebäude, vorne links die Porta Nova, im rechten Bilddrittel die Wirtschaftsgebäude
Der Baubeginn der Kirche konnte durch dendrochronologische Untersuchungen an einem Gerüstholz auf vor 1195 festgelegt werden.Pfarrarchiv der Pfarrei Bendorf-Sayn, Notiz von Dietrich Schabow vom März 2013. Bis 1202 war der Bau der Kirche offensichtlich so weit fortgeschritten, dass die Weihehandlungen durchgeführt werden konnten.