Sebastian oder Bastian von Weitershausen (Weytterßheusen) oder Wittershausen genannt Reichwein (Riegwein) (* um 1525/35 vermutlich auf Burg Bromberg oder in Zwiefalten; † zwischen 16. Oktober und 31. Dezember 1587 vermutlich in Heilbronn oder Talheim) war ein deutscher Hofmarschall und Diplomat in Diensten der Landgrafschaft Hessen, des Herzogtums Württemberg und des Deutschen Ordens. 200px|mini|Unterschrift „Bastian von Weittershaußen“, 1562
Leben Bastian von Weitershausen entstammte der niederadeligen Familie Weitershausen, die ihren Ursprung im hessischen Weitershausen bei Marburg hatte, und war ein Sohn des herzoglich württembergischen Forstmeisters Ulrich von Weitershausen (Wittershausen) genannt Richwin (* um 1495; † 1560) und der Anna Lembler († 1576) von Horkheim. Vorfahren des Bastian von WeitershausenVgl. insbesondere die Ahnenwappen auf dem Grabmal seiner Schwester Maria Agatha von Weitershausen († 1602) in der Michaelskirche zu Kürnbach; Georg Schiefer (Bearb.): Provinz Starkenburg. Ehemaliger Kreis Wimpfen. (Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen). Arnold Bergsträßer, Darmstadt 1898, S. 313f (Digitalisat im Internet Archive); Anneliese Seeliger-Zeiss (Bearb.): Die Inschriften des Großkreises Karlsruhe. (Deutsche Inschriften. Heidelberger Reihe 7). Druckenmüller, München 1981, S. 160.UrgroßelternWigand II. von Weitershausen († 1484/90) aus Mittelhessen, 1469 Stifts-Amtmann zu Kaufungen, 1474 landgräflich hessischer Küchenmeister ⚭ N. Schabe, vermutlich zu Staufenberg (Hessen)Hans von Itzlingen († 1506/11), Vogt zu Neuenbürg, 1492 Besitz von Burg Bromberg ⚭ II.Um 1470 ⚭ I. mit Katharina von Rechberg, Witwe des Otto I. von Hirschhorn. Margarethe Voit von Rieneck,Verwitwet, ⚭ I. mit N. von Thurn (Thumb von Neuburg?). vermutlich zu UrspringenVolmar Lemmlin d. Ä. († 1476) aus Wimpfen, um 1469 Erwerb von Horkheim ⚭ Agnes vom Bach († nach 1469) zu HorkheimHans Progel (Brägel) († um 1489), Schultheiß zu Öhringen ⚭ Dorothea von Bernhausen († nach 1478) auf den FildernGroßelternRichwin von Weitershausen († 1511/24) aus Mittelhessen, 1508 Forstmeister auf dem Stromberg zu Bromberg ⚭ I.Vermutlich ⚭ II. mit N. von Utzlingen. Agathe von Utzlingen († 1495/99) zu BrombergHans Lämlin († nach 1486) zu Horkheim ⚭ N. Broglin (Prögel) aus ÖhringenElternUlrich von Weitershausen genannt Reichwein (* um 1495; † 1560) aus Mittelhessen oder Bromberg, 1524 Besitz von Burg Bromberg, Forstmeister zu Zwiefalten, Neuenstadt am Kocher und auf dem Stromberg ⚭ Anna Lembler († 1576) zu HorkheimBastian von Weitershausen genannt Riegwein (* um 1525/35; † 1587) Kammerjunker des Landgrafen Philipp I. von Hessen Bastian von Weitershausen war als junger Mann Kammerjunker (adeliger Diener) des Landgrafen Philipp I. von Hessen, als dieser nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes im Juni 1547 von Kaiser Karl V. in Halle verhaftet wurde. Sein Vater Ulrich von Weitershausen hatte auf protestantischer Seite am Schmalkaldischen Krieg teilgenommen.Vgl. Protocoll wegen der Beeydigung des Adels im Herzogthum Würtemberg, 18. April 1547. In: Johann Friedrich Eisenbach: Geschichte und Thaten Ulrichs Herzogen zu Würtemberg und Teck. Berger, Tübingen 1754, Lit. Nnn, S. 381–387 (Google-Books).
Der Landgraf wurde von Dezember 1547 bis Februar 1548 in Nördlingen im Gasthof Zur Sonne am Markt festgehalten. Philipp I., dem jeder schriftliche oder mündliche Kontakt mit der Außenwelt untersagt war,Vgl. F. Küch (Bearb.): Politisches Archiv, S. 631f. befahl Lienhard Widmarckter,Vgl. Akten, 1547/48; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 3 Politisches Archiv Landgraf Philipps des Großmütigen, Nr. 1006). Widmarckter oder Widemarkter war eine Donauwörther Patrizierfamilie, später war Caspar von Widmarckter (1566–1621) ein hessischer Obrist und Geheimrat. nach NördlingenRegest: „Nellingen“; vgl. aber Aus dem Verhöre des Landgrafen durch Vigilius vom 5. Februar 1550 (1551) zu Mecheln; Reichsarchiv Brüssel (doc. rel. à la ref. relig. Suppl. I, Bd. VI. Blatt 130). In: Eduard Duller: Neue Beiträge zur Geschichte Philipps des Großmüthigen, Landgrafen von Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1842, S. 162–167, bes. S. 166: „Norlingen et Helpron avec Bastian van Wytershausen“; C. von Heister: Gefangennehmung, S. 94. zu kommen. Er ließ ihm bzw. seiner Frau Christine von Sachsen (1505–1549) durch den Junker Bastian von Weitershausen ausrichten, dass er wegen der bevorstehenden Verlegung in die Niederlande nicht mit der baldigen Entlassung aus seiner Gefangenschaft rechne.Akten, ohne Datum (1547/48) mit undatiertem Brief von „L. W.“ an Landgräfin Christine von Sachsen; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 3 Politisches Archiv Landgraf Philipps des Großmütigen, in Nr. 24 Akten der Landgräfin Christine). Im März 1548 wurde Philipp I. nach Heilbronn gebracht, wo er an „Tertianfieber“ (Malaria) erkrankteVgl. Gerhard Aumüller: Männliche Krankheitserfahrung im 16. Jahrhundert. Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen (1506–1567) und seine Ärzte. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 56 (2006), S. 19–48, bes. S. 30. und Bastian von Weitershausen bei seiner Pflege half.Vgl. C. von Heister: Gefangennehmung, S. 70.
Seit September 1548 befand sich Bastian von Weitershausen im Gefolge des gefangenen Landgrafen in Oudenaarde in den Spanischen Niederlanden. Er musste die Stadt jedoch mit anderen Angehörigen des Hofstaates auf Befehl des spanischen Capitains (Hauptmanns) Don Juan de Guevara, der Philipp I. bewachte, verlassen und bat die hessischen Räte in Kassel um Gewährung von Unterhalt bis zur Rückkehr des Landgrafen.Akten, 1550/51; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 3 Politisches Archiv Landgraf Philipps des Großmütigen, Nr. 1161).
1550 war Bastian von Weitershausen wieder bei Landgraf Philipp I., der inzwischen nach Mechelen gebracht worden war.Vgl. Wintercleidunge zu Mecheln den 16 Octobris Anno 50; Reichsarchiv Brüssel (doc. rel. à la ref. relig. Suppl. I, Bd. VI. Blatt 75); E. Duller: Neue Beiträge, S. 114f, bes. S. 114. Vor dem gescheiterten Fluchtversuch Philipps von dort wurden Ende Dezember 1550 Kraft von Boyneburg, der Kammerknabe Johann von Merlau, der Arzt Johannes Meckbach (1495–1555),Aus Spangenberg, auch Meckenbach, Megobacchius, bis 1535 Professor der Medizin in Marburg, dann Leibarzt Philipps in Kassel, wird gelegentlich verwechselt mit dem Nürnberger Stadt-Physikus und Reformator Johann Magenbuch oder Megobacchus (1500–1546) aus Blaubeuren. Bastian von Weitershausen und andere nach Kassel voraus geschickt.Vgl. Lescript du … Anthoine de Wersabe.Vgl. Christoph von Rommel: Die fünfjährige Gefangenschaft des Landgrafen Philipp von Hessen und der Befreiungskrieg gegen Kaiser Karl V. 1547–1552. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 5 (1850), S. 97–184, bes. S. 108f, 111 und 138 (Google-Books); Karl von Heister: Die Gefangennehmung und die Gefangenschaft Philipps des Grossmüthigen Landgrafen von Hessen 1547 bis 1552. Elwert, Marburg / Leipzig 1868, S. 55f, 75f und 86 (Google-Books). Kraft von Boineburg, Bastian von Weitershausen, Küchenschreiber Hieronymus Jünge und Paul Kellner stellten zu Gunsten des Kurt (Konrad) Breidenstein genannt BiedenkapperAus Biedenkopf, Kaufmann in Antwerpen, später Rentmeister zu Gießen. eine Referenz aus. Breidenstein hatte zusammen mit Zeugmeister Hans Rommel und dem 18-jährigen Leib-Pagen Anton von Wersebe genannt BremerSohn Bernhards von Wersebe auf Meyenburg, war später Amtmann zu Schmalkalden. die Befreiung Landgraf Philipps organisiert, die nur durch Geschwätzigkeit eines anderen Pagen fehlgeschlagen war.Akten, 1550–1552; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 3 Politisches Archiv Landgraf Philipps des Großmütigen, Nr. 1011). 1551 kehrte Bastian von Weitershausen nach Mechelen zurück.Vgl. V. Zuichemus: La famille du lantgrave. Nach dem Passauer Vertrag endete Philipps Gefangenschaft im September 1552.
Kämmerer und Diplomat der Landgrafen in Kassel Im Juli 1553 war Bastian von Weitershausen bei der blutigen Schlacht bei Sievershausen anwesend und berichtete Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel über ihren Verlauf.Vgl. Johannes Herrmann (Bearb.): Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen, Bd. VI 2. Mai 1552 – 11. Juli 1553. Akademie-Verl., Berlin 2006, S. 1063. Schon vor 1556 war er mit Marie Ursula von Talheim († 1587), Witwe des Hans von Helmstatt, verheiratet. Sie war eine Tochter von Gerhard von Talheim († vor 1525 oder 1531)Vgl. Moritz von Rauch: Der Adel im Kraichgau und dessen Umgebung, geschildert 1574. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 78 (1926), S. 445–465, bes. S. 458. und Agnes von Sperberseck († nach 1544).„Agnes von Talheim, geboren von Sperberseck, zu Talheim sesshaft, sambt iren kindern und der tochter sy uss dem Closter laufen komen“ hatten sich 1525 den aufständischen Bauern angeschlossen; vgl. Franz Xaver Kraus: Beiträge zur Geschichte des deutschen Bauernkriegs, 1525. In: Annalen des Vereins für Nassauische Alterthumskunde und Geschichtsforschung 12 (1873), S. 21–141, bes. S. 44 (Google-Books). 1559 schloss Hans von Stein von Reichenstein den Bönnigheimer Vertrag mit Sebastian von Weitershausen und Rochus Leiher (von Lyher) als Vertretern ihrer Ehefrauen Maria Ursula und Brigitta von Talheim über das Erbe ihrer Schwägerin Agnes von Talheim, seiner verstorbenen Ehefrau.Vgl. Alexander Brunotte, Raimund J. Weber (Bearb.): Akten des Reichskammergerichts im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Inventar des Bestands C 3, Band 46, Teil 6. (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg 46/6). W. Kohlhammer, Stuttgart 2005, S. 263. von Talheim, der Zehnt zu Höpfigheim und die Hälfte eines Schlosses gelangten durch die Erbteilung von Bastian von Weitershausen an seinen Schwager Rochus von Lyher.Vgl. Königliches statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Heilbronn. H. Lindemann, Stuttgart 1865, S. 341 und 516. Nach dem Tod ihres Vaters wurden 1560 Sebastian und sein Bruder Eberhard von Weitershausen genannt Reichwein (* um 1540; † 1609) von Herzog Christoph von Württemberg mit Bromberg belehnt. 1561 stimmte Sebastian von Weitershausen als einer der beiden Vormünder der Barbara von Stammheim (1543–1606)Tochter der verstorbenen Reinhart von Stammheim (1509–1546) und Margaretha von Weitershausen (1511–1549).Vgl. A. Seeliger-Zeiss, H. U. Schäfer: Inschriften, S. 199f, 225, 242, 313f, 470 deren Heirat mit Christoph von Degenfeld zu Hoheneybach, Obervogt zu Göppingen, zu.Urkunde vom 20. Februar 1561; Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Bestand PL 12 I Gräflich Adelmannsches Archiv Hohenstadt, Urkunde 102).
In Kassel nahm Bastian von Weitershausen verschiedene diplomatische Missionen für die Landgrafschaft Hessen wahr.Vgl. F. Gundlach: Zentralbehörden.
Weil Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel nicht persönlich an der Taufe der Tochter Maria Elisabeth (1561–1629)Sie heiratete 1585 Graf Emich XII. von Leiningen-Dagsburg-Hardenburg (1562–1607). seiner Schwester Anna von Hessen und des Herzogs Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken teilnehmen konnte, nahmen Johann von Ratzenberg († 1580), Amtmann zu Sontra, und Sebastian von Weitershausen stellvertretend für ihn die Patenschaft an.Akten Oktober / November 1561; Hessisches Staatsarchiv Marburg (Bestand 3 Politisches Archiv Landgraf Philipps des Großmütigen, Nr. 2454). Die Taufe durch Johann Sebastian Pfauser fand am 14. November 1561 in Anwesenheit von Herzog Albrecht V. von Bayern in Neuburg an der Donau statt.Vgl. bes. S. 427.