Die Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae) bilden eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales).
Beschreibung mini|links|Tribus Orobancheae: Illustration von Christisonia thwaitesii aus A hand-book to the flora of Ceylon, Tafel LXIX
Vegetative Merkmale Sie wachsen meist als ausdauernde krautige Pflanzen, selten als Sträucher. Es sind meistens hemiparasitische Pflanzen; mehrere Verwandtschaftskreise in der Familie haben unabhängig voneinander Holoparasiten (beispielsweise Epifagus, Orobanche) entwickelt. Die Laubblätter sind oft gezähnt bis tief gelappt.
Generative Merkmale Sie haben meist traubige Blütenstände. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kronblätter sind zu einer Röhre verwachsen. Pro Blüte gibt es vier Staubblätter. Es werden Kapselfrüchte gebildet.
Systematik und Verbreitung mini|Tribus Orobancheae: Aeginetia sinensis mini|Tribus Buchnereae: Graderia subintegra mini|Tribus Buchnereae: Striga bilabiata mini|Tribus Castillejeae: Castilleja angustifolia mini|Tribus Castillejeae: Orthocarpus luteus mini|Tribus Orobancheae: Cistanche tubulosa mini|Tribus Orobancheae: Epifagus virginiana mini|Tribus Orobancheae: Hyobanche sanguinea mini|Tribus Orobancheae: Nelken-Sommerwurz (Orobanche caryophyllacea) mini|Tribus Orobancheae: Habitus und Blüten von Phacellanthus tubiflorus mini|Tribus Rhinantheae: Verborgene Schuppenwurz (Lathraea clandestina) mini|Tribus Rhinantheae: Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense) mini|Tribus Rhinantheae: Klebrige Parentucellie (Parentucellia viscosa) mini|Tribus Rhinantheae: Quirlblättriges Läusekraut (Pedicularis verticillata) mini|Tribus Rhinantheae: Blütenstand von Phtheirospermum japonicum mini|Lindenbergia grandiflora
Die Familie Orobanchaceae wurde 1799 durch Étienne Pierre Ventenat in Tableau du Regne Vegetal 2, S. 292 unter dem Namen „Orobanchoideae“ aufgestellt. Typusgattung ist Orobanche Synonyme für Orobanchaceae nom. cons. sind: Aeginetiaceae , Cyclocheilaceae , Melampyraceae , Nesogenaceae , Pedicularidaceae , Phelypaeaceae , Rhinanthaceae , Scrophulariaceae tribus Buchnereae, Scrophulariaceae tribus Rhinantheae.
Die Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae) gehört zur Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales).
Arten der Sommerwurzgewächse sind nahezu weltweit verbreitet, meist sind sie jedoch in Gebieten mit gemäßigtem Klima zu finden. Bei der Verbreitung der Gattungen lassen sich Schwerpunkte auf der Nordhalbkugel oder aber in der Alten Welt feststellen. Etwa 3/5 der Gattungen sind nur auf der Nordhalbkugel verbreitet, elf Gattungen sind auf beiden Halbkugeln zu finden. Die mit mehr als 350 Arten größte Gattung der Familie, die Läusekräuter (Pedicularis), hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im Himalaya; Castilleja mit mehr als 200 Arten kommt hauptsächlich im westlichen Nordamerika vor; die etwa 150 Arten der Sommerwurzen (Orobanche) haben ihren Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum. Die etwa 170 Arten umfassende Gattung der Augentroste (Euphrasia) zeigt ein ungewöhnliches Verbreitungsgebiet: Sie kommt sowohl auf der Südhalbkugel als auch in der Alten Welt auf der Nordhalbkugel vor. Auch fast alle der etwa 100 Arten der Buchnera kommen in den tropischen und gemäßigten Gebieten der Alten Welt vor. Viele der restlichen Gattungen der Familie bestehen nur aus wenigen Arten und sind nur durch begrenzte Vorkommen bekannt.
Je nach Autor werden zwischen 80 und etwa 100 Gattungen mit 1700 bis 2100 Arten zur Familie Orobanchaceae gerechnet.
Die Familie Orobanchaceae wird in mehrere Tribus gegliedert. Bei manchen Autoren gibt es die Tribus Pedicularideae s. l. mit mehreren Subtribus, beispielsweise Castillejinae; in der Darstellung hier haben sie den Rang von Tribus, also ist hier die Tribus Pedicularideae s. l. in mehrere Tribus aufgegliedert: Tribus Buchnereae : Es sind etwa 19 Gattungen enthalten: Bardotia : Sie wurde 2012 aufgestellt und enthält nur eine Art: Bardotia ankaranensis : Sie gedeiht auf Kalkstein im „Tsingy“ genannten Karstgebiet nur im nördlichen Madagaskar. Baumia : Sie enthält nur eine Art: Baumia angolensis : Sie kommt nur in Angola vor. Buchnera : Diese Hemiparasiten sind mit mehr als 100 Arten weitverbreitet, mit dem Schwerpunkt der Artenvielfalt in Afrika. Centranthera : Die fünf bis sechs Arten sind von China bis Australien verbreitet. Cycniopsis : Die nur zwei Arten sind im tropischen Afrika verbreitet und eine davon reicht bis zur Arabischen Halbinsel. Cycnium : Die etwa 15 Arten sind in Afrika verbreitet. Ghikaea : Sie enthält nur eine Art: Ghikaea speciosa : Sie kommt in Äthiopien, Somalia und Kenia vor. Graderia : Die vier bis fünf Arten sind in Afrika und auf Sokotra verbreitet. Hiernia : Sie enthält nur eine Art: Hiernia angolensis : Sie kommt nur in Angola und Namibia vor. Parasopubia : Sie wurde 2004 aufgestellt und enthält nur zwei Arten in Südostasien. Parastriga : Sie enthält nur eine Art: Parastriga alectroides : Sie ist im tropischen Zentral- und Ostafrika verbreitet. Petitmenginia : Die nur zwei Arten sind in China (beide Arten), Kambodscha, Laos und Thailand verbreitet. Pseudosopubia : Die fünf bis sieben Arten sind im nordöstlichen tropischen Afrika und in Angola verbreitet. Pseudostriga : Sie enthält nur eine Art: Pseudostriga cambodiana : Sie ist in Südostasien verbreitet. Rhamphicarpa : Die etwa sechs Arten sind in Afrika, Indien und Australien verbreitet. Sieversandreas : Sie enthält nur eine Art: Sieversandreas madagascarianus : Sie kommt nur in Madagaskar vor. Sopubia : Die 40 bis 60 Arten sind in Afrika und Asien verbreitet. Afrikanische Hexenkräuter (Striga ): Die 33 bis 40 Arten sind in der Paläotropis verbreitet. Tetraspidium : Sie enthält nur eine Art: Tetraspidium laxiflorum : Sie kommt nur in Madagaskar vor.
Tribus Buttonieae (unsicher): Es sind etwa fünf Gattungen enthalten: Buttonia : Die nur zwei bis drei Arten sind in Afrika verbreitet. Leucosalpa : Die etwa drei Arten kommen nur auf Madagaskar vor. Radamaea : Die fünf Arten kommen nur in Madagaskar vor. Rhaphispermum : Sie enthält nur eine Art: Rhaphispermum gerardioides : Sie kommt nur in Madagaskar vor. Thunbergianthus : Die nur zwei Arten sind in Afrika verbreitet.
Tribus Castillejeae : Es sind etwa sieben Gattungen mit etwa 220 Arten enthalten: Castilleja : Die mehr als 200 Arten sind hauptsächlich in der Neuen Welt verbreitet. Clevelandia : Sie enthält nur eine Art: Clevelandia bildingii : Sie kommt nur in Kalifornien vor. Cordylanthus : Die etwa 18 Arten sind im westlichen Nordamerika verbreitet. Gentrya (manchmal in Castilleja): Sie enthält nur eine Art: Gentrya racemosa : Dieser Endemit kommt nur in der Sierra Surutato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa vor. Ophiocephalus (manchmal in Castilleja): Sie enthält nur eine Art: Ophiocephalus angustifolius : Es ist ein Endemit in Niederkalifornien. Orthocarpus : Die etwa neun Arten sind in der Neuen Welt verbreitet. Triphysaria : Die fünf bis sechs Arten sind im westlichen Nordamerika (hauptsächlich in Kalifornien) verbreitet und eine Art kommt in China vor.
Tribus Cymbarieae : Sie enthält fünf bis sechs Gattungen mit etwa 14 Arten: Bungea : Die nur zwei Arten sind in Asien verbreitet. Cymbaria : Die etwa vier Arten sind in Russland und China verbreitet. Lesquereuxia (manchmal in Siphonostegia ): Sie enthält nur eine Art: Lesquereuxia syriaca : Sie ist im östlichen Mittelmeerraum verbreitet. Monochasma : Die zwei bis vier Arten sind in Ostasien verbreitet. Schwalbea : Sie enthält nur eine Art: Schwalbea americana : Sie ist im östlichen Nordamerika verbreitet. Siphonostegia : Die zwei bis drei Arten sind in Griechenland, in Vorder- und in Ostasien verbreitet.
Tribus Escobedieae : Sie enthält etwa acht Gattungen: Alectra : Die (30 bis) etwa 40 Arten im tropischen Afrika und Asien verbreitet. Escobedia : Die 8 bis 15 Arten sind in der Neotropis verbreitet. Magdalenaea : Sie enthält nur eine Art: Magdalenaea limae : Sie ist im südöstlichen Brasilien verbreitet. Melasma : Die (7 bis) etwa 20 Arten sind im tropischen Afrika und in der Neotropis verbreitet. Nothochilus : Sie enthält nur eine Art: Nothochilus coccineus : Sie ist in Brasilien verbreitet. Physocalyx : Die ein bis zwei Arten sind in Brasilien verbreitet. Pseudomelasma : Sie enthält nur eine Art: Pseudomelasma pedicularioides : Sie kommt nur im zentralen Madagaskar vor. Vellosiella : Die zwei bis drei Arten sind in Brasilien verbreitet.
Tribus Gerardieae : Sie enthält etwa zwölf Gattungen: Agalinis : Die (40 bis 70) etwa 45 Arten sind in Neuen Welt weitverbreitet. Anisanthera : Sie enthält nur eine Art: Anisantherina hispidula : Sie ist von Mexiko über Zentralamerika bis Brasilien verbreitet und kommt in Kuba vor. Aureolaria : Die acht bis elf Arten sind in Nordamerika und Mexiko verbreitet. Brachystigma (manchmal zu Agalinis gestellt): Sie enthält nur eine Art: Brachystigma wrightii : Sie ist von Arizona bis Mexiko verbreitet. Dasistoma (manchmal in Agalinis ): Sie enthält nur eine Art: Dasistoma macrophylla : Sie ist in Nordamerika weitverbreitet. Esterhazya : Die vier bis sieben Arten sind in Südamerika verbreitet. Lamourouxia : Die 26 bis 28 Arten sind von Mexiko und Peru verbreitet. Macranthera : Sie enthält nur eine Art: Macranthera flammea : Sie ist in den südöstlichen USA verbreitet. Seymeria : Die etwa 25 Arten sind hauptsächlich in Nordamerika verbreitet. Seymeriopsis : Sie enthält nur eine Art: Seymeriopsis bissei : Sie kommt nur auf Kuba vor. Silviella : Die nur zwei Arten sind in Mexiko verbreitet. Tomanthera (manchmal zu Agalinis gestellt): Die nur zwei Arten sind in Nordamerika verbreitet.
Tribus Micrargerieae (unsicher): Es sind etwa vier Gattungen enthalten: Gerardiina : Die nur eine oder zwei Arten sind im tropischen bis südlichen Afrika verbreitet. Leptorhabdos : Sie enthält nur eine Art: Leptorhabdos parviflora : Sie kommt in Zentralasien, in Südwestasien und im nordwestlichen China vor. Micrargeria : Die vier bis fünf Arten sind im tropischen Afrika und in Indien verbreitet. Micrargeriella : Sie enthält nur eine Art: Micrargeriella aphylla : Sie ist in der Republik Kongo und der Demokratischen Republik Kongo beheimatet.
Tribus Orobancheae : Es sind 14 bis 15 Gattungen enthalten: Aeginetia : Die drei bis sechs Arten sind in Ostasien von Sri Lanka, Indien, Kambodscha, Myanmar, Thailand, China, Vietnam, Malaysia über Indonesien und die Philippinen bis Japan verbreitet. Boschniakia (Syn.: Xylanche , Kopsiopsis ): Die nur zwei oder drei Arten sind im nördlichen Russland, vom nördlichen Indien über China (zwei Arten) und Korea bis Japan und im nordwestlichen Nordamerika verbreitet. Christisonia : Die 16 bis 23 Arten sind im tropischen Asien verbreitet. Cistanche : Die 20 bis 26 Arten sind im Mittelmeerraum und von Äthiopien bis Indien und China verbreitet. Darunter: Gelbe Cistanche (Cistanche phelypaea ) Diphelypaea (Syn.: Phelipea , Phelypaea , Phelypaea non Phelypaea nec Phaelypea , Anoplanthus sect. Euanoplon , Anoplanthus sect. Anblatum , Anoplanthus , Anoplanthus sect. Macranoplon , Anoplon , Orobanche sect. Anoplon nom. invalid., Lathraea , Lathraea sect. Phylipea , Alatraea nom. illeg., Amblatum ): Die nur drei Arten sind in Südwestasien verbreitet. Epifagus : Sie enthält nur eine Art: Epifagus virginiana : Sie ist in Nordamerika weitverbreitet. Gleadovia : Die nur zwei bis sechs Arten im Himalaja von Indien bis China verbreitet. Harveya : Die 25 bis 40 Arten sind im tropischen und südlichen Afrika und auf den Maskarenen verbreitet. Hyobanche : Die sieben bis acht Arten sind im südlichen Afrika verbreitet. Mannagettaea : Die nur zwei bis drei Arten kommen im östlichen Sibirien und in den chinesischen Provinzen südwestliches Gansu, südöstliches Qinghai sowie Sichuan vor. Necranthus (manchmal in Orobanche ): Sie enthält nur eine Art: Necranthus orobanchoides : Sie kommt in der Türkei vor.