hochkant=1.5|mini|
Die Gewobag ist eines von derzeit sieben kommunalen Wohnungsunternehmen in Berlin. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 bewirtschafteten 779 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über 75.900 Wohnungen mit über 130.000 Mieterinnen und Mietern. Der Bestand umfasst Wohngebäude aus allen Berliner Bauepochen von den Gründerjahren bis zur Gegenwart. Im Auftrag des Landes Berlin verfolgt die Gewobag das Unternehmensziel, bezahlbare Mietwohnungen für breite Bevölkerungsschichten zur Verfügung zu stellen und den kommunalen Wohnungsbestand zu vergrößern.
Geschichte Von der Gründung 1919 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten Am 14. Mai 1919 wurde die Heimstätten AG Groß-Berlin (HEIMAG), die heutige Gewobag, als Tochtergesellschaft der Gagfah gegründet. Ausschließlicher Zweck des Unternehmens war „die Beschaffung gesunder Wohnungen zu angemessenen Preisen für minderbemittelte Familien und Einzelpersonen“. Ab 1920 errichtete die Heimag um den Heimstättenweg in Berlin-Steglitz eine Eigenheimsiedlung für Angestellte mit rund 100 Einfamilienhäusern in Typenbauweise. Von 1930 bis 1935 entstand zwischen Spandau und Siemensstadt die Reichsforschungssiedlung Haselhorst mit rund 3.500 Wohnungen für 12.000 Menschen.Bauhaus für Arme, Evangelischer Pressedienst (epd), 26. Februar 2019 Februar 2019. Namhafte Architekten wie Bauhaus-Gründer Walter Gropius, Paul Mebes, Fred Forbat und Otto Bartning beteiligten sich an dem Projekt. Die HEIMAG fungierte zunächst als Bauträger im Auftrag des Vereins Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen Am 19. Februar 1931 benannte sich die Gesellschaft in Gemeinnützige Wohnungsbau-AG Groß Berlin (Gewobag) um; die Gagfah zog sich vollständig aus dem Tochterunternehmen zurück. Eigentümer der Gewobag wurden zur Hälfte das Deutsche Reich und das Land Preußen. Als in den folgenden Monaten die Reichsforschungsgesellschaft aufgelöst wurde, übernahm die Gewobag das gesamte Projekt in Haselhorst und brachte den Bau bis 1935 in Eigenregie zum Abschluss. Zeitgleich errichtete sie in Hohenschönhausen die Flusspferdhofsiedlung mit 883 Wohnungen.Licht, Luft und Sonne. In: Süddeutsche Zeitung. 25. Januar 2018.
In der NS-Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Wie andere Wohnungsunternehmen wurde die Gewobag ab 1933 von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet. Sozialdemokraten und Gewerkschafter in Vorstand und Aufsichtsrat wurden durch Nationalsozialisten ersetzt. Die Gewobag baute neue Siedlungen in der Nähe von Rüstungsbetrieben und verdoppelte ihren Bestand bis 1940 auf 7.658 Wohnungen. Während des Zweiten Weltkrieges waren auch Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter auf Baustellen der Gewobag beschäftigt.Geschäftsbericht der Gewobag für das Jahr 1940, Typoskriptfassung, unveröffentlicht (Exemplar im Gewobag-Archiv). Fünfzehn Prozent des Immobilienbestands der Gewobag wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs ganz zerstört oder waren bei Kriegsende unbenutzbar. Auch fast alle Geschäftsunterlagen gingen verloren.
Mai 1945 bis zum Mauerfall 1989 Die Alliierten haben mit dem Ende des Krieges das Unternehmen Gewobag beschlagnahmt und es erst 1949 an die Stadt Berlin übertragen, die seitdem Eigentümerin ist. Die Teilung Berlins führte im Jahr 1948 zum Verlust der Verfügungsgewalt der Gewobag über ihren gesamten Besitz im Ostsektor, darunter die Flusspferdhofsiedlung. Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren geprägt vom Wiederaufbau der vorhandenen Wohnungsbestände bzw. deren Nutzbarmachung, insbesondere der Reichsforschungssiedlung, die bis 1952 vollständig wiederhergestellt werden konnte.
Das Erste Wohnungsbaugesetz (1950/51) der Bundesrepublik Deutschland und das Lastenausgleichsgesetz (1952), zugleich als wirksam für die drei Westsektoren erklärt, schufen eine neue Grundlage für die staatliche Förderung des Wohnungsbaus. Ab 1953 realisierte die Gewobag vor allem in Berlin-Spandau zahlreiche Neubauprojekte und vergrößerte ihren Bestand bis 1957 auf rund 10.000 Wohnungen. Im selben Jahr begannen die Bauarbeiten für neue Wohngebiete in Charlottenburg-Nord und Tegel-Süd. Von 1961 bis 1965 errichtete die Gewobag die Paul-Hertz-Siedlung in Charlottenburg.
Ab 1962 beauftragte der Berliner Senat die Gewobag mit Sanierungsvorhaben in der Innenstadt: Im Sanierungsgebiet Wassertorplatz in Kreuzberg und im Opernviertel in Charlottenburg entstanden großflächig Neubauten. Diese radikale Methode der Kahlschlagsanierung wurde in den 1970er und 1980er Jahren durch die „behutsame Stadterneuerung“ abgelöst: In Abstimmung mit den Bewohnern sanierte die Gewobag zahlreiche Gründerzeitbauten rund um den Chamissoplatz in Kreuzberg und den Klausenerplatz in Charlottenburg.
Von der deutschen Wiedervereinigung 1990 bis 2014 Nach dem Fall der Berliner Mauer unterstützte die Gewobag fachlich (Bundesgesetzgebung, neue Strukturen) und personell die im Ostteil der Stadt vorhandenen Kommunalen Wohnungsverwaltungen. Im September 2000 übernahm sie die Geschäftsanteile der WIP Wohnungsbaugesellschaft Prenzlauer Berg und der WIR Wohnungsbaugesellschaft in Berlin (heute Gewobag PB und Gewobag WB). So entstand der Gewobag-Verbund.
Am 3. Januar 2007 wurde die Tochtergesellschaft Gewobag MB gegründet, zu deren Aufgaben die Entwicklung von Quartierskonzepten, die Einrichtung von Begegnungsorten (Kiezstuben) und die Mietschuldnerberatung gehört. In der seit 1995 unter Denkmalschutz stehenden Reichsforschungssiedlung Haselhorst stellte die Gewobag von 2003 bis 2013 das historische Erscheinungsbild wieder her und modernisierte mit einem Aufwand von 130 Millionen Euro 2.750 Wohnungen.Kleine Küche, großer Anspruch. In: die tageszeitung 20. November 2013. 2014 eröffnete die Gewobag in Haselhorst eine im Stil der 1930er Jahre rekonstruierte Museumswohnung. Als eine von sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften Berlins unterzeichnete die Gewobag 2012 das Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten.stadtentwicklung.berlin.de Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum für sozial schwächere Menschen in der Stadt zu schaffen und zu erhalten.Bündnis für Wohnungsbau und bezahlbares Wohnen auf www.berlin.de Zur Förderung von Kunst und Kultur, Jugend- und Altenhilfe sowie dem Sport gründete die Gewobag 2013 die Stiftung Berliner Leben.
Wachstumsstrategie seit 2014 Die Gewobag richtete sich 2014 strategisch neu aus und konzentrierte ihre Aktivitäten in einer neuen Unternehmenszentrale in Berlin-Moabit. Die Gewobag gab sich ein neues Corporate Design und einen neuen Slogan: „Gewobag – Die ganze Vielfalt Berlins“. Seit 2015 verfolgt das Unternehmen eine offensive Wachstumsstrategie. Mittelfristig soll der Bestand durch Neubau von derzeit über 75.900 auf ungefähr 82.700 eigene Wohnungen bis 2036 wachsen (bis Ende 2026 auf 78.000).Gewobag-Jahresbericht 2024, abgerufen am 2. Juli 2025 Zur Finanzierung ihrer Wachstumsstrategie emittierte die Gewobag im November 2017 ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 300 Millionen Euro. Es war die größte Transaktion eines Immobilienunternehmens im deutschen Schuldscheinmarkt.BBU-Mitteilung vom 3. November 2017 2019 sammelte die Gewobag mit zwei Schuldscheinen weitere 1,35 Milliarden Euro am Kapitalmarkt ein.„Best Schuldschein Deal of the Year“ für die Gewobag auf www.gewobag.de, 19. Februar 2020. Dies ermöglichte den Kauf eines Portfolios mit fast 6000 Wohnungen in Berlin-Spandau und Berlin-Reinickendorf im Herbst 2019. Es handelte sich um ehemals landeseigene Wohnungen aus dem Bestand der GSW, die 2004 privatisiert worden waren. Der Erwerb durch die Gewobag für 920 Millionen Euro war der größte Re-Kommunalisierungsankauf in der Geschichte Berlins.Gewobag schließt Vertrag zum Erwerb von rund 6.000 Wohnungen in Berlin auf www.gewobag.de; 26. September 2019
Prominente Ankäufe waren das Zentrum Kreuzberg mit rund 300 Sozialwohnungen am U-Bahnhof Kottbusser Tor, das die Gewobag im April 2017 für 56,5 Millionen Euro erwarbZentrum Kreuzberg: Gewobag kauft NKZ am Kotti, Berliner Zeitung, 21. April 2017. und das Pallasseum mit 514 Wohnungen.Gewobag erwirbt Pallasseum und sichert bezahlbaren Wohnraum in Berlin, 21. Dezember 2018. Im September 2017 übernahm die Gewobag 122 schlüsselfertige Wohnungen im neuen Quartier Wohnen am Mauerpark.Wohnen am Mauerpark, gewobag.de. 2019 und 2020 erwarb die Gewobag insgesamt 730 Mietwohnungen in denkmalgeschützten Baublöcken aus den 1950er Jahren an der Karl-Marx-Allee, der ehemaligen Stalinallee.Gewobag übernimmt Wohnungen in der Karl-Marx-Allee.Gewobag übernimmt auch Block F-Nord in der Karl-Marx-Allee, 1. November 2019.
Im Rahmen seiner Smart-City-Strategie erprobt das Unternehmen Ansätze zur Schaffung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Infrastruktur für die Stadt von morgen. Seit 2019 kooperiert die Gewobag mit der BVG und eröffnete einen ersten gemeinsamen Mobility Hub an der Prinzenstraße. Seit 2020 stellt das Unternehmen im Rahmen eines Car-Sharing-Projekts seinen Mieterinnen und Mietern Elektrofahrzeuge bereit. Investiert wurde auch in 500 Ladestationen für Elektroautos.Wohnungen mit Ladestation: Die Verkehrswende nimmt Fahrt auf Mit der im Juni 2021 gegründeten Tochtergesellschaft Gewobag ID beteiligt sich das Unternehmen an innovativen Start-Ups in Berlin und treibt die Entwicklung neuer digitaler Dienstleistungen und Produkte voran.Pressemitteilung , 25. Juni 2021. Diesem Ziel dient auch die Auslobung eines Innovationspreises.
Modellprojekte für ein zukunftsfähige Quartiersentwicklung sind die Modernisierung von 736 Wohnungen im Wohnpark MariendorfModernisierung für mehr Wohnqualität gewobag.de. sowie das Neubaugebiet Waterkant BerlinWillkommen an der berliner Waterkant, gewobag.de. in Berlin-Spandau, für das am 5. September 2018 der Grundstein gelegt wurde. Ein eigenes Quartiersnetz zur Wärmeversorgung beliefert die Mieterinnen und Mieter mit Niedertemperatur-Fernwärme, die künftig zum Teil aus Flusswasserwärme erzeugt werden soll. Im Zentrum des Quartiers ist ein Mobility Hub vorgesehen, der neben einer großen Quartiergarage auch Flächen für Car- und Bike-Sharing sowie Ladestationen für E-Mobility bereitstellt und verschiedene Verkehrsarten verzahnt. 2020 wurden die ersten 362 Wohnungen im Neubaugebiet Waterkant bezogen, bis Ende 2025 waren es 1280 von rund 2000 geplanten Wohnungen.Willkommen an der Berliner WATERKANT! In: gewobag.de
Im Januar 2020 stellte die Europäische Investitionsbank (EIB) der Gewobag im Rahmen einer Kooperation einen Kredit in Höhe von 240 Millionen € zur Verfügung, um bis 2023 den Bau von 2.000 Wohneinheiten zu fördern. Im Juni 2021 nahm das Unternehmen zudem eine Anleihe („Social Bond“) in Höhe von 500 Mio. € am Kapitalmarkt auf.Pressemitteilung vom 18. Juni 2021 Die Emittierung von Schuldscheindarlehen und Anleihen wurde 2025 eingestellt. Der aktuelle Neubau wird zu einem großen Anteil mit Fördermitteln der Investitionsbank Berlin (IBB), mit Fördermitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und Mittel der Europäischen Investitionsbank (EIB)finanziert.
Große Neubauprojekte neben der Waterkant sind der Bau von 211 Wohnungen auf der „Schöneberger Linse“ und von fast 1500 Wohnungen in Modulbauweise an der Landsberger Allee.Sowohntberlin, 18. Februar 2022. Am 11. Januar 2023 wurde an der Allee der Kosmonauten der Grundstein für ein Wohnhochhaus mit 15 Geschossen und 450 Wohnungen gelegt. In Siemensstadt entsteht seit 2024 das Neue Gartenfeld, ein Stadtquartier mir rund 3700 Wohnungen, Gewerbeflächen, Schule, Kita und Nahversorgung. Die Gewobag realisiert auf 16 Baufeldern etwa 1.500 Mietwohnungen, über 50 Gewerbeflächen, ein Hotel und einen Mobility Hub. Die Wohnungen richten sich an unterschiedliche Ziel- und Einkommensgruppen, wobei ein wesentlicher Anteil der Wohnungen WBS-gebunden sein wird. Alle Neubauten erfüllen den KfW-EH-55-Standard. 2025 wurden die ersten 300 Wohnungen fertig gestellt. In den Buckower Höfen sollen bis 2028 zusätzlich zur Modernisierung von 994 Bestandswohnungen weitere 255 Wohnungen durch Aufstockung geschaffen werden.