Friedrich Hilble (* 10. Juni 1881; † 4. Juni 1937)Hilble, Friedrich, in: Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917–1929), Biographie Nr. 4197, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Deutsches Historisches Institut in Rom, 18. September 2015, abgerufen am 3. April 2016. war ein Münchener Verwaltungsbeamter und berufsmäßiger Stadtrat.
Zur Person Friedrich Hilble trat 1917 in die Münchner Stadtverwaltung ein.Wolf Gruner: Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 978-3-486-56613-0, S. 35. Er war später bis zu seinem Tod im Jahre 1937 Leiter des Münchner Wohlfahrtsamtes und berufsmäßiger Stadtrat.Zu seiner Tätigkeit in der NS-Zeit vgl. ausführlich: Florian Wimmer: Die völkische Ordnung von Armut. Kommunale Sozialpolitik im nationalsozialistischen München. Göttingen 2014. Während der Weimarer Republik war er Mitglied der BVP. Bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war er ein Befürworter der Pflichtarbeit für Erwerbslose und von Kürzungen im Sozialbereich, anschließend verfolgte er diese Linie gegen „Asoziale“ und „Schmarotzer“ noch konsequenter.Wolf Gruner: Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 978-3-486-56613-0, S. 312 (). Schließlich profilierte er sich bei der Diskriminierung jüdischer Wohlfahrtsempfänger und suchte um Schulung seiner Mitarbeiter in „Rassenpflege“ sowie NS-Ideologie nach. Er war kein Mitglied der NSDAP, trat jedoch der NSV bei.
So kam der erste Vorschlag zur Inhaftierung von Erwerbslosen und Fürsorgeempfängern im KZ Dachau aus dem Amt von Hilble, mit dem Ziel, diese abzuschrecken und auszugrenzen. Hilble selbst schrieb dazu 1937:
Ab 1934 konnten „arbeitsscheue“ Fürsorgeempfänger tatsächlich in das KZ Dachau eingewiesen werden;Der einschlägige Erlass des bayerischen Innenministers hierzu ist abgedruckt bei Wolfgang Ayaß (Bearb.): "Gemeinschaftsfremde". Quellen zur Verfolgung von "Asozialen" 1933–1945, Koblenz 1998, Nr. 31. das Münchner Wohlfahrtsamt unter Hilble war dabei bayernweit Spitzenreiter. Damit verkörperte Hilble „das schleichende Abgleiten der Sozialpolitik in das völkische Fahrwasser“.Bernhard Gotto: Nationalsozialistische Kommunalpolitik. Oldenbourg Verlag, München 2006, ISBN 978-3-486-59636-6, S. 191 (). Die Politikwissenschaftlerin Claudia Brunner charakterisierte ihn als „Musterbeispiel eines pflichtgetreuen peniblen deutschen Beamten“, dessen „Verdienste“ in der „unbarmherzigen Durchsetzung nationalsozialistischen Gedankenguts“ und der „uneingeschränkten Loyalität gegenüber einem unmenschlichen Regime“ bestanden. Zitiert nach: Eine stärkere Verstrickung Hilbles in den Nationalsozialismus, so die Überzeugung Brunners, sei nur durch seinen Tod wegen eines Gallenleidens 1937 verhindert worden.
Straßenbenennung nach Hilble mini|2022 wurde die Hilblestraße in Maria-Luiko-Straße umbenannt 1956 wurde nach Hilble in Neuhausen-Nymphenburg auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne die Hilblestraße benannt. Sein besonderes Verdienst, so die offizielle Begründung, sei seine Initiative als verdienter Leiter des städtischen Wohlfahrts- und Jugendamtes zum Bau eines Altersheimes (das St.-Josef-Heim, mittlerweile bei der Münchenstift gGmbH) gewesen.
2012 publizierte die Geschichtswerkstatt Neuhausen das Buch Von der „Aiblingerstraße“ bis „Zum Künstlerhof“, in dem die Straßennamen im Münchner Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg erläutert werden. Zur Hilblestraße heißt es darin: „Rund zehn Jahre nach der NS-Herrschaft eine Straße nach einem Mann zu benennen, der das System der Nazis und damit den verordneten Antisemitismus stützte und diesen in die Tat umsetzte, ist eigentlich unverständlich.“ Der Verein forderte die Stadt auf, diesen „unhaltbaren Zustand“ zu ändern. Der Bezirksausschuss von Neuhausen-Nymphenburg beantragte daraufhin beim Münchner Stadtrat eine Überprüfung der Namensgebung dieser Straße. Der Kommunalausschuss entschied, diesbezüglich erst die Ergebnisse einer vom Stadtrat in Auftrag gegebenen Studie abzuwarten (PDF-Datei): Seit 2010 wird an der Ludwig-Maximilians-Universität die Rolle der Münchner Stadtverwaltung in der NS-Zeit untersucht. Mögliche Straßenumbenennungen sollen erst nach der Veröffentlichung dieser Studie erfolgen, was in einem Zeitraum von 15 Jahren geschehen soll.
Die Hilblestraße war Thema im Rahmen des Kunstprojektes Memory Gaps – Erinnerungslücken der Malerin Konstanze Sailer. Dabei wurde auf die „verwaltungstechnische Geschmacklosigkeit“ hingewiesen, dass die Hilblestraße eine Nebenstraße der Dachauer Straße ist. Im Rahmen ihres Projektes benannte die Künstlerin die Hilblestraße nach einer in der Tötungsanstalt Bernburg ermordeten jüdischen Widerständlerin vorübergehend in Henriette-Rothkirch-Straße um. Fortan unterstützte Memory Gaps in Form zahlreicher Interventionen den Umbenennungsvorschlag von Bezirksausschuss und Geschichtswerkstatt Neuhausen in Maria-Luiko-Straße.
Im November 2022 wurde die Straße von der Stadt München offiziell nach der 1941 deportierten und ermordeten jüdischen Künstlerin Maria Luiko benannt.
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