Das Régiment du Perche war eine Infanterieeinheit der französischen Streitkräfte während des Ancien Régime.
Aufstellung und signifikante Änderungen Aufgestellt wurde es im April 1644 als Piemontesisches Regiment durch Thomas Emmanuel Philibert von Savoyen, Prinz von Carignan und als Régiment de Carignan (ein sogenanntes Fremdenregiment) in französische Dienste gestellt. 1659: Nach dem Pyrenäenfrieden wurde das Regiment in die französische Armee eingegliedert. 1671: Eingliederung der Reste des Régiment Salièrees gibt noch die Schreibweise „Sallières“, wobei jedoch „Salière“ wahrscheinlich die korrekte ist. und Umbenennung in Régiment de Carignan-Salière. 18. Juli 1676: Umbenennung in Régiment de Soissons Dezember 1690: Umbenennung in Régiment du Perche (nach der Provinz Le Perche). 1744: Zusammenlegung mit dem Régiment des Gardes Lorraine
Fahnen Von 1671 bis 1718 führte das Regiment zwei weiße Leibfahnen.
Uniformen
Mestres de camp/Colonels Mestre de camp war von 1569 bis 1661 und von 1730 bis 1780 die Rangbezeichnung für den Regimentsinhaber und/oder für den mit der Führung des Regiments beauftragten Offizier. Die Bezeichnung „Colonel“ wurde von 1721 bis 1730, von 1791 bis 1793 und ab 1803 geführt.
Sollte es sich bei dem Mestre de camp/Colonel um eine Person des Hochadels handeln, die an der Führung des Regiments kein Interesse hatte (wie z. B. der König oder die Königin), so wurde das Kommando dem „Mestre de camp lieutenant“ (oder „Mestre de camp en second“) respektive dem „Colonel-lieutenant“ oder „Colonel en second“ überlassen.
April 1644: Mestre de campRegimentsinhaber ohne das Kommando auszuüben Thomas Emmanuel Philibert de Savoie, prince de CarignanSohn von Thomas Franz (Savoyen-Carignan) Mestre de camp en second: Baron de La Valdisèreder de facto Kommandant Mestre de camp en second: Juli 1652: d’Aloigny de Rochefort 1658: als Mestre de camp der Lieutenant-général Jean de Balthazardwahrscheinlich Jean de Balthazard de Simeren 1665: Thomas François de Savoie-Carignan-Soissons Mestre de camp en second: Henri de Chapelas de Salières 18. Juli 1676: Louis Thomas de Savoie, comte de Soissons 31. Dezember 1690: Joseph de Robert, marquis de Lignerac Juli 1705: Marquis de Cotteron 27. Oktober 1706: Claude, marquis de Ceberet 15. März 1718: Louis Auguste, chevalier (dann marquis) de Rieux 5. April 1738: Paul Sanguin, marquis de LivrySeptième abrégé général du militaire de France, sur terre et sur mer, Lemau de la Jaisse, Paris, 1741
Gefechtskalender mini|hochkant=1.4|Plan der Forts am Rivière Richelieu in Kanada. Hergestellt durch Angehörige der Regimenter de Carignan und de Salière.
Bis zum Pyrenäenfrieden war das Regiment nicht Bestandteil der Französischen Armee, sondern gehörte zu den angeworbenen ausländischen Regimentern. Es erschien während dieser Zeit stets auch nur unter seinem Namen Carignan.
Es wurde im April 1644 durch den (erst 16-jährigen) Thomas-Emmanuel-Philibert de Savoie, prince de Carignan aufgestellt. Wahrscheinlich diente das Regiment auch als Stamm für die Gardekompanie des Prinzen. In den ersten Jahren seines Bestehens umfasste es etwa 1000 Mann und stand unter dem Befehl des Colonel en second, dem Baron de La Val d’Isère.
Seine erste Kampfhandlung im Namen Frankreichs hatte das Regiment im August 1645 bei der Belagerung von Bigevano. Am 19. Oktober stand es im Gefecht bei La Mora. Im folgenden Jahr folgte der Feldzug nach Orbitello, kommandiert vom Regimentsinhaber Thomas-Emmanuel-Philibert de Sayoie. Am 2. Mai in Genua auf die Flotte des duc de Brezé eingeschifft, wurde am 10. Mai die Rede von Talamone erreicht. Unmittelbar nach dem Anlanden kam es zu einem heftigen Kampf um das Forte di Salina in dem sich das Regiment auszeichnen konnte. Nachdem die Expedition ihren Auftrag erfüllt hatte, kehrte das Regiment in das Piemont zurück und bezog Garnison in Trino, wo es bis 1648 verblieb. Dann zog es nach Casal und gehörte 1649 zu den Truppen, die wegen des Aufstandes der Fronde mobilgemacht wurden. Das Regiment zog über die Seealpen und wurde in Guyenne eingesetzt. In dieser Provinz blieb es bis 1652 und gehörte dann zu der kleinen Armee, die Turenne dem König nach Paris zurückbringen konnte. Am 2. Juli 1652 konnte es sich in der Schlacht bei Étampes auszeichnen, als es zusammen mit dem Régiment d’Huxelles am äußersten linken Flügel in den Gärten des Sieur Rambouillet (zwischen der heutigen Rue de Charenton und der Seine) angriff. Obwohl der Mestre de camp des Regiments, der Baron de la Val d'Isére bereits von den ersten Schüssen tödlich verwundet wurde, gelang es dem Regiment die Truppen des Prince de Condé aus ihren Stellungen an der Gartenmauer zu vertreiben.
Danach zogen die acht italienischen Kompanien in das Piémont zurück, die restlichen 22 Kompanien, aus Franzosen bestehend und im Guyenne aufgestellt, folgten im Dezember. Nach einigen Operationen ohne Bedeutung zog die Einheit in das Dauphiné und wurde dort in Garnison gelegt.
Am 16. April 1653 traf das Regiment in Turin ein, wo es vom Herzog von Savoyen besichtigt wurde. Auf dem Rückweg hatte es am 23. September ein Gefecht bei La Roquete am Tanaro, und überwinterte dann im Val de Saint Martin.
Im Jahre 1655 zeichnete es sich bei der Belagerung von Pavie aus, wo es im Gefecht drei Offiziere verlor.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm Thomas-François de Savoie-Carignan-Soissons das Regiment als Inhaber. Im gleichen Jahr war es an der Belagerung von Valence beteiligt, bei der der Mestre de camp en second verwundet wurde. Mit der Belagerung von Mortara endete 1658 der Krieg für das Regiment. Nach dem Pyrenäenfrieden konnte oder wollte der Prince de Carignan das Regiment nicht länger unterhalten und übergab es an den französischen König Ludwig XIV. Es wurde jetzt Teil der französischen Armee, bestand aber nur noch aus 10 Kompanien und zum größten Teil aus ausländischen Söldnern. Ab hier könnte die Geschichte des Regiments unübersichtlich werden, wenn es nicht die folgende Anweisung gegeben hätte:
Kanada Im Mai 1665 wurden die 10 Kompanien des Régiment de Carignan – etwa 1000 Mann – und mit ihnen das deutsche Regiment de Balthazard in La Rochelle nach Kanada eingeschifft. Aus den beiden Regimentern wurde eine Art Brigade oder Marschregiment gebildet, das unter dem Befehl von Jean de Balthazard (wahrscheinlich der gleiche Offizier, der das Régiment de Royal-Cravate cavalerie aufgestellt hatte) bestand. Die beiden Leibkompanien mit der jeweiligen Leibfahne blieben bestehen, die Kompanie de Carignan stellte die 1. und die Kompanie de Balthazard die 2. Kompanie.
Jean de Balthazard verstarb noch im gleichen Jahr und wurde durch M. de Salière ersetzt, den bisherigen Premier capitaine de Carignanerster Hauptmann von Carignan. Danach erfolgte eine Umorganisation, der Verband führte von nun an nur noch die Bezeichnung „Régiment de Carignan-Salière“.
Es war die erste Einheit die direkt vom Staat und nicht von seinem Regimentsinhaber besoldet wurde.
Kaum in Quebec angekommen wurde das Regiment bei einer Expedition gegen die Irokesen am Lake Champlain eingesetzt. Hier bauten die Soldaten unter dem Kommando von Capitaine de la Mothe auf einer der Inseln im See eine Fort. Am 1. Oktober 1666 zog eine Abteilung, bestehend aus 600 Soldaten und 1200 Kolonisten (auch Algonquins genannt) unter dem Kommando von M. de Tracy aus Fort Sainte-Anne um die Behausungen der Irokesen zu zerstören. Die Expedition zog den Lake Champlain hinauf und erbauten an der Stelle des Überganges zum Lac du Saint-Sacrement ein kleines Fort, in dem der M. de Salière 4 Kompanien zurückließ, um den Rückmarsch seiner Truppe zu decken. Der Verband zog weiter und zerstörte einige Indianerdörfer um am 5. November nach Quebec zurückzukehren. Über die Aktionen im folgenden Jahr ist nichts bekannt.
Im Juni 1668 kehrten die beiden Leibkompanien, jede etwa 60 Mann stark und aus dem bisherigen Regimentsverband de Carignan-Salière wieder herausgelöst, nach la Rochelle zurück. Der Rest der Truppe verblieb in Kanada.
Europa Die beiden, dem Prince de Carignan und dem M. de Salière gehörenden Leibkompanien wurden zwischen 1668 und 1671 separat im Stand gehalten.
Holländischer Krieg
1671: Als der Holländische Krieg bevorstand, ergriff der Prince de Carignan die Initiative und brachte sein Regiment mit der Anwerbung von 15 Kompanien auf Kriegsstärke. Er bot dem M. de Salière, der zu gleichem finanziell nicht in der Lage war an, seine noch bestehende Kompanie in das Regiment einzugliedern. Da er selbst nicht das Kommando führen wolle, könne der M. de Salière den Posten des Colonel-commandant übernehmen, seine Kompanie würde die Leibkompanie werden und das Regiment solle den Namen Carignan-Salière führen. Der M. de Salière ging auf diesen Vorschlag ein, da er ein solches Angebot einfach nicht ablehnen konnte.
1672: verließ das Regiment seine Garnison Courtrai und blieb unter dem Maréchal Louis de Crévant, duc d’Humières zwei Jahre im Feld. 1674: Einige der Kompanien wurden nach Sizilien verlegt. Hier konnten sie sich auszeichnen als sie am 8. Februar 1675 einen spanischen Überraschungsangriff gegen das Fort de Castellazo abwehrten. Der Capitaine de Grandcombe tötete drei Spanier und wurde dabei selbst verwundet. Der Hauptteil des Regiments zog im gleichen Jahr von Courtrai nach Huy, musste dieses jedoch im April 1676 wieder verlassen und zog sich, nachdem man die Befestigungsanlagen demoliert hatte, nach Philippeville zurück. 1676:am 18. Juli ging die Regimentsinhaberschaft auf Louis-Thomas de Savoie, comte de Soissons über. Er war ein Neffe des Prince de Carignan und Bruder des Prinz Eugen von Savoyen.
Der Colonel-commandant, der Marquis de Salière war inzwischen alt und krank und fühlte sich nicht mehr in der Lage, das Regiment weiter zu kommandieren. Er gab daher den Posten an seinen Sohn weiter, der es bis zu seinem Rücktritt im Oktober 1718 führte.
1677: am 17. März wurde dem nunmehr nur noch „de Soissons infanterie“ genannten Regiment die Ehre zuteil, zusammen mit dem Régiment des Gardes françaises und Régiment de Picardie den Sturm auf die Festung Valenciennes zu eröffnen. (Es war dies eine Gefälligkeit, die der König dem jungen Colonel erweisen wollte – böse Zunge behaupteten jedoch, vielmehr sei dessen Mutter gemeint gewesen.)
Das Regiment de Soissons kämpfte im gleichen Jahr noch bei der Belagerung von Cambrai und Saint-Ghislain, bei letzterer wurde der Lieutenant-colonel schwer verwundet.
1678: Beteiligung an der Belagerung von Gent und Ypern, im Juni Abmarsch in das Elsass zur Belagerung von Kehl.
Reunionskrieg
1684: Belagerung von Luxemburg
Pfälzischer Erbfolgekrieg Hauptartikel|Pfälzischer Erbfolgekrieg 1688: Soissons stand bei der Armée du Rhin; Einnahme von Philippsburg, Mannheim und Frankenthal. 1689: Einsatz in den Niederlanden, mit Auszeichnung in der Schlacht bei Walcourt und im Gefecht bei Gerpinnes 1690: Einsatz in der Schlacht bei Fleurus. Zusammen mit dem Régiment de Champagne bildete es eine Brigade, die 1200 Gegner in einem Schloss in der Nähe des Schlachtfeldes zwang, die Waffen niederzulegen. In dieser Schlacht waren drei Offiziere gefallen, der Lieutenant-colonel de Villaincourt, der Major de Senneville und sieben weitere Offiziere wurden schwer verwundet.
Im Dezember entzog der König dem Comte de Soissons das Regiment, da er mit ihm äußerst unzufrieden wardie Gründe lagen jedoch nicht im militärischen Bereich, da der Comte hier keine Ambitionen hatte und verwandelte es in ein gewöhnliches Linienregiment, das den Namen „du Perche“ erhielt. 1691: Die Grenadiere des Regiments zeichneten sich bei der Belagerung von Mons dergestalt aus, dass es den Sergents gestattet wurde, als Ehrenzeichen eine Musketengabel zu führen.
Danach wurde die Einheit bei der Belagerung von Lüttich eingesetzt, bei der der Lieutenant-colonel de Clogny verwundet wurde. Am Ende des Jahres wurde Perche zur Rheinarmee versetzt und nahm mit dieser am Feldzug des Jahres 1692 teil.