Das Werk des deutschen Schriftstellers Karl May gehört zu den umfangreichsten und bekanntesten Sammlungen von Abenteuerromanen weltweit. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Figuren aus Karl Mays Werken vor.
Reiseerzählungen, Jugenderzählungen über Nordamerika und Spätwerk Nordamerika Hauptfiguren Old Shatterhand
Winnetou
Wichtige Begleiter Bloody Fox Bloody Fox (Blutiger Fuchs) ist eine Nebenfigur aus den Erzählungen Der Geist des Llano Estacado und Old Surehand I. Er ist ein junger Weißer, der als Kind einziger Überlebender eines Überfalls von Banditen auf seine Reisegruppe war. Er hat alle Erinnerung daran verloren, bis auf den aufgeschnappten Namen Fox, der ihm in Verbindung mit seiner Wunde zu seinem Namen verholfen hatte. Er wurde vom deutschen Aussiedler Helmers adoptiert, der eine Farm am Rande des Llano Estacado betreibt. Bloody Fox’ Lebensaufgabe besteht darin, die Räuberbande des Llano zu bekämpfen, die sogenannten Geier, die Durchreisende in die Irre führen, verschmachten lassen und ausrauben. Zu diesem Zweck streift er in der Kostümierung eines weißen Bisonfells durch die Wüste und tötet als Geier erkannte Personen mit Kopfschüssen, um so nach und nach die ganze Bande auszumerzen. Seine Erscheinung führte zu Mystifizierungen bei den Banditen und den Indianern bis hin zum Aberglauben an einen Geist, der an mehreren Stellen gleichzeitig auftaucht. Er hat mitten in der Wüste eine fruchtbare Oase entdeckt, die den sonstigen Wüstenanrainern unbekannt ist und die er als Stützpunkt für seine Streifzüge verwendet.
Dick Hammerdull & Pitt Holbers Auch Die verkehrten Toasts genannt, weil sie im Kampf immer Rücken an Rücken stehen. Dick Hammerdull wird als kurz und dick beschrieben; Pit Holbers als lang und dünn. Dieser Höhenunterschied wird jedoch durch ihre Pferde ausgeglichen, so dass sich ihre Köpfe beim Reiten auf einer Höhe befinden. Sie treten fast immer zusammen auf und sind, besonders im Hinblick auf ihre Unterhaltung, gut aufeinander eingespielt wie z. B. bei Hammerdulls ständiger Frage: „…, nicht wahr, Pitt Holbers, altes Coon?“ Woraufhin der alte Waschbär antwortet: „Wenn du denkst, lieber Dick, dass …, so scheinst du das Richtige getroffen zu haben.“ (Pitt Holbers spricht in der Regel nur, wenn Dick ihn etwas fragt und dann auch nur um ihm zuzustimmen.) Manchmal antwortet Dick dann nochmal in dieser Form: „Ob sein oder nicht sein, das bleibt sich gleich, wenn es nur ist.“
Die verkehrten Toasts kommen erstmals in der Erzählung Auf der See gefangen (1878/79) vor und haben später einen größeren Auftritt in Old Surehand II (1895, enthält die Haupthandlung von Auf der See gefangen; im Karl-May-Verlag (KMV) unter dem Titel Kapitän Kaiman veröffentlicht) und Old Surehand III (1896), sowie den Kurzgeschichten Old Cursing-Dry (Fehsenfeld und KMV Gott lässt sich nicht spotten (in Auf fremden Pfaden, 1897) und KMV ab 1951 Der Flucher) und Mutterliebe (1897/98, im KMV Die Söhne des Upsaroka). In den Roman Winnetous Erben wurden sie durch Auflösung der ursprünglichen Person Max Pappermann erst in einer späteren Bearbeitung durch den Karl-May-Verlag hineingeschrieben.
Dicker Jemmy & Langer Davy mini|links|Langer Davy und Dicker Jemmy, Illustration zur Erstausgabe von Der Sohn des Bärenjägers, 1887 Der Dicke Jemmy (Jakob Pfefferkorn) ist ein kleiner, dicker Westmann, der stets zusammen mit dem Langen Davy auftritt. Er stammt aus Deutschland und bestreitet oft anscheinend ernste, tatsächlich aber neckische Wortgefechte in sächsischem Dialekt mit dem Hobble-Frank. Der Lange Davy (David Kroners) ist Amerikaner (Yankee). Die beiden kommen vor in Der Sohn des Bärenjägers (1887), Der Geist des Llano estakado (1888, beide seit 1890 in Die Helden des Westens) und Der Schatz im Silbersee (1890/91).
Hobble-Frank Hobble-Frank (Heliogabalus Morpheus Edeward Franke) ist ein kleiner, schmächtiger, hinkender Westmann, der aus Moritzburg in Sachsen stammt, wo er Forstgehilfe war. Dort wohnt er (wenn er sich nicht in den Vereinigten Staaten aufhält) in seiner Villa Bärenfett und schreibt für die Jugendzeitschrift Der gute Kamerad (eine Anspielung auf eine tatsächlich einmal existierende Zeitschrift, für die Karl May schrieb). Hobble-Frank wurde von Karl May auch als Pseudonym zur Veröffentlichung von Texten verwendet: u. a. „Villa Bärenfett“ (1889), Der Schlangenmensch (1890).
Seinen Spitznamen (engl. ‚humpeln‘) hat Hobble-Frank, seit ihm ein Oglala-Indianer durch den Fuß geschossen hat (Der Sohn des Bärenjägers, im KMV erster Teil des Buches Unter Geiern). Er ist der Vetter von Tante Droll. Er bestreitet oft anscheinend ernste, tatsächlich aber neckische Wortgefechte in sächsischem Dialekt mit dem Dicken Jemmy oder Tante Droll; mitunter passieren ihm lustige Missverständnisse klassischer Zitate oder Begriffe („Elise“ statt „Elysium“). Der Hobble-Frank kommt in mehreren Jugenderzählungen vor und entwickelte sich zu einer äußerst beliebten Figur. Durch ihn transportiert Karl May verschiedentlich Informationen an seine (jugendlichen) Leser. Der Hobble-Frank ist eine der wenigen Hauptfiguren, die sich nicht immer sklavisch an die Weisungen der Überhelden Old Shatterhand, Winnetou und Old Firehand halten und auch mitunter ihren eigenen Kopf durchsetzen. Dieser Aspekt ging in den Bearbeitungen des KMV teilweise verloren.
Erzählungen mit Hobble-Frank: Der Sohn des Bärenjägers (1887), Der Geist des Llano estakado (1888, beide seit 1890 in Die Helden des Westens), Der Schatz im Silbersee (1890/91), Der Oelprinz (1893/94, Buchausgaben ab 1905 u. d. T. Der Ölprinz), Der schwarze Mustang (1896/97) und Der Schlangenmensch.
Old Firehand Old Firehand trägt diesen Namen, weil er einer der besten Schützen ist. In der gleichnamigen Erzählung (1875, die überarbeitete Fassung Im fernen Westen (1879) wurde später nochmals überarbeitet als zweiter Teil der Reiseerzählung Winnetou II (1893) aufgenommen), wird er als Riese beschrieben, der schon „den Sommer des Lebens hinter sich hat“. Er war in Deutschland Oberförster. Er wanderte mit seiner (ersten) Frau in die USA aus. Nachdem seine Frau während der Überfahrt gestorben war, ließ er seinen Sohn bei einer wohlhabenden Familie im Osten zurück, um im Westen sein Glück zu machen.
Er ist ein Freund von Winnetou. Im 2. Teil von Winnetou lernt er Old Shatterhand kennen. Old Firehand ist, wie Old Shatterhand und Winnetou, ein Perfektionist, der aber, wenn es um seine tragische Vergangenheit geht, voreilig handelt, was jedoch selten vorkommt. Im Roman wird erzählt, dass sich Old Firehand, wie Winnetou, in Ribanna, die Tochter des Häuptlings Tah-scha-tunga der Assineboins, verliebte und sie heiratete. Sie bekamen zusammen einen Sohn, Harry. (In der Urfassung der Geschichte ist es eine Tochter Ellen.) Ribanna und eine weitere Tochter werden ermordet.
Der in der Jugenderzählung Der Schatz im Silbersee (1890/91) auftretende Old Firehand ist zwar von vergleichbarer Körperform, wird aber als lediglich etwa 40 Jahre geschildert und heißt Winter (ohne Erwähnung eines Vornamens).
Trotz des gleichen Namens lassen sich die beiden Figuren, aufgrund der ursprünglich unterschiedlichen Lesergruppe der beiden Werke, nicht gänzlich miteinander in Übereinstimmung bringen.
Im Rahmen der Gesammelten Werke taucht Old Firehand in zwei weiteren Bänden auf: Joe Burkers, das Einaug (in Halbblut, 1916, seit 1997 nicht mehr enthalten), eine Kompilation aus Die Both Shatters (1882) und Ein Oelbrand (1882/83). Der anonyme Ich-Erzähler bzw. Old Shatterhand wurde zu Old Firehand umgeschrieben. Im Tal des Todes (1934), eine Bearbeitung des Kolportageromans Deutsche Herzen – Deutsche Helden (1885–1887).
Im Karl-May-Film Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966) wird er von dem kanadischen Schauspieler Rod Cameron gespielt, der dem Vorbild von Karl May aber nicht nahekommt. Im Film soll er privat Jason Waade heißen, was auf die Hauptfigur des ursprünglichen, amerikanischen Drehbuches zurückgeht, das keinen Bezug zu Karl May hatte. Eigentlich hätte Old Firehand auch die Hauptrolle in der Verfilmung von Der Schatz im Silbersee spielen müssen. Die Produzenten hielten es jedoch für besser, zuerst Old Shatterhand als Hauptfigur einzuführen, und ließen die Geschichte einfach umschreiben.
Old Surehand & Apanatschka Old Surehands eigentlicher Name ist Leo Bender. Er spielt in den Reiseerzählungen Old Surehand I und III (1894 bis 1896 herausgegeben) die Hauptrolle und tritt auch am Ende von Band II auf. Sein Name soll bedeuten, dass er mit seiner Gewehrkugel jedes Ziel zu treffen vermag. Im Buch wird er als wahrer Riese von Gestalt mit braunen langen Haaren beschrieben, dessen Muskeln und Sehnen in völliger Harmonie zueinander stehen.
Apanatschka (christlicher Name: Fred Bender) ist der Bruder Old Surehands, lebt aber als angenommenes Kind seiner Tante Tokbela bei den Komanchen als Häuptling.
Beide lernen sich erst im Verlauf des Romans kennen; ihre Verwandtschaft wird erst im dritten Band durch Old Shatterhand enthüllt. Von der Vorgeschichte erfährt der Leser erst nach und nach: Die Familie Bender wurde vor Jahrzehnten durch tragische Ereignisse getrennt. Beider Vater war ein „Bleichgesicht“, die Mutter ist eine getaufte Indianerin, die mit christlichem Namen Emily Bender heißt, sich jedoch, als männlicher Indianer verkleidet, Kolma Puschi (auch Putschi, „Dunkles Auge“) nennt und ihre beiden verschollenen Söhne sucht. Während Old Surehand sich noch an die Ereignisse erinnert und auf der Suche nach Mutter, Tante und Bruder ist, wird Apanatschka später von den Enthüllungen überrascht. Erst Old Shatterhand erkennt nach über dreißig Jahren die Zusammenhänge und bringt die Familie wieder zusammen.
In Winnetou IV werden beide Brüder noch einmal erwähnt: Old Surehand und Apanatschka sind reiche Pferdezüchter und haben beide eine Mescalero-Apachin geheiratet. Ihre Söhne heißen Young Surehand und Young Apanatschka.
Im Karl-May-Film Old Surehand 1. Teil wird Old Surehand vom Hollywood-Schauspieler Stewart Granger verkörpert. Die Filmhandlung ist nur sehr frei nach Karl May gestaltet und hat mit dem Buch nichts zu tun. Im Film soll Old Surehand privat Johnny Garden heißen. Die beiden anderen Old-Surehand-Romane wurden nicht verfilmt.
Sam Hawkens mini|Sam Hawkens auf seinem Maultier Mary und Kantor Matthäus Aurelius Hampel, Illustration (1893/94) von Oskar Herrfurth Sam Hawkens ist der Gefährte und erster Wildwest-Lehrer des Ich-Erzählers, der in seiner Anwesenheit den Namen Old Shatterhand erhält, und begleitet diesen auf seinem ersten, aber auch bei späteren Abenteuern (Old Firehand (1875), Der Oelprinz (1877, nicht identisch mit der Jugenderzählung), Im fernen Westen (1879), Winnetou I (1893), Winnetou II (1893), Der Oelprinz (1893/94, Buchfassungen seit 1905 als Der Ölprinz)).
Hawkens ist ein kleiner, humorvoller Mann, dennoch mutig und treu. Er wurde von Indianern skalpiert und trägt deshalb eine Perücke, was gelegentlich Anlass zu heiteren Situationen gibt. Sein Gewehr Liddy, das mehr einem Prügel als einem Gewehr gleicht, sein Maultier Mary und seine ständige Redewendung „wenn ich mich nicht irre, hihihihi“ sind seine Erkennungszeichen. Er bezeichnet Old Shatterhand meistens als Greenhorn, muss von diesem aber immer wieder aus heiklen Situationen gerettet werden und sorgt häufig dafür, dass Pläne schiefgehen. In Winnetou I gelingt es auf Grund seines Planes in Zusammenarbeit mit den Kiowas, die Apachen zu überlisten.
In der Jugenderzählung Der Oelprinz wird Sam Hawkens als Deutscher geschildert, der eigentlich Samuel Falke heißt; in Old Firehand ist Hawkens die deutsche Sprache nicht fremd, seine Herkunft wird aber nicht thematisiert. In der Buchfassung von Der Oelprinz, 1897, wurde die Herkunft konkretisiert, er stammte nun aus Sachsen.