Der Kupfer-Rosenkäfer (Protaetia cuprea), auch Variabler Rosenkäfer genannt, ist ein Käfer aus der Unterfamilie der Rosenkäfer, die zur Familie der Blatthornkäfer gehört. Die Gattung Protaetia ist in Europa mit fünf Untergattungen vertreten. Der Kupfer-Rosenkäfer wird zur Untergattung Netocia gerechnet, die mit 18 Arten in Europa vertreten ist. Die Art Protaetia cuprea ist ungewöhnlich variabel, man unterscheidet neun Unterarten, aus Menorca wird eine neue Unterart cuprea ferreriesensis gemeldet.

Im deutschen Sprachraum und in Mitteleuropa allgemein ist Protaetia cuprea metallica die vorherrschende Unterart, das Verbreitungsgebiet der Stammform Protaetia cuprea cuprea strahlt von Italien in die Schweiz ein, die in Frankreich verbreitete Unterart Protaetia cuprea bourgini findet sich auch im Südwesten von Deutschland und die im Südosten von Europa beheimatete Unterart Protaetia cuprea obscura erreicht auch Österreich und die Schweiz.

Wie alle Arten der Gattung Protaetia ist auch der Kupfer-Rosenkäfer in der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt (in der Anlage 1 durch ein + gekennzeichnet). In den Roten Listen von Sachsen-Anhalt ist er als gefährdet (Kategorie 3) eingestuft.

Bemerkungen zum Namen

Der Käfer wurde bereits 1775 von Fabricius unter dem wissenschaftlichen Namen Cetonia cuprea als 24. Art der Gattung Cetonia beschrieben. Die Beschreibung des Käfers durch Fabricius auf Lateinisch beginnt C. cuprea nitida (lat. eine glänzend kupferfarbene Cetonia ). Der Artname (cúprĕus = kupferfarben) nimmt folglich wie auch der deutsche Name Kupfer-Rosenkäfer auf die Farbe des Käfers Bezug. Diese variiert jedoch beträchtlich, was im Namen Variabler Rosenkäfer zum Ausdruck kommt.

Die heute auf Grund genitalmorphologischer Merkmale als Unterart Protaetia cuprea metallica geführte in Mitteleuropa vorherrschende Form wurde 1784 von Herbst als neue Art (durch einen Stern gekennzeichnet) unter dem Namen Cetonia metallica beschrieben. Dabei weist Herbst auf seine früheren Bemerkungen im Neuen Entomologischen Magazin zu dem Käfer hin. Von manchen Autoren wird die Form weiterhin als Art betrachtet. Der Name metallica von lat. metállicus, metallisch, spricht auf die metallische Farbe des Käfers an. Herbst beschrieb 1790 auch die Unterart Protaetia cuprea cuprea als Art unter dem Namen Cetonia florentina (lat.: bei Florenz vorkommende Cetonia).

Achille Costa zerlegte die Gattung Cetonia 1852 in die drei Untergattungen Cetonia, Tecinoa und Netocia. Dabei sind Tecinoa und Netocia Anagramme von Cetonia. Der Name der Untergattung Netocia, zu der der Kupfer-Rosenkäfer gehört, sagt also nichts über die Eigenschaften der Untergattung aus.

Von Mulsant & Rey wurde 1871 die Gattung Cetonia ebenfalls aufgeteilt und dabei die Untergattung Potosia definiert, welche von Reitter als Gattung übernommen und wieder in Untergattungen zerlegt wurde. In der Literatur ist der wissenschaftliche Name Potosia cuprea für den Kupfer-Rosenkäfer weit verbreitet. Nach Schenkling ist der Name Potosia von altgr. πότος „pótos“ für „Getränk“ abgeleitet und spielt darauf an, dass die Tiere an ausfließendem Baumsaft zu finden sind. Die Gattung Protaetia wurde von Burmeister 1842 aufgestellt und der Gattungsname von ihm selbst erläutert (von altgr. πρωταίτιος „protaitios“, lat. „principalis“, also „erster, kaiserlicher“).

Merkmale des Käfers x170pxx170pxAbb. 1 links: Käfer mit wenig Makeln, Mitte: gleicher Käfer von unten, rechts: Käfer mit reicher Zeichnungx100pxx100pxAbb. 2 Mesosternalfortsatz, links in Aufsicht (rechte Bildhälfte teilweise getönt), rechts von der Seite gesehen (Umrisse ge-strichelt nachgezeichnet); grün Mesosternalfortsatz, gelb: Teile des linkes mittleren Beinesx100pxx100pxAbb. 3 Seitenrand des HalsschildsAbb. 4 Eindruck auf der rech-ten Flügeldecke, unten Nahtx117px175pxAbb. 5 KopfAufsichtAbb. 6 Hinterschenkel(rechts Schiene)x175pxx175pxx175pxAbb. 7: Aedeagus links in Aufsicht mit rechtsseitig getönter Kopie, in der Mitte in Seitenansicht, undrechts von vorn mit teilweise gefärbter Kopie darunter;getönt grün: Lamina interior, blau: Lamina exterior,rot: Basisstück, weiß: Dorsalspalte; gelber Pfeil: Zähnchen; gelbe Linie: Falte;blauer Pfeil und weiße Linie rechts unten: Spalte zwischenLamina interior und Lamina exteriorgrüner Pfeil und grüne Linie: Überlappung der Laminae Mit einer Länge von 14 bis 23 Millimetern ist der Käfer ein großer Rosenkäfer, aber im Durchschnitt kleiner als der Große Rosenkäfer. Er ist wenig gewölbt und oberseits kahl. Die Oberseite ist entweder einfarbig (Bild im Informationskasten) und der Käfer kann dann mit Protaetia affinis, mit Protaetia angustata oder kleinen Exemplaren des Großen Rosenkäfers verwechselt werden. Oder die Oberseite trägt wenige oder zahlreiche weiße Flecke (Makel) (Abb. 1), dann ist die Art leicht mit dem Goldglänzenden Rosenkäfer, mit Protaetia fieberi oder mit Liocola lugubris zu verwechseln. Die Grundfarbe der Oberseite ist meist leicht glänzend grün, sie kann aber von hellgrün und dunkelgrün über kupferrot bis dunkel violett variieren. Im Vergleich zur Oberseite ist die Unterseite gewöhnlich dunkler und gegen violett gehend, ebenso die Beine und manchmal der Rand des Halsschilds und die zwischen dem Halsschild und den Schultern der Flügeldecken von oben als Keil sichtbaren Epimeren der Mittelbrust.

Der Kopfschild ist viereckig, sein Vorderrand ist aufgebogen und ausgebuchtet. Seitlich ist er über den Fühlern ausgeschnitten, sodass deren Einlenkungsstelle von oben sichtbar ist. Die Fühler sind zehngliedrig, die letzten drei Glieder sind nach vorn lamellenartig verlängert und bilden gemeinsam eine Keule. Die Stirn ist zwischen den Augen kräftig, einfach und mäßig dicht punktiert (Abb. 5). Damit unterscheidet sie sich in der Punktierung von Protaetia affinis, bei der der Abstand der Punkte zueinander an dieser Stelle deutlich kleiner ist und von Protaetia fieberi, die insgesamt überall gröber und dichter punktiert ist.

Der Halsschild ist vorn gleichmäßig gewölbt, nicht wie beim Großen Rosenkäfer in der Mitte buckelig erhöht. Der Halsschildseitenrand ist in der Mitte und hinten breit, nach vorn wird er schmaler, erreicht aber die Vorderecken (Abb. 3), während bei Liocola lugubris der Halsschildseitenrand vor Erreichen der Vorderecken erlischt. Farblich hebt sich der Seitenrand häufig violett gegenüber dem grünen Halsschild ab. Die Halsschildbasis ist dreifach ausgerandet, nämlich vor dem Schildchen und beidseitig neben dieser mittleren Einbuchtung. Das Schildchen ist länglich mit abgerundeter Spitze.

Die Flügeldecken sind um das Schildchen sehr fein und sehr zerstreut punktiert, nach hinten und zu den Seiten wird die Punktierung dichter und kräftiger. Die Flügeldecken sind ab der Mitte nach hinten neben der Naht flach längs eingedrückt. Das Vorderende des Eindrucks zeigt einen merkbaren Niveauunterschied zum davor liegenden Abschnitt der Flügeldecken (Abb. 4) und geht nicht unmerklich in diesen über wie bei Protaetia aeruginea. Im Bereich dieses Eindrucks ist die Punktierung dichter und kräftiger, die Punkte sind rundlich bis hufeisenförmig, und bilden mehr oder weniger deutliche kurze Reihen. Die Flügeldecken (Elytren) sind nach dem Schlupf aus der Puppe noch getrennt und werden durch Hämolymphe aufgepumpt und in Form gebracht. Die Innenränder entlang der Naht sind dabei so beschaffen, dass die rechte Elytre eine Feder und die linke Elytre die dazu passende Nut bildet, wodurch die beiden Flügeldecken ineinander haken und so eine sehr solide Verbindung bilden können. Das Schildchen ist symmetrisch geformt mit einer Leiste an der Unterkante, auf der die Flügeldecken nahe dem Halsschild aufliegen. Diese Leiste verschwindet ab der Mitte unter dem Schildchen, wodurch die Schildchenspitze auf den Elytren aufliegen kann und diese nach oben begrenzt, sodass ein starkes Anheben verhindert und somit zur Stabilität der Verbindung beigetragen wird. Das Trennen der einzelnen Deckflügel voneinander ist reversibel. Die Hinterflügel werden zum Fliegen durch leichtes Anheben der Flügeldecken entfaltet und während des Fluges bei geschlossenen Flügeldecken durch eine Aussparung am Rand der Flügeldecken bewegt.

Die Mittelbrust setzt sich zwischen den Hüften des mittleren Beinpaars nach vorn fort. Die Form, Punktierung und Behaarung dieses Mesosternalfortsatzes (Abb. 2) liefern wichtige Bestimmungsmerkmale. Der Mesosternalfortsatz erhebt sich nicht nach vorn über die Ebene der Mittelhüften hinaus zu einem runden Knauf wie bei der Gattung Cetonia, sondern verbreitert sich auf gleicher Ebene oder sogar etwas niedergedrückt nach vorn bis zum wenig gerundeten Vorderrand, vor dem er steil abfällt. In Aufsicht (Abb. 2 oben) endet er breit dreieckig, von der Seite betrachtet (Abb. 2 unten) steht er nach vorn über. Er ist nicht dicht und grob punktiert wie bei Protaetia morio und Protaetia hungarica, sondern glatt bis sehr zerstreut und fein punktiert. Er ist im Unterschied zu oben genannten Arten kahl (die am Vorderrand erscheinende Behaarung entspringt unterhalb des Mesosternalfortsatzes). Die Größe des Mesosternalfortsatzes und der Grad, in welchem er nach vorn die Mittelbrust überragt, ist bei den verschiedenen Unterarten verschieden, bei den mitteleuropäischen und nordeuropäischen Formen ist er klein und wenig nach vorn vorragend, bei den südlichen Formen dagegen groß und stark vorstehend.

Alle Schienen tragen einen auffällig weiß behaarten Fleck auf dem Knie (in Abb. 3 ist er am mittleren Bein sichtbar, am Vorderbein nicht), der jedoch bei gestreckten Beinen von der Schiene verdeckt werden kann, bei fettenden Sammlungsexemplaren nicht immer leicht zu erkennen ist und auch fehlen kann. Die Vorderschienen sind in beiden Geschlechtern dreizähnig. Die Hinterschienen tragen nur eine Querleiste, die außen etwas hinter der Mitte liegt.

Der Innenrand der Hinterschenkel (in Abb. 6 der untere Rand) ist leicht geschwungen, aber nicht wie bei Protaetia affinis im äußeren Drittel etwas zahnartig ausgezogen und dahinter in Richtung auf das Knie ausgeschnitten. Die Hinterschenkel sind auch nicht kahl wie bei Protaetia affinis, sondern bewimpert.

Das Pygidium ist wenig gewölbt und raspelartig punktiert. In beiden Geschlechtern besitzt es keine seitlichen Längseindrücke. Beide Geschlechter haben keine Längsfurche auf der Unterseite des Hinterleibs.

Wie in vielen Fällen unterscheiden sich die männlichen Geschlechtsteile (Aedeagus Abb. 7) bei den äußerlich sehr ähnlichen Arten deutlich. Bei allen Arten der Gattung sitzen dem Basisteil (in Abb. 7 rot getönt) zwei Seitenteile (Parameren) auf, die den Penis umschließen. Beim Kupfer-Rosenkäfer sind die Parameren glänzend rot- bis schwarzbraun und nicht breit und gedrungen, sondern gestreckt und etwa 2,5 mal so lang wie der Aedeagus breit. An den Parameren unterscheidet man ein eher seitlich gelegenes äußeres Blatt (Lamina exterior, in Abb. 7 rechts und links unten blau getönt) und ein überwiegend oben liegenden inneres Blatt (Lamia interior in Abb. 7 rechts und links unten grün getönt). Von oben betrachtet ist das äußere Blatt nur nahe der Basis als schmaler Streifen und im vorderen Drittel als breiter Streifen sichtbar. Die beiden Blätter sind miteinander verwachsen, nur an der Spitze durch eine kurze Spalte voneinander getrennt (in Abb. 7 rechts weiß, in Abb. 7 Mitte kaum sichtbar, blaue Pfeilspitze). Der Endabschnitt des Aedeagus ist durch das nach außen mehr oder weniger als Zähnchen (in Abb. 7 links und Mitte gelbe Pfeilspitze) abstehende Ende einer Schrägfalte der Lamina exterior (in Abb. 7 links und Mitte gelbe Linie) optisch gut vom übrigen Aedeagus abgesetzt und erinnert an die Form der Kupplung eines Fahrradanhängers.