hochkant=1.4|mini|Stadthalle Freiburg als Ausweichquartier für die Universitätsbibliothek Die Freiburger Stadthalle wurde 1954 als Mehrzweckhalle im Stadtteil Wiehre der Stadt Freiburg im Breisgau errichtet.
Geschichte Nachdem die zwischen 1846 und 1854 nach Plänen von Friedrich Eisenlohr erbaute Kunst- und Festhalle am Stadtgarten von Freiburg während des Bombenangriffs am 27. November 1944 zerstört worden war, wurde in den frühen 1950er Jahren die Nachfrage nach einem größeren Veranstaltungsort für Konzerte, Sportveranstaltungen, Bürgerbegegnungen, Kongresse und Ausstellungen immer größer, so dass sich der Stadtrat auf Drängen des damaligen Oberbürgermeisters Wolfgang Hoffmann entschloss, ein solches Gebäude errichten zu lassen. Ein erster Wettbewerb brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Im zweiten Anlauf wurde nach langen Beratungen der Entwurf des Bauingenieurs und Architekten Albert Maria Lehr zur Ausführung ausgewählt.
Am 3. April 1954 wurde mit dem Bau begonnen und bereits am 12. September 1954 konnte die Halle mit der Egmont-Ouvertüre, gespielt vom Philharmonischen Orchester zur Eröffnung einer Tagung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte in Betrieb genommen werden. Die Gesamtbaukosten betrugen weniger als 2,5 Millionen DM (Voranschlag: 2.160.000 DM).
Genutzt wurde die Halle für größere Konzerte, für Sportveranstaltungen, Kongresse, für Ausstellungen, Bälle, Fernsehshows und Parteitage. Beispielsweise fanden hier mehrere Bundesparteitage der FDP statt (1968, 1971, 1972); 1968 fand vor der Halle eine spontane Diskussion zwischen dem Studentenführer Rudi Dutschke und dem liberalen Professor Ralf Dahrendorf statt, 1971 wurden dort die so genannten Freiburger Thesen verabschiedet, mit denen die FDP sich damals in Richtung eines Sozialen Liberalismus orientierte.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entstanden in der Stadt nach und nach für die verschiedenen Nutzungen spezialisierte Gebäude, etwa eine große Sporthalle, das Konzerthaus Freiburg und ein neues Messe- und Ausstellungsgelände im Westen der Stadt neben dem Flugplatz Freiburg. Als dann der Messplatz für eine Bebauung freigegeben wurde, bedeutete dies 2006 das Ende der Stadthalle als Veranstaltungsort. Ein Abbruch zugunsten von Wohnbebauung drohte, doch das Gebäude wurde als stadtteilprägendes Bauwerk wegen seines „dokumentarischen und exemplarischen Werts für die Architektur von Mehrzweckhallen in den frühen 1950er Jahren“ im Jahr 2009 unter Denkmalschutz gestellt.
Von Sommer 2004 bis Ende 2006 betrieb ein Freiburger Gastronom im Restaurantbereich die Bar Freiburg im Stil der 1970er Jahre. Da die Universität sie ab 2007 von der Stadt pachtete, hätte sie wegen des Gewerbebetriebs auf die ganze Pacht Mehrwertsteuer zahlen müssen. So gab es ab 2008 eine vom Studierendenwerk betriebene Cafeteria.
Von 2008 bis 2015 wurde das Gebäude nach Umbauten im Inneren als Ausweichquartier für die Universitätsbibliothek genutzt. Deren Gebäude auf dem Innenstadtcampus wurde wegen zu erwartender hoher Sanierungskosten bis auf die Treppenhäuser und Tiefgeschosse abgetragen und neu errichtet.
Nach Ende dieser Nutzung gab es erneut Raumbedarf in der Stadt, durch die im Jahr 2015 in großer Zahl nach Deutschland geflüchteten Menschen aus dem nahen und mittleren Osten. Erneut musste umgebaut werden, damit in der Halle etwa 400 Flüchtlinge Platz finden konnten. Im Dezember 2016 wurde die Stadthalle als Flüchtlingsunterkunft – da nicht mehr benötigt – zunächst geschlossen; für möglicherweise erneuten Bedarf an Notunterkünften wird sie aber vorerst weiter bereitgehalten.
Von Herbst 2020 an nutzte die Freiburger Musikschule 15 Räume im hinteren Teil der Stadthalle.
Ende des Jahres 2022 wurde die Halle aufgrund von Mängeln in der Statik geschlossen. Es wird untersucht, ob die Stadthalle saniert werden kann oder eine anderweitige Nachnutzung in Betracht kommt. Die Nutzung des Gebäudes als Pflegeheim der Heiliggeistspitalstiftung durch die Errichtung eines Neubaus im Inneren zur Stabilisierung der Statik, wurde verworfen, nachdem ein Neubau an anderer Stelle priorisiert wurde.
Baubeschreibung Der trapezförmige Stahlskelettbau mit einer nach Nordwesten ausgerichteten, völlig verglasten Fassade steht am östlichen Rand des Stadtbezirks Oberwiehre, am Rand des Alten Messplatzes. Das Gebäude ist 18,3 m hoch, knapp 70 Meter lang, auf der Fassadenseite 81,6 m und auf der Rückseite 46,3 m breit. Im Inneren befinden sich neben der großen Parkettfläche eine Bühne mit Orchestergraben, eine Empore, eine große Eingangshalle, verschiedene Nebenräume, ein Keller und unter der Bühne ein Restaurantbereich. Die Halle bot 3600 Sitzplätze, bei Sportveranstaltungen 2000 Sitzplätze und 800 Stehplätze.
Das äußere, fächerförmige Erscheinungsbild entsteht durch die außen liegenden Stahl-Binder, an denen die Dachkonstruktion aufgehängt ist, ein eher seltenes Konstruktionsprinzip, das auch vom Architekten Mies van der Rohe vereinzelt praktiziert wurde. Jedoch wurde das Dach immer wieder undicht, so dass bisweilen Planen unter das Dach gespannt wurden oder Besucher umgesetzt werden mussten.
In der großzügigen Eingangshalle sind die Seitenwände mit halb-abstrakten Fresken des Freiburger Künstlers Rudolf Kaufhold geschmückt, die Pfeiler gestaltete der Freiburger Bildhauer Karl Rißler mit Figuren in Steinschnitt, die sich auf die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten der Halle beziehen.
Anbindung Die Stadthalle befindet sich an der Haltestelle Musikhochschule der Straßenbahnlinie 1. Dort befindet sich auch eine Haltestelle des Fahrradverleihsystems Frelo. Der FR 8 entlang der Schützenallee verläuft an der Stadthalle vorbei, zum Dreisamradweg FR 1 besteht eine Unterführung unter der Straßenbahnlinie.
Einzelnachweise
Weblinks
Literatur Stadtverwaltung Freiburg im Breisgau (Hrsg.): Stadthalle Freiburg im Breisgau. (Festschrift zur Übergabe der Halle). Freiburg, o. J. (1954)
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