mini|Eggolsheim, gut zu erkennen ist die katholische Pfarrkirche St. Martin (2007). mini|Eggolsheim, Luftbild 2021
Eggolsheim ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Forchheim und liegt am Westrand der Fränkischen Schweiz im Regnitztal.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt östlich der historischen Nord-Süd-Verbindung von Main und Donau, des Ludwig-Donau-Main-Kanals, des Vorläufers des heutigen Main-Donau-Kanals. Der Markt grenzt im Norden an den Landkreis Bamberg und im Süden an die Große Kreisstadt Forchheim.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind:
Gemeindegliederung Die Gemeinde Eggolsheim hat 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bammersdorf, Drosendorf a.Eggerbach, Drügendorf, Eggolsheim, Götzendorf, Kauernhofen, Neuses a.d.Regnitz, Rettern, Tiefenstürmig, Unterstürmig und Weigelshofen. Die Gemarkung Eggolsheim hat eine Fläche von 12,548 km². Sie ist in 3024 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Schirnaidel.
Geschichte Urnenfelderzeit Grabfunde belegen eine Siedlungsgeschichte bis in die Urnenfelderzeit um 1200 vor Christus. Ein Adelsgrab aus dieser Epoche wurde im Jahr 1982 ergraben. Es enthielt reiche Grabbeigaben, etwa ein zerbrochenes Bronzeschwert, ein Messer und eine Gewandnadel. Die Grabmulde war mit Steinplatten ausgekleidet. Über dem Grab befand sich ein Erdhügel von 23 Metern Durchmesser und vermutlich ursprünglich 6 Metern Höhe. Der Bestattete war etwa 40 Jahre alt geworden. Er muss mit der damaligen Siedlung auf der Ehrenbürg in Kontakt gestanden haben, was durch die metallurgisch nachgewiesene Zusammensetzung von Nieten seines Schwertgehänges belegt ist. Diese ist mit Bronzeresten identisch, die auf der Ehrenbürg gefunden wurden.Abels, Sage, Züchner, S. 96 ff.
Latènezeit mini|Grabbeigaben aus zwei Eggolsheimer Reihengräbern des 7. Jahrhunderts, ausgestellt im Archäologiemuseum Oberfranken in Forchheim Seit dem ersten vorchristlichen Jahrhundert (Latènezeit) wanderten Germanen in die bis dahin von Kelten besiedelten Gebiete ein. Germanische Siedlungsfunde in Eggolsheim sind bereits aus der Zeit vor Christi Geburt bekannt.Abels, Sage, Züchner, S. 164, 166
Mittelalter Grabbeigaben der Merowingerzeit wurden im Gebiet Eggolsheim-Neuses ausgegraben. Dazu gehören ein Schildbuckel, eine Lanzenspitze, die Bruchstücke einer Sax-Aufhängung und ein Messer. Diese Ausrüstungsgegenstände sind vermutlich dem späten 7. Jahrhundert, zumindest aber der späten Merowingerzeit zuzuordnen.Abels, Sage, Züchner, S. 188 Daneben gab es weitere Funde, etwa eine Goldfibel aus der Merowingerzeit um 600 nach Christus. Auch aus der anschließenden karolingischen und ottonischen Zeit ist in Eggolsheim ein relativ großes Reihengräberfeld bezeugt. Eine frühmittelalterliche Wehranlage (Ringwall Schießberg) befand sich auf dem Schießberg bei Unterstürmig zwischen Eggolsheim und Buttenheim.Abels, Sage, Züchner, S. 244 f.
mini|Urkunde des Kaisers Heinrich II. aus dem Jahr 1002 mit der ersten Erwähnung Eggolsheims (fünfte Zeile, drittes Wort: „Eggoluesheim“) Die ältesten Erwähnungen des Ortes stammen aus Schenkungsurkunden der Jahre 750 bis 802. Im Jahr 1002 wurde Eggolsheim als „Eggoluesheim“ in einer Urkunde König Heinrichs II. genannt, als es mit dem Forchheimer Kirchengut gemeinsam mit Erlangen („Erlangon“) dem neu gegründeten Stift Haug bei Würzburg übertragen wurde. Als Markt wurde Eggolsheim erstmals im Jahr 1343 erwähnt.Andraschke, S. 13
Neuzeit Der Markt gehörte bis zur Säkularisation 1803 zum Hochstift Bamberg, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag. Seitdem ist der fränkische Ort Teil des Landes Bayern.
Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurden am 1. Juli 1972 die Gemeinden Bammersdorf, Drosendorf am Eggerbach, Eggolsheim, Kauernhofen, Neuses an der Regnitz, Rettern, Unterstürmig und Weigelshofen zur neuen Gemeinde Eggolsheim zusammengeschlossen. Am 1. Mai 1978 kamen Drügendorf, Götzendorf und Tiefenstürmig hinzu.
Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Jägersburg, Luftaufnahme 2013
Bekannte Sehenswürdigkeiten sind: die von 1827 bis 1844 von Franz Joseph Schirlinger erbaute Pfarrkirche St. Martin mit einem gotischen Turm von 1305, einem für Landkirchen der Region sehr ungewöhnlichen Portal von Leo von Klenze und Deckengemälden von Kaspar Schleibner die Jägersburg, ein barockes Jagdschloss der Bamberger Fürstbischöfe
Ortsname Der Ortsname wandelte sich von Eggoluesheim (1002) über Eggolvesheim (1017), Ekkolczheim (1326 bis 1328), Eckoltzheim (1385) und Eckolshaim prope (bei) Bamberg, bis er 1747 erstmals Eggolsheim, aber auch Eggoldsheim, Eckoldsheim ol. (einst), Eckoldishemum und Eggoldesheime geschrieben wurde.Reitzenstein, S. 61
Das Grundwort ist das althochdeutsche -heim (oder -haim) als Kurzform von heima für Wohnung, Behausung, Heimstatt oder Aufenthaltsort. Das Bestimmungswort im Ortsnamen ist der männliche Personenname Egolf, der sich von den im 6. bis zum Ende des 8. Jahrhunderts in Süddeutschland herrschenden Agilolfingern und damit vom Namen des Suebenfürsten Agilulf ableitet.Maas, S. 63
Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2026 Georg Eismann (CSU). Zuvor war Claus Schwarzmann (BB/OEB/AS) 30 Jahre lang im Amt. Er folgte auf Josef Eismann (CSU), der seit 1970 Bürgermeister war.
Marktgemeinderat 2002 2008 2014 2020 2026 CSU55545 SPD/Unabhängige Wähler (UW)110n. k.n. k. Bürgerbund (BB)33432 Freie Wähler (FW)22221 Oberer Eggerbachbund (OEB)32233 Bammersdorfer Bürgergemeinschaft (BBG)22222 Junge Bürger (JB)12122 Wählergruppe Neuses/Bahnhofsiedlung Eggolsheim (WG-NBE)12112 Wählergruppe Eggolsheim-Unterstürmig-Kauernhofen (WG-EUK)11111 Aktive Senioren (AS)n. k.n. k.11n. k. Junge Marktgemeinde (JM)n. k.n. k.1n. k.n. k. Freie Wählergruppe der Außenorte1n. k.n. k.n. k.n. k. Bündnis 90/Die Grünenn. k.n. k.n. k.12* Summe2020202020 *2026 gemeinsame Liste "Grüne/SPD"
Bundestag, Landtag, Bezirkstag und Kreistag Eggolsheim gehört bei Bundestagswahlen zum Wahlkreis Bamberg (Wahlkreis 236), der neben dem Westteil des Landkreises Forchheim noch die Stadt Bamberg sowie den Süden des Landkreises Bamberg umfasst. Bei der Wahl 2025 ist Thomas Silberhorn (CSU) direkt gewählter Abgeordneter.
Für die Landtagswahlen umfasst der Stimmkreis Forchheim (Stimmkreis 405), in dem Eggolsheim liegt, den Landkreis Forchheim. Bei der letzten Wahl 2023 direkt gewählter Abgeordneter ist Michael Hofmann (CSU).
Der Stimmkreis für den Bezirkstag von Oberfranken ist mit dem Landtagsstimmkreis identisch, die Wahl findet gleichzeitig statt. Direkt gewählter Abgeordneter ist Ulrich Schürr (CSU).
Auch im Kreistag des Landkreises Forchheim (letzte Wahl 2026) ist Eggolsheim regelmäßig mit Abgeordneten vertreten.
Wappen
Partnerschaften Unter dem Motto „Wir sind Partner in Europa“ pflegen die drei Gemeinden Eggolsheim, Cavedine (Italien) und Jászszentlászló (Ungarn) partnerschaftliche Beziehungen. Dabei findet u. a. Jugendaustausch statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Im Bereich des Marktes gibt es über 300.000 Quadratmeter Industrie- und Gewerbeflächen.
Im Markt Eggolsheim gibt es die Brauereien Först in Drügendorf und Pfister in Weigelshofen, die für ihre Biere nur Zutaten aus ökologischer Landwirtschaft verwendet. Die Brauerei Schwarzes Kreuz in Eggolsheim wurde 2012 stillgelegt.
Der Gemeindeteil Bammersdorf ist Sitz des Dörfler-Verlags.
Verkehr mini|Haltepunkt Eggolsheim (2025) Die Gemeinde liegt in unmittelbarer Nähe der Bundesautobahn 73 Nürnberg–Bamberg (Ausfahrt Forchheim–Nord).
Durch den Ortsteil Neuses an der Regnitz verläuft eine viergleisige Bahntrasse. Dort befindet sich an den mittleren Gleisen – Teil der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg – der Haltepunkt Eggolsheim. Die beiden äußeren Gleise gehören zur Schnellfahrstrecke Eltersdorf–Leipzig und werden von Regional- und Fernverkehrszügen ohne Halt befahren. Eggolsheim liegt im Gebiet des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg. Der Haltepunkt wird stündlich von S-Bahn-Zügen der Linie S1 (Bamberg–Nürnberg–Hartmannshof) der S-Bahn Nürnberg sowie mehrmals täglich von Zügen der Agilis-Linie Ebern–Bamberg–Forchheim–Ebermannstadt (Bahnstrecken Breitengüßbach–Maroldsweisach und Forchheim–Behringersmühle) bedient.
VGN-Linie Strecke Takt Fahrzeugmaterial DB 1440
Im Gemeindegebiet von Eggolsheim liegen am Main-Donau-Kanal zwei Betriebs-Länden und der ehemalige Ölhafen Eggolsheim.
Medien Eggolsheim liegt im Erscheinungsgebiet der Tageszeitungen Fränkischer Tag (Bamberg) und Nordbayerische Nachrichten (Regionalausgabe der Nürnberger Nachrichten). Alle zwei Wochen gibt es eine Ausgabe des Gemeindeblatts Unsere Gemeinde aktuell.
Bildung und Schulen Die Marktgemeinde ist Träger einer Kindertagesstätte in Bammersdorf mit je einer Gruppe in der Krippe und im Kindergarten.
In Eggolsheim befindet sich eine Grund- und Mittelschule.
Im Gemeindeteil Unterstürmig ist mit der Umweltstation Lias-Grube eine Informations- und Bildungsstätte für die regionale Umweltbildung eingerichtet.
Persönlichkeiten In Eggolsheim geboren Georg Hartmann (1489–1564), Mathematiker und Instrumentenhersteller, Entdecker der Inklination des Erdmagnetfeldes Johannes Amon (1763–1825), Komponist und Musikverleger Cyprian Fröhlich (1853–1931), Kapuziner, Mitbegründer des Deutschen Caritasverbandes Georg Bezold (1899–1962), Politiker (SPD) Michael Arneth (1905–1995), römisch-katholischer Theologe Walter Hofmann (* 1939), Politiker (CSU), von 1982 bis 2003 Mitglied des Bayerischen Landtags
Mit Eggolsheim verbunden Kurt Lindner (1877–1966), Unternehmer Kurt Lindner (1906–1987), Unternehmer und Jagdwissenschaftler Hans-Joachim Lindner (1910–1995), Unternehmer, Ehrenbürger 1980 Albert Först (1926–2014), römisch-katholischer Bischof von Dourados Peter Eismann (* 1957), Politiker (CSU) Christine Maertin (* 1960), ehemalige Badmintonspielerin Michael Hofmann (* 1974), Politiker (CSU)
Literatur Björn-Uwe Abels, Walter Sage, Christian Züchner: Oberfranken in vor- und frühgeschichtlicher Zeit, Bayerische Verlagsanstalt, Bayreuth 1986, ISBN 3-87052-991-1 Joachim Andraschke (Hrsg.: Marktgemeinde Eggolsheim): Geschichte des Marktes zu Eggolsheim, Eigenverlag der Marktgemeinde, Eggolsheim 2011
Martin Knorr (Hrsg.: Benno Ochs): Aus der Geschichte des Marktes Eggolsheim bis um 1850: Ort, Pfarrei, Amt und Gericht, Eigenverlag der Marktgemeinde, Eggolsheim 1993
Weblinks
Markt Eggolsheim www.foracheim.de: Eggolsheim
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Forchheim Kategorie:Geographie (Fränkische Schweiz) Kategorie:Ersterwähnung 750 Kategorie:Ort mit Binnenhafen Kategorie:Markt in Oberfranken
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Forchheim