Eine Ureterstenose ist eine Engstelle (Stenose) des Harnleiters, auch Harnleiterstenose genannt.Rochelexikon

Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff „Ureterstenose“ eine angeborene Ureterenge, im Gegensatz zur Striktur als erworbene Einengung des Ureters.Dirk Manski: Ureterstriktur. Urologielehrbuch.deAlfred Sigel, R.-H. Ringert (Hrsg.): Kinderurologie. Springer 2001, ISBN 978-3-662-08081-8 (Print), ISBN 978-3-662-08080-1 (Online)

Definitionen Die Definition der Ureterstenose ist uneinheitlich. Einmal wird zwischen den natürlichen Engstellen und den krankhaften Einengungen unterschieden. Außerdem wird mitunter das Hinzukommen einer Aufstauung oberhalb der Stenose gefordert: „Eine Ureterstenose ist die Einengung des Harnleiters mit konsekutiver Aufstauung des darüber liegenden Abschnitts des ableitenden Harnsystems, also des oberen Harnleiters und des Nierenbeckenkelchsystems.“Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-86126-126-1, S. 2093.

Einteilung Das Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete kennt zwei Bedeutungen einer Ureterenge:Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 6. Ordner (S–Zz), München / Berlin / Wien 1974, ISBN 3-541-84006-4, S. U 33. jede der drei natürlichen Engstellen des Harnleiters am Abgang vom Nierenbecken (Pelvis renalis) an der Kreuzung mit den Iliakalgefäßen am vesikalen Ostium (Ostium ureteris) die eigentliche krankhafte Harnleiterstenose

Je nach Lokalisation der pathologischen Stenose können unterschieden werden:W. Schuster, D. Färber (Hrsg.): Kinderradiologie. Bildgebende Diagnostik. Springer 1996, ISBN 3-540-60224-0, S. 695 ff.Joachim Wilhelm Thüroff, H. Schulte-Wissermann (Hrsg.): Kinderurologie in Klinik und Praxis. 2. Auflage. Thieme, 2000, ISBN 3-13-674802-6 am Übergang des Nierenbeckens in den Ureter Ureterabgangsstenose, auch ureteropelvine Stenose oder subpelvine Stenose, pyeloureterale Obstruktion im Verlauf des Ureters retrokavaler Ureter (angeborene Fehlbildung mit abnormalem Verlauf des Harnleiters)Dirk Manski: Dirk Manski: Retrokaval. Urologielehrbuch.de retroiliakalaler Ureter (angeborene Fehlbildung mit abnormalem Verlauf des Harnleiters)Dirk Manski: Dirk Manski: Retroiliakal. Urologielehrbuch.de retroperitonaeal durch Kompression bei Retroperitonealfibrose (Morbus Ormond) oder Tumoren im Einmündungsbereich in die Harnblase prävesikale Stenose, auch Uretermündungsstenose oder terminale Ureterstenose

Ursachen Ursachen der primären angeborenen Ureterstenose Harnleitermündungsenge (Ostiumstenose) Ureterozele subrenale Stenose (Ureterabgangsstenose oder Ureterabgangsenge) Ursachen der sekundär entstandenen oder erworbenen Ureterstenosen Kreuzung eines aberrierenden oder akzessorischen Gefäßes (Gefäßabdrosselung, Polarterien), nicht selten bei übernormal beweglicher Niere (Kippniere) ulzerierende Ureteritis (Harnleiterwandschädigung durch einen Stein) Periureteritis mit Retroperitonealfibrose, Ormondsche Erkrankung, retroperitoneale Fibrose Zustand nach Appendizitis oder nach Adnexitis (auch nach operativer Sanierung) Folge von Strahlenbehandlung von zum Beispiel gynäkologischen Karzinomen (Strahlenstenose) nach Operationen am oder in der Nähe des oder der Harnleiter nach Steinabgängen oder instrumentellen Harnleitersteinentfernungen durch Blasentumore oder Prostatatumore durch Tuberkulose

Ureterstenosen im Rahmen von Syndromen Bei einzelnen Syndromen kann eine Ureterstenose als Kriterium oder klinische Erscheinung mit auftreten, beispielsweise beim McKusick-Kaufman-Syndrom.

Differentialdiagnose Abzugrenzen sind Abflussbehinderungen durch Ureterklappen (quer verlaufende Schleimhautfalten mit glatter Muskulatur im Lumen).Dirk Manski: Ureterdivertikel. Urologielehrbuch.de

Geschichte Friedrich August Walter beschrieb im Jahr 1800 „bei einer Frau von 50 Jahren“ einen unerklärlichen Fall einer beiderseitigen kompletten distalen Ureterstenose („Die Harngänge waren auf beiden Seiten nach oben etwas erweitert, nach unten aber so verstopft, daß auch nicht die mindeste Spur einer Oeffnung übrig geblieben war, und dennoch waren beide Nieren, wie bei jedem andren gesunden Menschen, gehörig gebildet und groß.“).Friedrich August Walter: Einige Krankheiten der Nieren und Harnblase untersucht und durch Leichen-Oeffnungen bestätigt. Matzdorff Verlag, Berlin 1800, § 23, S. 22 f. mit Abbildung auf Tafel III auf S. 60 und Erläuterungen auf S. 49. (Digitalisat).

Literatur L. Kannaiyan, S. Karl, J. Mathai, J. Chacko, S. Sen: Congenital ureteric stenosis: a study of 17 children. In: Pediatric surgery international, Band 25, Nr. 6, Juni 2009, S. 513–517, doi:10.1007/s00383-009-2368-0, PMID 19437024. H. Keller, G. Nöldge, H. Wilms, G. Kirste: Incidence, diagnosis, and treatment of ureteric stenosis in 1298 renal transplant patients. In: Transplant International: official journal of the European Society for Organ Transplantation, Band 7, Nr. 4, Juli 1994, S. 253–257, PMID 7916924.

Einzelnachweise

Kategorie:Fehlbildung Kategorie:Krankheitsbild in der Urologie Kategorie:Krankheitsbild in der Kinderheilkunde Kategorie:Krankheitsbild in der Kinderchirurgie Kategorie:Harnleiter