mini|hochkant=1.2|Findling am ehemaligen Ort Stoßdorf () war ein Ort östlich von Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg), der 1963/4 devastiert und anschließend im Braunkohlentagebau Schlabendorf-Nord verschwand. An der Stelle des devastierten Ortes liegt heute der Stoßdorfer See, der zur Gemarkung Egsdorf, einem Ortsteil der Stadt Luckau gehört. mini|Egsdorf und Stoßdorf, Ausschnitt aus dem Messtischblatt 4148 Luckau (damals Nr. 2323) von 1919

Geographie Stoßdorf lag ungefähr acht Kilometer südöstlich von Luckau, etwa ein Kilometer östlich von Egsdorf. Die sehr kleine Gemarkung grenzte im Norden an Stöbritz, im Osten an Hindenberg, im Süden an Tornow und Schlabendorf und im Westen an Egsdorf. Das kleine Flüsschen Wudritz floss nordwestlich am Ort vorbei. Der Ortskern lag auf etwa .

Geschichte Nach Rudolf Lehmann wurde Stoßdorf 1527 erstmals urkundlich erwähnt. Nach Woldemar Lippert passt aber eine Urkunde von 1441, in dem ein Stotuff genannt ist, sehr gut auf diesen Ort, d. h., dass die Erstnennung von Stoßdorf auf 1441 zurückverlegt werden müsste. Dabei könnte es sich aber auch um den Ort Stottoff bei Lübbenau handeln, da dieser damals bereits urkundlich bekannt war. Nach Körner handelt es sich um einen imperativischen Namen stoß auf, der in der niederdeutschen Lautung Stotup ins niedersorbische übernommen wurde. Es handelt sich wohl um eine Ausbausiedlung.

Vorgeschichte Die Gemarkung von Stoßdorf war auch schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Ein auf der Gemarkung Stoßdorf gefundenes langes Feuersteinbeil wird in die Jungsteinzeit datiert. Bronzenadeln und drei Gräberfelder sind in die Bronzezeit zu datieren. Auch 1959 wurden bronzezeitliche Funde gemacht. mini|Stoßdorf auf dem Urmesstischblatt 4148 Luckau von 1847

Besitzgeschichte Da es in der Niederlausitz auf engem Raum drei Orte mit sehr ähnlichen Namen gibt, der hier behandelte Ort Stoßdorf, das Vorwerk Stottoff bei Lübbenau und eine Wüstung Stassdorf/Stossdorf/Stossendorf bei Waltersdorf ist der Bezug von urkundlichen Belegen zu einem dieser drei Orte oft nicht klar.

Am 5. Dezember 1441 belehnte Landvogt Nickel von Polenz den Heinrich Crakow zu Lübben mit den von Hans von Buxdorf auf Stotuff aufgelassenen Freihof in Lübben und den von Jan von Buxdorf, zu Bornsdorf gesessen, und seinen Brüdern aufgelassenen Getreideeinkünften in Höhe von neun Maltern Korn und Hafer in Treppendorf. Jan von Buxdorf und seine Brüder, damals zu Zinnitz gesessen, hatten 1434 diesen jährlichen Zins von neun Malter Getreide (in Form von Korn und Hafer) in Treppendorf von Nickel von Zieckau (Czikow) in Lübben gekauft. Die Zuordnung des obigen Stotuff zu diesem Stoßdorf passt auch deshalb sehr gut, da die Familie von Buxdorf (oder auch von Bocksdorf) nachweislich 1439 Besitz im Nachbarort Schlabendorf hatte, etwas später ist Buxdorfscher Besitz auch im Nachbarort Tornow nachgewiesen. Stottoff (bei Lübbenau) kommt hierfür wohl nicht in Frage, da es zur Herrschaft Lübbenau gehörte. Stossendorf bei Waltersdorf ist 1489 und 1527 als wüste Dorfstätte belegt. Dass der Ort Stotuff zwischen 1434 und 1489 zur Wüstung wurde, scheint eher unwahrscheinlich, zumal die Hussitenzüge vorbei waren. Allerdings hatte die Familie von Buxdorf um 1439 das in der Nähe gelegene Bornsdorf mit seiner Burg erworben. Die Kunstdenkmäler vermuten eine Zerstörung des damaligen Bornsdorf, das durch die Kirchenruine Bornsdorf, etwa ein Kilometer entfernt vom heutigen Ortskern markiert ist in der Zeit der Hussitenkriege und ein Neuaufbau des Dorfes an der heutigen Stelle.

Der Nachbarort Schlabendorf war 1439 zum Teil im Besitz des Jan von Buxdorf; dort saß aber 1438 auch ein Heinrich von Zieckau. 1441 saß also der bereits genannte Hans von Buxdorf in Stoßdorf. Die weitere Geschichte von Stoßdorf ist danach zunächst nicht belegt.

Am 8. Oktober 1527 wurden die Brüder Johann, Peter und Christoph von Torgau mit dem Dorf Stoßdorf (Stosoff) belehnt. Es handelte sich aber um keine Neubelehnung, sondern um eine Wiederbelehnung nach dem Wechsel in manu dominate (Tod des böhmisch-ungarischen Königs Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács), d. h., dass die Gebrüder von Torgau Stoßdorf schon einige Zeit vorher besaßen. Damals wurde der Wert des Guts auf 400 Gulden geschätzt, von denen sich eine Steuerschuld von 3 Gulden 6 Groschen und 3½ Pfennige ergab. Johann von Torgau verkaufte Stoßdorf 1536 an Johann von Wehlen, der zu dieser Zeit Kanzler des Landvogtes in Lübben war. 1543 wurde Johann von Wehlen vom damaligen Landvogt Albrecht Graf von Schlitz mit dem Besitz des aufgelösten Wilhelmiterklosters auf dem Frauenberg bei Lübben belehnt. Er konnte bei Lübben auch noch weiteren Besitz erwerben, darunter ein Freihaus in Lübben. Von den vier Söhnen des Johann von Wehlen (Christoph, Albrecht, Hans und Georg) scheinen nur zwei ein höheres Alter erreicht zu haben, denn Christoph erhielt den Frauenberg mit Zubehör, während das Freihaus in Lübben, der weitere Lübbener Besitz und Stoßdorf und einen Bauernhof in Egsdorf an Albrecht fielen. Albrecht von Wehlen verkaufte 1592 Stoßdorf und den Bauern in Egsdorf an Hans von Rochlitz d. Jü. auf Vorberg (devastiert, neun Kilometer nordnordwestlich von Calau). Hans von Rochlitz erhielt am 19. Juni 1592 den Lehnbrief über Stoßdorf mit dem Vorwerk und den Zinsen sowie die Zinsen und Pächte eines Bauern in Egsdorf; mitbelehnt waren seine Brüder Georg und Heinrich von Rochlitz auf Redlitz (ein Gemeindeteil des Ortsteils Groß Klessow der Stadt Lübbenau/Spreewald). Hans, Georg, Heinrich und Wolf von Rochlitz waren die Söhne des Hans von Rochlitz d. Ä. und der Margarethe von Peschen auf Vorberg. Der Wert des Gutes war immer noch mit 400 Talern angesetzt, von denen aber 9 Taler, 14 Groschen und 5 Pfennige Steuern zu entrichten waren.

17. Jahrhundert 1613 war von Stoßdorf 18 Groschen Königssteuer zu entrichten. Hans von Rochlitz d. Jü. scheint früh verstorben zu sein, denn seine Söhne Heinrich, Hans Caspar und Georg waren bei seinem Tod noch minderjährig und erhielten mit Georg von Lawalt zu Radewiese und Georg von Zschannitz zu Steinitz zwei Vormünder. Sie erhielten 1623 die Wiederbelehnung mit den von ihrem Vater ererbten Gütern Stoßdorf und den Bauern in Egsdorf. 1635 nach dem erbenlosen Tod des Caspar, wurden Heinrich und Georg nun auch mit dem Anteil ihres verstorbenen Bruders belehnt. Offenbar verstarben auch Heinrich und Georg ohne Leibeserben, denn der sächsische Kurfürst, der 1635 auch Markgraf der Niederlausitz geworden war, zog das Lehen als heimgefallenes Lehen ein. 1650 erwarb der kurfürstliche-sächsische Kassierer und spätere fürstlich-sächsisch-merseburgische Amtmann des Salzamtes Guben Johann Abraham Huhl (Huller) Stoßdorf und den Bauern in Egsdorf. 1651 kaufte er auch das Dorf Leibchel und legte 1655 den Lehnseid darüber ab. Ihm gehörte auch ein Anteil von Schuhlen. In die gesamte Hand aufgenommen waren für Stoßdorf sein Bruder Johann, kaiserlicher General-Proviantmeister und sein anderer Bruder Johann Friedrich Huhl. Bereits am 16. März 1652 verkaufte er Stoßdorf (ohne den Bauern in Egsdorf) für 2.200 Taler an den kurfürstlich-sächsischen Defensions-Hauptmann Hans Friedrich Schmid(t). Dieser wurde am 19. Juli 1655 und erneut am 13. Juni 1658 durch den Landvogt Freiherr von der Schulenburg mit Stoßdorf belehnt, eingeschlossen das Vorwerk, Ober- und Niedergericht, und die Zinsen und Pächte. Mitbelehnt war sein Bruder Tobias Schmidt, der fürstlich-sächsisch-altenburgischer Oberförster war, und auch Oberförster in Römhild im Fürstentum Sachsen-Coburg. Er wurde wegen Ehebruchs angeklagt und floh nach Ungarn in Kriegsdienste. Das Gut wurde nun verpachtet, die Pacht floss der Frau des Schmidt als Pension zu. Anscheinend wirtschafteten die Pächter das Gut herunter, denn Frau Schmidt und ihre Tochter traten ihre Ansprüche von 300 bzw. 100 Gulden an den Oberstaatssekretär Andreas Leddin ab. Das Lehen wurde als apert eingezogen, da sich auch der mitbelehnte Bruder nicht gemeldet hatte. Bis 1672 war dann Andreas Leddin tatsächlich Besitzer von Stoßdorf und von zwei Bauern in Klein Beuchow geworden. In diesem Jahr wurde Stoßdorf anscheinend versteigert. Cuno Christoph, Hans Heinrich und Georg Friedrich von Birckholtz, Besitzer des benachbarten Egsdorf und Kümmritz erhielten das Gut für 1245 Taler (oder 1422 Taler 18 Groschen?). Am 21. Dezember 1674 erhielten sie einen gemeinsamen Lehnsbrief über Stoßdorf, Egsdorf und Kümmritz. 1671 hatten ihnen schon Johann Abraham Huhl den einen Bauern in Egsdorf, den er sich beim Verkauf von Stoßdorf vorbehalten hatte verkauft. 1674 teilten die drei Brüder den Besitz. Egsdorf war auf 5.433 Gulden 10 Groschen und 6 Pfennige, Stoßdorf auf 1500 Gulden und Kümmritz auf 8.597 Gulden geschätzt worden. Der Rittmeister und spätere Generalmajor Georg Friedrich von Birckholtz erhielt Egsdorf und Stoßdorf, Hans Heinrich von Birckholtz Kümmritz und Cuno Christoph eine Geldabfindung in Höhe von 5.076 Gulden, die aber als Hypothek mit 1856 Gulden auf Stoßdorf und Egsdorf, und mit 3220 Gulden auf Egsdorf haften blieb. Georg Friedrich von Birckholtz erhielt 1675 und 1692 erneut Lehnbriefe über Stoßdorf und Egsdorf. Er war mit Ursula Magdalene von Mickwitz, Tochter des Caspar Gotthard von Mickwitz und der Anna Marie von Liebenau auf Groß Jehser verheiratet. 1675 schloss er mit ihr eine Ehestiftung in Höhe von 2000 Gulden ab. Noch vor 1694 verkaufte er Egsdorf und Stoßdorf an Erdmann Christian von Kleist, dem am 16. Juni 1697 mit Egsdorf und am 17. Juni 1698 mit Stoßdorf belehnt wurde. Doch Erdmann Christian von Kleist verkaufte Stoßdorf schon bald darauf für 3.700 Taler an Christoph Abraham von Metzradt auf Neudöbern, der am 12. September 1698 damit belehnt wurde.

18. Jahrhundert