Die AktionsGemeinschaft (AG) ist die derzeit auf Bundesebene zweitstärkste Fraktion innerhalb der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH). Sie bezeichnet sich selbst als parteiunabhängig, steht allen offen, hat aber als assoziiertes Mitglied der EVP ein Naheverhältnis zur ÖVP und wurde von ihr in den 1990er Jahren zeitweilig auch finanziell unterstützt. des Rechnungshofs von 2000 (PDF; 135 kB) Viele ehemalige Funktionäre finden sich später allerdings auch in den Reihen der NEOS und vereinzelt bei den Grünen wieder. Derzeitiger Bundesobmann ist Laurin Weninger.

Geschichte Die AktionsGemeinschaft ging Anfang der 1980er-Jahre aus der Fusion der ÖVP-nahen Österreichischen Studentenunion (ÖSU) mit dem von Mitgliedern des ÖCV gegründeten Studentenforum hervor. Die ÖSU war ihrerseits aus dem „Wahlblock“, einem Wahlbündnis verschiedener christlich-konservativer Verbände (ÖCV, ÖKV) durch Fusion mit der Freien Österr. Studentenschaft (FÖSt) hervorgegangen. Der Wahlblock hatte die Gremien der ÖH schon seit ihrer Gründung im Jahre 1945 dominiert. In den 1970er-Jahren kam es infolge mehrerer Abspaltungen zu einem zeitweiligen Verlust der ÖSU-Vormacht. Diese Fusion 1982 geschah mutmaßlich unter dem Zutun vom Cartellverband und der Volkspartei.Bernhard Weidinger: 1968 und die Reaktion(en): Neuer akademischer Kulturkampf und rechter Richtungsstreit an österreichischen Universitäten um 1970. In: Massimiliano Livi, Daniel Schmidt, Michael Sturm (Hrsg.): Die 1970er Jahre als schwarzes Jahrzehnt. Politisierung und Mobilisierung zwischen christlicher Demokratie und extremer Rechter. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-41011-1, S. 147–170, hier: S. 155. Die Vorgänge führten in denselben Jahren zum Entstehen der Unabhängigen Fachschaftslisten (FLÖ).

Die AktionsGemeinschaft konnte seit ihrem erstmaligen Wahlantritt 1983 durchgehend bis 1995 – sowie erneut zwischen 1997 und 2001 – den bundesweiten ÖH-Vorsitz stellen, musste sich jedoch seit ihrer schweren Wahlniederlage 2001 (von 40,6 % auf 29,2 %) – den ersten ÖH-Wahlen nach Einführung von allgemeinen Studiengebühren sowie Publikation des Rechnungshofberichts des Rechnungshofs von 2000 (PDF; 135 kB), der Finanzströme von der ÖVP zur AG offenlegte – zumeist mit der Oppositionsrolle abfinden.

2004 sprach sich die AktionsGemeinschaft als eine der wenigen Fraktionen nicht gegen die Abschaffung der Direktwahl zur ÖH-Bundesvertretung aus. Durch die neue Wahlarithmetik wurde bei den ÖH-Wahlen 2005 eine Verzerrung der Mandatszahlen zugunsten der AktionsGemeinschaft befürchtet. Das Gegenteil trat jedoch ein, der VSStÖ profitierte von dem neuen Wahlmodus, die AktionsGemeinschaft verlor an fast allen Universitäten Stimmen (mit einigen Ausnahmen, etwa Medizinische Universität Wien). Nach der ÖH-Wahl 2007 gab es eine einjährige Koalition aus Unabhängigen Fachschaftslisten (FLÖ), Grüne & Alternative StudentInnen (GRAS) und VSStÖ. Nach der Hälfte der Amtszeit wurde der Vorsitzende Hartwig Brandls (FLÖ) abgewählt und in einer turbulenten Sitzung Samir al-Mobayyed zum neuen Vorsitzenden und Norbert Köck zum 2. stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, womit die AG ein Jahr lang ohne Koalitionsbündnis den Vorsitz der ÖH führte. Bei der ÖH-Wahl 2009 konnte die AG ihr bestes Ergebnis seit 1999 verbuchen und ihre Position als mandatsstärkste Fraktion weiter ausbauen, war jedoch nicht in der Exekutive vertreten. Bei den ÖH-Wahlen 2011, 2013 und 2015 hatte die AktionsGemeinschaft jeweils Stimmenverluste zu verzeichnen, konnte jedoch ihre Position als stimmen- und mandatsstärkste Fraktion in der ÖH-Bundesvertretung verteidigen.

Die AktionsGemeinschaft ist Gründungsmitglied der European Democrat Students (EDS) und begleitete im Sommer 2011 im Rahmen des 50. Jahrestages der EDS die XXXV. Summer University in Wien.

Weiters ist die Fraktion Mitglied der CREAS, der Center-Right European Association of Students.

Bei der ÖH-Wahl 2019 kandidierte die AktionsGemeinschaft mit Dominik Ramusch als ihren bundesweiten Spitzenkandidaten und konnte ihre Position als stimmenstärkste Fraktion mit leichtem Zugewinn (26,9 %) weiterhin behaupten, verfehlte jedoch abermals den Einzug in die ÖH-Exekutive. Im Oktober 2019 wurde Sabine Hanger zur ersten gewählten Bundesobfrau der AktionsGemeinschaft.

Bei einer turbulenten Sitzung im Oktober 2020, bei der alle drei Vorsitzenden der Fraktionen VSStÖ, GRAS und FLÖ zuvor zurückgetreten waren, wurde Sabine Hanger zur neuen Vorsitzenden der ÖH gewählt. Mit ihr stellte die AktionsGemeinschaft zum ersten Mal seit 12 Jahren wieder den Vorsitz in der ÖH-Bundesvertretung.

Bei der ÖH-Wahl 2021 folgten abermals stärkere Verluste. Seitdem hält sich die Fraktion stetig bei 12 Mandaten in der ÖH-Bundesvertretung. 2025 fuhr die AG unter Laurin Weninger ihr bisher historisch schwächstes Ergebnis ein.

Bei der ÖH-Wahl 2025 kandidierte die AG erstmals am Wiener Juridicum auf einer gemeinsamen Liste mit JUNOS.

Bundesobleute Die Bundesobleute der AktionsGemeinschaft seit 1994:

1994–1995 Günther Fehlinger 1995–1995 Harald Mahrer 1995–1996 Markus Keschmann 1996–1998 Feri Thierry 1998–2000 Uwe Trummer 2000–2002 Stephan Leisner 2002–2003 Christoph Rohr 2003–2005 Christoph Marx 2005–2008 Peter Hießberger 2008–2009 Attila Santo 2009–2009 Norbert Köck 2009–2010 Philipp Niederschick 2010–2011 Jan-Philipp Schifko 2011–2012 Martin Brenner 2012–2013 Florian Lerchbammer 2013–2015 Markus Habernig 2015–2017 Andreas Jilly 2017–2019 Dominik Ramusch 2019–2021 Sabine Hanger 2021–2022 Markus Baurecht 2022–2023 Muhammed Durmaz 2024–2024 Verena Gattinger 2024–2025 Krisztina Kamensky seit 2025 Laurin Weninger

Politische Position Die AktionsGemeinschaft steht nach eigenen Angaben für eine ÖH-Politik, die sich nur um die Interessen der Studierenden drehen soll und nicht um Gesellschaftspolitik fernab der Hochschulen. Sie will dadurch die Interessen der Studierenden in den Vordergrund rücken und echte Verbesserungen im Studium erwirken. Die AG setzt sich für einen Ausbau des Stipendien- und Beihilfensystems ein und für günstigere Tarife im öffentlichen Fernverkehr für Studierende. Dabei fordert der Verein ein österreichweites Studententicket um einen „fairen“ Preis. Eine zentrale Forderung des Vereins ist die Ausfinanzierung der österreichischen Hochschulen und der Ausbau von Drittmittelfinanzierungen, um genügend Plätze in den Lehrveranstaltungen zu schaffen. Ein weiterer Kernpunkt ist die Forderung nach einer besseren Mobilität während des Studiums (Studienplatzwechsel, Auslandssemester). Gefordert wird außerdem mehr Einbindung der Studierenden in den Entscheidungsprozess der ÖH. Dies soll einerseits durch direkten Kontakt mit den Studierenden an den Hochschulen und andererseits durch regelmäßige Onlinebefragungen ermöglicht werden.

Wahlergebnisse Wahlergebnisse bei den ÖH-Wahlen seit 1989:

1989 36,0 % 1991 40,1 % 1993 44,4 % 1995 38,3 % 1997 39,8 % 1999 40,6 % 2001 29,2 % 2003 28,8 % 2005 24,7 % 2007 31,3 % 2009 33,3 % 2011 30,8 % 2013 27,2 % 2015 26,7 % 2017 26,39 %201926,9 %202121,02 % 2023 21,12 %202520,87 %

Der Verein an den österreichischen Hochschulen Der Verein ist an sechs Universitäten in Wien vertreten und an acht weiteren in den anderen BundesländernErgebnisse der ÖH-Wahl im Detail In: derStandard.at. 16. Mai 2013

Wien: Universität Wien, Technische Universität Wien, Wirtschaftsuniversität Wien, Universität für Bodenkultur Wien, Medizinische Universität Wien, Veterinärmedizinische Universität Wien Graz: Universität Graz, Technische Universität Graz, Medizinische Universität Graz Linz: Johannes Kepler Universität Linz Salzburg: Universität Salzburg Klagenfurt: Universität Klagenfurt Innsbruck: Universität Innsbruck Leoben: Montanuniversität Leoben Niederösterreich: Universität für Weiterbildung Krems

Außerdem ist die AktionsGemeinschaft an den verschiedenen Fachhochschulen, pädagogischen Hochschulen und Privatuniversitäten vertreten:

Wien: Fachhochschule (FH) des bfi Wien, Modul University Vienna, Ferdinand Porsche Fern-Fachhochschule, FHWien, FH Technikum Wien, Pädagogische Hochschule Wien, Pädagogische Hochschule Wien, KPH Wien Niederösterreich: MilAK Wiener Neustadt, Donau-Universität Krems, FH Krems Burgenland: FH Burgenland Oberösterreich: FH Oberösterreich Steiermark: FH Joanneum, FH Campus 02, Pädagogische Hochschule Steiermark, KPH Graz Kärnten: FH Kärnten Salzburg: FH Salzburg, PH Salzburg, Privatuniversität Seeburg Tirol: Management Center Innsbruck Vorarlberg: FH Vorarlberg

Kritik Antisemitismus

2017 wurde aufgedeckt, dass in mehreren internen Gruppen der Aktionsgemeinschaft am Juridicum antisemitische Postings geteilt wurden, die den Holocaust relativierten und nationalsozialistische Sprache verwendeten. Ein Screenshot zeigte etwa die Aussage, dass „nicht alle Juden vergast wurden“. Umgehend wurden die Funktionäre von der AG und der Jungen ÖVP ausgeschlossen.

Im selben Jahr wurden aufgrund des Verdachts der Untreue und des Fördermissbrauchs Bankkonten der Fakultätsvertretungen der Rechtswissenschaftlichen und der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät durch die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) vorübergehend eingefroren.

Bekannte ehemalige Wahlblock-, ÖSU- und AG-Mitglieder Gerald Bast, Rektor der Universität der angewandten Künste Helmut Brandstätter (ÖSU), Chefredakteur der Tageszeitung Kurier und Nationalratsabgeordneter (NEOS) Wolfgang Brandstetter (ÖSU), ehem. Vizekanzler und Justizminister Katharina Cortolezis-Schlager (ÖSU), ehemalige Wissenschaftssprecherin der ÖVP Gerfrid Gaigg (Wahlblock), ehem. Nationalrats- und EU-Abgeordneter (ÖVP)Porträt: Gerfrid Gaigg Österreichisches Parlament, 24. Jänner 1996 Rainer Hazivar, ORF Gerhard Heilingbrunner (ÖSU), Präsident des Umweltdachverbandes Franz Karasek (ÖSU) ehem. Nationalrat Georg Karasek (ÖSU), Anwaltskanzlei KWR Andrea Kdolsky (AG), ehem. Gesundheits- und Familienministerin Sophia Kircher (AG), Mitglied des Europäischen Parlaments (ÖVP) Katharina Krawagna-Pfeifer, Kolumnistin der Salzburger Nachrichten und ehemalige Kommunikationschefin der SPÖ Helmut Kukacka (ÖSU), ehem. Verkehrsstaatssekretär (ÖVP), Oberösterreichische Nachrichten, 24. Mai 2011. Reinhold Lopatka (AG), Mitglied des Europäischen Parlaments (ÖVP) Harald Mahrer (AG), ehem. Bundesminister und Staatssekretär für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (ÖVP); Präsident der WKO, des Österreichischen Wirtschaftsbundes uvm. Irmgard Marboe (AG), Völkerrechtlerin Eva Marek (AG), Vizepräsidentin des Obersten Gerichtshofs Andreas Maislinger, Initiator des österreichischen Gedenkdienstes und des Projektes Haus der Verantwortung Alois Mock (ÖSU), Außenminister und Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖSU), ehem. Finanzminister und Vizekanzler Claus Raidl (Wahlblock), Präsident des Generalrates der Österreichischen Nationalbank"Ich bin ein Produkt des Proporzes", Der Standard, 17. Februar 2011. Dominik Ramusch (AG), Bundesgeschäftsführer der ÖVP Andrä Rupprechter (AG), Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (ÖVP)"Ein Aubesetzer besetzt das Umweltressort", Der Standard, 15. Dezember 2013. Ludwig Scharinger (ÖSU), Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Gerfried Sperl (Wahlblock), Journalist und ehem. Chefredakteur der Tageszeitung Der Standard Josef Stockinger (ÖSU), ehem. Agrarlandesrat in Oberösterreich (ÖVP) Ernst Strasser (ÖSU), ehem. Innenminister und EU-Abgeordneter (ÖVP) Matthias Strolz (AG), Parteigründer und ehem. Vorsitzender (NEOS)Bürgerlicher Rebell mit großem Ego, Die Presse, 15. März 2013. David Stögmüller (AG), ehem. Bundesrat und Nationalratsabgeordneter (GRÜNE) Stefan Szyszkowitz, Vorstandsdirektor der EVN Feri Thierry (AG), Bundesgeschäftsführer (NEOS)Neos-Bundesgeschäftsführer Feri Thierry, Wiener Zeitung, 3. Oktober 2013. Abgerufen am 27. Januar 2014. Nina Tomaselli (AG), Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat (GRÜNE)