mini|hochkant=1.35|Reiterstandbild Friedrichs des Großen

Das monumentale Reiterstandbild Friedrichs des Großen am Forum Fridericianum im Berliner Ortsteil Mitte erinnert an den preußischen König Friedrich II.

Geschaffen in den Jahren 1839–1851 von Christian Daniel Rauch, zählt es zu den bedeutendsten Werken der Berliner Bildhauerschule und markiert den Übergang vom Klassizismus zum Realismus. Die insgesamt 13,50 m hohe Bronzeplastik zeigt den mit Uniform, Hermelin und Dreispitz bekleideten Alten Fritz zu Pferd über einem mehrfach gestuften Sockel mit Bildnissen der wichtigsten Feldherren, Staatsmänner, Künstler und Wissenschaftler die ihn umgaben.

Im Zweiten Weltkrieg eingemauert, wurde das nun in Ost-Berlin liegende Denkmal 1950 auf Beschluss des SED-Magistrats abgebaut, 1963 im Park Sanssouci aufgebaut und 1980 auf Anordnung Erich Honeckers nahe dem ursprünglichen Standort auf dem Boulevard Unter den Linden wiedererrichtet. Bei der letzten Restaurierung in den Jahren 1997–2000 auf den ursprünglichen Standort zurückversetzt, erhielt es auch seine historische Umzäunung, Pflasterung und Beleuchtung.

Beschreibung mini|Ansicht von Südosten mit der Preußischen Staatsbibliothek, nach 1935 mini|Ansicht von Nordwesten mit der Preußischen Staatsoper, um 1920

Die größte Ausdehnung des rechteckigen Sockels beträgt fast 7 m × 9 m, die Gesamthöhe des Denkmals 13,5 m. Der Sockel besteht aus zwei Teilen, einem Unterbau aus Granit und einem Bronzeaufbau, dessen drei Geschosse durch leicht vorkragende Gesimse getrennt sind. In der untersten Zone sind nur Inschrifttafeln eingelassen, die beiden oberen zeigen reichen plastischen Schmuck. Die mittlere, weit zurückspringende Stufe bietet Platz für fast freiplastische Figuren, über deren Köpfen in einer zweiten Zone flachere Reliefs zu sehen sind. Ein drittes Geschoss mit rechteckigen Flachreliefs schließt sich an. Auf allen Ebenen werden die Ecken durch Voluten oder Figuren betont. Die fünfeinhalb Meter hohe Reiterskulptur des Königs zeigt ihn aufrecht und würdevoll auf dem in ruhiger Schrittstellung gegebenen Pferd Condé, Friedrichs Lieblingsross. Die rechte Hand, von der ein Krückstock herabhängt, hat Friedrich in die Seite gestützt, die Zügel hält er locker in der Linken. Er ist in eine historisch genau wiedergegebene Uniform gekleidet, die vom locker auf die Schulter gelegten Mantel nur teilweise verdeckt wird und trägt auf dem Kopf einen Dreispitz.

Zwei Themenkreise bestimmen den plastischen Schmuck des Sockels: Sieht man im oberen Fries Szenen aus dem Leben Friedrichs, so sind in den beiden unteren berühmte Zeitgenossen Friedrichs verewigt.

Die vier Reiter an den Ecken stellen vorne Prinz Heinrich von Preußen und Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel dar, hinten den Husarengeneral Hans Joachim von Zieten und den Kavalleriegeneral Friedrich Wilhelm von Seydlitz. Die Widmung auf der Vorderseite lautet: „Friedrich dem Großen / Friedrich Wilhelm III. / 1840 / vollendet unter Friedrich Wilhelm IV. 1851“.

Die vier Relieffelder im oberen Bereich zeigen vollplastisch Gestalten aus Friedrichs Zeit und Leben. Es sind, mit Ausnahme der Rückseite, die Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern wie Immanuel Kant und Gotthold Ephraim Lessing gewidmet ist, Militärpersonen der Schlesischen Kriege.

Vorderseite: Joachim Bernhard von Prittwitz, Hans Sigismund von Lestwitz, August Wilhelm Prinz von Preußen, Heinrich Sigismund von der Heyde, Johann Dietrich von Hülsen.

Nordseite: Friedrich Wilhelm Gottfried Arnd von Kleist, Karl Wilhelm von Dieskau, Hans Karl von Winterfeldt, Friedrich Bogislav von Tauentzien, Friedrich Eugen von Württemberg.

Westseite: Karl Wilhelm Graf Finck von Finckenstein, Ernst Wilhelm von Schlabrendorf, Carl Heinrich Graun, Johann Heinrich von Carmer, Gotthold Ephraim Lessing, Immanuel Kant.

Südseite: Friedrich Leopold von Geßler, Georg Vivigenz von Wedel, Leopold II. Maximilian von Anhalt-Dessau, Hartwig Karl von Wartenberg, Georg Konrad von der Goltz.

Die Inschrifttafeln an den Seiten führen folgende Namen auf:

Rechte Ehrentafel (Nordansicht – links nach rechts) C. v. Linger W. D. v. Buddenbrock Ch. Wilh. v. Kalckstein J. C. v. Jeetze Diet. Fürst v. Anhalt Dessau H. v. Lehwaldt Fr. Seb. W. Truchsess Gr. z. Waldburg C. E. Gr. Nassau P. L. du Moulin Fr. Mgr. v. Brandenburg C. L. v. Bredow Aug. Ferd. Pr. v. Preußen Moritz Fürst v. Anhalt Dessau Fr. W. Mgr. v. Brandenburg August Wilh. Herzog v. Braunsch. Bevern Friedrich Rudolf von Rothenburg Heinrich Karl Ludwig Herault de Hautcharmoy Heinrich August de la Motte Fouqué Georg Ludwig von Schleswig-Holstein-Gottorf Nikolaus Andreas von Katzler Christoph II. von Dohna-Schlodien Christoph Ludwig von Stille Kaspar Ernst von Schultze Friedrich Wilhelm Quirin von Forcade Franz Karl Ludwig von Wied zu Neuwied

Linke Ehrentafel (Südansicht – links nach rechts) August Friedrich von Itzenplitz Georg Wilhelm von Driesen Wolf Friedrich von Retzow Otto Magnus von Schwerin Arnold Christoph von Waldow Gustav Bogislav von Münchow Johann Carl Friedrich zu Carolath-Beuthen Kasimir Wedig von Bonin Joachim Christian von Tresckow Peter von Pennavaire Christoph Friedrich von Lattorf Heinrich von Manteuffel (Generalleutnant) Anton von Krockow Friedrich Franz von Braunschweig-Wolfenbüttel Dubislav Friedrich von Platen Carl Wilhelm Ferdinand Erbprinz von Braunschweig Wilhelm Graf v. d. Lippe-Bückeburg Karl Christoph von der Goltz Carl Heinrich von Wedel Moritz Franz Kasimir von Wobersnow Georg Ludwig von Puttkamer Wilhelm Dietrich von Wacknitz Siegmund Moritz Wilhelm von Langen Karl Friedrich von Moller Robert Scipio von Lentulus Friedrich Christoph von Saldern Joachim Friedrich von Stutterheim Paul von Werner Johann Jakob von Wunsch Christoph Karl von Bülow Heinrich Gottlob von Braun Asmus Ehrenreich von Bredow Hans Friedrich von Krusemarck Friedrich Wilhelm von Gaudi Wichard v. Moellendorff

Rückwärtige Ehrentafel (Westansicht – links nach rechts) Ewald Friedrich von Hertzberg Samuel Freiherr von Coccji George Wenzeslaus Freiherr von Knobelsdorff Christian Freiherr von Wolff Carl Wilhelm Ramler Johann Wilhelm Ludwig Gleim Christian Garve Ewald Christian von Kleist Johann Friedrich von Domhardt Christian Fürchtegott Gellert Pierre-Louis Moreau de Maupertuis Charles Étienne Jordan Johann Joachim Winckelmann Antoine Pesne

Geschichte

Entwurf, Guss und Aufstellung mini|Reiterstandbild (rechts) auf dem Gemälde Unter den Linden von Eduard Gaertner, 1852 mini|Kaiser-Wilhelm-Palais (links) und Reiterstandbild Friedrichs des Großen (rechts), um 1900 mini|Westseite des Reiterstandbilds von links: Karl Wilhelm von Finckenstein, Ernst Wilhelm von Schlabrendorf, Johann Heinrich von Carmer, Carl Heinrich Graun, Gotthold Ephraim Lessing und Immanuel Kant

Bei der Enthüllung des Denkmals am 31. Mai 1851 anlässlich des 111. Jahrestags der Thronbesteigung Friedrichs II. waren fast 65 Jahre seit seinem Tod vergangen und ebenso lange hat diese Denkmalaufgabe viele bedeutende Bildhauer beschäftigt, wofür annähernd 100 Entwürfe und Modelle Zeugnis ablegen. Friedrich Wilhelm Kullrich wurde beauftragt, aus diesem Anlass eine Bronzemedaille anzufertigen.

Friedrich II. selbst wollte zu seinen Lebzeiten kein Denkmal errichtet wissen. Schon die ersten Entwürfe kurz nach seinem Tod (1786) scheiterten an der Kostümfrage. Die Entwürfe des Jahres 1791 zeigten ihn auf Wunsch Friedrich Wilhelms II. in antiker Gewandung, nach dem Vorbild der Reiterstatue Mark Aurels. Große Teile der Bevölkerung und der Armee wollten den König aber so dargestellt wissen, wie sie ihn in Erinnerung hatten: in Uniform und mit Dreispitz.

Johann Gottfried Schadow der bereits Studien über Form- und Gießtechnik im Ausland (Kopenhagen, Stockholm und St. Petersburg) betrieben hatte,Lüeß: Metallkunst. S. 550–554. reichte 1796 Entwürfe ein, auch solche, die den Herrscher in der auch von ihm bevorzugten Zeittracht zeigten, doch König und Akademie waren damit nicht zufrieden. Friedrich Wilhelm II. neigte dann einer architektonischen Lösung zu, starb aber vor einer endgültigen Entscheidung. Sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm III., verschleppte die Realisierung des Vorhabens über Jahrzehnte, bedingt durch Desinteresse und die napoleonischen Kriege. Umso mehr Interesse zeigte der Kronprinz, der spätere König Friedrich Wilhelm IV., der sich auch sonst als Förderer der Künste einen Namen machte. Nach 1829 entstanden neue Entwürfe, ein zwischenzeitlich favorisiertes Projekt nach Vorbild der Trajanssäule wurde verworfen. Schadows Schüler Christian Daniel Rauch wurde offiziell mit Vorarbeiten betraut und erhielt am 29. Februar 1836 den formellen Auftrag. Von Schadow ist der Spruch überliefert: „Mein Ruhm ist in Rauch aufgegangen.“

Das Modell eines monumentalen Reiterstandbilds auf einem geschmückten Postament, das den Herrscher als volkstümliche, in die vertraute Uniform gekleidete Persönlichkeit darstellt, fand schließlich die Zustimmung einer eigens gebildeten Regierungskommission. Diese traf auch die Auswahl und Anordnung der Zeitgenossen, die im Sockelbereich neben allegorischen Figuren verewigt werden sollten. Die Grundsteinlegung erfolgte am 1. Juni 1840, dem 100. Jahrestag der Thronbesteigung Friedrichs II.

Rauchs Mitarbeiter bei der Erstellung der Modelle waren Albert Wolff, Gustav Bläser, Eduard Julius Gebhard, Hugo Hagen, Carl Wolgast, Christian Genschow, Adolph Bräunlich, Bernhard Afinger, Julius Franz und Rudolph Piehl. Für die mehrere Jahre dauernde Herstellung der Bronzefiguren nach modernsten und effizienten Verfahren wie der Teilformerei in Sand hatte sich Rauch persönlich eingesetzt – nach einigen Probearbeiten unter seiner Oberaufsicht in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer holte er dessen Ziseleur und Gießmeister Karl Ludwig Friebel nach Berlin. Friebel führte den Guss in einer vorhandenen, aber baulich erweiterten Werkstatt aus und hatte auch in Abstimmung mit dem Bildhauer große Werkstätten für die Modell- und Ziselierarbeiten eingerichtet. Zu Beginn des Jahres 1851 waren alle Teile, Nebenfiguren und Reliefs gegossen und wurden noch vor der Zusammenfügung ausgestellt. Am 31. Mai 1851 wurde das Monument schließlich feierlich enthüllt. Seine Maße werden in einem zeitgenössischen Dokument mit 43 Fuß Gesamthöhe, davon 18 Fuß für die Reiterfigur, angegeben.

Nach der Enthüllung klebten die Berliner angesichts der gescheiterten Revolution von 1848 einen Zettel ans Denkmal:Jutta von Simson: Das Berliner Denkmal für Friedrich den Großen. Die Entwürfe von Gilly bis Rauch als Spiegelung des preußischen Selbstverständnisses. Propyläen Verlag, Berlin 1976, ISBN 3-549-06619-8, S. 24.

Versetzung nach Sanssouci mini|hochkant|links|Entfernung der Schutzhülle, Mai 1950 mini|Zwischenlagerung eines Sockelteils in Potsdam mini|hochkant|Neuaufstellung im Park Sanssouci, um 1962