Diplomatische Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Kambodscha wurden am 3. Oktober 1993 aufgenommen, seit 1962 unterhielt bereits die DDR diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik Kampuchea. Die deutsch-kambodschanischen Beziehungen erstrecken sich auf die Bereiche Politik, Wirtschaft, Entwicklungshilfe und Kultur. Die Zusammenarbeit wird neben Regierungsinitiativen, politischen Stiftungen und privaten Unternehmen auch von mehreren Nichtregierungsorganisationen gefördert und gepflegt.
Die deutsche Botschaft befindet sich in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Kambodscha unterhält eine Botschaft in Berlin und ein Honorarkonsulat in Mörfelden-Walldorf.
Politische Beziehungen
Kambodscha und das geteilte Deutschland bis 1969 Das Königreich Kambodscha wurde von der Bundesrepublik Deutschland im November 1956 als Staat anerkannt. Es kam jedoch zunächst nicht zur Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen – die Vertretung der Bundesrepublik in Phnom Penh erhielt den Status eines Generalkonsulates – da die kambodschanische Regierung unter Norodom Sihanouk eine Politik des Ausgleichs und der Neutralität zwischen den Machtzentren des Kalten Krieges verfolgte. Als Ausdruck dieser Politik vertiefte Kambodscha zudem die Kontakte zu beiden deutschen Staaten, mit denen bis 1962 erste Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit geschlossen wurden. Im Frühjahr 1962 gestattete die Regierung in Phnom Penh der DDR ebenfalls ein Generalkonsulat zu errichten. Auch die folgenden diplomatischen Aufwertungen wurden je beiden deutschen Staaten zu Teil. Nachdem im Jahre 1964 das Generalkonsulat der Bundesrepublik in eine „Représentation“ umgewandelt werden durfte, konnte die DDR im Juli 1967 den diplomatisch-protokollarischen Status ihrer Vertretung ebenso aufwerten. Nachdem der Bundeskanzler Kiesinger am 29. September 1967 die Unverletzlichkeit der Grenzen Kambodschas anerkannte, konnte die Bundesrepublik am 15. November 1967 ihre Vertretung in eine Botschaft umwandeln, was den offiziellen Beginn voller diplomatischer Beziehungen bedeutete.Oesterheld, Christian: East German Socialism and the Khmer Rouge Revolution. Insights from the GDR’s Diplomatic Archives, in: International Institute of Social and Economic Sciences (Hrsg.), Proceedings of the 10th International Academic Conference in Vienna, Prag 2014, S. 559–574, hier: S. 561–562.
Am 8. Mai 1969 wurde die DDR von Kambodscha völkerrechtlich anerkannt und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen angekündigt. Damit durfte die DDR auch eine Botschaft in Phnom Penh eröffnen. Kambodscha war damit das erste nicht-sozialistische Land, das die DDR voll diplomatisch anerkannt hatte. Die Aufnahme vollwertiger Beziehungen zwischen Kambodscha und der DDR war damit ein wichtiger Erfolg für deren Streben nach internationaler Anerkennung, der den Weg für die 'Anerkennungswelle' der folgenden Jahre zu ebnen half.Wentker, Hermann: Außenpolitik in engen Grenzen. Die DDR im internationalen System 1949–1989, München 2007, 285–287, 290.Oesterheld, Christian: East German Socialism and the Khmer Rouge Revolution. Insights from the GDR’s Diplomatic Archives, in: International Institute of Social and Economic Sciences (Hrsg.), Proceedings of the 10th International Academic Conference in Vienna, Prag 2014, S. 559–574, hier: S. 561–562. In der DDR, vor allem in der zentral gesteuerten Presselandschaft erfuhr diese Anerkennung daher breite Aufmerksamkeit und wurde als Triumph gegenüber dem westdeutschen Konkurrenten gedeutet.
Da sich die Anerkennung der DDR gegen die Interessen der Bundesrepublik, eine diplomatische Anerkennung der DDR zu vermeiden, richtete (Hallstein-Doktrin), sie sich zu einem kompletten Abbruch der Beziehungen aber nicht durchringen konnte, beschloss die Bundesregierung am 4. Juni 1969, den deutschen Botschafter in Phnom Penh Hans-Joachim Eick abzuberufen, die Tätigkeit der deutschen Botschaft einzustellen und die wirtschaftliche und technische Hilfe auf die Abwicklung der bereits abgeschlossenen Verträge zu beschränken; neue Vereinbarungen sollten nicht mehr getroffen werden. Kambodscha brach daraufhin am 11. Juni 1969 die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik ab.
Westdeutsch-Kambodschanische Beziehungen nach 1969 Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen übernahm Frankreich die Schutzmachtvertretung für die Bundesrepublik Deutschland. In der französischen Botschaft waren noch drei deutsche Diplomaten bis zum 15. März 1975 tätig. Nach der Machtübernahme durch die Roten Khmer wurde die französische Botschaft am 17. April 1975 evakuiert und somit die diplomatischen Kontakte zu Kambodscha gänzlich abgebrochen.. Deutsche Botschaft Phnom Penh Während der Herrschaft der Roten Khmer (1975–1978) unter Pol Pot und der Besetzung Kambodschas durch Vietnam gab es bis zur Unterzeichnung der Pariser Friedensverträge im Jahre 1991 keine diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Kambodscha.
Ostdeutsch-Kambodschanische Beziehungen 1969–1990 Die DDR blieb von 1969 bis 1975 und von 1979 bis zur Wiedervereinigung diplomatischer Partner Kambodschas.
Von Mitte 1976 bis zum 14. Mai 1977 existierte aber in der DDR in Ost-Berlin eine Botschaft des Demokratischen Kampuchea (Rote Khmer). Im selben Gebäude in der „Straße 22, Haus-Nr. 2“ im Ostberliner Stadtteil Pankow existierte von Anfang der 80er Jahre bis April 1989 die Botschaft der Volksrepublik Kampuchea. In dem Gebäude befindet sich heute die Botschaft des Königreichs Kambodscha (Benjamin-Vogelsdorff-Str. 2, Namensänderung von „Straße 22“).
Entwicklungen nach 1991 Die Interessen Deutschlands wurden vom 19. Juli 1991 bis zum 13. Februar 1992 im Rahmen der Schutzmachtvertretung von Ungarn wahrgenommen. Ab dem 14. Februar 1992 unterhielt Deutschland in Phnom Penh eine eigene Vertretung bei dem Obersten Nationalrat (ONR).
Nach den ersten demokratischen Wahlen und Bildung einer frei gewählten kambodschanischen Regierung wurden am 3. Oktober 1993 die vollen diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen und die deutsche Vertretung beim ONR in eine diplomatische Vertretung umgewandelt.
Vom 13. bis 16. Februar 2024 besuchten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender das Königreich Kambodscha. In Phnom Penh führten sie politische Gespräche mit dem amtierenden Staatsoberhaupt, Senatspräsident Say Chhum, und mit Ministerpräsident Hun Sen.
Sanitätsdiensteinsatz unter UN-Mandat Unter UN-Mandat nahm eine Gruppe deutscher Sanitätsoffiziere und -unteroffiziere der Bundeswehr 1991/92 an der Vorausmission UNAMIC teil, mit dem Auftrag UN-Personal medizinisch zu versorgen. In dem sich daran anschließenden, eigentlichen UNTAC-Einsatz wurde der Auftrag auf den Betrieb eines 60-Betten-Lazaretts in Phnom Penh ausgeweitet, indem nicht nur UN-Mitarbeiter, sondern auch die kambodschanische Bevölkerung behandelt wurde. Die Kambodschaner gaben dem Lazarett den Namen „Haus der Engel“. Der Einsatz endete 1993 nach Plan, es wurden 95 000 ambulante und ungefähr 3500 stationäre Behandlungen durchgeführt.
Rote-Khmer-Tribunal Aufgrund der NS-Vergangenheit nimmt Versöhnung und Gerechtigkeit einen hohen Stellenwert in der Bundesrepublik Deutschland ein. Deshalb cofinanziert Deutschland das Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia (ECCC oder auch Khmer-Rouge-Tribunal) und die Victims Support Section (VSS) seit 2005 mit insgesamt ca. 17 Millionen Euro. Außerdem werden regelmäßig deutsche Experten sowie Richter zum Tribunal entsendet.
Minen- und Kampfmittelräumung Kambodscha ist eines der stärksten von Minen und Blindgängern betroffenen Länder der Welt. Jährlich werden ca. 300 Menschen getötet oder verletzt.
Seit 1998 unterstützt die Bundesregierung Deutschland das humanitäre Minenräumen in Kambodscha, welches von der internationalen Nichtregierungsorganisation Apopo durchgeführt wird. Die Kosten dafür trägt das Auswärtige Amt mit ca. 1 Million Euro pro Jahr. Durch die Minenräumung soll gewährleistet werden, dass dringend benötigtes Land wiederbesiedelt oder für den Tourismus freigegeben werden kann. Bis 2019 sollen die ca. 658 Quadratkilometer betroffenen Gebiete geräumt werden. Schon jetzt konnten 4614 Landminen entschärft und somit 13 Mio. m² sicheres Land an die Bevölkerung zurückgegeben werden. Besonders betroffen sind der Nordwesten und der Nordosten des Landes.
Wirtschaftsbeziehungen Überblick Die Wirtschaftsbeziehungen der Länder Deutschland und Kambodscha umfassten Import und Export der Jahre 2013 und 2014, den Tourismus, sowie Initiativen zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen beider Staaten und der Stärkung der Wirtschaft in Kambodscha.
Handelsbeziehungen Import Im Jahr 2013 importierte Deutschland Waren im Wert von 836 Millionen Euro aus Kambodscha und belegte somit Platz 5, nach den USA, der Volksrepublik China, Singapur und dem Vereinigten Königreich, als einer der größten Absatzmärkte kambodschanischer Ware. Im darauf folgenden Jahr 2014 stiegen die Importe um 119,8 Millionen Euro, dies entspricht 14,3 %, auf 955,9 Millionen Euro. Die Importgüter bestanden größtenteils aus Textilien für Bekleidung und Schuhe der Marken Adidas, Deichmann, Puma, C&A, Aldi, Tchibo und LIDL.
Export Im Jahr 2014 steigerte Deutschland, im Vergleich zum Vorjahr, den Export nach Kambodscha um 28,9 %. Exportiert wurden Waren im Gesamtwert von 72,89 Millionen Euro, womit Kambodscha Platz 76 der Handelspartner Deutschlands einnahm. Kambodscha exportierte neben Textilien auch Zwischenprodukte im Bereich Elektronik und Automobil, von denen 11,9 % an Deutschland geliefert wurden.
Tourismus Die Anzahl an deutschen Einreisenden machte bis 2019 nur einen sehr kleinen Anteil, in etwa 2 %, der gesamten ausländischen Einreisenden nach Kambodscha aus. Im Jahr 2019 reisten 94.371 Deutsche als Touristen nach Kambodscha ein. Die beliebtesten Reiseziele der deutschsprachigen Touristen waren Angkor Wat, Battambang, Kep (Stadt), Phnom Penh, Siem Reap (Stadt), Sihanoukville (Stadt) und der Tonle Sap (See).
Förderung der deutsch-kambodschanischen Wirtschaftsbeziehungen Die deutsch-kambodschanischen Wirtschaftsbeziehungen werden vor allem durch den Arbeitskreis Deutsche Wirtschaft (ADW) und die EuroCham, welche unter anderem durch den ADW gegründet wurde, gefördert. Außerdem sind zu nennen die Auslandshandelskammer Bangkok, der Ostasiatische Verein in Hamburg und Abkommen zwischen Deutschland und Kambodscha.
Arbeitskreis Deutsche Wirtschaft (ADW) Der Arbeitskreis Deutsche Wirtschaft (ADW) wurde 2001 zur Erschaffung einer Plattform für deutsche Geschäftsleute mit Interesse am kambodschanischen Markt, gegründet. Ziele sind die Bildung von Netzwerken zum einfacheren Informations- und Know-How-Austausch, die Erleichterung des Einstiegs der deutschen und österreichischen Geschäftsinteressenten in den kambodschanischen Markt, sowie Unterstützung für Auslandsdelegationen. Insgesamt sollen die Geschäftsbedingungen am kambodschanischen Markt verbessert werden, damit die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Kambodscha weiter wachsen können. 2013 wurde die Organisation in German Business Cambodia (GBC) umbenannt.
German Business Cambodia (GBC)