Die „Privat-Schule Ebermayer“ (so nannte sie sich 1933 im Zeugnis) wurde 1898 in München, Schraudolphstraße 15, von Ernestine Ebermayer (* 26. März 1861 in Aschaffenburg; † unbekannt) gegründet. Bei einer durchschnittlichen Klassenstärke von 20 bis 25 Kindern haben in den 41 Jahren des Bestehens der Schule etwa 900 bis 1000 Jungen und Mädchen verschiedener Konfessionen diese vierklassige Schule durchlaufen. Wenn auch zu Beginn meist nur Eltern adeliger oder sehr begüterter Familien um Aufnahme ihrer Kinder gebeten hatten, wurde diese Schule in den weiteren Jahren vor allem dadurch bekannt, dass dort „hochdeutsch“ und nicht wie an den städtischen Volksschulen „münchnerisch oder bayrisch“ gesprochen wurde. Das Schulgeld betrug 20 Reichsmark (Geschwister 18 RM).Loseblattsammlung Schulamt München Signaturen 1268/1 (1897–1910) und 1268/3 (1911–1917), Stadtarchiv München

Familie Ernestine Ebermayers Vater war der Münchner Universitätsprofessor Ernst Ebermayer, ein Stiefbruder des Senatspräsidenten Ludwig Ebermayer. Der Schriftsteller Erich Ebermayer, ein Sohn des Senatspräsidenten, war ein Cousin von Ernestine und ihren Schwestern Ottilie und Frieda, obwohl er sie in seinen Erinnerungen als seine „Tanten“ bezeichnete, bei denen er als Student in München gewohnt hatte.Erich Ebermayer, Eh' ich’s vergesse hrsg. von Dirk Heißerer, LangenMüller 2005, S. 20

Geschichte Mit Schreiben vom 1. Juli 1897 an die königliche Lokalschulkommission in München hatte Ernestine Ebermayer um die Erlaubnis gebeten, eine Privatschule gründen zu dürfen. Seit Herbst 1895 gebe sie acht Kindern Privatunterricht. Nach Erhalt eines ablehnenden Bescheids bat sie erneut um eine Erlaubnis mit dem Hinweis, ihr Vater verpflichte sich, „die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung zu stellen“. Mit Schreiben vom 20. August 1897 lehnte die Lokalschulkommission erneut ab mit der Begründung: „Für die in Frage kommende Schule fehlt jegliches Bedürfnis.“

Ein dritter oder vierter Antrag von Ernestine Ebermayer wurde positiv entschieden mit Bescheid des Regierungsbezirkes Oberbayern, Kammer des Inneren vom 15. September 1897. Ernestine Ebermayer hatte sich in ihren Schreiben auf den Wunsch von Eltern ihrer Privatschüler berufen. Zunächst gab es nur eine Genehmigung für Kinder, die aufgrund eines ärztlichen Attestes keine Volksschule besuchen sollten, z. B. für Bluter, die bei dem üblichen Pausenhofgerangel zu leicht verletzt werden könnten.

Mit Schreiben vom 20. Mai 1898 an den Magistrat der kgl. Haupt- und Residenzstadt München zeigte die jetzt 37-Jährige an, im September ihre Privatschule zu beginnen, und zwar im Parterre des Hauses Schraudolphstraße 15.Loseblattsammlung Schulamt München Signaturen 1268/1 (1897–1910) und 1268/3 (1911–1917), Stadtarchiv München

Im Münchner Stadtarchiv befinden sich vier Mappen mit den Signaturen 1268/1-4. Sie enden mit dem Jahr 1924. Spätere Akten sind nicht mehr vorhanden. Die Loseblattsammlung Schulamt 1268/2 beim Münchner Stadtarchiv enthält Angaben von 1901 bis 1910 über neue Schüler, solchen mit ärztlichen Attesten, sowie Meldungen von neu angestelltem Lehrpersonal. Ein Hauptstreitpunkt ist der oft verspätete Eintritt von Schülern mitten im Schuljahr.

Zu den laut ärztlichem Zeugnis „kränklichen“ Kindern gibt es eine Schilderung von Annette von Aretin, der ersten Fernsehansagerin in Bayern:

Schließung der Schule

Die Schule wurde 1938 geschlossen. Die Leiterin Ernestine Ebermayer war im März 77 Jahre alt geworden.

Ihr Neffe (Cousin) Erich Ebermayer hat dazu in seinem Tagebuch folgendes berichtet:

Prominente Schülerinnen und Schüler

Der Schüler Ludwig Schnorr v. Carolsfeld (1903–1989, Prof. der Rechte in Königsberg und Erlangen, ein Nachkomme der berühmten Malerdynastie) ist bis 10. September 1912 vom Unterricht befreit.

Lt. Meldung der Schulleiterin vom 17. November 1912 sind Erika Mann und Klaus Mann am 24. Oktober 1912 in die Schule eingetreten.Typoskript Schulamt München Signatur 1268/3, Stadtarchiv München

„Erika und Klaus empfingen unterdessen die Anfänge der Bildung in der Privatschule des gütig-strikten Fräulein Ebermayer, deren Institut eine ganze Rotte von Buben und Mädchen aus der Nachbarschaft aufsuchte.“Klaus Harpprecht: Thomas Mann, Eine Biographie, Rowohlt, Reinbek 1995, S. 331

„Den langen Schulweg durch den Englischen Garten bis nach Schwabing (wo Fräulein Ebermayer wirkte), machte eine ganze Gruppe von Herzogpark-Kindern gemeinsam: Gretel Walter, wir, Ricki, die hübschen Söhne und das schnippische Töchterlein des Generals Krafft von Delmensingen.“Klaus Mann: Kind dieser Zeit, mit einem Nachwort von Uwe Naumann, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1967/2000, S. 45

Mit Schreiben vom 17. September 1917 wird der Schuleintritt von Clemens von Fugger gemeldet.

Prinzessin Irmingard von Bayern berichtet in einem Kapitel Privatschule folgendes:

Einzelnachweise

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