Die Kesselschlacht bei Smolensk vom 10. Juli bis zum 10. September 1941 war eine Schlacht zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee während des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Zweiten Weltkrieg. Namensgebend ist die Stadt Smolensk am Dnepr im Westen Russlands nahe zu Weißrussland.
Neben der großen am 5. August abgeschlossenen Smolensker Kesselschlacht umfasst die großräumig geführte Operation auch weitere deutsche Angriffe und mehrere sowjetische Gegenangriffe: Schlacht um Mogilew (12. – 26. Juli 1941) Schlacht um Bobruisk (13. – 17. Juli 1941) Rogatschew-Shlobiner Operation (13. – 24. Juli 1941) Schlacht um Gomel (12. – 19. August 1941) Offensive um Duchowschtschina (8. August – 8. September 1941) Jelnja-Offensive (30. August – 8. September 1941) Roslawl-Nowosybkower Operation (30. August – 12. September 1941)
Hintergrund Nach der Niederlage in der Kesselschlacht bei Białystok und Minsk, in der drei sowjetische Armeen der Westfront zerschlagen worden waren, baute die Rote Armee Anfang Juli 1941 in der Gegend um Smolensk mit insgesamt 42 Divisionen eine neue Verteidigungslinie auf. Vier bisher in Reserve befindliche Armeen (19., 20., 21. und 22.) sollten einen Übergang der Heeresgruppe Mitte über die Flüsse Dnepr und Westliche Dwina sowie die „Landbrücke“ zwischen Witebsk, Orscha und Smolensk verhindern. Die Hauptstadt Moskau war nur noch 400 Kilometer entfernt.
Aufmarsch Den Befehl über die Westfront hatte am 29. Juni Generaloberst Andrei Iwanowitsch Jerjomenko übernommen, nachdem der bisherige Frontbefehlshaber Dmitri Grigorjewitsch Pawlow wegen „Versagens“ abberufen worden war. Am 2. Juli übernahm schließlich Marschall Semjon Konstantinowitsch Timoschenko die Front, der am gleichen Tag die fünf Reservearmeen sowie die sich noch formierende 16. Armee unterstellt wurden. Zusätzlich wurden der Westfront sechs bisher noch nicht eingesetzte Mechanisierte Korps mit insgesamt mehr als 2000 Panzern als Ersatz für die bisherigen Verluste unterstellt und von der Stawka die Mobilisierung und Bereitstellung weiterer Reserven beschleunigt. Fünf neu formierte Armeen waren in der ersten Staffel auf breiter Front zwischen Idriza im Norden und Retschiza im Süden aufmarschiert.
mini|links|Kämpfe um den Zugang zur Dnepr-Dwina-Linie Anfang Juli 1941
Auf der rechten Flanke der Westfront verteidigte die 22. Armee unter Generalleutnant F. A. Jerschakow, an seiner linken Flanke deckte die 19. Armee unter Generalleutnant I. S. Konew. Die im deutschen Hauptangriffsfeld liegende 20. Armee unter Generalleutnant P. A. Kurotschkin versuchte die Angriffe zwischen Witebsk und Orscha zu stoppen. Südlich davon – noch am linken Ufer des Dnjepr bis Rogatschew operierte die 13. Armee unter Generalleutnant Remesow. Die Truppen der 21. Armee unter Generaloberst Kusnezow standen am Südflügel der Front zwischen Rogatschew bis Retschiza. Zwischen der 13. und 21. Armee zogen sich die Reste der aus dem Kessel von Minsk entkommenen 4. Armee (Oberst Sandalow) zurück. In der zweiten Staffel der Front – wurde zunächst zum Schutz von Smolensk zusätzlich die 16. Armee (32. und 44. Schützenkorps) unter Generalleutnant Michail F. Lukin konzentriert. Zur Unterstützung dieser Armeen waren mehrere mechanische Korps aus der Reserve freigegeben: 5. Mechanisiertes Korps (13. und 17. Panzerdivision sowie 109. mot. Schützendivision) unter Generalmajor Alexejenko 7. Mechanisiertes Korps (14. und 18. Panzerdivision sowie 1. mot. Schützendivision) unter Generalmajor Winogradow 20. Mechanisiertes Korps (26. und 38. Panzerdivision sowie 210. mot. Schützendivision) unter Generalmajor N. D. Wedenejew 23. Mechanisiertes Korps (48. und 51. Panzerdivision sowie 220. mot. Schützendivision) unter Generalmajor M. A. Mjasnikow 25. Mechanisiertes Korps (50. und 55. Panzerdivision sowie 219. mot. Schützendivision) unter Generalmajor Kriwoschein 27. Mechanisiertes Korps (9. und 53. Panzerdivision sowie 221. mot. Schützendivision) unter Generalmajor Petrow
Einleitungskämpfe Auf deutscher Seite übernahm am 3. Juli Generalfeldmarschall Günther von Kluges Armeeoberkommando 4 die Kontrolle über die beiden Panzergruppen der Heeresgruppe Mitte, um mit diesen den Übergang über die Flusslinie zu erzwingen, während die Infanteriedivisionen der 9. und 2. Armee noch mit der Ausräumung des Kessels von Minsk beschäftigt waren.
Am 5. Juli hatte die 3. Panzer-Division (XXIV. Armeekorps (mot.)) den Dnepr bei Rogatschew erreicht, die 1. Kavallerie-Division stand am Südflügel der Panzergruppe 2 ostwärts von Sluzk, die 4. Panzer-Division forcierte den Dnepr bei Stary Bychow. Die 10. Panzer-Division erkämpfte bei Beresino einen weiteren Übergang über die Beresina und die 10. Infanterie-Division (mot.) erreichte Bobruisk. Teile der 17. Panzer-Division wurden auf Borissow vorgezogen, während die 18. Panzer-Division den Natscha-Abschnitt erreichte.
mini|Vormarsch eines deutschen Panzer IV
Am 4. Juli errichtete die Panzergruppe 3 westlich von Witebsk einen Brückenkopf am Ostufer der Düna. Am 3. Juli überquerte die 19. Panzer-Division des LVII. Armeekorps (mot.) die westliche Düna in der Nähe von Disna. Teile des XXXIX. Armeekorps (mot.) besetzten Lepel, Vorausabteilungen erreichten den Ula-Abschnitt und Beschenkowitschi. Vom 6. bis 9. Juli wurde ein Gegenstoß der sowjetischen 17. und 18. Panzerdivision in der Schlacht von Senno durch die von der deutschen Luftwaffe massiv unterstützte 7. Panzer-Division abgefangen.
Nach Anweisungen des Generalfeldmarschalls von Bock sollte General Heinz Guderians Panzergruppe 2 den Hauptstoß auf Smolensk entlang der Straße von Borissow über Orscha führen, während General Hermann Hoths Panzergruppe 3 nördlich über Polozk (mit einem Nebenstoss auf Newel) und Witebsk vorgehen sollte. Die Panzerspitzen beider Gruppen sollten sich bei Jarzewo, 50 Kilometer nordöstlich von Smolensk, treffen und so – zusammen mit der nachrückenden Infanterie – den Kessel um die Verteidiger schließen.
Vergleich der Kräfte