Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Mongolei gehen vor allem auf die Deutsche Demokratische Republik und die Mongolische Volksrepublik zurück. Dank Ausgabe vieler Stipendien und großen Wirtschaftshilfen zur Zeit des Kalten Krieges, ist die deutsche Kultur auch heute noch fest in der Mongolei verankert. So sprechen noch ca. 30.000 Mongolen die deutsche Sprache.Daniel Friedrich Sturm: Warum die Mongolen Deutschland lieben, Die Welt, 3. März 2015, abgerufen am 27. Januar 2016 Deutschland ist zudem mit einem bilateralen Handelsvolumen von 126 Millionen Euro nach Großbritannien der wichtigste Handelspartner der Mongolei in der Europäischen Union.Auswärtiges Amt: Beziehungen zwischen der Mongolei und Deutschland, Stand: August 2015, abgerufen am 27. Januar 2016
Geschichte Die erste Begegnung zwischen den deutschen Völkern und den Mongolen fand 1241 bei der Schlacht von Liegnitz statt. Trotz eines Sieges der Mongolen zogen sich die Truppen des mongolischen Prinzen Baidar Khan in Richtung Ungarn zurück.Bettina Ehlers: Kompendium der deutsch-mongolischen Beziehungen. Hamburg 2000, S. 40, siehe Literatur, ().
Erste Kontakte (1776–1930) Die nächste Begegnung fand erst 1776 statt, als Peter Simon Pallas seine Arbeit „Sammlung historischer Nachrichten über die mongolischen Völkerschaften“ publizierte. In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Werke zur Mongolei und ihrer Kultur von verschiedenen Schriftstellern veröffentlicht.
1909 unternahm der deutsche Ethnograph und Forschungsreisende Walther Stötzner eine Expedition, die auch in die Mongolei und nach Kleinasien gehen sollte. Zu dieser Zeit war die Mongolei noch eine Provinz Chinas. Diese war zu dieser Zeit noch ein waghalsiges Unternehmen. Stötzner reiste zunächst vom Kaukasus über Buxoro und Samarqand bis Taschkent und mit der Bahn weiter nach Sibirien, um dann von Bijsk (Südsibirien) auf eigenen Pferden quer über das Altaigebirge und durch die ganze, weite Mongolei bis Peking zu reiten.
1921 wurde im damaligen Niislel chüree (heute Ulaanbaatar) die erste deutsch-mongolische Handelsgesellschaft gegründet. Im Zuge dessen errichteten deutsche Geschäftsmänner die ersten Handelsfilialen in der Mongolei. Wenig später wandten sich auch Diplomaten der Mongolei zu. In den folgenden Jahren wurden vor allem deutsche Maschinen in die Mongolei exportiert.
Im Jahre 1924 und 1926 engagierte sich der mongolische Kultusminister Erdeniin Batuchan in der Weimarer Republik für mongolische Schüler und Studenten in Deutschland.Serge M. Wolff: Mongol delegations in Western Europe, 1925–1929 – Part One, in: Journal of The Royal Central Asian Society, Jg. 32 (1945), Nr. 3–4, S. 289–298, .Serge M. Wolff: Mongol delegations in Western Europe, 1925–1929 – Part Two. In: Journal of The Royal Central Asian Society, Jg. 33, Nr. 1 (1946), S. 75–93, .Serge M. Wolff: Mongolian Educational Venture in Western Europe (1926–1929), The Mongolia Society Bulletin, Jg. 9, Nr. 2 (17) (1970), S. 40–100.
Im gleichen Jahr noch spannten sich die deutsch-mongolischen Beziehungen aufgrund von Spionageanschuldigungen gegenüber deutschen Kaufleuten stark an. Dies ist vor allem auf den sich in der Mongolei ausbreitenden Stalinismus, welcher Deutsche als negativen kapitalistischen Einfluss sah, zurückzuführen. Bis 1930 hatten sich alle deutschen Kaufleute aus der Mongolei zurückgezogen.Bettina Ehlers: Kompendium der deutsch-mongolischen Beziehungen. Hamburg 2000, S. 40–41, siehe Literatur, ().
Beziehungen zwischen der DDR und der Mongolei (1950–1990) Politik Bis 1950 gab es keine diplomatischen Beziehungen der deutschen Staaten zur Mongolei. Am 13. April 1950 wurden diese seitens der DDR aufgrund gleicher Ausrichtung der politischen Ideologie als Teil des Ostblocks wieder aufgenommen. Die engen Beziehungen beider Staaten drückten sich vor allem durch Wirtschaftshilfen und Stipendien für mongolische Studenten in Deutschland aus. Während des Bestehens der DDR fand eine Vielzahl an Staatsbesuchen beider Seiten statt, um die Beziehung beider Staaten zu stärken. So wurde die DDR zum wichtigsten Partner der Mongolei in Europa.
Im Folgenden eine Auflistung der wichtigsten Staatsbesuche zwischen der DDR und der Mongolei:Bettina Ehlers: Kompendium der deutsch-mongolischen Beziehungen. Hamburg 2000, S. 41 f., siehe Literatur, ().
Datum Name Amt Besuchsort Grund 1955 Otto Grotewohl DDR-Ministerpräsident Mongolei Aufnahme von Handelsbeziehungen 1957 Jumdschaagiin Tsedenbal Erster Sekretär der Mongolischen Revolutionären Volkspartei DDR Abschließen des Freundschaftsvertrages 1960 Heinrich Rau Stellvertretender Ministerpräsident & Handelsminister Mongolei 1968 Willi Stoph DDR-Ministerpräsident Mongolei Abschließen des erweiterten Freundschafts- und Zusammenarbeitsvertrages 1969 Jumdschaagiin TsedenbalErster Sekretär der Mongolischen Revolutionären Volkspartei DDR Gast des 20. Jahrestages der DDR 1973 Erich Honecker Generalsekretär der SED Mongolei Verlängerung des Freundschafts- und Zusammenarbeitsvertrags 1977 Jumdschaagiin Tsedenbal Erster Sekretär der mongolischen Revolutionären Volkspartei DDR Unterzeichnung eines neuen Freundschafts- und Zusammenarbeitsvertrages
Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft Durch den Besuch des DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl im Jahre 1955 wurden Handelsbeziehungen zwischen den beiden Staaten aufgebaut. Diese beruhten vor allem auf Entwicklungshilfen seitens der Deutschen Demokratischen Republik. Im Zuge dessen, wurden zwischen 1960 und 1984 viele verschiedene Fabriken, unter anderem eine Streichholzfabrik, eine Teppichfabrik und ein Fleischkombinat, errichtet. Auch stimmten die DDR und die Mongolei einer Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Bergbaus zu. Zudem wurde im November 1968 ein Ausschuss für wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit gegründet und im September 1973 eine gegenseitige Anerkennung von Schul- und Universitätsabschlüssen vereinbart.
Beziehungen zwischen der BRD und der Mongolei (1974–2000) Vor der Wiedervereinigung (1949–1990) Die Bundesrepublik Deutschland nahm am 31. Januar 1974 erstmals Kontakt mit der Mongolei auf und bemühte sich um diplomatische Beziehungen. Im Jahre 1989 wurden in München etwa 300 Exponate aus mongolischen Museen über die „Kunst und Kultur des mongolischen Reitervolkes“Prause, Gerbard, Reich der Reiter. Die hohe Kultur eines alten Volkes, Die Zeit vom 13. Oktober 1989, abgerufen am 27. Januar 2016. ausgestellt.
Nach der Wiedervereinigung (1990–2000) Politik Seit der Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland finden eine Vielzahl von Besuchen verschiedener hochrangiger deutscher und mongolischer Politiker und Delegationen statt, um die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei zu stärken.
Im Folgenden eine Auflistung der wichtigsten Staatsbesuche von 1990 bis 2000:Bettina Ehlers: Kompendium der deutsch-mongolischen Beziehungen. Hamburg 2000, S. 43–45, siehe Literatur, ().
Datum Name Amt Besuchsort September 1990 Regierungsdelegation BMZ Mongolei Juni 1991 Tserenpiliyn GombosürenDer mongolische Außenminister Tserenpil Gombosuren wurde vom Präsidenten der Industrie- und Handelskammer der Mongolei Sed-Ochir Bayarbaatar begleitet (Bettina Ehlers: Kompendium der deutsch-mongolischen Beziehungen, Hamburg 2000, vgl. S. 43, siehe Literatur) Mongolischer Außenminister DeutschlandSeptember 1991 Dieter-Julius Cronenberg Vizepräsident des Deutschen Bundestages Mongolei Februar 1992 Daschiin Bjambasüren Ministerpräsident der Mongolei Deutschland Juli 1992 Helmut Schäfer Staatsminister im Auswärtigen Amt Mongolei August 1992 Carl-Dieter Spranger Bundesminister des BMZ DeutschlandJanuar 1993 Natsagiin Bagabandi Mongolischer Parlamentspräsident DeutschlandNovember 1994 Lchamsürengiin Enebisch Stellvertr. Ministerpräsident DeutschlandDezember 1994 Tschoidschilsürengiin Pürewdordsch Stellvertr. Ministerpräsident DeutschlandFebruar 1995 Dschambyn Gombodschaw Stell. Vorsitzender des mongolischen Parlaments DeutschlandJuli 1995 Burkhard Hirsch Vizepräsident des Deutschen Bundestages Mongolei September 1995 Punsalmaagiin Otschirbat Staatspräsident der Mongolei Deutschland Februar 1996 Tschoidschilsürengiin Pürewdordsch Stellvertr. Ministerpräsident Deutschland Mai 1996 Luwsandschawyn Nandsad Justizminister der Mongolei Deutschland September 1996 Klaus Kinkel Bundesminister des Auswärtigen Mongolei Oktober 1996 Radnaasümbereliin Gontschigdordsch Mongolischer Parlamentspräsident Deutschland Dezember 1996 Dschügneegiin Amarsanaa Justizminister der Mongolei Deutschland September 1997 Schücheriin Altangerel Mongolischer Außenminister Deutschland September 1997 Tschültem Lchagwadschaw Minister für Bildung und Wissenschaft der Mongolei Deutschland März 1998 Puntsagiin Tsagaan Finanzminister der Mongolei Deutschland Mai 1998 Sandschaasürengiin Dsorig Minister für Infrastruktur der Mongolei Deutschland September 1998 Roman Herzog Deutscher Bundespräsident Mongolei September 1999 Njam-Osoryn Tujaa Außenministerin der Mongolei Deutschland
Wirtschaft Am 22. August 1994 verabschiedeten die Bundesrepublik Deutschland und die Mongolei ein Doppelbesteuerungsabkommen, um die Doppelbesteuerung von deutschen bzw. mongolischen Staatsangehörigen zu vermeiden.Internationales Steuerrecht – Doppelbesteuerungsabkommen Mongolei, abgerufen am 27. Januar 2016
Ein Jahr später, im Oktober 1995, unterzeichneten beide Staaten ein Abkommen zur finanziellen Zusammenarbeit.Bekanntmachung des deutsch-mongolischen Abkommens über finanzielle Zusammenarbeit vom 8. Dezember 1995 ()
Eine Delegation des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestags reiste im März 1998 in die Mongolei.
Kultur und Bildung Im Zeitraum von Mai bis Juni 1995 tagte in Ulan Bator die gemischte Deutsch-mongolische Kulturkommission unter Leitung von Peter Truhart.
Am 16. September 1997 wurde zwischen Deutschland und der Mongolei ein Abkommen zum kulturellen Austausch und zur Zusammenarbeit unterzeichnet.Bundesanzeiger: , abgerufen am 27. Januar 2016
Menschen mit mongolischen Wurzeln in Deutschland Munkhbayar Dorjsuren (* 1969), Sportschützin Gan-Erdene Tsend (* 1979), Künstler Galsan Tschinag (* 1943), Schriftsteller
Beziehungen zwischen der BRD und der Mongolei (ab 2000) Höhepunkte der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei sind der Besuch des Deutschen Bundespräsidenten Roman Herzogs in der Mongolei im Jahr 1998 und des Mongolischen Staatspräsidenten Natsagiin Bagabandi in Hannover im Jahr 2000 zum Anlass der Expo 2000.Renate Bormann: 30 Jahre diplomatische Beziehungen Deutschland - Mongolei, Ulan Bator, abgerufen am 27. Januar 2016
Im Jahr 2001 fand im mongolischen Außenministerium in Ulan Bator die erste Konferenz des Mongolisch-Deutschen Forums statt, welche als fachübergreifendes Diskussionsforum für einen freien Gedankenaustausch fungiert. So sollen neue Möglichkeiten für die Zukunft der Zusammenarbeit beider Länder entstehen.Doris Götting: Erste Konferenz des Mongolisch-Deutschen Forums, Ulan Bator, 4./5. September 2001, abgerufen am 27. Januar 2016
2007 unterzeichneten beide Staaten ein Abkommen zur finanziellen Zusammenarbeit, das vor allem aus finanziellen Mitteln bestand und den Wirtschafts- und Finanzsektor der Mongolei stärken sollte.Bekanntmachung des deutsch-mongolischen Abkommens über finanzielle Zusammenarbeit vom 21. Januar 2008 ()
Bundespräsident Horst Köhler besuchte 2008 die Mongolei und unterzeichnete eine „Gemeinsame Erklärung über die umfassenden partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei“.Rachel Gessat: Deutschland und Mongolei bauen Beziehungen aus, 13. Oktober 2011, abgerufen am 27. Januar 2016 Die Erklärung untermauert das Bestreben beider Staaten zur Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen.Rachel Gessat: Deutschland und Mongolei bauen Beziehungen aus, 13. Oktober 2011, abgerufen am 27. Januar 2016