Zur Gewalt gegen Frauen werden psychische, physische und sexuelle Gewalt gerechnet. Die WHO benennt Gewalt als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen. Seit 1999 wird der 25. November als Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen abgehalten. mini|Tag gegen Gewalt gegen Frauen in Bremen 2020
In den vergangenen Jahrzehnten stieg die Sensibilität bezüglich Gewalt gegen Frauen stark an, was zu einer sich verringernden Dunkelziffer führte. In jüngster Zeit förderten auch Social-Media-Bewegungen wie #MeToo diese Entwicklung. Auch Männer engagieren sich gegen Gewalt gegen Frauen. Die Geschichte sich verteidigender, gewaltbereiter Frauen wurde bislang vernachlässigt.
Formen der Gewalt Häusliche Gewalt. Die weltweit am häufigsten auftretende Form von Gewalt gegen Frauen ist physische Gewalt durch eine vertraute Person im häuslichen Lebensbereich. 40 bis 70 % der ermordeten Frauen in Australien, Russland, Israel, Kanada, Südafrika und den Vereinigten Staaten sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren Ehemännern oder Lebensgefährten zum Opfer gefallen. In Kolumbien wird an jedem sechsten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet. In Deutschland steht bei fast jedem zweiten Frauenmord ein dem Opfer nahestehender Mann im Verdacht (BKA 2012). Sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Weltweit wird eine von fünf Frauen in ihrem Leben Opfer von Vergewaltigung oder versuchter Vergewaltigung. In Indien wird alle 21 Minuten eine Frau vergewaltigt. „Die Dunkelziffer dürfte aber weitaus höher liegen, schätzt die Indologin Dorothea Riecker.“ Vergewaltigung als Kriegswaffe wurde u. a. seit den 1990er Jahren in Bosnien, Ruanda, Kongo, Liberia und Syrien eingesetzt. „Allein in Ruanda wurden während des Völkermords 1994 mehr als 250.000 Frauen vergewaltigt und dabei häufig auch mit HIV infiziert.“ Im russisch-ukrainischen Krieg 2022 zählen zu den Kriegsverbrechen von russischen Soldaten auch Vergewaltigungen ukrainischer Frauen und Mädchen. Sexuelle Gewalt im Zweiten Weltkrieg wird seit den 1990er Jahren erforscht. Trostfrauen. Vergewaltigungen und sexuelle Sklaverei von sogenannten Trostfrauen während der japanischen Militäraktivitäten im asiatisch-pazifischen Raum in den 1930er und 1940er Jahren untersuchte im Jahr 2000 das Frauen-Tribunal in Tokio. In Korea löste das Thema der Trostfrauen eine öffentliche internationale Debatte aus. Als Mahnmal wurde trotz japanischer Proteste die Friedensstatue in Berlin-Moabit aufgestellt. Auf der Flucht, beispielsweise von Syrien nach Europa, sind Frauen und Mädchen besonders gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden, darunter auch sexueller Gewalt. 30. Oktober 2015. Mitgiftmorde, ein Verbrechen, bei dem die Frau durch ihren Ehemann oder durch ihre Schwiegereltern umgebracht wird, weil ihre Familie nach der Heirat die Mitgift für die Familie des (neuen) Mannes nicht aufbringen kann, sind in Südasien, v. a. Indien, verbreitet. Ehrenmord. Nach Schätzungen des UN-Weltbevölkerungsberichtes Ending Violence against Women and Girls kommen bei steigender Tendenz jährlich 5000 Frauen weltweit durch sogenannte Ehrenmorde ums Leben. Bei den Tätern handelt es sich überwiegend um männliche Familienangehörige. Mitunter werden sie nach einem traditionellen Regelwerk oder aus strategischen Gründen zur Strafminderung bestimmt. Laut Bericht entgehen die Täter dem eigentlichen Strafmaß ohne Verurteilung oder mit milderen Strafen. Der Bericht vermerkt, dass Ehrenmorde hauptsächlich in Ländern mit einer überwiegend muslimischen Bevölkerung begangen werden, sich allerdings nicht auf diese Länder begrenzen lassen.In: Nafis Sadik: The State of World Population, UNFPA, 2000, S. 29 (pdf) Wolfram Reiss zufolge werden Ehrenmorde an Frauen vermehrt auch in Indien und Brasilien begangen.Wolfram Reiss: Die eigene Tochter wegen der Schande töten, „Ehrenmorde“ in der islamischen Welt, in: Wolfgang Mazal (Hrsg.): Familie und Religion, aktuelle Beiträge aus der interdisziplinären Familienforschung, Budrich UniPress, Opladen, 2010, S. 309. Eine vom Bundeskriminalamt beauftragte Studie auf der Basis von 78 Prozessakten mit dem Titel Ehrenmorde in Deutschland 1996–2005 kam zu dem Ergebnis, dass die Opfer zu 57 % weiblich waren, die mehrheitlich männlichen Täter zu 91 % Migranten aus der ersten Generation.Dietrich Oberwittler, Julia Kasselt: Ehrenmorde in Deutschland 1996–2005. Eine Untersuchung auf der Basis von Prozessakten, Luchterhand, Köln 2011, ISBN 978-3-472-08045-9, S. 90. Zwangsheirat. Nach einem UNICEF-Bericht von 2003 werden weltweit mehr als 51 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren verheiratet. Mehrheitlich handelt es sich bei Eheschließungen von unter 19-Jährigen um Mädchen, nicht Jungen. Wirtschaftlich prekäre Lebensverhältnisse der Familien haben dabei den markantesten Einfluss.Sanyukta Mathur, Margaret Greene, Anju Malhotra: Too Young to Wed. The Lives, Rights, and Health of Young Married Girls, International Center for Research on Women, 2003, S. 2–3 (pdf) Nach einer vom Familienministerium in Deutschland beauftragten Studie aus dem Jahr 2005 gaben 25 % der 143 befragten Frauen mit türkischem Hintergrund, die mit einem türkischen Mann verheiratet waren, an, dass ihnen ihr Ehemann vor der Hochzeit unbekannt war.Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland, pdf Seite 130-131. mini|Öffentliches Plakat des Kinderhilfswerks Plan International (2016) Gewalt bei der Geburt. Studien weisen nach, dass es rund um die Geburt oft zu verbaler und physischer Gewalt kommt. Nach Schätzung der Organisation Human Rights in Childbirth erfahren 40 bis 50 % aller Frauen psychische oder körperliche Gewalt vor, während oder nach der Geburt. Femizid, Abtreibung von weiblichen Föten nach vorgeburtlicher Geschlechtsselektion, Kindstötungen von Mädchen oder systematische Verwahrlosung von Mädchen sind in Süd- und Ostasien, Nordafrika und im Nahen Osten weit verbreitet. In Mexiko sind Entführung, Vergewaltigung, Mord an Frauen unter dem Begriff „Feminicido“ bekannt. Die Verbrechen bleiben meist straflos, kritisieren die Vereinten Nationen und Frauenrechtsgruppen. (Siehe auch: Frauenmorde von Ciudad Juárez) Menschenhandel und Zwangsprostitution: Zwischen 500.000 und zwei Millionen Menschen, davon 80 % Frauen und Mädchen, werden jedes Jahr Opfer von Menschenhandel, Zwangsarbeit oder Zwangsprostitution. Weibliche Genitalverstümmelung: die Hauptverbreitungsgebiete sind das westliche und nordöstliche Afrika (z. B. Ägypten) sowie der Jemen, der Irak, Indonesien und Malaysia. Säureattentate auf Frauen sind besonders in Staaten Südasiens, v. a. Bangladesch, Pakistan, Indien, weit verbreitet sowie auch aus dem Iran berichtet, werden selten angezeigt und bleiben meist straflos. Steinigung, kollektive Hinrichtungsart, zu der speziell Frauen wegen Ehebruchs oder Geschlechtsverkehr vor der Ehe verurteilt werden. In Ländern wie Afghanistan, Iran, Jemen, Nigeria, Saudi-Arabien und dem Sudan wird Steinigung in Anwendung der Scharia praktiziert.Iran: Stop Stoning Forever Campaign. Weitere Informationen zu . mini|hochkant=1.1|Beschreibung des balinesischen Rituals der Witwenverbrennung (Frederick de Houtman, 1597) Diskriminierung von Witwen: In verschiedenen Teilen der Welt werden Witwen diskriminiert. Häufig sind Traditionen die Ursache, beispielsweise das Erbrecht.Owen, Margaret. A World of Widows. Illustrated. Atlantic Highlands, NJ: Zed Books, 1996. 181-183. eBook. Auch die Opferung von Witwen, wie die Witwenverbrennung trat in der Geschichte in verschiedenen Kulturen auf. Obwohl die Witwenverbrennung in Indien praktisch ausgerottet ist, gibt es immer wieder vereinzelte Fälle, wie die aufsehenerregende Witwenverbrennung von Roop Kanwar im Jahr 1987, sowie einige Zwischenfälle in ländlichen Gegenden 2002, 2006, 2014 und 2015,Widow's burnt body sparks suspicion of 'sati', Deccan Herald, 2. April 2015 bei denen es den Angehörigen nicht gelang, eine 70-jährige Witwe davon abzuhalten, auf den brennenden Scheiterhaufen ihres Mannes zu springen. In einigen Strömungen des Hinduismus ist das Witwentum mit extremer Ausgrenzung verbunden. Es wird von Witwen erwartet, sich eine Glatze zu scheren. Sie dürfen weder Schmuck noch den roten Punkt auf der Stirn tragen und müssen barfuß laufen. Auch dürfen sie nur noch Kleider aus grobem weißen Baumwollstoff tragen und weder Fleisch essen noch an Festen teilnehmen. Viele mittellose, von der Familie verstoßene hinduistische Witwen gehen in die Stadt Vrindavan, um dort bettelnd den Rest ihres Lebens zu verbringen. Diese Diskriminierung wird ebenfalls dafür verantwortlich gemacht, dass hinduistische Witwen in den Selbstmord getrieben werden.Seelen im Tod vereint, Rainer Paul, Spiegel, 11. Januar 1999Glorification of Sati' Outlawed in India, Hinduismus Today, Dezember 1988, letzter Absatz Mehrfachdiskriminierung. Vielfach werden Menschen aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft und sozialer Stellung mehrfach diskriminiert und bedroht. Schwarze Frauen sind häufig Opfer von tödlicher Gewalt in Brasilien. Laut einer Studie von 2020 wird dort alle zwei Stunden eine farbige Frau aufgrund von Machismo und Armut getötet. Die verschiedenen Diskriminierungen zur Intersektionalität werden in den Sozialwissenschaften erforscht.
Sozialräumliche Unterschiede Neben Mehrfachdiskriminierungen und spezifischen Umständen beobachtete eine Studie aus den Vereinigten Staaten und weiteren Ländern auch den Zusammenhang zwischen sozialräumlicher Infrastruktur und Häufigkeit der Gewalterfahrungen. Demnach erführen signifikant mehr Frauen im ländlichen Raum häusliche Gewalt und berichteten von größeren Verletzungen als Befragte im urbanen Kontext.
Gewalt gegen Mädchen Gewalt gegen Mädchen gibt es in vielerlei Formen: als häusliche Gewalt, Mädchenhandel, sexueller Missbrauch, Zwangsverheiratung, Gewalt an Schulen, Weibliche Genitalverstümmelung. Weltweit gesehen ist Gewalt die häufigste Todesursache von jungen Mädchen. Nach einer weltweiten Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) über Gewalt gegen Kinder und Jugendliche aus dem Jahr 2014Hidden in Plain Sight. A statistical analysis of violence against children, United Nations Children’s Fund, New York September 2014, ISBN 978-92-806-4767-9, Digitalisat (PDF; 29,7 MB). ist nahezu jedes dritte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren, das in einer Partnerschaft lebt, Opfer emotionaler, körperlicher oder sexueller Misshandlung. Nach Schätzungen macht jedes zehnte Mädchen auf der Welt in seinem Leben die Erfahrung, zum Geschlechtsverkehr gedrängt oder gezwungen zu werden.
Prävalenz und Studien Deutschland Rechtsprechung Bis 1992 war die Vergewaltigung auf den erzwungenen Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe beschränkt, eine Vergewaltigung in der Ehe gab es schon rein begrifflich nicht. Zwischen 1992 und 2004 war die Vergewaltigung in der Ehe ein Antragsdelikt. Seit 2004 ist auch die Vergewaltigung unter Ehepartnern ein Offizialdelikt.
In der Rechtsprechung, die in der Mehrzahl von Männern (etwa 70 %) geprägt ist, werden oft auffallend milde Urteile gefällt. Dabei wird das Verhalten der vergewaltigten Frau oft genauer angeschaut als das des Vergewaltigers. Die Silvesternacht Köln 2015 beschleunigte die Verschärfung des Sexualstrafrechts.Gabriela Herpell: Ist sie nicht auch ein bisschen selbst schuld?; abgerufen am 8. Oktober 2024.
Prävalenzstudie