Ermione (deutsch: Hermione) ist eine Oper (Originalbezeichnung: „azione tragica“) in zwei Akten von Gioachino Rossini (Musik) mit einem Libretto von Andrea Leone Tottola nach Jean Racines Andromaque von 1667. Die Uraufführung erfolgte am 27. März 1819 im Teatro San Carlo in Neapel.
Handlung
Die Handlung spielt nach dem Fall Trojas im Trojanischen Krieg in Buthrote, der Hauptstadt von Epirus. Die überlebenden Trojaner befinden sich in der Hand König Pirros (Neoptolemos/Pyrrhos) in Epirus, unter ihnen Andromaca (Andromache, die Witwe Hektors), und ihr kleiner Sohn Astianatte (Astyanax). Pirro begehrt Andromaca und hat sich von seiner Geliebten Ermione (Hermione, Tochter Menelaos’ und Helenas), abgewendet, die sich damit jedoch nicht abfinden will. Ermione hat ebenfalls einen Verehrer: Oreste (Orestes, Sohn Agamemnons), der sich als Abgesandter in Epirus aufhält, um im Namen der griechischen Könige den Tod Astianattes, des Erben der trojanischen Königslinie, zu fordern. Nachdem Pirro Andromaca durch Erpressung zur Heirat überredet hat, fordert die rachsüchtige Ermione Oreste auf, ihn zu töten – verweigert ihm jedoch anschließend seinen Lohn. Während Oreste mit seinen Leuten flieht, bricht Ermione zusammen.
Erster Akt
Unterirdischer Ort, an dem die Gefangenen bewacht werden. Gegen Ende der Nacht
Szene 1. Im Gefängnis König Pirros betrauert der Chor der Trojaner den Untergang ihrer Heimatstadt (Chor: „Troja! qual fosti un dì!“), unter ihnen der schlafende Astianatte. Andromaca und ihre Vertraute Cefisa werden von Pirros Erzieher Fenicio und seinem Diener Attalo hereingeführt. Sie dürfen die Gefangenen für eine Stunde besuchen. Andromaca kümmert sich sofort um ihren Sohn (Cavatine Andromaca: „Mia delizia!“). Attalo versucht, sie zu überreden, dem Werben Pirros nachzugeben, um sich zu retten. Fenicio widerspricht, da er Attalo nicht traut und einen neuen Krieg befürchtet. Andromaca denkt jedoch nicht daran, Pirro zu erhören. Nach Ende der Besuchszeit wird sie fortgeführt.
Außerhalb des Palasts bei den lieblichen Gärten. Tagesanbruch
Szene 2. Cleone erscheint mit einer Gruppe spartanischer Mädchen, die sich zur Jagd vorbereiten (Chor: „Dall’Oriente l’astro del giorno“). Sie versuchen Ermione zur Teilnahme zu überreden. Ermione hat jedoch keine Sinn für Vergnügungen. Sie ist eifersüchtig, da der König sich von ihr abgewandt hat, um Andromaca den Hof zu machen.
Pirro kommt hinzu und fragt die Mädchen nach Andromaca. Ermione erblickt er nicht sofort. Als sie ihn sarkastisch zur Rede stellt, reagiert er zornig (Duett Ermione/Pirro: „Non proseguir! comprendo“). Einige Edelleute melden die Ankunft des griechischen Abgesandten Oreste („Sul lido, di Agamennone il figlio, Oreste è giunto“). Pirro hat böse Vorahnungen, aber Ermione hofft auf seine Hilfe – Oreste war einst ihr Geliebter. Pirro befiehlt den Abgesandten in den Saal zu laden. Auch Andromaca und Ermione sollen an der Versammlung teilnehmen. Er hat vor, dort allen seine Macht zu beweisen. Er entfernt sich mit den Edelleuten.
Ermione befürchtet, dass Pirro Andromaca für sich gewinnen werde. Cleone erinnert sie daran, wie sehr Oreste sie immer noch verehrt. Ermione ist sich über ihre Gefühle im Unklaren.
Majestätischer Palast mit einem reichen und prächtigen Thron an der Seite
Szene 3. Oreste und sein Freund Pilade betreten den Palast. Oreste ist verärgert über das Verhalten Ermiones, die seine Liebe so schroff zurückgewiesen hat. Pilade versucht, ihn zu beruhigen und erinnert ihn an seine Pflichten als Gesandter der Griechen (Cavatine und Duett Oreste/Pilade: „Che sorda al mesto pianto“ – „Ah! come nascondere la fiamma vorace“).
Szene 4. Zu den Klängen eines Marschs treten Pirro und die Großen des Reichs auf, begleitet von Wachen und anderen Höflingen. Ermione, Fenicio und Attalo folgen. Pirro begibt sich zum Thron, und die anderen setzen sich auf seinen Wink auf kostbare Stühle. Oreste und Pilade treten vor den Thron. Schließlich erscheint auch Andromaca. Oreste kann die Anwesenheit Ermiones kaum ertragen. Dass Pirro Andromaca zu sich ruft, weckt wiederum die Eifersucht Ermiones. Oreste trägt nun die Botschaft der Griechen vor: Diese fordern den Tod des kleinen Astianatte, der als Sohn Hektors eine Gefahr für Griechenland darstelle und sich später für den Tod seines Vaters rächen werde. Pirro erklärt, dass er keine Furcht habe und mit der Kriegsbeute nach eigenem Belieben verfahren wolle. Möglicherweise werde Astianatte dereinst gemeinsam mit ihm herrschen (Arie Pirro: „Balena in man del figlio“). Ermione und Andromaca sehen ihre Hoffnungen vernichtet. Als Pirro Andromaca erneut bittet, ihn zu erhören, kann Ermione ihren Zorn nicht mehr zügeln und verflucht ihn. Pirro sagt sich endgültig von ihr los und fordert sie auf, nach Sparta zurückzukehren. Da ein Krieg zwischen Epirus und Griechenland nun unausweichlich scheint, drängt Pilade Oreste zur Abreise. Andromaca will Pirro noch einmal deutlich zu verstehen geben, dass sie niemals seine Gemahlin sein werde.
Gegend außerhalb des Palasts, wie zuvor
Szene 5. Ermione teilt Cleone mit, dass sich ihre Liebe zu Pirro nun in Hass verwandelt habe und sie nach Rache dürste. Cleone meint, Oreste könne ihr dabei helfen. Sie entfernt sich. Oreste kommt und gesteht Ermione seine fortdauernde Liebe. Ihre Gedanken gelten jedoch Pirro. Sie kann Oreste nicht erhören, wünscht aber, dass er Frieden finden möge. Gemeinsam klagen beide über ihren Kummer (Duett Ermione/Oreste: „Amarti?“).
Szene 6. Pirro kommt mit den Edelleuten und seinem Gefolge hinzu, kurz darauf auch Andromaca, Pilade, Fenicio, Attalo, Cefisa und Cleone. Die Edelleute verkünden, dass Pirro sich entschieden habe, zu Ermione zurückzukehren (Chor: „Alfin l'eroe da forte“). Pirro bestätigt, dass er nun seine Pflicht erfüllen und Astianatte den Griechen übergeben wolle, um den Frieden zu sichern. Er bietet Ermione seine Hand – zugleich will er dadurch Andromaca für ihre Zurückweisung strafen. Während Ermione wieder Hoffnung schöpft, reagieren Andromaca, Pilade und Fenicio entsetzt (Nonett: „Sperar poss’io?“). Pirro beauftragt Attalo, Astianatte zu holen. Andromaca bittet Pirro um Bedenkzeit. Sie würde lieber sterben, als ihren Sohn zu verlieren. Als Pirro einzulenken scheint, fühlt sich Ermione verraten. Pilade drängt Oreste erneut zur Abreise. Der erste Akt endet in allgemeiner Bestürzung.
Zweiter Akt
Vorhalle des Palasts. In der Ferne ist das Meer zu sehen, dazwischen prachtvolle Arkaden
Szene 1. Attalo bringt Pirro die Nachricht, dass Andromaca nun bereit sei, ihn zu heiraten, da sie nur so ihren Sohn retten könne. Cleone hat zugehört und macht sich auf den Weg zu Ermione, um es ihr mitzuteilen. Andromaca und Cefisa erscheinen, und Andromaca bestätigt ihr Einlenken. Pirro schickt Attalo zum Tempel, um die Hochzeit vorzubereiten. Auch Astianatte soll freigelassen werden. Andromaca hat jedoch vor, ihren Sohn zu retten, ohne ihrem verstorbenen Gatten Hektor untreu zu werden: Pirro soll schwören, Astianatte zu schützen. Dann will sie sich selbst töten (Duett Andromaca/Pirro: „Ombra del caro sposo“).
Szene 2. Nachdem Pirro gegangen ist, erscheint Ermione, gefolgt von Cleone und Fenicio. Ermione beschimpft die ohnehin schon verzweifelte Andromaca als verführerische Zauberin. Andromaca verzeiht ihr ihren Ausbruch und entfernt sich. Ermione beauftragt Fenicio, zu Pirro zu gehen und ihn ein letztes Mal an seine frühere Liebe und seine Gelübde zu erinnern (Arioso Ermione: „Dì che vedesti piangere“). Wenn er tatsächlich Andromaca heiraten sollte, will sie sich selbst töten, um ihm ewig treu zu bleiben (Arioso Ermione: „Amata, l’amai“).
Aus der Ferne ist festliche Marschmusik zu hören. In den Arkaden im Hintergrund führt Pirro Andromaca an der Spitze des Hochzeitszugs über die Bühne (Chor: „Premia o Amore sì bella costanza“). Ermione sieht alle Hoffnung schwinden und bricht zusammen.
Szene 3. Ermiones Mädchen und Freundinnen kommen, um Trost zu spenden, aber Ermione denkt nur noch an Rache. Oreste erscheint und beteuert ihr, dass er sie immer noch liebe. Ermione reicht ihm ihren Dolch und fordert ihn auf, seine Liebe zu beweisen und Pirro zu töten. Oreste entfernt sich erschüttert. Cleone und der Chor kommentieren das Geschehen ergriffen (Duett Ermione/Oreste mit Chor: „Il tuo dolor ci affretta“). Ermione verlässt zornig die Szene, gefolgt von den anderen.
Szene 4. Fenicio und Pilade sorgen sich um Pirro, dessen Verhalten einen Krieg zwischen ihren Völkern heraufbeschwört. Sie bitten die Götter um Rettung für Griechenland (Duettino Fenicio/Pilade: „A così trista immagine“). Beide gehen in verschiedene Richtungen fort.
Szene 5. Ermione kehrt aufgewühlt zurück. Sie liebt Pirro noch immer und bereut nun, Oreste zum Mord an ihm aufgestachelt zu haben. Sie entschließt sich, Pirro zu verzeihen und Oreste zurückzurufen (Arie Ermione: „Che feci? Ove son?“ – „Parmi che ad ogn’istante“). Doch dazu ist es zu spät. Oreste erscheint, überreicht ihr den blutbefleckten Dolch und erzählt der entsetzten Ermione, dass sie gerächt sei: Pirro sei im Begriff gewesen, Astianatte zum Mitkönig zu erheben, als sich die Griechen zum Kampf erhoben. Pirro wurde umzingelt, und er habe ihn fallen sehen. Statt Oreste zu danken, nennt ihn Ermione einen Mörder. Er hätte erkennen müssen, dass ihr Herz Pirros Tod nicht wirklich wollte. Oreste fühlt sich von ihr hintergangen.
Letzte Szene. Pilade kommt mit seinen Leuten, um Oreste zur Flucht vor der Rache von Pirros Leuten zu bewegen. Oreste, der den Lebenswillen verloren hat, weigert sich zunächst, wird aber von den Griechen fortgeschleppt. Ermione bricht zusammen.
Gestaltung
Instrumentation
Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:.
Zwei Flöten / Piccoloflöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte Vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen Pauken, Große Trommel, Becken, Triangel Streicher Auf der Bühne: Banda
Musiknummern
Sinfonia mit Chor Erster Akt Nr. 1 Introduktion (Chor, Fenicio, Andromaca, Cefisa, Attalo): „Troja! qual fosti un dì!“ (Szene 1) Nr. 2 Chor (Cleone): „Dall’Oriente l’astro del giorno“ (Szene 2) Nr. 3 Duett mit Chor (Ermione, Pirro): „Non proseguir! comprendo!“ (Szene 2) Nr. 4 Cavatine mit Pertichini (Oreste, Pilade): „Reggia abborrita!“ (Szene 3) Nr. 5 Marsch, Szene und Cavatine mit Chor (Pirro): „Balena in man del figlio“ (Szene 4) Nr. 6 Finale I: Duettino (Ermione, Oreste): „Amarti?“ (Szene 5) Marsch und Chor „Alfin l’eroe da forte“ (Szene 6) Überleitung (Pirro, Cleone, Pilade, Fenicio, Andromaca, Cefisa, Attalo, Oreste, Ermione): „Dal valor de’ detti tuoi“ Nonett (Ermione, Pilade, Pirro, Andromaca, Oreste, Cleone, Cefisa, Attalo, Fenicio): „Sperar poss’io?“ Tempo di mezzo (Pirro, Andromaca, Ermione, Oreste, Pilade, Fenicio): „A me Astianatte!“ Stretta (Ermione, Pirro, Cleone, Cefisa, Oreste, Pilade, Attalo, Andromaca, Fenicio, Chor): „Pirro, deh serbami la fè giurata“ Zweiter Akt Nr. 8 Duett (Andromaca, Pirro): „Ombra del caro sposo“ (Szene 1) Nr. 9 Große Szene (Ermione): Rezitativ (Ermione): „Essa corre al trionfo!“ (Szene 2) Arioso (Ermione): „Dì che vedesti piangere“ Überleitung (Fenicio, Cleone, Ermione): „Ah, voglia il ciel“ Arioso (Ermione): „Amata, l’amai“ Überleitung „Ma che ascolto?“, Marsch und Chor (Cleone, Ermione): „Premia o Amore sì bella costanza“ Arioso (Ermione): „Un’empia mel rapì!“ Tempo di mezzo (Chor, Ermione, Oreste): „Il tuo dolor ci affretta“ (Szene 3) Stretta (Ermione, Cleone, Chor): „Se a me nemiche, o stelle“ Nr. 10 Duettino (Fenicio, Pilade): „A così trista immagine“ (Szene 4) Nr. 11 Finale II (Ermione, Oreste, Pilade, Chor): „Che feci? Ove son?“ (Szene 5)
Musik