mini|Ulrich Schmidl
Ulrich Schmidl bzw. Schmidel, in den Quellen auch Utz Schmidl (* 1510 in Straubing; † 1580/1581Dorit-Maria Krenn, Stadtarchiv Straubing: Ulrich SchmidlDora Stürber: in Regensburg) war ein deutscher Landsknecht in Diensten der Konquistadoren, Patrizier, Entdecker, Chronist und Ratsherr. Schmidl ist, neben Hans Staden, einer der wenigen Landsknechte, die ihre Erlebnisse niedergeschrieben haben.
mini|Buenos Aires kurz nach seiner Gründung 1536
mini|1563, ULRICH SCHMIDL VON STRAUBING, Wappen am Wohnhaus in Regensburg, Neupfarrplatz
Leben Herkunft Ulrich Schmidl wurde um 1510 als einer von drei Söhnen des angesehenen Straubinger Patriziers und Bürgermeisters Wolfgang Schmidl geboren. Dieser hatte in Ingolstadt an der damals einzigen bayerischen Universität Mathematik und Jura studiert. Nach Abschluss seines Studiums 1504 nahm er das Amt des Stadtkämmerers in Straubing an. Ferner amtierte er bis 1511 viermal als Bürgermeister. Wolfgang Schmidls älterer Sohn aus erster Ehe – Thomas Schmidl – übernahm ab 1524 das Bürgermeisteramt. Ulrich Schmidl, der sich laut Quellen selbst Utz oder Uz nannte, entstammte Wolfgang Schmidls zweiter Ehe.
Jugend Über seine Jugend ist ansonsten wenig bekannt.Bartolomé Mitre: Ulrich Schmídel primer historiador del Río de la Plata. Notas bibliográficas y biográficas, Kapitel 4 Biografía de Schmídel. In: Ulrich Schmídel: Viaje al Río de la Plata (1534–1554); Buenos Aires: Cabaut, 1903. Nach Abschluss der Lateinschule hätte Ulrich aufgrund seiner Herkunft womöglich ebenfalls zu höheren Würden gelangen können, doch diente er vermutlich dem Habsburger Reich als Landsknecht unter Karl V., was aufgrund der politischen Situation im Heiligen Römischen Reich zu dieser Zeit plausibel erscheint (Krieg gegen Franz I. von Frankreich, Krieg gegen die nordafrikanischen Mauren und Türken, welche 1529 erstmals Wien belagern), Niederschlagung des großen deutschen Bauernaufstandes 1525.
Reise in die La-Plata-Gegend Erst ab 1534 erfahren wir mehr über Schmidl, als er sich als deutscher Landsknecht zusammen mit rund 3000 anderen Teilnehmern an der vom Adelantado Don Pedro de Mendoza y Luján befehligten Südamerikaexpedition an die Mündung des Río de la Plata im heutigen Argentinien beteiligte, einer der größten bis dahin ausgerüsteten Armadas in die Neue Welt. Schmidl lebte und kämpfte dort fast 20 Jahre lang. Er gehörte zu den Mitgründern der heutigen argentinischen Hauptstadt Buenos Aires im Februar 1536 und war an der ersten Gründung der späteren Stadt Asunción im heutigen Paraguay im Januar 1537 beteiligt. Seine Reise führte ihn über den Río Paraná und Río Paraguay nach Norden, wo er an mehreren Expeditionen in den Gran Chaco teilnahm, die ihn bis hoch ins südöstliche Bolivien führten. Über seine Erlebnisse am Río de la Plata verfasste er 1567 einen Bericht in deutscher Sprache, der als wahrhafftige Historien einer wunderbaren Schiffahrt 1599 in Nürnberg veröffentlicht wurde.Ulrich Schmídel: Viaje al Río de la Plata (1534–1554); Buenos Aires: Cabaut, 1903. Damit gilt er zusammen mit Álvar Núñez Cabeza de Vaca als erster Geschichtsschreiber Argentiniens und Paraguays.
Nach der Expedition Motiviert durch einen Brief seines Bruders Thomas, brach Schmidl im Frühjahr 1553 mit einem Sklaven und wenigen Beutestücken zurück nach Deutschland auf, um sein lukratives Erbe anzutreten.Enrique de Gandía: Una expedición de mujeres españolas al Río de la Plata, en el Siglo XVI. In: ders.: Indios y conquistadores en el Paraguay. Libr. García Santos, Buenos Aires 1932, S. 117–147 (zuerst als Vortrag gehalten in Buenos Aires am 3. Oktober 1931 bei der Amerikanischen Gesellschaft für Geschichte und Numismatik). Nachdruck u. a. in der Zeitschrift Yachting Argentino (dort in zwei Teilen veröffentlicht, Buenos Aires 1944, ). Er kam am 26. Januar 1554 in Straubing an. Thomas starb im selben Jahr am 20. September 1554; Ulrich erbte das Vermögen seines Bruders und wurde Ratsherr. Zwischen 1557 und 1562 schrieb er seinen Reisebericht nieder, heute bekannt als „Stuttgarter Handschrift“. Weil er sich zum Luthertum bekannte, musste er Straubing jedoch verlassen und ging 1562 nach Regensburg, wo er es bis zu seinem Tod 1579 zu großem Reichtum brachte.
Schmidls Südamerikareise Ziel der Expedition und Auftraggeber Obwohl sich zu dieser Zeit erst zwei spanische Flotten in die La Plata Gegend vorgewagt hatten (eine unter der Leitung des Juan Díaz de Solís im Jahr 1515 und eine weitere unter Sebastiano Caboto 1526 bis 1530) und auch die Ausbeute der beiden Seefahrer eher spärlich war, glaubte der spanische Kaiser Karl V. ebenso wie die Konquistadoren selbst den Aussagen der Indianer, von denen sie den Schatz erbeutet hatten, sie hätten die Dinge (hauptsächlich Silberschmuck) aus einem fernen Königreich im Westen erobert. Man konnte nicht ahnen, dass es sich um Tauschware bzw. erste Proben des noch ungekannten Inkareichs handelte, und gab dem Fluss, auf welchem sich beide Expeditionen bewegt hatten, den trügerischen Namen „Río de la Plata“ („Silberfluss“). Die Silberstücke weckten phantastische Vorstellungen vom vermeintlichen Silberland Argentinien nach Cabotos Rückkehr 1530 mit nur einem Schiff und der Hälfte seiner ursprünglichen Besatzung.
Kaiser Karl V. wollte durch das Erbeuten dieser versprochenen Schätze seine kostspieligen Kriege finanzieren und durch Landsleute vor Ort die Ausdehnung der Portugiesen in Brasilien eindämmen. So schickte er Pedro de Mendoza, einen reichen Höfling, mit einer Flotte aus 260 Mann auf den Weg. Eine der 14 Karavellen stellten die Nürnberger und Augsburger Welthandelshäuser Jakob Welser und Sebastian Neidhart. Sie bemannten ihre Schiffe mit Angestellten und Söldnern, unter anderem aus Antwerpen und aus anderen Orten Angereisten. So auch Ulrich Schmidl. Er selbst berichtet:
„Auch 2500 Spanier und 150 Hochdeutsche, Niederländer und Sachsen warteten darauf, unter dem Befehl des Offiziers, Hauptmann Pedro de Mendoza, die Reise anzutreten.“
Am 24. August 1535 stach die aus zwei Galeonen, zwei Karavellen, einer Nao und mehreren kleineren Schiffen bestehende Flottille von Sanlúcar de Barrameda, dem Seehafen von Sevilla aus in See. Gegen Anfang des Jahres 1536 erreichten die Eroberer die Mündung des Río de la Plata und errichteten dort Mitte Januar das Fort Nuestra Señora Santa María del Buen Ayre (bei der heutigen argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gelegen).
Dokumentation der Reise
Mit dem Bericht seines Bordgangs in Sevilla beginnt Schmidls in Tagebuchform gehaltene Niederschrift über seine Erlebnisse in Amerika.
Zwar stellen weder die Münchner, noch die Hamburger oder die Stuttgarter Handschrift die Druckvorlage dar, stehen aber in so enger Beziehung, dass sie wahrscheinlich auf ein heute verschollenes gemeinsames Manuskript zurückgehen.
Insgesamt sind vier Handschriften bekannt, die Stuttgarter, die Münchner, die Hamburger und die Eichstätter.
Die Stuttgarter Handschrift
mini|Titelblatt von Schmidls Reisebeschreibung in der Ausgabe von Levinus Hulsius (Gäubodenmuseum Straubing) Man geht davon aus, dass die Stuttgarter Handschrift den von Schmidls handgeschriebenen Reisebericht darstellt, welchen er 1554 zwar binden ließ, aber nie zu einem Drucker brachte. Heute findet man das Manuskript in der Handschriftenabteilung der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart. Dieses Original besteht aus 112 Blättern, in vier Bündel gefasst. Es trägt den Namen:
„Wahrhaftige Historien einer Wunderbaren Schiffart/welche Ulrich Schmidel von Straubing/von Anno 1534 biß Anno 1554 in Americam oder Neuenwelt, bey Brasilia und Rio della Plata gethan. Was er in diesen Neunzehen Jahren außgestanden/vund was für seltsame Wunderbare Länder und Leut er gesehen: durch was Schmidel selbst beschrieben An jetzt aber an Tag geben mit Verbesserung und Corrigierung der Stätt/Länder und Flüssnamen/desgleichen mit einer notizwendigen Landtaffel/Figuren/und anderer mehr Erklerung gezieret Durch Levinum Hulsium.“Titelblatt von Schmidls Reisebeschreibungen in der Ausgabe von Leopold Hulsius, 1602 (Gäubodenmuseum Straubing, Inv. Nr. 56821).
Neben dem genannten Transkript sind im Laufe der Jahre einige weitere entstanden. Die jüngste Transkription stammt von Franz Obermeier aus dem Jahr 2008 mit einem Kommentar.
Dennoch entstanden wohl im 16. Jahrhundert drei Kopien, die Münchner, die Hamburger und die Eichstätter Handschrift. Doch keiner kopierte das Stuttgarter Manuskript. Dieses blieb lange unbekannt und wurde erst 1892 von Johannes Mondschein herausgegeben.
Die Münchner Handschrift
Das Münchner Skript wurde 1889 von Valentin Langmantel aufgelegt. Bis zur Revidierung dieser These 1938 durch Edmundo Wernicke galt das Münchner Manuskript als das von Schmidl ursprünglich verfasste. Das Original ist in der Bayerischen Staatsbibliothek München aufbewahrt und besteht aus 69 Blättern. Es gelangte 1811 von der städtischen Bibliothek Regensburg nach München. Es stellt keine Abschrift der Stuttgarter Handschrift dar. Viele Abschnitte sind verteilt und häufig werden Namen hervorgehoben. Ferner wurden redaktionelle Überarbeitungen geleistet. Der Schreiber der Münchner Handschrift muss gut gebildet gewesen sein, denn er stellt selbständig Ergänzungen zu Schmidls Beschreibungen in Form von Kausalzusammenhängen dar. Der Titel dieses Manuskripts lautet:
„Anno Als Mann Zelltt Nach Christi Unserß Liebenn Herren vnnd Seligmachers Gespurdt Taussett fünffhundertt Vierunddreissig Hab ich Ulerisch Schmidl vonn Straubind diesse nachfolgende Nacionn und Lender von Andorff aus perahare als Hispaniam Indiam und mancherley Innssell gesehen. Mit sunder gefahr Ihn Kriegsleiffenn durch geresit und durch gezogen welche Reiß (so vonn obernentens Jahr aus piß auff das vier und fünfzigste do mir Gott der almechtig wieder zu Lanndt geholffen gewert hatt) Ich Neben dem, so mir samptt dem meinen mit verwannden Ihnn der selben zugestanden und begegnet auff kurztest hirinen beschrieben habe“
Auch dieses Skript wurde transkribiert. So beispielsweise von Markus Tremmel unter dem Titel „Ulrich Schmidl Fahrt in die Neue Welt“ aus dem Jahr 2000.
Die Hamburger Handschrift
Die Hamburger Fassung liegt in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Laut Lehmann-Nietzsche stammt das Schriftstück aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und kam als Geschenk der Gebrüder Wolf mit anderen Dokumenten in besagte Bibliothek. Es umfasst 167 Seiten: Nietzsche beschreibt, dass das Hamburger Manuskript die Kopie eines älteren sei, dabei jedoch eher der Münchner Fassung ähnelt, als dem Hamburger Original. Änderungen wurden in ähnlichem Ausmaß angebracht, wie in der Münchner Handschrift verglichen mit dem vermutlichen Original. Auch der Titel macht dies deutlich:
„Anno Alls man zalte Nach Christi unsers lieben Herrn unnd Seligmachers gebürte Tausent Funffhundert vierunddreisig Hab Ich Ulrich Schmid von Straubing Diese nachuolgende Nationen unnd Lender von Antorff aus Peragirt Alls Hispaniam, Indiam unnd mancherley Insel, Mid sonderer gefahr Inn Krigs leufften durchraiset und gezogen. Elche Raiß, so von obernentem 34 Jahr auß biß auff das vierundfünffzigste (do mir Gott der Almechtig wider Zu Land geholfen) Unnd also 20 Jahr gewehrt Hat. Ich neben dem. So mir sampt meinen Mittverwanndten Inn derselben Zugestanden und begegnet. Auffs Kürzest hierin Beschriebenn habe.“
Der Schreibstil macht das Manuskript von allen anderen unterscheidbar. Eine relativ junge Transkription findet sich im 103. Jahresbericht des Historischen Vereins Straubing von 2001.
Die Eichstätter Handschrift